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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 197.

MWB

Donnerstag den 25. August

Tinrückux-H« gebühr

für Stadt- und So* kreis Hanau 10 ^ Wi ^gespaltene Garmmch« zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^

Im Reklammthcil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

1898

Amtliches.

Sleröl^ei-s ^anaxu

MiMLtmschuuM des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Das Nachtragsstatut für Verwaltung und Verwendung der durch Ablösung an Stelle der der Altstadt Hanau zuge­standenen Berechtigungen getretenen Ablösungs- Kapitalien, sowie der Entschädigung für den Martini-Verein, liegt vom 26. August d. Js. an zwei Wochen lang im Rathhaus, Zimmer Nr. 21, zur Einsicht offen und können innerhalb

dieser Frist bei dem erhoben werden.

Hanau den 17.

Magistrate Einwendungen gegen dasselbe

August 1898.

Der Magistrat Dr. Gebeschus.

12412

Gefunden: Ein weißes Umhängetuch (Balltuch) mit breiten grünen Streifen.

Hanau am 25. August 1898.

Tagesschau»

Von der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Ober-Kommando der Marine ist S, M. S.Geier", Kommandant: Korvetten-Kapitän Jacobsen, am 22. August in St. Thomas angekommen und gestern nach San Juan ^Portorico) in See gegangen.

Zu den Neuforderungen für das Heer wird demHann. Cour." aus Berlin geschrieben: Die Neuaus- wendungen für das Heer waren zum Theil zu erwarten. Die gegenwärtige Festsetzung der Präsenzstärke des Heeres reicht bekanntlich bis zum 1. April 1899. Daß die zuletzt ge­schaffenen Infanterie-Regimenter mit zwei Bataillonen ziemlich leistungsunfähig sind, liegt auf der Hand; nach der ganzen organischen Verbindung ist das Regiment auf 3 Bataillone zugeschnitten, und wenn ein Drittel fehlt, so vermindert dies Fehlen die Aktionsfähigkeit viel mehr als um ein Drittel. In Preußen sind mit dem einrangirten 5. großherzoglich hessischen Regiment Nr. 168, dem 8. badischen Jusanterie- Regiment Nr. 169 und dem 9. Nr. 170 30 Regimenter mit 2 Bataillonen vorhanden, sie fangen an mit dem 146. In­fanterie-Regiment Königsberg i. Pr. und enden mit dem 176. (Thorn). Es würde sich vielleicht um eine Vermehrung von etwa 16 000 Maun handeln, die ja angesichts der gewaltigen Zunahme der Bevölkerung gering zu bezeichnen wäre. Daß das XI. Armeekorps (Generalkommando Eafsel) viel zu

groß ist, ist schon immer eine alte Klage gewesen und Keiner wird das mehr empfunden haben als General von Wittich. Das Armeekorps hat drei Divisionen (Frankfurt, Casfel, Darmstadt), aber diese drei Divisionen sind auch wieder aus­nahmsweise groß; die 21. hat 6 Infanterie- Regimenter, bei der 25. Division in Darmstadt finden wir eine Infanterie- Brigade (49.) von 3 Infanterie-Regimentern. Daß Mainz als Sitz des Generalkommandos ins Auge gefaßt ist, ergab sich aus militärischen Rücksichten. Mainz ist jetzt schon ziem­lich stark mit Militär belegt (3 Infanterie-Regimenter, viel Artillerie, Pioniere u. s. w.). Es ist wohl anzunehmen, daß bei der letzten Anwesenheit des Kaisers in Mainz eine Be­sprechung mit dem Großherzog von Hessen die Frage des neuen Generalkommandos (hessisches Armeekorps) eine defini­tive Regelung gefunden hat.

