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Dienstag den 30. August

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für Stadt- und Land- kreis Hanau 10 ^ die 4gespaltene Garmond­zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

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Auswärts 30 ^.

1898

AMMHss.

^taMrd0 ^anau.

Zum Zwecke der Verlegrng des Wafferleitungs-Druck- stranges durch die Nürvbergerstraße wird dieselbe zwischen der Webergosse und der Schnurgaffe für die Zeit vom 31. August bis 10. September d. Js. für den Fuhrwerksverkehr gesperrt.

Hanau am 30. August 1898.

Königliche Polizeidirektion.

P. 8962 v. Schenck.

LicustualyriHten aus dem Kreise.

Gesunden: Ein Regenschirm, im Schloßgarten stehen geblieben. Eine goldne Brache. Ein gelber Damenhandschuh (rechter). Ein Knabenstrohhut.

Hanau am 30. August 1898.

Läßt sich der Friedensgedanke des russischen Kaisers verwirklichen?

(Berliner Original-Brief.)

Gj Seit der bekannten Kundgebung des deutschen Kaisers vom Februar 1890 ist die Welt wohl durch nichts derart überrascht worden, wie durch die Friedenskundgebung des russi­schen Kaisers. Beide Kundgebungen haben äußerlich und innerlich etwas gemeinsam: äußerlich die Idee einer Konfe­renz, innerlich die Absicht, den Frieden unter den Völkern und in den Völkern herzustellen. Edelmuth und Großartig­keit der Absicht ist das Gemeinsame; wird aber auch das Gemeinsame sein, daß die Friedensidee vom August 1898 ebenso scheitert, wie die Kundgebung vom Februar 1890? Es ist sicher, ebenso wie es damals sicher war, daß die Kon­ferenz zusammenkommt, denn keine Regierung kann den Selbst- Herrscher der Reußen so vor den Kopf stoßen, daß sie sich seinem Vorschläge von vornherein versagt; wird aber das Er­gebniß der Konferenz ebenso im Sande verlaufen wie im Winter 1890 ?

Zwei Vortheile für die Erhaltung und Gewährleistung des Friedens hat der Vorschlag des russischen Kaisers in jedem Falle. Zum ersten ist es ein hoher Gewinn, den un­umstößlichen Beweis geliefert zu erhalten, daß der Herrscher eines der wichtigsten Staaten mit aller Macht den Frieden erhalten will; es ist dies um so wichtiger, als gerade in diesem Staate der Herrscher eine weit ausgedehntere Macht besitzt als in allen anderen europäischen Staaten. Zum Zweiten kann der Vorschlag des Kaisers leicht die Möglichkeit haben, daß das Bündniß zwischen Rußland und Frankreich eine Abschwächung erfährt. Denn der Kaiser wird die Er­fahrung machen müssen, daß dieselben Franzosen, die ihn in

Kleines Feuilleton.

Aus Kunst und Leben.

* Z«r Bühnerrreform. Das neueste Heft der Monatsschrift für dramatische Kunst und Litteratur: Deutsche Bühnen kurrst" (Verlag von Avevarius in Leipzig) gibt wiederum Zeugniß von der regen Thätigkeit, welche dieD eutsche Bühnengesellschaft" auf dem Wege zu erstrebender Theater-Reformen in Verfolg praktischer Ziele entwickelt. Als ein solches von weittragender Bedeutung darf die Errichtung eines bürgerlichen Schau­spielhauses in Berlin bezeichnet werden, wie sie seitens der Gesellschaft das Auge gefaßt wurde und. emsig betrieben wird. Unter den Hauptaufgaben, welche ein in wahrem Sinne volksthümiiches Theater zu erfüllen habe, sind sowohl wesentliche Reformen, die den Interessen des Publikums ent- gegenlommen, angeführt, als auch von Professor Dößler dem Aelteren speziell einige dem Wohle der ausübenden Künstler­schaft dienliche genannt.Die Lage der ausübenden drama- tifchen Künstler" so äußert sich Prof. Dößler aus Grund gewissenhaftester Erhebungenist, abgesehen von den wenigen, welche das große Glück haben, an einem Hoftheater ober guten Stadttheater mit Jahreskontrakten plazirt zu sein vielfach entwürdigend. Die Miföre ist an einer großen Anzahl von Provinz- und Stadttheatern geradezu eine zum Himmel schreiende. Die Künstler haben in vieler Beziehung die bittersten und herbsten moralischen wie physischen Leiden durchzumachen und werden sie leider noch weiter durchwachen müssen, wenn nicht endlich Kämpfer für ihr Wohl eintreten, welche den Muth haben, mit Dem altherkömmlichen Unwesen zu brechen." Des Weiteren wird ausgeführt, wie bei dem neu inS Leben tretenden Unternehmen der ominöse Kündi- LungSparagraph vollständig beseitigt werden soll, dessen

