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für Stadt- und Laad» kreis Hanau 10 ^ Ml gespaltene Garmond- zelle oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
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Amtliches Organ für Hisöl- unö LsnSkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 189
Dienstag den 16. August
1898
Amtlich«».
SlaötKvsis K«n«»L».
^sfxBTWLchnnKen des Oberbürgermeisterames.
Städtisches Wasserwerk.
Es wird hierdurch bekannt gemacht, daß wegen Wassermangel die städtische Wasserleitung vom Mittwoch den 17. d. M ab täglich von 9 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags geschlossen bleiben muß.
Gleichzeitig wird um möglichst sparsamen Verbrauch des Leitungswasters ersucht.
Hanau den 16. August 1898.
Die Wasserwerksdirektion: v. G äßler.
Dicustuachrichleu aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Portemonnaie mit etwas Geld. Eine Fahrradlaterne. Ein weißer Kinderstrohhut. Zwei Handtücher und zwei Badehosen. Eine oxidirte Damenuhr Nr. 14751.
Verloren: Ein Rundreisebillet.
Hanau am 16. August 1898.
Tagesschau.
Von der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Oberkommando der Marine ist S. M. S. „Gefion", Kommandant: Korvetten Kapitän mit Oberst-Äeutenantsrang Follenius, am 12. August in Ujina angekommen und beabsichtigt, am 16. August wieder in See zu gehen.
Unter den zahlreichen Aufzeichnungen über den Fürsten Bismarck, deren Veröffentlichung in nächster Zeit zu erwarten ist, wird eine Publikation ein besonderes Interesse erregen. Der ehemalige Chefredakteur der ^Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", der Geheime Kommissions- rath Emil Pindter, der vor einem Jahre als Eigenthümer der inzwischen eingegangenen „Charlottenburger Zeitung" gestorben ist, bat ausführliche Tagebuchblätter hinterlassen. Die Familie des Verstorbenen beabsichtigt, wie die „Staatsbürger- Zeitung" mittheilt, jetzt die Veröffentlichung der Aufzeichnungen.
Eine Trauerfeier der gesummten deutsche» Studentenschaft ist zu Ehren Bismarcks geplant. Die Kommilitonen Leipzigs gaben hierzu die Anregung. Am Sonnabend Abend hat der Ausschuß der Bexlinex studentischen Vereinigungen beschlossen, zur Beisetzung nur einige Cyargirte zu entsenden, dagegen der später stattfindenden Einweihung des Mausoleums in corpore, beizuwohnen. Dclxgirtc aller
Feuilleton.
Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I.
Geboren den 15. August 1688.
Ernster und gew.sstnhafler hat nie ein Herrscher seines Amtes gewaltet, als Friedrich Wilhelm I. Das leuchtet hervor aus dem von ihm ausgestellten Grundsätze: „Gott hat den König nicht eingesetzt, um seine Tage in Genuß zu verbringen, wie die meisten thun, sondern um seine Länder gut zu regieren. Zur Arbeit sind die Regenten erkoren; will aber ein Fürst Ehre erwerben und mit Ehren seine Regierung führen, so muß er alle seine Geschäfte selbst vollziehen." Daß der König nach solchen Grurdsätzr» auch handelte, bezeugt ihm der österreichische Gesandte von Seckentorff, der von ihm schreibt: „Wer es nicht sieht, kann es nicht glauben, daß ein Mensch in der Welt soviel diffcrente Sachen in einem Tage expedieren und selbst thun könnte, wie dieser König selbst thut; wozu er denn den Morgen früh von 3 Uhr bis gegen 10 Uhr verwendet, dann aber mit Militär-Cxerzitien den Rest des Tages verbringt."
Darum durfte der gestrenge Herr auch viel von seinen Untergebenen verlangen. „Seine verfluchte Schuldigkeit thun", war ein beliebtes Wort des KönigS, und „Ordre parieren" mußte alles, vom ersten Rath bis zum Thorschreiber. So ist Friedrich Wilhelm der Schöpfer des unermüdlichen Beamtenstandes geworden, auf den Preußen stolz ist. Dabei sollte und mußte in allen Zweigen der Staatsverwaltung so ge- wirthschaflet werden, daß immer ein Ueberschuß blieb. Doch wo es das Wohl deS Landes forderte, war her, sonst so sparsame König freigebig. So, wo es galt, die immer noch nicht völlig geheilten Schäden zu beseitigen, die vom 30jährigen Kriege stammten. Mit namhaften Geldopfern begünstigte der
Hochschulen sollen Anfang Oktober in Hamburg zusammentreten, um die Einzelheiten festzustellen.
