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Amtliches Organ für StaSt- unö LanSKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

EinrücknngS» gebühr

für Stadt- und Leoch« kreis Hanau 10 ^ W 4gespaltene Garmond« zeile oder deren Rau», für AuSwärtS 15 ^.

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

Nr. 191

Donnerstag den 18. August

1898

KmMch«».

Bekanntmachung.

Posipacketverkehr mit der Republik Honduras.

Dom 1. September ab können Postpackete ohne Werth­angabe und ohne Nachnahme bis 5 kg Gewicht nach der Republik Honduras direkt über Hamburg, anstatt bisher auf dem Wege über England, versandt werden. Die Postpackete müssen frankirt werden; die Taxe beträgt 3 M. 20 Pf. für jedes Packet.

Ueber die sonstigen Versendungsbedingungen ertheilen die Postanstalten nähere Auskunft.

Berlin W., 12. August 1898.

Der Staatssekretär des Reichspostamts, von Podbielski.

SlctHMveis ^anaxt.

KetEMilchuM» des Oberbürgermeisteramtes.

Tagesordnung

für die öffentliche Sitzung der Stadt- verordneten-Versammlung am Freilag den 19. August 1898, nachmittags 5 Uhr.

1. Rechnung der Stadtkasse, Abth. I, der Asservaten und Vorschüsse pro 1896/97.

2. Verpachtung von Theilen der Parzelle F. F. 199/32 an Chr. Neuling und Kons.

3. Ueberweisung der Hälfte der Beiriebsüberschüsse der städt. Sparkasse an die StiftungLungenheilstätte" für die nächsten 5 Jahre von 1898/99 an.

4. Protokolle über die 10., 11. und 12. Sitzung der Elektrizitätswerks-Kommission.

5. Nachverwilligung von M. 300 auf Tit. II C. 6 pro 1898/99, Beleuchtungsanlage im Stadtverordneten- Sitzungssaal.

6. Desgl. von M. 1547 auf Tit. I 12 E.-Ord. zur Her­stellung des Altstädt. Rathhauses.

7. Anstellung des F. Hummel als Hilfskanzlist.

8. Wahl dreier Vertrauensmänner für den Ausschuß zur Wahl der Geschworenen und Schöffen pro 1899.

9. Wahl zweier Mitglieder zur Berathung des Eirquar- tierungsstatuts.

10. Nachverwilligung von M. 157,50 auf Tit. II A. 4, Schlachthofkasse für den Heizer.

11. Unterstützung der Wittwe van der Fink mit jährlich

FeuMetsit.

Aus Kunst und Leben.

Ein R-nd-z-vons in hohen Regionen. Venus und Jupiter, tie beiden hellsten Planeten, werden in nächster Zeit am Abendhimmel einander außerordentlich nahekommen. Schon seit Monaten ist Venus in stets zunehmendem Glänze eine prächtige Erscheinung im Westen bald nach Sonnen­untergang, während Jupiter mehr im Süden sichtbar war. Mehr und mehr rückte aber auch dieser nun nach dem West­himmel, da ihn die rechtläufige Bewegung allmählich mehr der untergehenden Sonne nähern muß, während Venus scheinbar unbeweglich zur Sonne steht. So kommen die Planeten einander immer näher, indem einstweilen Jupiter noch links, Venus aber rechts steht. Am Abend des 19. August ist die Entfernung zwischen beiden auf den geringen Abstand von drei Monddurchmessern gesunken, um welche Venus genau unter Jupiter steht. Von da ab entfernen sich die beiden hellen Planeten wieder von einander, indem dann Jupiter nchis ist. Am 19. August gehen beide um V»9 Uhr unter, etwa fünfviertel Stunden nach der Sonne. Ju­piter geht taun immer früher unter und ist nicht mehr lauge abends sichtbar. Venus hingegen bleibt roch monatelang im Südwesten zu sehen. Das himmlische Schauspiel wird noch schöner, weil ihm auch der eben wieder seine Scheibe füllende SUonb von rechts zusieht und zwischen dem 20. und 21. cn beiden Planeten unterhalb vorbeizieht. Außerdem bietet sich die Möglichkeit, noch einen weiteren, schwir sichtbaren Pla­neten in diesen Tagen aufzufinden, den Merkur, der eben­falls am 19. August dicht rechts und etwas oberhalb von der Montfichel zu finden ist und einige Tage dort als ein feines, silberweißes Sternchen rechts von Jupiter und Venus

M. 400 und Ueberweisung der Wohnung im Theater an p. Sturm. 12141

Dicustnachlichteil aus dem Kreise.

Gesunden: Ein Päckchen mit braunem baumwollenen Garn. Eine wollene Pferdedecke.

Verloren: Eine goldne Damtnuhr mit silberner Kette. Zugelaufen: Ein kleiner weiß und schwarzer Foxterrier m. Geschl.

Zugeslogen: Ein Kanarienvogel am 13. d. M.

Hanau am 18. August 1898.

Förderung der Geflügelzucht.

