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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 196.

Mittwoch den '24. August

Dienstuachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Eine Ledertasche.

Hanan am 24. August 1898.

Zur Kaiserrede in Mainz.

Kaiser Wilhelm II. hat in Mainz in Erwiderung der Ansprache des Stadt-Oberhauptes eine kurze Rede gehalten, deren Inhalt eine neue bedeutsame Kundgebung unseres Monarchen darstellt.

Mainz als Stätte reichster historischer Erinnerungen lenkte den Blick des Kaisers zurück in die Vergangenheit. Hier in Mainz wurden einst die Fäden der alten Reichspolitik ge­sponnen und die Kaiserwahlen des heiligen römischen Reiches deutscher Nation gelenkt. Mit Macht drängt sich auf solchem Boden dem rückwärts schweifenden Blicke der Vergleich zwischen einst und jetzt auf. Des alten Reiches Herrlichkeit ist vor langer Zeit bereits zu Grabe getragen worden. Warum mußte es so kommen? Mit wenigen markanten Strichen zeichnete unser Kaiser die Ursachen des Verfalls.Das römische Reich deutscher Nation ist zu Grunde gegangen, weil es nicht auf nationaler Grundlage aufgebaut war; sein Zer­fall hatte seinen Grund in dem Mangel patriotischen Em­pfindens und Zusammenhaltens seiner Glieder."

Umso lichtvoller ober hebt sich von diesem dunkeln Hinter­gründe die Entstehungs-Geschichte des neuen deutschen Reiches ab. Es ist entstandenaus dem dringenden Bedürfniß nach gemeinsamem Zusammenhang und Oberhaupt; es baute sich auf aus der Grundlage der Vaterlandsliebe."

Damit aber ist zugleich auch der Zukunft die Bahn vor­gezeichnet. Nur die Mittel, mit denen ein Reich geschaffen, erhalten es auch lebensfähig. In der Eintracht und opfer­willigen Vaterlandsliebe aller deutschen Stämme liegt daher die Bürgschaft für Deutschlands Gedeihen."

So erhält denn die Rede des Kaisers vor allem einen warmen Appell an die Eintracht. Wie fast stets, so betonte Kaiser Wilhelm auch bei dieser Gelegenheit wieder seine auf­richtige Friedensliebe oder seinen festen Entschluß, das theure Gut des Friedens mit allen Kräften zu erhalten. Dazu jedoch bedarf es vor allem der Wahrung unsers Ansehens im Auslande, und dieses Ansehen hinwiederum stützt sich in erster Linie aus das größere oder geringere Maaß von Einigkeit im Innern. Wollen wir fremden Mächten Achtung einflößen, so dürfen wir ihnen auf keinen Fall das Bild innerer Zwie­tracht darbieten. Nur Geschlossenheit in den eigenen Reihen nöthigt dem Feinde Respekt ab und läßt unsere Bundes- genossenschaft dem Freunde als begehrenswerthes Ziel er­scheinen.

LsitMetsn.

Reisebrief aus Weimar.

(Originalbrief.)