Saatenftandsbericht. DerReichsanzeiger" ver­öffentlicht den Saatenftandsbericht per Mitte August: Winter­weizen 2,1, Sommerweizen 2,5, Winterspelt 1,9, Sommer- spelt 1,8, Winterroggen 2,2, Sommerroggen 2,5, Sommer­gerste 2,4, Hafer 2,4, Kartoffeln 2,6, Klee und Luzerne 2,3, Wiesen 2,4. Während Süddeutschland warmes und trockenes Wetter hatte, herrschte im übrigen Deutschland viel nasses Wetter am Ende des Monats Juli vor. Daher war die Getreideernte im Süden am meisten vorgeschritten. Seit Beginn des August ist es die vorherrschend trockene, sonnige Witterung, welche den Feldfrüchten sehr zu statten kommt. In einzelnen Gegenden litten die Saaten durch Hagelschlag und Gewitter.

Ein sozialdemokratischer Vierbosskott ist dieser Tage in Mannheim ivszenirt worden. Die Streikenden v-r- langen höhere Löhne und vor Allem die Einführung eines Ar­beitsnachweises, der aber in einer Art und Weise organisirt werden soll, daß die Leiter der Brauereien ihren Arbeitern gegenüber völlig machtlos dastehen würden. Nach den von der Streikkommission verfaßten Statuten dieses Arbeitsnach­weises müssen sich die Brauereidirektoren verpflichten, nur solche Arbeiter einzustellen, die ihnen von dem Arbeitsnach- weisbureau überwiesen werden. Wird ein Arbeiter von ben; Betriebsleitern der Brauereien zurückgewiesen, so hat ein: Schiedsgericht, bestehend aus zwei Arbeitgebern und vier: Arbeitnehmern, über die Berechtigung dieser Zurückweisung zu j entscheiden. Dem Urtheil des Schiedsgerichts hat sich der! Betriebsleiter zu unterwerfen. Das Schiedsgericht hat ferner die Leitung des Arbeitsnachweises zu beaufsichtigen. Es ist i selbstverständlich, daß die Brauereien solche Forderungen zu- rückweisen.

einigen Monaten. Wenn heftige Zusammenstöße in den Städten, wo Christen und Muselmanen zusammenwohnen, jetzt nicht vorkommen, so ist dies nur dem Umstände zu ver­danken, daß die internationalen Truppen sie verhindern, und wenn sich solche Zusammenstöße auch im Innern der Insel nicht ereignen, so hat dies nur darin feinen Grund, daß die Muselmanen es nicht wagen, heimzukehren und von ihrem Eigcnthume Besitz zu ergreifen. Die Christen leben jetzt im Innern des Landes fast in einem anarchischen Zustande und erwarten, daß endlich Gendarmerie eingesetzt wird. Die Admirale haben nun den Kapitän Traveri von den italieni­schen Karabinieri mit der Aufgabe betraut, ein Gendarmerie­korps zu bilden und vorläufig heften Kommando zu über­nehmen. Es foll aus 500 Mann, zur Hälfte Eingeborenen, zur Hälfte Fremden, bestehen. Die Bildung dieses Korps bietet aber in finanzieller Hinsicht sehr große Schwierigkeiten, und man spricht davon, daß eine kretische Anleihe von sieben Millionen Francs ausgenommen und durch die vier Mächte gewährleistet werden soll. Alles in Mem ist zu konstatireu, daß man nach sechzehnmonatlicher Thätigkeit nur sehr zweifel­hafte Erfolge erzielt hat, und daß die Frage der Zurückziehung der türkischen Truppen jetzt noch schwerer zu lösen ist, als je zuvor. Es herrscht hier sogar die Meinung vor, daß sich diese Zurückziehung kaum ohne Anwendung von Mitteln der Gewalt werde bewerkstelligen lassen.

