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Nr. 194 Montag den 22. August 1898
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Dieustnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Drei Handtücher, gez. C. F. Ein Stoßkarren. Ein großer Hundemaulkorb. Eine Botanistrbüchfe. Ein schmaler Riemen. Ein Portemonnaie.
Verloren: Eine silberne Broche, darstellend Kaiser Friedrich, von einem Zweimarkstück ausgeschnitten.
Hanau am 22. August 1898.
Politischt And nnpolitisch» Nachrichten.
<D epeschen.Bureau .Herold")
Berlin, 21. August. Fürst Herbert Bismarck siedelt definitiv von Schönhausen nach Friedrichsruh über.
Berlin, 21. August. Die Modistin Anna Raab, welche mit dem Studenten der Architektur Heinrich Werner aus Darmstadt ein Verhältniß gehabt hatte, erschien gestern in dessen Wohnung in der Göthestraße zu Charlottenburg und feuerte nach einem Wortwechsel einen Revolverschuß gegen ihn ab, der die Stirn streifte. Das Mädchen wurde in Untersuchungshaft genommen.
Brest, 21. August. Der französische Dampfer „Marie du Boisson" zerschellte infolge Nebel aus dem eine Meile von der Küste entfernten Lcques-Felsen. Das Schiff ist verloren. Die aus 20 Mann bestehende Besatzung ist gerettet.
Prag, 21. August. Auf dem hiesigen Belvedere-Exerzierplatz wurden in vergangener Nacht taufende von Flugblättern mit hochverrätherischem Inhalt verstreut. Die Polizei forscht eifrigst nach dem Schuldigen.
Jutenberg, 21. August. Der Sektionsvorstand des österreichischen Touristenklubs, der Kaufmann Karl Kirrmann, stürzte von der Zirpitz-Spitze ab und wurde fchwer verletzt aufgesunden.
Lemberg, 21. August. Die Polizei verhaftete einen gewissen Stanislaus, welcher einer weit verzweigten Bande angehört, die in allen galizischcn Städten Agenten unterhält und überallhin, selbst nach überseeischen Städten, einen regen Handel mit jungen Mädchen treibt.
Budapest, 21. August. In hiesigen Regierungskreisen ist man in Bezug aus den Verlauf der am 24. dS. beginnenden Ausgleichs-Verhandlungen äußerst skeptisch gestimmt und man sieht voraus, daß wegen der ablehnenden Haltung der österreichischen Regierung das Resultat derselben ein höchst ungünstiges sein wird.
Graz, 21. August. Am 28. August wird in der Abteikirche zu Seckau in Steielmark Prinz Philipp von Hohenlohe, ein Neffe des deutschen Reichskanzlers, das Oi- densgelübde oblegen.
Rom, 21. August. Kardinal Ledochowski sandte an alle kirchlichen Würdenträger Palästinas Verhaltungsmaßregeln zur Kaiserreise. Hiernach sollen Bischöfe und OrdenS- vorstände alles vermeiden, was Frankreich als Hüterin der Christen im Orient verletzen könnte, den Kaiser aber mit kaiserlichen Ehren empfangen.
Madrid, 21. August. Die kubanischen Aufständischen fahren fort, die spanischen Truppen zu belästigen und die Güter spanisch gesinnter Kubaner zu verwüsten. Marschall Blarco besteht aus seinem Vorschläge von Stellvertretern. General Parado soll als Vorsitzender der Räumungskommission sür Kuba, der Marinechef Pastor und der Finanzminister Montoro als Beisitzer ernannt werden. Der Regierung bleibt nichts anderes übrig, als diesen Vorschlag anzunehmen. Dieser indirekte, aber beredte Protest des Marschalls Blanco gegen den Friedensschluß erregt hier großes Aufsehen. Die Regierung hofft aber, daß das Heer keine Schwierigkeiten wachen weroe.
Pari-, 21. August. Die diesjährigen Manöver werden einen geheimen Charakter tragen. Es werden darin hauptsächlich Neuerungen bezüglich des Felddienstes und Neuerungen, welche durch die Abänderungen bei der deutschen Artillerie bedingt werden, angestellt werden.
