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Amtliches Grgsn für Stsöt» unö LunSKreis Tunsu

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

Nr. 199.Samstag den 27. August 1898

Hierzu

Amtliche Beilage" Nr. 54.

^«Mchss.

StiKHM^sr-s ^axtaxt.

Der von der StraßeVor dem Mühlthor" nach dem Sandeldamm zu längs der Körner'schen Waschanstalt hin­führende Weg wird hiermit als öffentlicher Weg eingezogen.

Hanau am 26. August 1898.

Königliche Polizeidirektion.

P. 8849 v. Schenck.

Dicustuachrichtcu aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Hundehalsband nebst Lederriemen. Ein Spazierstock mit rundem Metallknopf.

Verloren: Auf dem Wege von Langendiebach nach Hanau eine Messingwagenkapsel. Ein Stück Handarbeit von Leinwand, 45 Deckchen darauf gezeichnet.

Hanau am 27. August 1898.

Verwicklungen in Südafrika?

Die Mittheilungen aus Südafrika häufen sich, man steht dort offenbar vor einem Sturm wie Ende 1895. Von der portugiesischen Küste kommen die bedeutsamsten Meldungen. Als die Abberufung des Gouverneurs Mousinho d'Albuquerque bekannt wurde, haben 38 Häuser von Bedeutung, deutsche, französische, englische, holländische, portugiesische und ameri­kanische, sowie die größten indischen Händler und die Vertreter sämmtlicher Dampfer-Gesellschaften folgendes Telegramm an den König abgesandt:Der gesammte Handelsstand beklagt den Abgang Mousinhos, erachtet den Entschluß der Regierung als verderblich für die Verwaltung der Provinz, befürchtet ernste Krisis und bei der erneuten Erhebung des Gasavolkes fehlt das Prestige Mousinhos. Wir stehen Euere Majestät an, den Kommissario Regio zu belassen, um größere Verwick­lungen zu vermeiden." Die Antwort darauf lautete:Seine Majestät sandte Telegramme an den Ministerpräsidenten zur weiteren Veranlassung. Der Adjutant." Der Versuch war also mißglückt. Mousinho blieb abberufen. Ueber seinen Nachfolger Ferreira verlautet aus Lissaboner Quellen: Er ist intelligent, aber er nimmt die schlechtesten Beamten mit, so daß man von der künftigen Verwaltung dort das Schlimmste befürchten muß. Alles, was von Mousinho geleistet worden ist, kann danach als mit einem Schlage vernichtet angesehen werden. Wie der Handel, an dem die Deutschen den größten Antheil haben, darunter leidet, läßt sich in vollem Maße nicht schildern. Durch die ersten von C. Rhodes angezettelten Ausstände der Eingeborenen, die Mousinho glücklich nieder- schlug, verloren die Inder, die den ganzen Handel im Innern in Händen haben, schon enorm, fast kein Einziger von ihnen blieb zahlungsfähig, dadurch haben auch die europäischen Kauf­leute und unter ihnen vornehmlich die deutschen, in deren Schuld die Inder stehen, bedeutend gelitten. Seit dem vorigen Jahr? begann sich Alles etwas zu erholen, das hatte aber nicht lange Bestand; denn C. Rhodes inszenirte neue Unruhen. Mousinho war schon auf dem Wege, sie wieder zu unterdrücken, da verlegt ihm seine eigene Regierung den Weg; in seinem verständlichen Ueberdrusse verlangt er seine Entlassung. An der ganzen Küste entlang bis nach Beira ist in der gesammten Handelswelt Muthlosigkeit entstanden, das Pfund Sterling ist schon auf 8500 Reis gestiegen, an­statt nominal 4500 Reis. Kein Ende ist abzusehen, wann die Korruption wieder ihren Einzug hält. Alle Bezirks- Gouverneure der Provinz Mozambique, alle höheren Beamten und der Magistrat von Mozambique haben wegen der Ab­berufung Mousinhos ihren Abschied eingereicht. Die ganze Verwaltung kommt zum Stillstände. Dazu kommt noch der Ausfall der Wahlen im Kaplande; das könnte C. Rhodes wohl wieder zu einem Gewaltstreiche verleiten.