Die Frage der Gefängnitzarbeit wird den neuen Reichstag wohl schon bald nach der Eröffnung seiner Thätigkeit beschäftigen, da der Kampf gegen die Konkurrenz der Gefängnißarbeit in nächster Zeit sowohl von den dabei zunächst betroffenen Handwerker-Organisationen, als auch von den in Frage kommenden Arbeitern mit erneuten Kräften ausgenommen werden soll. In verschiedenen Berufszweigen, bei den Schuhmachern, Buchbindern rc., wird gegenwärtig Material über die Ausbreitung der Strafanstaltsarbeit, die Methode der Arbeilsvergebung in Zuchthäusern und Gefängnissen und die dadurch bewirkte Schädigung der freien Arbeiter, sowie der selbstständigen kleinen Meister gesammelt. Dies Material soll zur Begründung von Massenpetitionen der Betheiligten an den. neuen Reichstag dienen, in welchen eine wesentliche Einschränkung oder Umgestaltung der Zuchthausarbeit gefordert werden wird.
Der Vorstand des Deutschen Thierschutz- veretns hatte behusg Abstellung der bei Viehtransporten auf Eisenbahnen hinsichtlich des Tränkens der Thiere zutage getretenen Mißstände an den Minister der öffentlichen Arbeiten eine Eingabe mit der ausgesprochenen Bitte gerichtet, daß entweder auf allen Bahnhöfen, auf welchen erfahrungsmäßig ein längerer Aufenthalt eintritt, die zum Tränken der Transportthiere nothwendigen Eimer den Begleitmannschaften zur unentgeltlichen Benutzung verabfolgt oder für jeden zum Transport von Pferden und Vieh benutzten Wagen ein Tränkeiwer ausgegeben werden möge. Die Königliche Eisenbahndirektion, welcher diese Eingabe zur Erledigung überreifen wurde, hat dieselbe dahin beschieden, daß die bereits bestehenden diesbezüglichen Bestimmungen in Erinnerung gebracht und für den Direktionsbezirk angeordnet worden sei, daß auf denjenigen Stationen, auf welchen Thiersendungen einen längeren Aufenthalt erfahren, den Begleitern die zum Tränken der Thiere erforderlichen Eimer unentgeltlich zur Verfügung gestellt sowie die übrigen Direktionen der preußischen und hessischen Staatsbahnen ersucht worden seien, ihre Dienststellen mit gleichen Anweisungen zu versehen.
Polittschr und unpolitische Nachrichten.
(Depescheu-Burea» „Herold".)
Berlin, 15. August. Der Kommandeur der Königin Elisabeth Garde Grenadier-Regiment Nr. 3 in Charlottenburg, Oberst von Plötz, ist mit der Führung der 49. Infanterie- Brigade in Darmstadt beauftragt worden.
Berlin, 15. August. Das Kaiserpaar wohnte gestern dem Gottesdienst in der Schloßkapelle zu Wilhelmshöhe bei. — Der Kaiser nahm gestern den Vortrag des Ministers des
König die Ansiedelung betriebsamer Ausländer in den entvölkerten Gegenden von Ostpreußen. Um unvorhergesehenen Nothständen zu begegnen, ließ er Getreide-Magazine anlegen, deren Vorräthe zu angemessenen Preisen an die Unterthanen verkauft wurden. Müßiggang wurde nirgend geduldet, alles mußte arveiten und schaffen. Als im Lagerhaus zu Berlin d:r Betrüb der Tuchfabrik stockte, weil nicht genug gesponnen wurde, verfügte Friedrich Wilhelm, „daß alle Hökerweiber und herrenloses Gesinde!, auch die in öffentlichen Buden auf Markt und Gassen feilhabenden Handwerkerfrauen und Bürgers- löchter Wolle spinnen sollten."
Nach der vom König erlaffenen Handwerks-Ord- n u n g mußte, wer Meister werden wollte, Nachweisen, daß er sein Handwerk auS dem Grunde verstand; unerbittlich scharf wurde auf fleißiges Arbeiten gehalten, gegen den blauen Montag mit alle» Nachdruck eingeschritten.
Groß waren des Königs Verdienste um die Volksbildung. Im ganzen Lande errichtete er Volksschulen, in benen die preußische Jugend zu gottesfürchtigen und nützlichen Unterthanen erzogen werden sollte. Auch die höheren Lehranstalten wurden nicht vergessen.
Des Königs rastlose persönliche Thätigkeit kam vor allem auch dem Heerwesen zu gut; denn das Lieblingskind des Laudesvaters war das Heer, zumal die Infanterie, und als Muster und Vorbild für diese die Potsdamer Grenadiere, die sogenannte Potsdamer Wachtparade, wie die Spötter sagten. Aber diese Potsdamer Wachtparade hat Pommerr erobert, und Friedrich, der große Sohn des unermüdlichen Heerbildners, hat mit ihr ganz Europa in Respekt gehalten.
Schon als jugendlicher Kronprinz hatte Friedrich Wilhelm mit Vorliebe die Dorfjungen von Königs-Wusterhausen exer- zirt, die ihm zu Ehren mit hölzernen Gewehren ausgerüstet waren/ Bei seiner Thronbesteigung fand er ein Heer von 30 000 Mann vor. Diese Macht schien ihm für
königlichen Hauses von Wedel und heute denjenigen des Chefs des Zivilkabinets von Lucanus entgegen. Er empfing darauf den Dekan Hoffmann und den Gymnasialprofessor Guembel aus Speyer zur Vorlage von Skizzen und Plänen für die daselbst zu erbauende Gedächtnißkirche.