P»ris, 21. August. Wegen der anhaltenden Hitze verlangen die Blätter eine Vertagung der Manöver. In Nancy wurden gestern 14 Soldaten vom Sonnenstich befallen.
Paris, 21. August. Die Wittwe des Marschalls Mac Mahon erlitt in dem Schloß Montesson einen Schlaganfall. Ihr Zustand ist höchst bedenklich.
Lonvon, 21. August. Unter der Führung deS Norwegers Berchgrevink ist heute die Südpolar-Expedition auf eigenem Dampfer vom hiesigen Seehasen abgegangen. An Bord befanden sich 34 Mann und 80 Hunde. Eine zweijährige Abwesenheit ist projektirt.
Wetterbericht.
Voraussichtliche Witterung: Fortdauer des bisherigen Witterungs- Charakters.
Die Truppenschau auf dem Sande bei Mainz.
Mainz, 20. August.
Vom Centralbahvhofe aus über die Ueberführuvg und durch das Bingerthor glich der Weg noch Gon'enheim, heute Morgen von 5 Uhr ab, einer Heerstraße. Ueberall theils marschirende und theils rechts und links von der Chaussee lagernde Truppen. Auf dem großen Sande herrschte bis nach 6 Uhr verhältnißmäßige Ruhe. Nur die Kompagnien der Jnsanterie-Regimenter Nr. 87 und 88 (41. Infanterie- Brigade) ohne Musik, nahm Aufstellung vor dem Eingang zu den Schießständen mit der Front nach dem Sande (feldmarschmäßiger Anzug, weiße Hosen); die übrigen Truppen lagerten ringsum im Walde. Rechts hinter der Jägerschanze, an der Wache der Schießstände und in der Ecke ves Müllerwäldchens, gegenüber der Mombacher Plantage, waren Sanitätszelte ausgestellt. Von Fußgängern war wenig zu sehen. Von Husaren unterstützte berittene Gendarmen wiesen jeden Fußgänger in den Wald zurück. Eine kombinirte Kompagnie der Unteroffizierschule Biebrich sperrte den Exerzierplatz ab. Von mit Zuschauern besetzt« Wagen waren bis 7 Uhr nur etwa 50 angefahren. Nachdem es zuerst sehr trübe und auch etwas kühl war, drang die Sonne später doch siegreich durch und leuchtend und sengend heiße Strahlen herabsendend, stand sie am wolkenlosen Himmelszelt, als der Kaiser später erschien.
Um 7 Uhr sprengte eine Cavalcade von Offizieren vom kleinen Sande her auf den großen Sand, es war der kom- mandirende General von Wittich. Sein Stab und die Dwi- sions- und Brigade-Generäle stellten sich am rechten Flügel der in Regimentskolonne stehenden 41. Infanterie-Brigade auf. Der Kommandirende ritt dem Kaiser entgegen. Um 7 Uhr 40 Min. erschien der Kaiser mit dem Großherzog zur Linken und dem Kommandirenden zur Rechten und einem aus etwa 40 Reitern bestehenden Gefolge auf dem Platze. Hinter dem Kaiser trug ein Reiter die Kaiserstandalte. Direkt auf die 41. Brigade zusprengend ritt der Kaiser die Front ab und dann zwischen den Bataillons-Abständen durch. Er begrüßte die Truppen, die mit lautem „Guten Morgen Majestät^ antworteten. Nach Abreiten der Fronten machte die Brigade links um, marschirte etwa 150 Schritt vorwärts, worauf mit Rechts- und Linksschwenkung die Regimenter in Bataillons-Kolonnen auseinandergezogen wurden. Die Richtung wurde mit Viertelschwenkung nordöstlich nach der Mombacher Plantage zu genommen. Nach verschiedenen Evolutionen wurde mit Achtel!chwenkung im Laufschritt rechts auf- marschirt und die Regimentskolonne, mit der Front nach dem Polygon wieder hergestellt; die beiden Regimenter folgten hintereinander und marschirten hinter die Schießstände nach dem Polygon. (Um diese Zeit, 8 Uhr 8 Min., fing es bei Hellem Sonnenschein zu regnen an.) Dort Aufstellung zum Gefecht. Der Feind debouchirte, in Schützenlinie ausgeschwärmt, aus den Mombacher Plantagen.