Zur Lage in Persien. Teheraner Korrespondenzen russischer Blätter entwerfen ein sehr unerfreuliches Bild von den Zuständen Persiens, das mit schnellen Schritten einer inneren sowohl als einer äußeren Krisis entgegengehe. Ruß­land und England hätten es wie Hammer und Ambos zwi­schen sich genommen. Die innere Verrottung mache es nach außen völlig widerstandsunfähig und thatsächlich befinde Per- sien sich schon im Zustande der Agonie. Jede Idee staat­lichen Gemeiuinteresses, jede Spur von Liebe für das Vater­land, für die großen Traditionen seiner Geschichte, für Ge­rechtigkeit und Humanität seien längst erloschen, und der Be­griff der bürgerlichen Tugend und Ehre habe für den Perser zu existiren aufgehört. Im buchstäblichen Sinne des Wortes gebe es nichts mehr, was dem Perser, namentlich dem von Teheran, für ein elendes Stück Silber (Gold existirt im Verkehr überhaupt gar nicht mehr) nicht feil wäre. Die oberen Klaffen, die Träger der staatlichen GewaÜ, seien ver­derbt, verlottert und käuflich bis an die Grenzen des Denk­baren, und die niederen Schichten der Gesellschaft würden durch das räuberische Beamtenthum erbarmungslos ausge­plündert, zum Proletarierthum herabgedrückt und dabei noch

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Die allgemeine politische Lage auf Kreta hat sich keineswegs gebessert, wie von manchen Blättern behauptet wird. Die Zustände sind vielmehr die gleichen wie vor! gehörten zu denKafirs" (Ungläubigen, Unreinen), und was

durch fanatische Mullas in eine gefährliche religiöse Erregung versetzt. Es werde ihnen eingeprägt, alle übrigen Völker

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Kleines Feuilleton

Aus Kunst und Leben.

Wie lange hat die Eiszeit gedauert? Wenn einem in der Geologie Unerfahrenen gegenüber von einem Ereignisse in der Erdgeschichte gesprochen wird, so fragt er meistens: Wie lange ist das her? 10,000 Jahre 100,000 Jahre? und der Geolog ist dann stets in pein­licher Verlegenheit, da sich die Erdgeschichte vorläufig über­haupt nach bestimmten Zeiträumen nicht messen läßt. Es ist sehr die Frage, ob die Wissenschaft diese Aufgabe jemals wird lösen können. Jedenfalls müßte es noch am leichtesten sein, die letztvergangene Epoche der Erdgeschichte zeitlich zu schätzen, das ist die bekannte Eiszeit, während derer wahrscheinlich gleichzeitig das nördliche Europa, das nördliche Amerika und eine Anzahl von Hochgebirgen, besonders die Alpen, von un­geheueren Eismassen überschwemmt wurden. Es ist auch der Versuch gemacht worden, die Dauer der Eiszeit zu schätzen, aber jeder Geolog, der sich daran gewagt hat, hat ein anderes Ergebniß herausgebracht. Der Engländer Prestwich nahm 2530 000 Jahre an, der Amerikaner Warren Upham 2030,000 für die eigentliche Eiszeit und nur 610,000 Jahre für die nachglaziale Zeit. Der amerikanische Geolog Taylor dagegen berechnet, daß das Vordringen der Cismassen, durch die die spätesten Moränen im Staate Wiskonsin ent­standen, 150300,000 Jahre erfordert haben müßten, wäh­rend Becker den ganzen Zeitraum wiederum auf 50,000 Jahre schätzte. Der Wiener Geolog Penck sprach gelegentlich des vorjährigen Kongresses der British Association in Toronto seine Ansicht über die Sache aus und äußerte sich dahin, daß die Eiszeit einschließlich der Zwischenzeiten milderen Kluuas wenigstens 500,000 Jahre gewährt hätte. Jetzt veiosfent-