T a g e s s ch a «.

Von der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Oberkommando der Marine ist S. M. S.Olga , Kommandant: Kapitän-Lieutenant von Dassel, gestern in Drontheim angekommen und beabsichtigt, am 27. August wieder in See zu gehen.

Zu den Kaisermanövern. In Oeynhausen nehmen die Vorbereitungen für den Kaiserbesuch alle Kräfte in uu- spruch. Die große Ehrenpforte ist jetzt vollendet; auch stehen in mehreren Straßen schon die Fahnenstangen. Die Glas­

halle im Kurpark, in der am 5. September das Paradediner stattfindet, wird prachtvoll geschmückt. Auch in diesem Jahre werden den Vertretern der Presse bei 'den Manövern wieder ähnliche Vergünstigungen zu Theil werden wie in den «beiden letzten Jahren.

Benachrichtigung über die Veranlagung zur Kirchensteuer. Der Minister der geistlichen rc. Ange­legenheiten hält für angezeigt, daß auch für die Benachrich­tigungen über die Veranlagung zur Kirchensteuer thunlichst die geschlossene Form gewühlt wird, und hat die kirchlichen Behörden ersucht, den ihrer Aufsicht unterstellten Kirchen­gemeinden, insoweit ein Bedürfniß nach den örtlichen Ver­hältnissen anzuerkennen ist, insbesondere soweit Unzuträglich- keiten aus der bisherigen offenen Zustellung der fraglichen Mittheilungen sich ergeben haben, den Uebergang zu der ver­schlossenen Zustellung derselben zu empfehlen.

Weizenmehlfälschttug. Aus Amerika eingegangenen Nachrichten zufolge wird dort das Weizenmehl in sehr aus­gedehntem Umfang durch Beimischung von Maismehl, das billiger aber auch entsprechend minderwerthig ist, verfälscht. Es ist nicht' unwahrscheinlich, daß auch bei dem aus Amerika nach Deutschland ausgeführten Weizenmehl vielfach derartige Fälschungen vorkommen. Wegen der für die zollbehördliche Behandlung derartigen Mehles gebotenen Vorsicht ist das Erforderliche bereits veranlaßt worden. Da es indessen auch aus gesundheitlichen Rücksichten, sowie zum Schutze des ehr­lichen Handels mit Nahrungsmitteln geboten erscheint, den betrügerischen Verkehr mit solchem minderwerthigen Weizen­mehl thunlichst zu verhindern, so hat das Reichsamt des Innern die Einzelregierungen auf diese Angelegenheit auf­merksam gemacht und ihnen nahegelegt, ihre Polizeibehörden unter Hinweis auf die erwähnten Fälschungen zu einer ver­schärften Aufsicht und zu einem strengen Einschreiten bei der etwaigen Entdeckung von Mischmehl der bezeichneten Art zu veranlassen.