Es gibt kaum eine deutsche Residenz, die durch ihre An­muth und Sauberkeit, die schönen, breiten Straßen, die wohl­gepflegten Plätze und die landschaftliche Umgebung so den Besucher anheimelte, wie die freundliche Musenstadt an der Jlm. Freilich will einen hier und da bedünken, daß Weimars Ansprüche und sein vornehmes Gewand etwas kontrastiren mit dem, was es in Wahrheit ist und bietet. Eine Stadt von 27 000 Seelen, mit kaum nennknswcrther Industrie, mit Töchter-Pensionen und Militär-Pensionären, kann weder von der großen Vergangenheit leben, in der sie das Centrum des geistigen Lebens Deutschlands war, noch kann sie von den heutigen Bildungs-Bestrebungen existiren, in denen sie thut, was sie kann: Gymnasium und Realgymnasium, Schul- lehrer- und Kindergärtnerinnen-Seminar, höhere Töchterschule, Maler-Akademie, Baugewerkschule, freie Gewerbeschule, Orchesterschule, Zeichenschule, Geographisches Institut, Blinden- und Taubstummen-Institut u. a. m., sowie zahlreiche Wohl- thätigkeitS-Anstalten. Besonders viel verdankt die Stadt dem Großherzoglichen Paare; die verstorbene Großherzogin Sophie hat Millionen für Wohlthätigkeits-Anstalten geopfert und die Bevölkerung fast von gemeinnützigen Werken entwöhnt, indem sie die Mittel für alles, was gut und nützlich und erstrebens- werth schien, aus ihrer Tasche darbot; man braucht nur an das DiakonissenhausSophienhaus" zu erinnern, an das Goethe-Museum und an zahlreiche andere Anstalten. Nichts­destoweniger hat auch Weimar bei der letzten Reichstagswahl einen unbekannten Meininger Sozialdemokratin gewählt. Man erzählt sich in der Stadt, der Großherzog habe, als

Die kaiserliche Mahnung zur Eintracht dürfte gerade jetzt wieder zur rechten Zeit erklungen sein. Die preußische Land­tagswahlkampagne scheint hier und da wahrhafte Zerr- und Gegenbilder bürgerlicher Eintracht zeitigen zu wollen. Ein Theil des Bürgerthums geht mit der Absicht um, sich mit den geschworenen Feinden unserer nationalen Entwicklung, den Sozialdemokratin, in ein regelrechtes Wahlbündniß ein- zulassen. Geschieht dies, so wird damit dem inneren Frieden und der innern Eintracht ein neuer, heftiger Stoß versetzt. Wer der Mahnung des Kaisers in allen ihren Konsequenzen nachleben will, der darf jedenfalls niemals in ein Zusammen­gehen mit Leuten willigen, deren gesammtes Thun und Treiben auf eine Vernichtung des glorreichen Werkes Kaiser Wilhelms I. und jedes nationalen Staatswesens überhaupt abzielt.

Tagesschau.

Bon der Marine. Laut telegraphischer Meldungen an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S.Kaiser", Kommandant: Kapitän zur See Stubenrauch, mit dem Geschwader-Chef, Vize-Admiral von Diederichs an Bord am 21. August von Manila nach Batavia, und S. M. S. Cormoran", Kommandant: Korvetten-Kapitän Brussatis, an demselben Tage von Manila vachJlo-Jloin See gegangen; S. M. S.Nixe", Kommandant: Korvetten-Kapitän mit Oberst-Lieutenats-Rang von Basse, ist gestern in Corunna an­gekommen und bealsichtigt, am 27. August nach Madeira in See zu gehen.

Zweite Lehrerprüfung. Der Minister der geist­lichen rc. Angelegenheiten hat neuerdings entschieden, daß eine einjährige praktische Thätigkeit im Schuldienst als aus­reichende Vorbereitung für die Ablegung der zweiten Lehrer­prüfung in keinem Falle angesehen werden kann. Die Zeit des einjährigen aktiven Militärdienstes eines Lehrers ist daher, wenn sie auch der Dienstzeit im Schuldienste binzu- zurechnen ist, auf die Zeit der Vorbereitung für die zweite Lehrerprüfung nicht in Anrechnung zu bringen.

Katholikentag. Die vorgestrige Sitzung des deutschen Katholikentages wurde von Dr. Urfey-Krefeld eröffnet, der sich über das Programm und die Aufgaben der Generalversamm­lungen verbreitete. Er führte unter Anderem aus:Wir verlangen, daß die Erziehung in konfessionell christlichen Schulen vor sich geht, und erwarten deshalb den umgehenden Erlaß eines christlichen Schulgesetzes. Wir verlangen weiter, daß auch die übrigen Erziehungsanstalten und Bildungsstätten des Volkes in christlichem Geist geleitet werden. Wir ver­langen deshalb, daß der Staat aus den Theatern, Museen