der übertriebensten Weise umschmeichelt haben, ihm den Rücken kehren, sobald er sie in die Unmöglichkeit versetzt, ihre Rache­pläne auszuführen. Machen ihm doch schon einige und zwar sogenannte gemäßigte Blätter den Vorwurf, daß er vergessen zu haben scheine, daß Frankreichs Grenzen nicht unverletzt feien. Jede Schwä $u ng des russisch- französischen Bündnisses bedeutet eine Stärkung des Friedens, denn die französische Angriffslust wird verringert, wenn man nicht auf Rußlands Hilfe rechnen darf.

Sie wird verringert, aber sie hört nicht ans. Denn als es noch kein russisch-französisches Bündniß gab und Frank­reich allein einen Krieg hätte führen müsfen, sagte Fürst Bismarck es war am 11. Januar 1887;Ich bin der Meinung, daß der historische Prozeß, der seit drei Jahrhunderten zwischen uns und Frankreich schwebt, nicht be­endigt ist, und daß wir darauf vorbereitet sein müssen, ihn von französischer Seite aus fortgesetzt zu sehen. Die öffentliche Meinung in Frankreich gleicht ge- wissermaßen einer mit Dampf bis zur Explosion gefüllten Maschine und ein Funke kann hinreichen, um das Ventil in die Lust zu sprengen und, mit anderen Worten, einen Krieg herzustellen." Was damals galt, gilt heute ebenso, dafür hat man gerade in der letzten Zeit Beweise genug gehabt.

Neben diesem einen praktischen Grunde, aus d-m die Ver­wirklichung des herrlichen Gedankens des russischen Kaisers so gut wie unmöglich erscheint, zwingen auch Betrachtungen allgemeiner Art daran, den Hoffnungen zu entsagen, die das Kommunique wohl erwecken-, könnte. Will man bei einem Ereigniß Vorschau halten, wie es wohl wirken könnte, so ist es gut, Rückschau zu halten, wie ähnliche Ereignisse gewirkt haben. Da muß man dann an die Heilige Allianz denken, umso mehr, als es gerade ein Ahnherr des russischen Kaisers war, der diese Allianz ins Leben gerufen hat. Auch sie hatte den Zweck, nachdem ungeheure Kriege und furchtbare Kriegsrüstungen die Völker Europas geschwächt hatten, der Welt den Frieden zu sichern. Alle Mächte bis auf England traten der Allianz bei; was aber war das Ergebniß? Im Jahre 181516 wurde sie abgeschlossen, von 18211828 wüthet der griechisch-türkische Krieg, der von 18281830 durch den russisch-türkischen Krieg abgelöst wird. Aber auch den inneren Frieden vermochte die Heilige Allianz den Völkern nicht zu verschaffen. Im Jahre 1820 brechen Unruhen in Sicilien aus, 1821 in Neapel und Piemont, 1823 und 1825 in Spanien und Portugal, 1830 in Frankreich und Belgien, 18301832 in Polen. Und als sich in den 20er Jahren die spanischen Kolonisten von dem Mutterlande trennten, zeigte sich die Ohnmacht der heiligen Allianz vollends.