Berlin, 15. August. Herzog Ernst Günther von Schleswig-Hollstein trifft, wie der „Vossischen Zeitung" aus Brüffel gemeldet wird, mit seiner jungen Gattin, Prinzessin Dorothea, am 21. ds. Mts. in Brüffel ei«, um dem belgischen Königspaare einen Besuch abzustatten. Das junge Paar nimmt im königlichen Schlosse Wohnung. Der Hof bereitet ihm zu Ehren große Festlichkeiten vor.
Berlin, 15. August. Die beschlossene Vermehrung der deutschen Schiffe erfordert auch eine Vermehrung des Flotten- personals. Die Zahl der eingestellten Schiffsjungen ist daher in diesem Jahre um die Hälfte, von 300 auf 450 vermehrt worden, während gegen 81 Kadetten im Vorjahre in diesem Jahre 108 ausgenommen worden sind. Die Vermehrung beträgt hier also ein Drittel.
Berlin, 15. Angust. Gestern ist, wie die „Dosstsche Zeitung" berichtet, Professor Bastian von seiner Forschungsreise nach Südost-Asien glücklich zurückgekehrt. Er ist fast 2*/» Jahre abwesend gewesen, hat meist in der Nähe von Batavia gewohnt und von dort aus seine Forschungsreisen untern ommmen.
Berlin, 15. August. Bei der Feuersbrunst in Bad Flinsberg ist auch eine Berlinerin, nämlich ein Fräulein von Teichmann in den Flammen umgekommen. Drei Kellner, welche sich durch Sprung aus dem Fenster retten wollten, wurden schwer verletzt.
Berlin, 15. August. In Betreff der gestern todt aufgefundenen 79 Jahre alten Amilie Weinkauf scheint es sich entgegen dem ersten Anschein jetzt herausgestellt zu haben, daß kein Mord vorliegt. Genaueres läßt sich erst nach der gerichtlichen Obduktion der Leiche feststellen.
Bad Nauheim, 15. August. Kaiser Wilhelm kommt nach Besichtigung der 21. und 25. Division bei Maiuz am 21. ds. Mts. hierher, wo er mit der Kaiserin, welche von Wilhelmshöhe hierher kommt, zusammentrifft. Das Kaiserpaar wird gemeinsam der Kaiserin von Oesterreich einen Besuch abstatten.
Cilli, 15. August. Anläßlich der gestern hier stattge- fundenen Fahnenweihe des slawischen Gesangvereins kam es infolge des provozirenden Auftretens eines Slawen wiederholt zu Zusammenstößen mit den Deutschen. Schließlich schritt die Gendarmerie ein und nahm eine Anzahl Verhaftungen vor.
Ostende, 15. August. „Gazzettc" meldet, König Leopold und die Diplomatie Belgiens arbeite daran, in China die
Preußens königliche Stellung nicht ausreichend, und er scheute keine Mühe und keine Ausgabe für die Vermehrung und Kriegsbrauchbarkeit der Armer. Er hinterließ bei seinem Tode fast das Dreifache jener Truppenzahl: 66 Bataillone Infanterie, 60 Schwadronen Kürassiere, 45 Schwadronen Dragoner, 9 Schwadronen Husaren, 1 Bataillon Feld-Artillerie, 7 Garnison-Kompaguieen, 4 Landregimenter und 1 Bataillon Garnison-Artillerie, im ganzen 89 000 Mann.
Die ehemalige Lehens-Verpflichtung des Adels zum Kriegsdienst hob Friedrich Wilhelm auf nxb ließ sich dafür von der Ritterschaft Geldsummen entrichten, die dem Heere zu gut kamen. Auch von der früherm Landmiliz hielt er nichts; wohl mit Recht; denn sie lieferte ungeübte und unbrauchbare Mannschaften. Er ließ sich von den Ständen Geld zu Trupperwerbungen zahlen. Mit dem Gedanken der allge- meinen Wehrpflicht konnte man sich damals nicht befreunden, weil man meinte, ein rechter Soldat müsse auch zeitlebens Soldat sein: Friedrich Wilhelm hielt einen Mann, der drel Jahre gedient hatte, noch für einen ziemlich unerfahrenen Rekruten.
Jedes Regiment hatte im Inlands seinen bestimmten Kanton, aus dem es einen Theil seines Ersatzes, die Kantonisten, bezog. Der größere Theil der Mannschaft wurde durch Werbung aufgebracht, sowohl im Jnlande, wie auch öffentlich und heimlich im Auslande. Der Geworbene erhielt ein Handgeld von 30 Thalern. Besonders gern hatte der König große, stattliche Leute, zumal für sein Potsdamer Regiment, das er am liebsten aus lauter Riesen zusammengestellt hätte. Daher kam es, daß Generale und Obersten, die sich beim Könige in Gunst setzen wollten, alle möglichen, selbst gewaltsamen Mittel anweudeten, um große Rekruten zu bekommen; auch der König wendete mitunter große Summen an, um sich zu einem langen Flügelmann zu