ihm das Resultat der Wahl in seiner Residenz mitgetheilt wurde, gesagt:Das habe ich und mein Haus um Weimar nicht verdient." Man erzählte sich auch, daß der Ausfall der Wahl und daS wäre charakteristisch für die Haltung der Bevölkerung zu ihrem Fürstenhause nicht auf Grund­satz, sondern mehr auf ein familiäres Schmollen darüber zurückzuführen sei, daß der Großherzog seinen 80. Geburts­tag am 24. Juni nicht in Weimar, sondern in Eisen ach ge­feiert habe, und darüber haben die Weimaraner sich so ge­ärgert, daß sie bei der Stichwahl am Tage darauf ihrem Unmuth Ausdruck gegeben haben. Jedenfalls hat sich hier wieder gezeigt, daß der seit Jahren gepflegte Freisinn die Vorfrucht für die Sozialdemokratie ist und daß viel Unzu­friedenheit in der Stadt vorhanden ist. Wer die vielen neuen, großartigen Geschäfte sieht, die sich in den letzten Jahren aufgethan haben, insbesondere die Schillerstraße ist ein wahrer Bazar geworden, fragt sich unwillkürlich, wo denn das kaufkräftige Publikum Herkommen soll, das alle diese schönen Waaren verbraucht, und wenn die einfache, feinere Gesellschaft in Weimar wirklich ihre Einkäufe in den neuen Geschäften besorgt, so kann dies doch nur auf Kosten der alten Geschäfts-Jnhaber geschehen, die allerdings es recht schwer haben. Weimar macht den Eindruck einer Stadt von 60100 000 Einwohnern, und es werden doch nicht über 27000. Auch die Handwerker, die sich dem Kunst- gewerbe zuwenden, wie Kunsttischler und -Schlosser, -Bild­hauer und -Lederarbeiter haben nicht genügenden Absatz. So hungert denn die Stadt nach Fremdenverkehr, aber die Fremden bleiben aus. Das seit 11 Jahren errichtete Goethe-Museum hat nicht mehr die Anziehungskraft der Ansavgsjahre, und die schnell emporstrebenden Thüringer Badeorte ziehen den Fremdenverkehr der Groß­städte an sich.Weimar zwei Minuten!" wird beim Halten der Schnellzüge ausgerufen, und so viel Zeit genügt auch

und Bildergalerieen alles fernhält, was Geist und Gemüth unserer Kinder verletzen könnte. Wir verbitten uns auch mit aller Entschiedenheit, daß sich das Laster auf den Straßen breit machen darf. Wir protestiren gegen eine moderne Rich­tung, die Zolasche Romane und Makartsche Gemälde als vorbildlich für unsere Kunst in Wort und Bild hinstellen will. Wir verlangen, daß die Ausstattung der Schaufenster an­ständig und die Artikel der Presse sauber gehalten werden. Deshalb erwarten wir auch den schleunigen Erlaß eines geistigen Seuchengesetzes, welches die weitere Einfuhr von geistigen Krankheitsbazillen von außen her verhütet." Es folgte sodann die Konstituirung der Generalversammlung. Zum ersten Präsidenten wurde Freiherr von Freyberg-Jetzen- dorf in Oberbayern gewählt. Zum zweiten Präsidenten wurde Reichstagsabgeordneter Rechtsanwalt Dr. Stephan- Beuthen in Oberschl., zum dritten Präsidenten Kaufmann Dorsemann-Wesel gewählt. Hierauf wurden die Huldigungs­telegramme an Papst und Kaiser abgesandt. Der Vorsitzende der Raphaelsvereine ersuchte, dem in Milwaukee (Wisconsin) zusammentretenden amerikanischen Katholikentage, an dem auch der Reichs- und Landtagsabgeordnete Dr. Lieber als Vertreter der deutschen Katholiken theilnimmt, folgendes Telegramm zu übersenden:Die zu gleicher Vertheidigung religiöser In­teressen in begeisterter Anhänglichkeit an die Kirche in Krefeld versammelten Katholiken Deutschlands entbieten den deutschen Glaubensbrüdern in Amerika und unserem großen Führer Dr. Lieber, den sie uns entführt haben, treu deutschen Gruß und Handschlag." Die Absendung der Telegramme wurde von der Generalversammlung unter stürmischem Beifall ge­nehmigt. Hierauf gelangte der Antrag in Sachen der römischen Frage zur Verhandlung. Reichs- und Landtags­abgeordneter Dr. Karl Bachem-Köln führte hierzu u. A. aus: Die Lage des heiligen Stuhles hat sich auch in diesem Jahre nicht gebessert. Sie kennen alle den Feldzug, welchen die italienische Regierung gegen die katholischen Organisationen eingeleitet hat. Sie kennen auch das Rundschreiben, welches der heilige Vater in dieser Sache erlassen hat. Es würde unserer Liebe zum heiligen Vater nicht entsprechen, wenn wir in diesem Jahre schweigen. Die Resolution ist dieselbe, wie in früheren Jahren. Ich bitte Sie, dieselbe wiederum anzu- nehmen, damit der heilige Vater, wenn wir ihm auch augen­blicklich keine Hilfe gewähren können, so doch den Trost empfängt, daß seine Kinder in kindlicher Liebe zu ihm stehen und nach wie vor seine Rechte zu wahren wissen werden." Fürst zu Löwenstein bemerkte, daß wieder feiern der Gedanke nahe liege, wie unendlich heilsam für die Menschheit es wäre, wenn die Wünsche bezüglich des Schiedsrichteramtes des hl. Vaters zur Verwirklichung gelangen. Erst in unseren Tagen haben wir die Beraubung eines kleinen Landes durch einen

