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Rr. 202. Mittwoch den 31. August 1898
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Amttiches.
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Behufs Um- und Ausbau der Ramsaystraße wird diese Straße vom 1. k. Mts. ab für den Fuhrverkehr auf die Dauer von vier Wochen gesperrt.
Hanau am 29. August 1898.
Königliche Polizeidirektion.
P. 8923 v. Schenck.
Dienstuachrichten aus dem Kreise.
Johann Heinrich Lehr von Windecken ist zum Schweinehirten der Stadtgemeinde Windecken bestellt und verpflichtet worden.
Hanau am 30. August 1898.
Gefunden: Ein weißer Herrnstrohhut mit schwarzem Bande.
Zugelaufen: Ein schwarzer Schäferhund mit braunen
Abzeichen und Halsband, m. Geschl.
Hanau am 31. August 1898.
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Preßstimmen
über den russischen Abrüstungsvorschlag.
Berlin, 30. August. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht einen Leitartikel, betitelt: Der Weltsriede, welcher besagt: Die Einladung des Zaren zu dem Abrüstungskongreß findet in Deutschland warme und aufrichtige Zustimmung, deren sie als ein die Welt überstrahlendes Evangelium echter Friedensliebe bet unserem Kaiser und dem deutschen Volke von vornherein gewiß sein konnte. An dem Tage, wo der Zar das Denkmal des Zarbefreiers enthüllte, umflocht er das eigene Haupt mit dem Lorbeer des Friedenszaren und setzte fich ein unvergängliches Denkmal. Nirgends kann diese That edler Menschenliebe freudiger gewürdigt werden als in unserem Vaterlande, das nach ruhmvollen Kriegen geeint die Bewahrung des Friedens stets allen anderen Zielen vorangestellt hat und große militärische Machtmittel niemals anders als zur Verhütung gewaltsamer Entwicklung aufge- boten hat. Wenn jetzt aus dem Munde des befreundeten Herrschers der Ruf an die Welt ergeht,' diesen beinahe seit einem Menschenalter behaupteten Zustand der Waffenruhe auf neue, mehr Sicherheit verbürgende und weniger Opfer fordernde Grundlogen zu stellen, so wird das starke friedliebende Deutsche Reich die dargebotene Hand gern ergreifen. Die Schwierigkeiten, wie sie jeder große Kulturgedanke von der Entstehung bis zur Verwirklichung durchlaufen muß, sollen uns nur um so eifriger bemüht finden, das hochherzige Programm des Zaren, soweit es an uns liegt, durchführen zu helfen. Aus dem redlichen Streben, die Widerstände gemeinsam zu überwinden, werden die beiden Kaisermächte für die wechselseitigen Beziehungen neuen Gewinn schöpfen, wäre es auch nur die vnzweifelhaste Bekräftigung der werthvollen Einsicht, daß weder Rußland für Deutschland noch Deutschland für Rußland ein Hinderniß aus dem Wege bildet, welcher zum Weltfrieden führen könnte.
Berlin, 30. August. Das offiziöse Telegraphenbureau gibt folgendem Telegramm des Hamburgischen Korrespondenten aus Petersburg weitere Verbreitung: Der Gedankenaustausch zwischen den Kaisern Wilhelm und Nikolaus über die Herstellung eines dauernden Friedenszustandes hat die Identität der Wünsche beider Monarchen festgestellt.
Paris, 30. August. Der „Temps" schreibt: Frankreich begrüße die Initiative seines Verbündeten sympathisch, aber es dürfe sein moralisches Erbe nicht aufgeben, wenn es nicht auf seine Existenzberechtigung verzichten wolle. Nicht nur der Selbsterhaltungstrieb zwinge Frankreich, an die Abrüstungs- srage mit Reserve und Bedenken heranzugehen. Es dürfe auch die seinerzeit in dem Depeschenwechsel zwischen dem Kaiser von Rußland und dem Präsidenten Fairre gebrauchten Worte „Recht und Gerechtigkeit" nicht vergessen, die im Jahre 1871 in bisher nicht wieder gut gemachter Weise verletzt wurden. So lange diese Rechtsverletzung nicht aus- gelöscht sei, würde Frankreich der Durchführung der von Murawiew an gerufenen Grundsätze nur dann zustimmen, wenn es Genugthuung für diese Vergangenheit sich gesichert habe.
Paris, 30. August. Der Herzog von Broglie, General -Larail und mehrere republikanische Exminister erklärten m Interviews übereinstimmend, Frankreich hätte, bevor es zur
Friedenskonferenz Stellung nehme, eine authentische Aeußerung des deutschen Kaisers abzuwarten. Die chauvinistischen Organe üben heute herbste Kritik an dem Rundschreiben, welches gerade in diesem Momente gesteigerter Nervosität in französischen Offizierskreisen äußerstes Befremden errege. Man erinnert auch an Napoleons Fiasko im November 1863. Des Kaisers Einladung zum Friedenskongreß wurde von Lord Ruffel, dem damaligen englischen Premier, mit Hohngelächter ausgenommen, Oesterreich resüsirte rundweg, Preußens Antwort, redigirt von Bismarck, erregte in den Tuilerien geradezu Bestürzung.