willkürliche Anwendung zahlreiche Existenzen trotz besten Könnens, Wollens und gewissenhafter Pflichterfüllung schwer schädigen kann und immer ernstlich bedroht. Nur ein fester Jahresvertrag könne dem engagirlen Mitgliede eine sorgenlose nächste Zukunft bieten uno Lust und Liebe zur Kunst in gedeihlicher Weife fördern. In ihren Reform­bestrebungen will die Verwaltung des bürgerlichen Schauspiel­hauses auch die Einrichtung mit aufnehmen, daß wie den Herren so dem Damenpersonal daS historische Kostüm geliefert wird, wodurch den weiblichen Kräften eine große Er­leichterung in der Ausübung künstlerischer Berufsthätigkeit zu Theil werden dürfte. Ein Chorpersonal soll nicht, wie bisher überall gebräuchlich, zur Statisterie und Komparserie heran­gezogen werden; die Verwaltung des bürgerlichen Schauspiel­spielhauses denkt vielmehr nur der Verwendung von Schauspielern und Schauspielerinnen selbst in den kleinsten Sprechrollen ein Feld der Be­thätigung einzuräumen und so zahlreich vorhandenen jüngeren Kräften Gelegenheit zur Ausbildung zu geben, denen viel­fach der Platz an den ständigen Bühnen versagt werden muß, wo sich eine freilich meist unzulängliche Besitzung kleiner Rollen durch Mitglieder des Opernchors eingebügert hat, die sich zum Theil auS ökonomischen Gründen erklärt.

Ein hübsches Geschichtchen von der Reife wird wie folgt mitgetheilt: In Dresden besteigt ein in Meißen und Cölln sehr bekannter Herr (es handelt sich offenbar um den bekannten Schwarzkünstler Deser in Meißen) den Schnell­zug nach Karlsbad, und nachdem man sichs bequem gemacht hat, ist bald eine lebhafte Unterhaltung zwischen den Koupee- genossen im Gange. Zu den letzteren gehörten auch zwei in Gesellschaft ihrer Eltern reisende allerliebste Kinder, ein Knabe und ein Mädchen im Alter von etwa drei und vier Jahren, und diesen machte es natürlich riesiges Vergnügen, als sich so von ungefähr herausstellt, daß derOnkel aus

Was war die Ursache dieser Ohnmacht? Daß die Allianz den Status quo in der ganzen Welt aufrecht zu erhalten be­müht war. Die historische Entwicklung kann aber die Ver­steinerung eines Status quo nicht anerkennen. Es ergeben sich für die Völker politische und wirthschaftliche Nothwendig­keiten, die ihnen aus Gründen der Selbsterhaltung eine Ver­änderung des bestehenden Zustandes anzustreben zur Pflicht macht. Diese Nothwendigkeiten lassen sich auch garnicht voraussehen und etwa festlegen. Wer hätte vor 50 Jahren sagen wollen, daß für Deutschland ehr wirthschaftliche Ein­flußsphäre nothwendig sei? Heute aber ist sie nothwendig. Und derartige Nothwendigkeiten können so zwingend werden, daß ein Volk sich auch nicht mit dem Urtheilsfpruche eines allgemeinen Schiedsgerichtes abfinden lassen kann, sondern daß es versuchen müßte, auch gegen den Willen des Schieds­gerichts seine Ziele zu erreichen. Damit aber ist der Augen­blick des Krieges gegeben.