licht der amerikanische Geolog Bannister in demJournal of Geology" (Chicago) eine neue Berechnung, die er auf die Beobachtungen der Bewegungsgeschwindigkeit des heute Grön­land bedeckenden Inlandeises gründet, das noch am ehesten mit den Eismassen während der Eiszeit verglichen werden kann. Nach den neuesten Forschungen kann man die Be­wegung des grönländischen Inlandeises im Durchschnitt auf höchstens zwei Fnß täglich schätzen. Da man nun in Amerika erratische Blöcke findet, die wenigstens 5800 englische Meilen von ihrem Ursprungsorte entfernt liegen, so erforderte ihr Transport wenigstens 1520,000 Jahre. Wenn aber, was wahrscheinlicher ist, die damaligen Eismassen nur einige Zoll täglich vordrangen, so müßte man diese Zahl etwa ver­vierfachen. Und bedenkt man dann noch, daß das Vordringen des ganzen Eises sicher länger gedauert hat, als der Trans­port eines einzelnen Blockes an Zeit erforderte und daß die ganze Periode aus mehreren einzelnenEiszeiten", vielleicht aus drei oder vier solchen bestand, so kommt man zu ganz ungeheueren Zeiträumen, wie sich der Geolog schon längst an das Bewußtsein gewöhnt hat, daß die Abschnitte der Erdge­schichte sich auS Jahrmillionen zusammensetzen.

Die IvüjShrige Wiederkehr des Schlachttages von Abukir gibt einem englischen medizinischen Fachblatt Gelegenheit, an die furchtbare Verwundung zu erinnern, die Admiral Nelson damals erlitt. Jene Seeschlacht im Jahre 1798 endete bekanntlich mit der vollkommenen Vernichtung der von Bonaparte nach Abukir an der Nilmündung gesandten französischen Flotte von 13 Linienschiffen, 4 Fregatten und 30 kleineren Fahrzeugen, während der britische Admiral nicht ein einziges Schiff verlor. Nelson befand sich an diesem Tage an Bord desVanguard" und wurde von einem Ersen- splitter am oberen Theile der Stirn getroffen. Die Haut, von der ein rechteckiger Fetzen herabgerissen wurde, hing über sein Gesicht herunter und verdeckte fein gutes Auge, das

außerdem durch das herabfließende Blut vollkommen geblendet wurde. Mit dem Rufe:Ich sterbe, grüßt mein Weib P sank er um, wurde jedoch von Kapitän Berry aufgefangen. Als er nach dem Verbandsplätze gebracht worden war, wollte ihn der Chirurg sofort in Behandlung nehmen, Nelson jedoch

weigerte sich dessen, bevor nicht die vor $m Verwundeten Hilfe empfangen hatten. Der Schmerz war so heftig, daß Nelsqn die Wunde für tödtlich hielt und sein letztes Lebewohl an Lady Nelson wiederholte; ferner ließ er noch den Kapitän des SchiffesMinotaur" an Bord kommen, um ihm seine Anerkennung für die dem Flaggschiff geleisteten Dienste aus- zusprechen. Nachdem die Wunde verbunden war, bat der Arzt den Admiral dringend, sich ruhig zu verhalten, aber das Gefühl der Verantwortlichkeit für die Ereignisse des Tages ließ dem Admiral keine Ruhe. Nach einer kurzen Weile fing er bereits an, seinem Sekretär eine Depesche an die Ad­miralität zu diktiren, jedoch war letzterer vor Aufregung un­fähig zum Schreiben. Da versuchte es Nelson selbn und schrieb blind und vor Schmerz halb geistesabwesend die wenigen Zeilen, in denen er sein unerschütterliches Vertrauen zu der göttlichen Allmacht bekundete. Auch als der Sieg bereits völlig entschieden war, wollte der Schwerverwundete von Ruhe nichts wissen und erhielt sich auch an den folgenden Tagen unter dauerndem Kampfe gegen sein körperliches Leiden und die Verwirrung seiner Sinne mitten in dem brütend heißen egyptischen Augustwetter auf dem Posten, um die Früchte des errungenen Sieges zu sichern. Am 9. August schrieb er dem Stadthalter von Bombay seinen Brief, der mit folgenden Worten schloß:Wenn dies Schreiben nicht so korrekt-ist, wie es sein sollte, so werden Sie mich wohl ent­schuldigen, denn mein Gehirn ist von der Kopfwunde so er­schüttert, daß ich fühle, meine Gedanken seien nicht so klar, als es zu wünschen wäre, doch so lange noch ein Strahl von Vernunft vorhanden ist, sind Kopf und Herz zum Wohle