Für nahezu 21 Minuten war von der 41. Brigade nichts M bemerken, bis 8 Uhr 25 Min. von dem markirten Feinde (3. Bataillon, Regt. Nr. 117, unter Major Kießling) die ersten Schüsse fielen, mit denen sie die 41. Brigade be- schossen. Heftig feuernd ging die Brigade zum Angriff vor und avancirte in Schützenlinien sprungweise, den linken Flügel vorgeschoben, auf dem etwa 800—1000 Meter breiten Zwischengelände. Der Kaiser beobachtete vom Polygon den Gang des Gefechtes. Um 8 Uhr 37 Min. kamen von der Mombacher Plantage und von der Wurzelbürste her zwei mit umgelegten Lanzen vorsprengende Eskadronen der Ulanen, die die inzwischen bis zur Hälfte der Schießstände ausschwärmende Brigade attoquirten. Beide Angriffe wurden durch einen Flankenangriff des 3. Bat. der 88er abgeschlagen. Um 8 Uhr 45 Min. gingen die 117er zum Sturm vor. Der Kaiser ritt mit seiner Suite hinter diese vorgehende feindliche Truppe. Plötzlich mitten im Ansturm blies es um 8 Uhr 47 Min. das „Ganze Halt", worauf der Offiziersruf erschallte und von allen Eckm und Enden die berittenen Offiziere zu der vom Kaiser abgegebenen Kritik herbeisprengten. Der Kaiser hielt hierbei ungefähr in der Mitte des großen Sandes. Inzwischen marschirte das Hessische Husaren-Regi- ment (König Humbert) Nr. 13 auf, das vom kleinen Sande her angesprengt kam. Es nahm Aufstellung nach den Schießständen, die Infanterie-Regimenter formirten sich zum Parademarsch. Zwischenzeitlich war eine unzählige Menge von Zuschauern auf dem Plane erschienen, die wie ein schwarzer Bienenschwarm den Exerzierplatz umstand. Um 9 Uhr 3 Min. war die Kritik beendet. Bei der Kritik lobte der oberste Kriegsherr den Reiterangriff, der, wenn auch abgeschlagen, schneidig ausgeführt worden sei. Bei der Infanterie
tadelte der Kaiser, daß sie zuviel Notiz von der Kavallerie genommen. Dagegen wurde das 3. Bataillon des 117. Infanterie-Regiments belobigt. Der Kaiser ritt dann auf Husaren-Regiment 13 zu, dessen am rechten Flügel aufgestelltes Trompeterkorps eine Fanfahrenpost blies. Darauf erfolgte nach der Ableitung durch den Kaiser der Vorbeiritt der Regimentskolonnen und Schwenkungsevolutionen derselben. Hierbei stürzten drei Mann. Daraus Schwenkungen mit der Regimentsfront. Das Exerzieren dauerte 21 Minuten. Darauf verschwanden die Husaren in gestrecktem Galopp hinten im Polygon. Man erfuhr gleich, daß es sich um eine vom Kaiser befohlene Kavallerie-Attaque handelt. In sausendem Trabe sprengten die Adjutanten über den Platz. Als die 13er Husaren wieder aus dem Polygon hervor-, geradeaus nach den Mombacher Plantagen zu sprengten, kamen aus der Spitze des Müllerwäldchens, vom kleinen Sande her, die 6er Ulanen und machten unter Hurrah- rufen einen schneidigen Flankenangriff aus dieselben. Die beiden Regimenter kamen so dicht aneinander, daß man glauben konnte, sie überritten einander. In diesem Momente wurde Halt geblasen und der Kaiser hielt wieder Kritik, zu der die Kavallerie-Offiziere befohlen wurden und die gegen 10 Uhr endete. Hierauf ritt der Kaiser zur Infanterie, die mit der Front nach Mombach zu stand, und nahm Aufstellung zur Abnahme des Parademarsches, der um 