Die Zählung des Geflüg-ls, welche im Vorjahre zum ersten Mal in Preußen ausgeführt wurde, hatte den Zweck, Material zur Beurtheilung der Art und des Umfanges der Geflügelhaltung vnd deren wirthschaftlicher Bedeutung zu ver­schaffen. Die Ergebnisse der Zählung reichen dazu hin, über die allgemeine wirthschastliche Bedeutung der Geflügel­haltung, namentlich im Vergleich zu Bedeutung der sonstigen Gebrauche Viehhaltung, ein Urtheil zu gewinnen.

Als durchschlagendes Ergebniß ist bedauerlicherweise fest­zustellen, daß der Geflügelhaltung in vielen Theilen der Mo­narchie nicht diejenige Beachtung geschenkt wird, welche sie verdient. Sowohl im Hinblick auf den Gkflügelbestand an­derer Länder, wie insbesondere im Hinblick auf die große Bedeutung der stetig wachsenden Einfuhr an Geflügel- und Geflügelerzeugnissen erscheint der Bestand an Wirthschafts- gcflügel in Preußen überraschend niedrig. Ohne Zweifel wird es Gegenden und wirthschastliche Verhältnisse geben, wo die Geflügelhaltung im Vergleich zu anderen Pioduktions- zweigen sich als unrentabel erweist. Daß dies aber allgemein oder auch nur vorwiegend für Preußen zuträfe, wird man nicht behaupten körnen. Vielmehr liegt die Annahme nahe, daß Mangel an Kenntniß aller derjenigen Maßnahmen, welche die Giflügelwirthschaft zu einer lohnenden machen können, und alteingewurzelte Anschauung, die in der Geflügel­haltung auf dem Lande eher ein nothwendiges Uebel, als den Gegenstand eines lohnenden Wirchschaftsbetriebes zu erblicken geneigt ist, die Ursache des geringen Interesses ist, welches der Geflügelhaltung in der Landwirthschaft vielfach noch zuge­wendet wird.

Erst die in den letzten Jahren sistgestellte Thatsache, daß Deutschland immer mehr in der Deckung seines Bedarfs an Geflügel und Gi flügelerzeugnissen vlm Auslande abhängig zu werden droht, und deß wirthschastliche Werihe von bereits über 100 Millionen Mark, welche aus der Befriedigung des inneren Bedarfs mit Geflügel und seinen Produkten gewonnen

zu sehen bleibt, woraus er rasch in den Sonnenstrahlen ver­schwindet.

Ist Zucker den Zähnen schädlich? Unter den vielen Unwahrheiten, mit welchen der moderne Kulturmensch sich belügt, ist eine der verbreitetsten die Legende, daß ein fortgesetzter Genuß von Zucker, überhaupt von zuckerhaltigen Speisen und Getränken, die Zähne verderbe. Es hat bisher schwer gehalten, dies«, wie es scheint, durch Ueberlieferung geheiligte Anschauung zu erschüttern. Ein einwandfreier Be­weis für die zahnverderbende Einwirkung des Zuckers ist bis­lang noch nicht erbracht worden. Man weist allerdings viel­fach darauf hin, daß Leute, besonders Kinder, welche viel Süßigkeiten naschen, gewöhnlich schlechte Zähne haben. Viel­leicht aber verwechselt man gerade hier Ursache und Wirkung. Nicht, weil diese Leute viel zuckerhaltige Stoffe genießen, haben sie schlechte Zähne, sondern weil sie vielleicht in­folge einer angeborenen Schwäche oder infolge irgend welcher Krankheiten von Anfang an schlechte Zähne haben, haben sie eine man möchte sagen instinktive Vorliebe für Zucker, der nach der Meinung unserer Fachgelehrten ein wich- tigeS Nähr- und Kräftigungsmittel darstellt. Es wäre sonst ja nicht zu verstehen, weshalb gerate die Bewohner tropischer Himmelsstriche, die bekanntlich in ausgedehntem Maße Zucker genießen, die besten und haltbarsten Zähne haben. Man sehe sich nur einmal das prächtige, alabasterfarbene Gebiß eines Negers an, welches mit seinem schneeigen Schmelz den Neid auch des zrckerscheuesten Europäers erwecken dürste! Auch die Engländer, welchen man eine gewisse Vorliebe für Zucker nachsagt, zeichnen sich durch gute Zähne onS. Mas tndisirn Dem Zucker gilt, gilt nicht von allen Süßigkeiten. Insbesondere müssen Cüßigkeiten, Bonbons, Konfitüren, Limonaden, welche Fruchtsäuren enthalten, als schädlich zeichnet werden; denn die Säure greift bin Schmelz an und verdirbt dadurch die Zähne.

werden, dem Ausland zufließen, während sie der inländischen Landwirthschaft erhalten bleiben könnten, hat die Aufmerksam­keit der landwirthschaftlichen Vertretungen mehr auf diesen Betriebszweig gelenkt. Das Ergebniß aller neueren Ver­handlungen ist, daß man es versäumt hat, wie aus anderen Gebieten der Viehzucht, so auch aus dem der Geflügelzucht durch Belehrung, durch Darbietung von Zuchtmaterial und durch ein auf die Erzielung höherer Rentabilität gerichtetes Verfuchswesen dem mangelnden Interesse und Verständniß tu begegnen. Statt dessen hat sich ein Geflügelzuchtvereins­wesen herausgebildet, welches für die wirthschastliche Aus­nutzung der Geflügelhaltung nur von geringer Bedeutung ge­wesen ist, vielmehr durch die in den Vordergrund tretende Sortenzüchtung und Sportliebhaberei geradezu in verkehrte Bahnen gelenkt ist. Vorzugsweise auf städtische Elemente be­schränkt, hat das Geflügelzuchtvereinswesen in seiner bis­herigen Thätigkeit der Hebung der Geflügelzucht auf dem Lande fast gar nichts genutzt und ist der volkswirthschaft- lichen Bedeutung dieses Betriebszweiges überhaupt nie gerecht geworden.

