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Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

Nr. 200.

Montag den 29. August

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1898

Amtliches.

^taöt^rei^ ^anau.

Behufs Einbauens des Straßensiels in dem oberen Theile der Lnpzigerstraße von dem Michel'schen Garten bis zur Weidenschlager'schen Besitzung wird hiermit vom 29. d. Mts., zunächst auf etwa drei Wochen, der Theil von der Spessartstraße von dem Michel'schen Obstgarten an bis zum Landwthrgroben polizeilich gesperrt.

Hanau, 29. August 1898.

Königliche Polizei-Direktion.

P. 8922 v. S ch enck.

St «Zöllners ^anaxt.

VeLkNKtWschMZM des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.

Die Firma Karl P. Fues, Papierfabrik hier, hat unter dem 4. August d. Js. ein Gesuch um Ertheilung der Ge­nehmigung zur Anlage eines neuen Wasserrades in ihrer an der Kinzig belegenen Papierfabrik eingereicht.

Indem wir Interessenten hiervon Nachricht geben, bemerken wir, daß auf Grund des § 86 des Zuständigkeitsgefetzes vom 1. August 1883 Pläne und sonstige Unterlagen im Stadtsekretariat, Zimmer Nr. 21 des Raihhauses, zur Einsicht ausgelegt sind.

Einwendungen sind innerhalb 14 Tagen vom 30. August b. Js. an bei uns einzubringen.

Hanau den 25. August 1898.

Der Stadtausschuß des Stadtkreises Hanau.

Dr. Gebeschus. 12575

Dünstuachrichtcn aus dem Kreise.

Gesunden: Ein rothledernes Portemonnaie nebst In­halt. Ein Stück Handarbeit von Leinwand, mit 4 Deckchen gezeichnet. Ein schwarzes Tuchtäschchen mit folgenden Pa­pieren: ein Arbeitsbuch, ein Mitgliedsbuch für die Schneider- berussgenossenschast, ein Quittungsbuch des Krankenunter- stützungsbundes, eine Quittungskarte, lautend aus den Namen Johann Baureis aus Mühlhousen.

Verloren: Eine Kravatte mit zwei Nadeln.

Entflogen: Ein Kanarienvogel, gelb, mit einem Ring am Fuß; gegen Belohnung abzugeben.

Hanau am 29. August 1898.

Ein russischer Abrüstungs-Vorschlag.

Petersburg, 28. August.

Noch einem Telegramm derFranks. Ztg." veröffentlicht derRegierungskote" eine Kundgebung des Zaren, worin allen Mächten Abrüstung und Berufung einer internationalen Konferenz hierfür vorgeschlagen wird. Die betreffende Mit­theilung des russischen Regierungsblattes lautet folgender­maßen :

Auf Befehl des Kaisers überreichte Graf Murawjew am 24. August er. allen in Petersburg cccrcditirten auswärtigen Vertretern nachstehende Mittheilung:

Die Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens und eine mögliche Herabsetzung der übermäßigen Rüstungen, welche auf allen Nationen lasten, stellen sich in der gegenwärtigen Lage der ganzen Welt als ein Ideal dar, auf das die Bemühungen aller Regierungen gerichtet fein müßten. Das humane und hochherzige Streben Seiner Majestät des Kaisers, meines er­habenen Herrn, ist ganz dieser Aufgabe gewidmet. In der Ueberzeugung, daß dieses erhabene Endziel den wesentlichsten Interessen und den berechtigten Wünschen aller Mächte ent­spricht, glaubt die kaiserliche Regierung, daß der gegenwärtige Augenblick äußerst günstig dazu sei, auf dem Wege inter­nationaler Berathung die wirksamsten Mittel zu suchen, um allen Völkern die Wohlthaten wahren und dauernden Friedens zu sichern und vor Allem der fortschreitenden Entwicklung der gegenwärtigen Rüstungen ein Ziel zu setzen. Im Verlaufe der letzten zwanzig Jahre hat der Wunsch nach einer allge­meinen Beruhigung in dem Empfinden der zivilisirten Nationen besonders festen Fuß gesetzt. Die Erhaltung des Friedens ist als Endziel der internationalen Politik aufgestellt worden. Im Namen des Friedens haben große Staaten mächtige Bündnisse miteinander geschloffen; um den Frieden besser zu wahren, haben sie in bisher unbekanntem Grade ihre Militärmacht entwickelt und fahren fort, sie zu verstärken, ohne vor irgend einem Opfer zurückzuschrecken. Alle ihre Bemühungen haben dennoch daS segensreiche Ergebniß der ersehnten Friedensstiftung noch nicht zeitigen können.

Da die finanziellen Lasten eine steigende Richtung verfolgen und die Volkswohlfahrt an ihrer Wurzel treffen, so werden die geistigen und physischen Kräfte der Völker, die Arbeit und das Kapital zum größten Theile von ihrer natürlichen Bestimmung abgelenkt und in unproduktiver Weise aufgezehrt. Hunderte von Millionen werden aufgewendet, um furchbare Zerstörungs- maschiren zu beschaffen, die heute als das letzte Wort der Wissenschaft betrachtet werden und schon morgen dazu verur- theilt sind, jeden Werth zu verlieren infolge irgend einer neuen Entdeckung auf diesem Gebiet. Die nationale Kultur, der wirthschaftliche Fortschritt, die Erzeugung von Werthen sehen sich in ihrer Entwicklung gelähmt und irregeführt.