10 Uhr mit auf- gepflanztem Seitengewehr begann. Als erstes marschirte das Regiment Nr. 87 in Kompagniefront vorüber. Trotz der vorher gehabten Anstrengungen kam das Regiment brillant und schnurgerade ausgerichtet vorbei, wie man es von den braven 87ern ja auch immer gewohnt ist. Weiter folgten die 88er, 80er, 3. Bataillon der 81er, dann das vom Großherzog vorgeführte Garde-Regiment Nr. 115, auf das, vom Kaiser geführt, das Regiment Nr. 116 folgte. Am Defilir- punkt schwenkte der Kaiser ab und hielt neben dem Großherzog. Es kamen weiter die Regimenter Nr. 166, 117, 118, Brandenb. Fuß-Art.-Regt. Nr. 3, zwei Kompagnien des Pionier-Bataillons Nr. 11, Husaren-Regiment Nr. 13, das mit seinen wehenden Lanzensähnlein beim Vorbeireiten im Schritt einen reizenden Anblick bot, ebenso wie das als letztes Regiment folgende Ulanen-Regiment Nr. 6. Den Schluß des Vorbeimarsches bildete eine Eskadron des Garde-Dragoner-Regiments Nr. 23. Hierauf erfolgte der zweite vom Kaiser befohlene Vorbeimarsch, derselbe um 103/» Uhr in Re- gimentskolonne (die Kavallerie im Trabe in Eskadronfront) in derselben Reihenfolge der Regimenter wie vorher. Dabei war der Kaiser und feine Suite ständig in eine undurchdringliche Staubwolke gehüllt. Auch dieses Mal führte der Kaiser dem Großherzog sein Regiment Nr. 116 vor. Als auch dieser Vorbeimarsch beendet war, setzte sich der Kaiser, nachdem er nochmals eine Kritik gehalten, um 11 Uhr 15 Min. an die Spitze der Fahnenkompagvie, 1. Kompagnie vom 1. Naff. Jnft.-Regt. Nr. 87, Hauptmann Liebrecht, und begab sich über den kleinen Sand in die Stadt zurück. Vorher ritt der Kaiser an den ausgestellten Equipagen grüßend vorüber.
Anläßlich der Parade verlieh der Kaiser zahlreiche hohe Orden, darunter dem Gouverneur von Mainz von Holleben das Großkreuz des Rothen Adler-Ordens persönlich, überreichte dem General Perthes, Kommandeur der 21. Division, den Stern zum Rothen Adler-Orden, dem Generalmajor Dühring den Rothen Adler-Orden 2. Klasse. Zahlreiche Offiziere wurden ausgezeichnet. Das 80. Regiment erhält auf den Achselklappen den Namenszug der Kaiserin Friedrich, des Chefs des Regiments.
Die Huldigung der Stadt Mainz am Gutenbergplatz.
Schon von 10 Uhr ab hatte sich eine nach Tausenden zählende Menschenmenge am Gutenbergplatz und in den an- liegeuden Straßen versammelt, um dem Huldigungsakt der Stadt Mainz beizuwohnen. Die Vereine, sowie ^ie Schuljugend, es mögen ca. 1500 Fähnchen haltende Schulkinder gewesen sein, hatten sich um das Gutenberg-Denkmal postirt, dem gegenüber an der Tribüne der Oberbürgermeister mit den Stadtverordneten und den Vertretern der Geistlichkeit sich versammelt hatten. Eine schier unerträgliche Hitze mußte man mit in Kauf nehmen, die Sonnenstrahlen loderten in »»geschwächter tropenähnlicher Intensität. Endlich kurz vor V«1 Uhr mit beinahe halbstündiger Verspätung traf der Kaiser mit demGroßherzog von einer Schwadron der 13er Husaren eskortirt, am Gutenberg-Denkmal ein, nachdem die Fahnen zuvor am Gouvernement abgeliefert waren. Brausende Hochrufe empfingen die beiden Fürsten und nachdem der Kaiser Halt gemacht hatte, überreichte Oberbürgermeister