Indem von der preußischen Staatsregierung im Etat der landwirthschaftlichen Verwaltung für 1898/99 zum ersten Mal ein besonderer Fonds zur Unterstützung und Förderung der Geflügelzucht, insbesondere in bäuerlichen Wirth schüften vorgesehen ist, wird der Versuch gemacht, der vorstchend geschilderten Entwickelung entgegenzuwirken. Es ist beabsichtigt, sich hierbei ausschließ­lich der Landwirthschaftskammern und landwirthschaftlichen Zentralvereine zu bedienen, in der Annahme, daß sie bei dem neu erwachten Interesse für Geflügelhaltung es verstehen werden, solche Einrichtungen und Maßnahmen ins Leben zu rufen, welche geeignet sind, eine wirthschastliche Ausnutzung der Nutzgeflügelzucht unter den Landwirthen und insbesondere unter den bäuerlichen Landwirthm zu verallgemeinern. Der Minister für Landwirthschaft hat deshalb beschlossen, Be­willigungen aus dem genannten Fonds nur noch an die Landwirthschaftskammern und landwirthschaftlichen Zentral­vereine behufs Hebung der Nutzgeflügelzucht ein treten zu lassen. Mangels eines anderen geeigneten Fonds werden dagegen den Sing- und Ziervögelzuchtvereinen, welche ein landwirthschaftliches Interesse nicht haben, insbesondere den lediglich der Liebhaberei dienenden Vögelzüchtereinen Staats- beihülfcn in Zukunft nicht mehr bewilligt werden. Dabei wird nicht das Ziel, bestehende Geflügelzuchtvereine überhaupt unwirksam zu machen, verfolgt. Allein es besteht die Ueber­zeugung, daß nur durch ein geeignetes Zusammenwirken mit den landwirthschaftlichen Vereinen für die Nutzgeflügelzucht Ersprießliches zu erzielen ist. Deshalb werden die Landwirth- schastskammern bezw. landwirthschaftlichen Zentralvereine Or-

»BaumHMWMMHeHHMBMHMWRMMHHHBMnMHHVffiMMBMMte

Der modernste Grtttz. Die New-Yorker Mode­schönen und Dandies sind verantwortlich für die neueste Art der Begrüßung auf der Straße. Wer diesen Gruß jedoch mit der erforderlichen Grazie und Schneidigkeit ausführen will, dem wird dringend anempfohlen, in der unbelauschten Einsamkeit seines Zimmers eine beträchtliche Anzahl Proben vor dem Spiegel abzuhalten, anderenfalls würde er sich un­sterblich lächerlich machen. Hauptbedingung bei der2)orf Salutation", wie dieser wirklich originelle Gruß in der amerikanischen Metropole genannt wird, ist Folgendes: Herr und Dame haben streng darauf zu achten, daß ihr Geiicht den Ausdruck absoluten Ernstes trägt. Die schelmisch oder freundlich lächelnde Miene, die früher daS Antlitz einer jungen Dame verklärte, wenn sie den sehnsüchtig schwär­merischen oder tiefehrerbietigen Gruß eines Verehrers er­widerte, ist heute gänzlich unangebracht. Nicht wie sonstdars die Schöne bei der Begrüßung auf offener Straße einem guten Bekannten frei und ehrlich in die Augen sehen oder ihm gar die tfianb drücken das wäre mehr als shocking. Die Yankee-Miß, die nicht nur wohlerzogen, sondern auch modern sein will, muß jetzt bei Annäherung -mes Herrn, von dem sie einen Gruß zu erwarten hat, ihr Mrenensprel vollständig in der Gewalt behalten; sie darf weder erröten noch den holden Mund zum Lächeln verzrehen, statt dessen eher einen etwas hochmütigen, nonchalanten Ausdruck zur Schau tragen, was durch Hochziehen der Augenbrauen m halb geschlossenen Augenlidern und leichtes Zurückwerfen deS Kopfes zu bewerkstelligen ist. Statt des früheren graziösen Neigens deS Oberkörpers nach vorne erfolgt jetzt ein ganz merkwürdiges zur Seite neigen, eine Bewegung, die vor allen anderen viel Uebung erfordert, um nicht den Spott und die Lachlust der Vorübergehenden zu erregen. Der moderne Mann muß dieses Seitwärtsbeugen des Körpers und Kopfes roch viel markanter ausführen; der Hut darf dabei nich