Daher entsprechen in dem Maße wie die Rüstungen einer jeden Macht anwachsen, diese weniger und weniger dem Zwecke, den sich die betreffende Regierug gefetzt hat. Die wirthschaft- lichen Krisen sind zum großen Theil hervorgerufen durch das System der Rüstungen bis aufs Aeußerste und die ständige Gefahr, welche in dieser Kriegsstoffansammlung ruht, macht die Armee unserer Tage zu einer erdrückenden Last, welche die Völker mehr und mehr nur mit Mühe tragen können. Es ist deshalb klar, daß, wenn diese Lage sich noch weiter so hinzieht, sie in verhängnißvoller Weise zu eben der Kata­strophe führen würde, welche man zu vermeiden wünscht und deren Schrecken jeden Menschen schon beim bloßen Gedanken schaudern machen. Diesen unaufhörlichen Rüstungen ein Ziel zu setzen und Die Mittel zu suchen, dem Unheil vorzubeugen, das die ganze Welt bedroht das ist die höchste Pflicht, welche sich heutzutage allen Staaten aufzwingt.

Durchdrungen von diesem Gefühl hat Seine Majestät geruht, mir zu befehlen, daß ich allen Regierungen, deren Vertreter am türkischen Hofe accreditirt sind, den Zusammen- tritt einer Konferenz vorzuschlagen, welche sich mit dieser ernsten Frage zu beschäftigen hätten. Die Konferenz würde mit Gottes Hilfe ein günstiges Vorzeichen des kommenden Jahr­hunderts sein. Sie würde in einem mächtigen Bündel die Bestrebungen aller Staaten vereinigen, welche aufrichtig darum bemüht sind, den großen Gedanken des Weltfriedens triumphiren zu lassen über alle Elemente des Unfriedens und der Zwietracht. Sie würde zugleich ihr Zusammengehen besiegeln durch eine solidarische Weihe der Prinzipien des Rechts und der Ge­rechtigkeit, auf denen die Sicherheit der Staaten und die Wohlfahrt der Völker beruht.

Tagesschau.

Von der Marine Laut telegraphischer Meldung an das Oberkommando der Marine ist S. M. S.Kormoran*, Kommandant: Korvetten-Kapitän Brussatis, heute in Manila angekommen und beabsichtigt, am 29. d. M. nach Kiaotschou in See zu gehen.

Zum spanisch-amerikanischen Kriege. Das Amtsblatt des russischen Finanzministeriums hat in Newyork einen Berichterstatter, der dem Blatte die nachfolgenden inter- estarten Mittheilungen zugehen läßt: Die Amerikaner sind flink dabei, ihre Lage nach dem siegreichen Kriege auszunutzen. Augenblicklich handelt es sich um die Legung eines großen unterseeischen Kabels von den Vereinigten Staaten nach den Sandwich-Inseln, den Ladronen und Philippinen, worüber die Verträge mit der Pacific Cable Company, der die Regierung diese Arbeit übertragen hat, bereits abgeschlossen sind. Danach zahlt die Regierung der Kompagnie im Laufe von 20 Jahren 100,000 Dollars jährlich für die

FerrMetsn

Peisebrief aus Bremen.

(Originalbrief) Bei Roland dem Riesen.

Große Ozeandampfer fahren nicht mit derselben Pünkt­lichkeit aus dem Hafen, wie etwa ein Eisenbahnzvg von den Bahnhöfen; der Masfirstand und allerlei andere Dinge reden ein Wort dabei mit, und doch v man rechtzeitig in Bremen fein, wenn man nicht seinen belegten Platz auf dem großen schwimmenden Hause verlieren will. Da wird denn in der Wartezeit Roland der Riese befrei, der altbekannte, der vor dem Bremer Rathhause nun schon so lange treulich Wache hält. Weniger schön als interessant nimmt er sich aus, aber die Stadt, die er hütet, ist schöner und interessanter, als nun schlechthin annimmt. Ihre Straßen sind eng und winkelig, aber sie sind gleich den meisten alten deutschen Städten so eingerichtet, daß das Auge nicht durch das Einerlei der Häuser zur Rechten und zur Linken ermüdet wird. Immer hat man einen Ruhepunkt für das Auge, irgend ein Gebäude, das sich quer vorlegt, um die endlose Perspektive abzuschneiden. Die alten Bremer Hanseaten verstanden die Gelände an die Stelle zu setzen, wo sie aus Schönheitsgründen stehen müssen, so 3- B. an jenem alten Bau, der als die erste Kirche Ansgars, des Apostels der Norddeutschen genannt wird. Man ist gerade­zu verblüfft darüber, mit welcher Treffsicherheit die neuere aus dem 13. Jahrhundert stammende Ansgarikirche so gestellt wurde, daß sie vom Platze der alten aus, eine ausgesucht imposante künstlerische Wirkung hervorbringt. Die alte Ans­garikircheSt. Jacoby" ist heute eine Weinstube, die neuere, uoch im Uebergangsstil vom Romanischen zum Gothischen er­baut, hat ihren alten, mit vielen blinden Fcnsterbogen ver­