Katholikentag. In der vorgestrigen letzten Sitzung des Katholikentages hat der Centrums abgeordnete Dr. Porfch sehr bemerkenswerthe Aeußerungen über die Beziehungen Windthorsts zum Fürsten Bismarck gethan. Er sprach über dieWirksamkeit und Freiheit der Orden" und gedachte dabei der Thätigkeit des Fürsten Bismarck mit folgenden Worten: Ich will dankend an dem Sarge des Fürsten Bismarck an­erkennen, daß die Erleichterung des Orderswesens auf den Fürsten Bismarck zurückzuführen ist, der seine Persönlichkeit dafür eingesetzt und das betreffende Gesetz im Herrenhaus durchgebracht hat. Wir wären ihm aber dankbarer, wenn er ganz reinen Tisch gemacht hätte. Dazu hatte er die Autorität und auch die Rücksichtslosigkeit wie kein anderer Kanzler. Deshalb war unser verewigter Windthorst nicht beglückt vom Sturze Bismarcks, deshalb hat er nicht in seiner letzten Unterredung mit Bismarck diesem eine Falle stellen wollen,: sondern unser großer Windthorst war traurig, daß Bismarck ging, weil er fürchtete, daß hinter Bismarck kein so starker! Mann käme. In demselben Athemzuge kann ich auch er-i klären, unser großer Führer hatte nicht die Vermittelung« Bleichröders zu einer Unterredung mit Bismarck nachgesucht. Windthorst^ hat sich nicht an Bismarck herangedrängt, um für Konzessionen seinen und seiner Partei Einfluß zu ver­werthen. Windthorst hatte damals auch nicht den Namen Caprivi lanzirt. Die Initiative zu jener Unterredung ist auch von anderer Seite ausgegangen. Das kann ich Ihnen sagen, auf Grund ziemlich genauer Kenntnisse jener Vorgänge. Verzeihen Sie, daß ich bewußt von meinem Thema abge- gangen bin. Ich war es aber Windthorst schuldig, der ins Grab sank, ohne Memoiren zu hinterlaffen. Wenn jetzt die Unwahrheit sich an seine Gruft herandrängen will, dann haben wir das Recht und die Pflicht, zu sagen: Lassen Sie ihn jetzt schlafen, über ihn ist schon genug gelogen worden, ^ch will mich mit diesem kurzen Hinweis begnügen; ich glaube, er ist bis auf Weiteres deutlich genug für manche Leute."

, Wie Rußland kolonisirt. Aus Odessa, 18. August, wird derDaily Mail" geschrieben rEs ist wirklich wunder­bar, Rußlands Geschick zum Kolonisiren zu beobachten. Der Russe ist an alle Strapazen und Entbehrungen gewöhnt. Er ist mit dem Allerwenigsten zufrieden und äußerst lenksam. Er ist bereit, jedem Führer zu folgen, wohin er auch immer geführt werden mag. Auf diese Weise bietet das russische Volk ein prächtiges Material für die Kolonisirungspläne in China. Außer daß die Klein-Russen (das ist der Volks­stamm, aus welchem die Don-und Sapasojtsi-Kosaken haupt­sächlich genommen werden) vortreffliche Ackerbauer sind, geben sie auch gute Soldaten ab. Es ist daher nicht verwunderlich, daß die russische Regierung Denjenigen, welche nach ^alienwan,

und Denjenigen, welche in das Innere der Mandschurei auswandern wollen, große Vortheile verspricht. Die russische Regierung macht es nicht wie die britische. Wenn sie etwas vorhat, so thut sie es ganz, bleibt nicht auf halbem Wege stehen, namentlich wenn es sich um Reichspolitik handelt. Die russische Regierung hat jedem Auswanderer nach China die nöthige Ausrüstung, d. h. Kühe, Pferde und Ackerbau- gerathe, und außerdem ein Darlehen von baarem Gelde, welche in leichten Abzahlungen zurückerstattet werden soll, ver­sprochen. Im ersten Jahre wird die russische Regierung die russischen Bauern mit der nöthigen Aussaat versehen. Jeder solcher Auswanderer erhält kostenfreie Fahrt nach China. Tausende von Muschiks, welche ihre dreijährige militärische Dienstzeit vollendet haben, sind bereit, nach China zu gehen. Sie liefern natürlich ein prächtiges Menschenmaterial, falls es zum Kriege im fernen Osten kommen sollte. Die Schiffe der sogenanntenFreiwilligen-Flotte" und die der russischen Dampfschifffahrts- und Handelsgesellschaft" schaffen sie uach dem fernen Orient. Zu unseren Lebzeiten hat Rußland den Kaukasus und Bokhara eingesogen. Jetzt beginnt die Ab­sorption von Nord- und Südostchina."