Tagesschau.
Von der Marine. Laut telegraphischer Meldungen an das Oberkommando der Marine ist S. M. S. „Kaiser", Kommandant: Kapitän zur See Stubenrauch, mit dem Geschwaderchef, Vizeadmiral von Diederichs an Bord, am 29. in Tandjongpriok (Batavia) angekommen und beabsichtigt, am 7. September wieder in See zu gehen; S. M. S. „Deutschland", Kommandant: Kapitän zur See Plachte, mit dem Chef der II. Division des Kreuzergeschwaders, Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Heinrich von Preußen an Bord, ist am 30. von De Castri nach Baracouta gegangen und beabsichtigt, am 6. September von dort nach Wladiwostok in See zu gehen; S. M. S. „Gefion", Kommandant: Korvettenkapitän Follenius, ist am 29. in Tokuchama angekommen und beabsichtigt, am 21. September nach Tsushima (Japan) in See zu gehen; S. M. S. „Habicht", Kommandant: Korvettenkapitän Schwartzkopff, ist am 29. in Kamerun eingetroffen.
Kaiser Wilhelm-Bibliothek. Trotzdem seit der Veröffentlichung des Aufrufs zur Begründung der Kaiser Wilhelm-Bibliothek in Posen erst einige Wochen verfloffen sind, haben schon mehr als 40 Verlags-Buchhandlungen ihren Beistand zumeist ohne jede Einschränkung dem nationalen Unternehmen zur Verfügung gestellt. Vertreten sind darunter die bedeutendsten Firmen von Berlin, Bielefeld, Braunschweig, Breslau, Dresden, Freiburg, Göttingen, Gotha, Halle, Hamburg, Jena, Leipzig, München, Oldenburg, Posen, Straßburg, Stuttgart, Weimar, Wiesbaden und Würzburg.
Ueber die Versorgung der Hinterbliebenen der Volksschnllehrer nach dem Stande vom 1. April 1898 wünscht der Unterrichtsminister einen eingehenden Bericht zu erhalten und hat demgemäß die Provinzialbehörden mit der Aufstellung der entsprechenden Erhebungen beauftragt. Man vermuthet, daß diese Erhebungen als Material für die vom Minister Dr. Bosse in Aussicht gestellte gesetzliche Regelung der Reliktenversorgung dienen. Bereits im vorigen Jahre hat Dr. Bosse die Einbringung eines solchen Gesetzentwurfs dem preußischen Landes-Lehrerverein zugesichert.
Lemberg, 30. August. In dem von Bränden heimgesuchten Orre Podwoloczyska brach unter der Bevölkerung infolge des nach der neuerlichen Ankündigung au zwei Theilen der Stadt ausgebrochenen Feuers eine derartige Panik aus, daß alle Geschäfte geschlossen werden mußten.
Zürich, 30. August. Im großen Münster wurde von etwa 3000 Deutschen eine große Trauerseier für den Fürsten Bismarck abgehalten.
Aus Stadt- rmd KjMdkrM HKNSW.
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* Bismarck-Nationaldenkwal auf dem Knips- berg. Der Gesammtausschuß für Errichtung eines Blsmarck- denkmals auf dem Knivsberg, dem von Hanau Herr Landtag? abgeordneter E. Junghenn angehört, übermittelt unS folgenden Aufruf: „Dem Fürsten Bismarck errichten deutsche Männer an des Reiches Nordgrenze, aus Nordschleswigs höchstem Punkt, auf dem Knisberg, ein ehrendes Denkmal. Dasselbe soll weithin und allzeit künden des deutschen Volkes Dank gegen den Befreier Schleswig-Holsteius, den Baumeister des deutschen Reiches. ES soll zeugen von deutscher Treue, deutschem Glauben und deutscher Kraft, eine Stütze deS Deutschtums in Nordschleswig, eine deutsche Warte in der Nordmark. Weit hinaus über das inselgeschmückte Meer und das waldbegrenzte Festland wird der stolze Granitbau vom Knivsberg herab seine Grüße senden bis zur Königsau und zu den Düppelhöhen. Er wird ein Wahrzeichen sein deutscher Größe und Einigkeit und immerdar bekunden, daß Schleswig-Holstein „up ewig ungedeelt" deutsches Land sein und bleiben wird. Der Bau hat begonnen. Der größte Theil der Bausumme ist eingegangen. Dank Allen, die mitgeholfen haben! Weitere Mittel find jedoch erforderlich, soll unser schönes Werk vollendet werden würdig unseres großen Kanzlers. Darum richten wir abermals unsere Bitte an Alle, die unsern eisernen Kanzler geehrt und bewundert, an Alle, denen unsere meerumschlungeve Provinz lieb und werth ist, an Alle, die den fünfzigjährigen Gedenktag der Erhebung Schleswig- Holsteins mit uns gefeiert: Helft weiter bauen! bauen für des deutschen Namens Herrlichkeit an des Reiches wiedergewoune- ver Nordgrenze!" — Beiträge nehmen gerne entgegen: Als Mitglied des Gesammtausschusses Herr Landtagsabgeordneter Emil Junghenn - Hanau, sowie die Redaktion des „Hanauer Anzeiger".