Neben den Nothwendigkeiten spielen auch die Stimmungen in einem Volke eine Rolle. Diese Stimmungen drängen aus Ziele hin, deren Erreichung für die Existenz des Volkes gar nicht erforderlich zu sein braucht, ja für das Volk zum Scha­den ausschlagen könnte, die aber doch angestrebt weroen, weil sie dem Empfinden, sei es des ganzen Volkes, sei es einfluß­reicher Kreise derselben entsprechen. Eine solche Stimmung und Strömung ist z. B. die panslavistische, der letzthin bei der Palackfeier in Prag ein so beredter Ausdruck gegeben wurde. Einer der Hauptredner und Haupthetzer war der ruffische General Kowarow. Und diesi Thatsache zwingt denn doch zu der Erwägung, daß der ruffische Kaiser schon eine schwere Arbeit haben wird, um auch nur in seinem eigenen Lande den Boden für die FriedenSsaat, die er ausstreuen will, tragfähig zu machen.

Und nun noch ein drittes. Es ist möglich, daß ein Staat im geraden Gegensatze zu den mit der Entwickelung vorwärtsschreitenden Bedürfnissen gesunder Staaten abstirbt und zerfällt. Es wird hier av sichtlich vermieden, auf Staaten hinzuweisen, bei denen Rückentwickelung möglich ist. Ein Nichtstaat kann aber in Europa nicht mitten unter den Staaten bestehen bleiben und es tritt dann an die anderen Staaten die Frage der Auftheilung heran. Und auch in diesem Falle ist die Lösung widerstreitender Interessen durch ein Schiedsgericht nahezu unmöglich.

So muß denn gesagt werden, daß der Vorschlag des Zaren hocherfreulich ist, und daß er verdient, auf das ernst­hafteste geprüft zu werden. Aber er würde statt des Nutzens nur Schaden bringen, wenn man sich da­durch in Sicherheit einwiegen lassen wollte. In dieser Hinsicht kann man es beinahe ein Glück nennen, daß auS Frankreich nicht allein, sondern auch aus England

Meißen mehr konnte wie man dort sagt als Brod essen. Er zog ihnen nämlich Bälle aus der

Tasche, ja sogar aus den Ohren, und ließ Papas Ci- garrenspitze and andere Sachen verschwinden und wieder zum Vorschein kommen. Mit größtem Eifer entdeckten die Kinder immer neue Gegenstände, mit denen derOnkel" der, beiläufig bemerkt, jetzt nur noch in seinen Mußestunden zur Belustigung seiner Freunde oder zum Nutzen Bedürftiger die früher geübteschwarze Kunst" betreibt zaubern sollte, und den Zauberspruch konnten sie bald ebenso geläufig, wie der Meister selber. Als dieser aber unterHccuspocus" ihren feinen seidenen Hanswurst zum Fenster hinauswarf, da ging ihnen das denn doch über den Spaß; denn daß des Hexen­meisters Gewalt auch über das Konpee hinausreichen sollte, schien ihnen nicht wahrscheinlich zu sein. Um so größer war aber ihre Freude, als der Hanswurst auf das Wort des Zauberers thatsächlich wieder zum Vorschein kam und den beidcn kleinen Leckermäulchen sogar Chokolade mitgebracht hatte. Ja, wenn das Hinauswerfen so süße Folgen hat, dann könnte es eigent-

i lich noch einmal versucht werden, denkt der kleine, aufgeweckte Bgbe, und wirft, kurz entschlossen, unter ausgelassenem Hocus- pccuS nicht den Hanswurst, sondern den Hut des Hexen­meisters zum Koupeefenstcr des dahinsausenden Zuges hinaus. Zunächst sprachloses Erstaunen bei den gesammten erwachsenen Koupeegenossen, dann ernste Vorhalte der Eltern und Heulen bei dem kleinen Sünder. Doch den wußte der gute Onkel rasch mit einigen besser, als bei dem Kleinen, gelungenen Kunst­stückchen und mit dem Chokoladenvorrath seiner Tasche zu trösten. Auf der nächsten Station wurde telegraphirt, und in Teplitz, wo der Zauberer Aufenthalt nahm, konnte er einige Stunden später das Wiedersehen mit seinem Hute feiern. Ja, das Zaubern kann auch einmal für den Zauberer selbst gefährlich werden.