Politisch- und unpolitisch- Nachrichten,

(Depeschen-BureauHerold'.)

Berlin, 26. August. Die Allgemeine deutsche Kredit- und Effekten-Versicherungsbank, Gesellschaft mit beschränkter Haftpflicht, ist völlig zusammengebrochen. Die beiden Bank­unternehmer Lacks und Moritz Meyer sind verschwunden. In Bankkreisen hatte man das Falliffement lange voraus- gesehen. Ein Konkursverfahren wird voraussichtlich nicht stattsinden, well keine Masse vorhanden ist.

Berlin, 26. August. Ein internationaler Glasarbeiter­kongreß findet nächsten Monat in Berlin statt. Auf dem­selben soll über eine Verstärkung des Arbeiterschutzes, Ver­besserung der sozialen. Einrichtungen in den Glashütten und Glasbläsereien, der Schichtwechsel und die Tag- und Nacht­arbeit berathen werden. Es sind bereits zahlreiche An­meldungen aus dem Auslande eingegangen.

Kiel, 26. August. Eine hier abgehaltene sozialistische Versammlung beschloß, an den preußischen Landtagswahlen nicht theilzunehmen.

Krenznach, 26. August. Bei der heutigen Reichstags­ersatzwahl wurde der Abgeordnete Pasche (natl.) mit großer Mehrheit gewählt. Die Wahlbetheiligung war sehr schwach.

«gram, 26. August. Wegen der Meldung, daß der Abgeordnete Amrus vom Ministerpräsidenten Danffy empfangen worden sei, finden hier große Demonstrationen gegen die koalirte Oppositionspresse statt. Die Volksmenge zog gestern Abend vor die Aktiendruckerei und verbrannte unter Pereat- rufen auf den Abgeordneten Amrus mehrere Zeitungen. Schließlich mußte Gendarmerie.einschreiten. Dieselbe nahm zahlreiche Verhaftungen vor.

Lemberg, 26. August. In Podwoloczyska stehen die Bahnmagazine, welche in der Vorstadt Jezierna belegen sind, in Flammen. Nachdem bereits in der Umgegend zahlreiche Brände aus gebrochen waren und mehrere Hausbesitzer anonyme Briefe erhielten, worin die völlige Einäscherung von Podwoloczyska angekündigt wird, ist nicht mehr daran zu zweifeln, daß es sich um eine Brandstifterbande handelt. Die ganze Gegend ist in großer Aufregung.

Rom, 26. August. Der Belagerungszustand von Florenz wird am 28. dss., der von Mailand am 5. September auf­gehoben werden.

Paris, 26. August. Picquart wird wegen Mittheilung dreier Aktenstücke, die sich auf die LandeS-Vertheidigung be­ziehen und die er an Leblois ausgeliefert hat, vor ein Kriegs­gericht gestellt werden. Verschiedene Generalräthe haben den Wunsch ausgesprochen, die Bewegung zu Gunsten Dreyfus gewaltsam zu unterdrücken. ,

London, 26. August. Gestern brach in Liverpool m einer Menagerie ein Feuer aus, wobei trotz des schnellen Eingreifens der Feuerwehr 4 große Löwen, 5 Leoparden, 1 Tiger und eine Anzahl andere Thiere verbrannten. Nur wenig konnte gerettet werden.

Madrid, 26. August. Im heutigen Ministerrathe wurde ein Telegramm aus Coruna verlesen, wonach bei einem dortigen großen Brande die Mannschaft des deutschen SchiffesNixe" wirksame Hilfe geleistet hat. Die Regierung beauftragte den Marineminister, den deutschen Seeleuten den Dank ganz Spaniens auszusprechen.

Cettinje, 26. August. Ein fürstliches Dekret ordnet die Errichtung einer Offiziersschule an. Als Jnstrultoren sollen russische Offiziere angestellt werden.