* Huldigungsfahrt nach Wien. Infolge veränderter Dispositionen von allerhöchster Seite wird die anläßlich des 50jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers Frarz Josef I. geplante Huldigungsfahrt der im deutschen Reiche lebenden Angehörigen der österr.-ungar. Monarchie nach Wien erst am 20. September d. I. stattfinden. Die offiziellen Feierlichkeiten werden vier Tage in Anspruch nehmen und wird Se. Majestät der Kaiser an einem dieser Tage die Huldigung sämmtlicher Theilnebmer in der Jubiläums < Ausstellung entgegen nehmen. — An dieser unter besonders günstigen Bedingungen stattfindenden Huldigungsfahrt können nicht nur Oesterreich» und Ungarn, sondern auch Angehörige des deutschen Reiches (als Gäste) theilnehmen. Auskunft ertheilt und Anmeldungen nimmt entgegen der österr.-ungar. Verein „Austria" in Frankfurt a. M. z. H. des Herrn A. Blazek, Neue Zeil 55. — Behufs näherer Information findet Freitag, den 2. September d. J. im Restaurant „Taunus", I. Stock, eine Versammlung statt.
* Befördert. Rehfeld, Pr.-Lient. vom 117. Jnf.- Regt. kommandirt als Adjutant bei der 83. Jnf.-Brig/ zum Hauptmann, vorläufig ohne Patent, ernannt.
* Gustav-Adolf-Stiftung. Für die Hauptversammlung des deutschen Gesammtvereins der Gustav-Adolf-Stiftung in Ulm a. D. in den Tagen vom 13. bis 15. September ist das Programm nun definitiv festgestellt. Darnach finden die Begrüßungen am Dienstag, 13. September, nachmittags 3 Uhr, im RathhauSsaal statt, der erste Festgottesdienst tm Münster Dienstag, abends 7 Uhr, der Festzug zum Haupt- festaottesdienst am Mittwoch V*9 Uhr, die öffentlichen Versammlungen in der Dreifaltigkeitskirche Mittwoch 11 Uhr und Donnerstag 9 Uhr. Auf den Schluß-GesangSgottesdienst am Donnerstag Abend wird um 9 Uhr eine Beleuchtung des Münsters mit dem Hauptthurm in farbigem Lichte folgen, deren grcßartige Wirkung vom Münsterfeste im Jahre 1890 her in Vieler Erinnerung ist. Den Theilnehmern des FesteS wird eine reich ausgestattete Festschrift überreicht, die sowohl Geschichtliches über Reformation und Gustav-Adolf in Ulm, alS auch einen Führer durch die Kunstdenkmale des Münsters enthält. DaS Bureau, in dem die ankommenden Gäste und fremden Berichterstatter Festkarten, Tischkarten, Quartier-
Politisch« und unpolitische Nachricht««.
(Depeschen«Buree» »Herold*.)
Berlin, 30. August. Reichskanzler Fürst Hohenlohe ist heute früh aus Rußland hier eingetroffen. Um 10 Uhr hatte der Fürst mit dem Chef der Reichskanzlei, Freiherrn v. Wilmowsky eine eingehende Unterredung.
Berlin, 30. August. Nach einer gestern eingetroffenen telegraphischen Meldung des kaiserlichen Gouverneurs in Kamerun ist der Häuptling Egila, der sich bisher der deutschen Herrschaft nicht fügen wollte, durch den Stationsches von Munde, Premicrlieutenant Dominique besiegt worden. Er hat um Frieden gebeten.
Berlin, 30. August. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des bisherigen Generalkonsuls in Doko- hama, Dr. Schmidt-Leda, zum Minister Residenten in VenezUela.
Kreuznach, 30. August. Gestern Abend sind bei Oberstein zwei Güterzüge zusammengestoßen. Der Materialschaden ist ziemlich bedeutend. Der Verkehr war auf einige Zeit gesperrt.
Wien, 30. August. Der Kaiser wird heute Nachmittag den Baron Banffy und den Grasen Thun, sowie die zur Perfektioviruug des österreichisch-ungarischen Ausgleichs berufenen Fachminister nochmals in gemeinsamer Audienz empfangen, womit die Verhandlungen vorläufig ibren Abschluß finden. Heute -Abend reisen die ungarischen Minister nach Budapest zurück.» '
Budapest, 30. August. Der Dichter Maurus Jokai beruft eine außerordentliche Versammlung des ungarischen Friedensvereins ein, um eine große internationale Aktion anläßlich der Friedenskundgebung des Zaren einzuleiten.
Trieft, 30. August. Hier wüthet seit heute Morgen eine furchtbare Bora. Der Schiffsverkehr ist stark gehemmt.