zum Aussteigen für die wenigen Personen, auf welche dann 3 Hotelwagen und 30 Droschken an der Bahn warten. Die Hotels geben sich die größte Mühe, es den Besuchern so an­genehm wie möglich zu machen. Der so schön gelegene Russische Hof" ist nach seiner Renovirung ein wirklich sehr angenehmes Haus geworden, in dem sich jeder wohl fühlen wird, und derErbprinz" am Markt hat in seinem Hinter- Hause einen stattlichen Neubau mit prachtvollen Sälen aufge­führt. Man muß staunen, daß so wenig bekannt ist, wie gut man es in dem reizenden Weimar haben kann. Ich lese aus meinem Fenster am Hause geradeüber die Worte:Zur Erholung". Diese Devise sollte Weimar an der Bahn für Jedermann sichtbar tragen. Der geplagte Großstädter kann seine abgehetzten Nerven nirgends besser wieder auffrischen, als hier, wo die schönsten Ausflüge nach Belvedöre, Ettersburg und Tiefurt billig zu wachen sind, wo man die geymdei-e Luft, Museen und Theater je nach Wunsch und die reizend­sten Spaziergänge in unmittelbarer Nähe haben kann. Hier herrscht eine Stille, die man nur in wenigen Städten sindel. Keine Pferdebahn, keine surrende und ewig bimmelnde elektrische Bahn stört den Frieden des Ruhenden, und kein elektrisches Licht bestrahlt den Müden, wenn er sich langweilt. Das Projekt der elektrischen Bahn nach Belvedöre scheint glücklicher­weise aufgegeben zu sein. Ein Bedürfniß ist dazu m der That nicht vorhanden, daß man jeden stillen Ort mit seinen schattigen Baumriesen durch elektrische Bahnen ungenießbar macht, wie z. B. das Marienthal bei Eisenach und viele andere Orte im schönen Thüringen. Aus eigener Erfahrung kann ich allen Erholungsbedürftigen nicht nur im Sommer einen mehrtägigen Aufenthalt in Weimar empfehlen. Man braucht nicht einen emporstrebenden Backfisch oder einen bildungshungrigen Sekundaner in die Schätze der großen Litteratur-Periode rinführen zu wollen, es lohnt sich schon um der bloßen schönen Natur willen, die Musenstadt zu besuchen.