zierten Doppelthurm behalten. Dem Dom hingegen hatte man seine beiden Thurmspitzengestrichen", sie sind erst neuerdings wieder aufgebaut worden, auch wird aller Figuren- schmuck der Kirche aufs Sorgfältigste erneut. Da sind die wunderlichen Thierfiguren, halb Löwen, halb Hunde, die allerleistilisirte" Menschen im Maule halten und Wunder­dinge erzählen von der krausen Phantasie unseres deutschen Volkes, und wie es in diesen sonderbaren Figuren auszu- drücken suchte, was es empfand von dem Siege deS Lichtes über das Dunkel, wie die Menschen gleichzeitig die Furcht vor der Feindseligkeit der Thiere und vor der finstern Ge­walt des Aberglaubens überwunden. Drinnen im Dom kann der Kunstfreund nicht umhin zu beklagen, daß der reformirte Geist der Stadt Bremen dahin gewirkt hat, die lange Flucht schöner gothischer Bogen ihres natürlichen Abschlusses durch den Hochaltar zu berauben. Man hat den Altar unter der Kanzel untergebracht und die Ostwand, die wichtigste oller gothischen Kirchen, ragt kahl und schmucklos auf, so daß die EwpfintungPredigtplatz" an die Stelle des BegriffesKirche" tritt. Auch die wunderrolle Fensterrosette des Westendes ist ein wenig durch die Orgel verdeckt, immerhin ist hier der Fehler nicht so arg wie z. B. im Magdeburger Tom. Ueberdies sind feine Steinmetzarbeiten und Skulpturen im Bremer Dom den bilderfeindlichen Elementen zum Trotz erhalten geblieben. Unter den Gewölben des Domes genießt derBleiüller" als Merkwürdigkeit einen Weltruf. Jahrhunderte lang ist da unten Blei gegossen worden, und vielleicht ist es der festge­wurzelte Bleistaub, welcher verhindert, daß hier unten das Todte in Verwesung übergeht. In ihren geöffneten Särgen liegen sie da, diese Menschen, die vor vielen, vielen Jahren begrahen wurden, regungslos und still, braun und ausge- trocknet zu Mumien. Ringsum an den Deckenbalken hängen todte Vögel aller Art in ihrem völlig erhaltenen Federkleide, ohne doch ausgestopft zu sein. Die Wissenschaft hat nicht er»

gründet, warum es so ist, und der Grübler geht sinnend da von aus dieser Stätte, wo der Tod um einen Theil seiner besonderen Gewalt gebracht worden zu sein scheint. Hinaus wieder von der ernsten Stätte! Hinein ins fröhliche Leben! Da sind hohe Giebelhäuser zu bewundern aus den Tagen der Hochrenaissance und des Barock, daneben die niedlichen kleinen Bremer Häuser und Haustein, denn die Bremenser aller Stände lieben das Einfamilien-Haus, und man sollte meinen, Großstadt-Elend wäre hier gar nicht zu finden. Dafür aber gibt es Auswanderer-Elend, und Herr Schmidt, der Auswanderer- Missionar, weiß mir allerlei davon zu berichten, währender mir den Rathskeller und die große Bremer Börse zeigt. Für heute ist sein Tagewerk vollbracht, nur ein Mädchen, das ein Dienstmann in der Nacht um drei Uhr zu ihm brächte, ist nicht mehr mitgekommen und muß nun eine ganze Woche im Pilgerhause in der Mißstraße wohnen, bevor sie befördert werden kann. Dann war da eine von der Judenmission uber- wiesene Jüdin mit vier Kindern gewesen. Sie wurde regel­recht befördert, aber als der Transport-Dampfer fort war, - ergab es sich, daß eins der Kinder es fertig gebracht hatte, sich zu verlaufen. Vermöge einer besondern Vergünstigung der Beamten gelingt es, das Kind noch zur Mutter zu befördern aber wer kann alle die hundert Zwischenfälle vorher be­rechnen, die bei diesen Armen und Unwissenden das Wandern in die Fremde zum gefahrvollen Unternehmen mache». Romane über Romane ließen sich davon erzählen. Wir aber gehen hinaus an den großen Freihafen, den Stolz von Bremen, wo Dampfer ohne Ende lagern. Es ist schon still geworden draußen, nur das Dampfboot der Hafenpolizei fährt noch geschäftig hin und her. Geschlossen sind die endlos langen Hafenschuppen aus Wellblech, die Waarenmengen von unglaub­lichem Umfang und Millionenwerthen beherbergen, still schweben die vielen Krähne, die tagsüber von Wasserkraft endlos im Betrieb erhalten werden. Dann geht es zurück in