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Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 186.

Freitag dc» 12. August

1898

A«ttich<». ^anö^me ^anau.

V^amümachuugeu des Königlichen Landrathsamtes.

Unter dem Rindviehbestande auf der Domäne Dotten- felderbof ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und die Gehöftsperre für den Hof angeordnet worden. Hanau am 11. August 1898.

Der Königliche Landrath

V. 8799 v. Schenck.

Dienstnachnchten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Hundehalsband von Metall. Ein weißer wildlederner Handschuh (rechter). Ein weißer Damen- glatzöhandschuh (recht-r).

Verloren: Ein Kontobuch. Zwei Photographiern.

Hanau am 12. August 1898.

^fa^t^ret0 ^anau.

BÄLMtAschuvsM des Oöersürgerweisteramtes.

Bekanntmachung.

Die Zimmer-, Dachdecker- und Spenglerarbetten für das Hauptgebäude des Uten Wasserwerkes werden hiermit öffentlich ausgeschrieben.

Pläne, ArbeitSauszüge und Bedingungen sind von heute an im Stadtbauamt I, Zimmer Nr. 23 des Rathhauses, für Interessenten zur Einsicht aufgelegt.

Angebote sind verschlossen mit der AufschriftZimmer- rc. Arbeiten für das Ute Wasserwerk" bis zum Montag, 15. d« M., vormittags 11 Uhr, bei der genannten Amts­stelle einzureichen, woselbst die Eröffnung eventl. in Gegen­wart betheiligter Unternehmer um diese Zeit statt finden wird. Hanau den 9. August 1898.

Der Magistrat

Dr. Gebeschus. 11726

China, Rußland und England.

Bruder Studio, der nicht nur nach Ausweis der Witz­blätter, sondern oft genug auch in Wirklichkeit das lebhafte Bedürfniß empfindet, einen Pump aufzunehmen, ober leider nur zu oft keine Gegenliebe findet, muß ein unsägliches Ge­fühl des Neides über den jüngsten Anlaß zum Konflikte zwischen Rußland und England in China verspürt haben. Da streiten sich die beiden Mächte darum herum, wer von beiden den Chinesen soll Geld borgen dürfen.Wenn'S doch mir auch einmal so ginge," seufzt Bruder Studio.

Ferrillets«.

Aus dem Thal der Gasteiner Ache.

Von Hermann Bauer. (Nachdr. verr.)

Wenn hart am Rande des ewigen EiseS das Edelweiß seine liebliche Blüthe öffnet, dann schließt auch der Weizen der Besitzer der Miethshäuser im alten Wildbade Gastein in Blüthe, und sie beeilen sich, die schier unglaublichen Preise anzusetzen, deren Höhe Gasteins Ruf überall in der ehren­vollsten Weise bekannt gemacht hat. Für sie beginnt nun die schöne Zeit des Wildbads, für den Freund dieses wunder­reichen Fleckchens Erde aber ist sie damit vorüber. DieHoch­saison" setzt ein, und dies Ding, international, wie sein Name, ist in Gastein nicht anders, wie in anderen Weltbädern höchstens, daß an der Gasteiner Ache die Kurgäste durch Unterhaltungen in keiner Weise belästigt und nur durch die fleißigen Leistungen der Kurkapelle in ihren Bemühungen, die liebe Zeit todtzuschlagen, unterstützt werden. Aber auch hier führen die Damen den Reichthum und die Eleganz ihrer Toiletten den bewundernden Zeit- und Ortsgenossen mit Grazie und Ausdauer zu Gemüthe; vor der I. k. Post stehen Männer mit nachdenklichem Antlitze und studiren die einem kleinen Theile der Menschheit leider noch immer räthselhaften Angaben des Kurszettels, und kurz auch hier trägt der Mensch in die majestätische Bergwelt all' die Kleinheit und Tagtäglichkeit, die sein unentbehrliches Gepäck zu sein scheint. Und gerade in Gastein kann selbst der kurzsichtigste und der nachsichtigste Beobachter nicht umhin, diese Wahrnehmung zu machen. Denn Gastein ist gar klein ein paar Dutzend Häuser um einen tosenden, schäumenden Wasserfall, und alle Welt muß sich tagaus, tagein an denselben Plätzen treffen: auf den wenigen, aber unvergleichlich schönen Promenaden-

Und er empfindet die Ungerechtigkeit des Laufs dieser Welt um so härter, als China ihm in einem Punkte gleich: in der geringen Neigung zur baldigen Zurückzahlung des ent­liehenen Kapitals. In einem Punkte aber unterscheidet sich China von dem flotten Studenten. Weun es dem Gläubiger gefällt, den Schuldner zum Konkurse zu bringen, dann findet er in China eine Konkursmasse vor, die nicht nur das Kapital deckt, sondern auch Wucherzinsen liefert. Und des- balb ist der Streit darum, ob England oder Rußland den Chinesen Geld zu dem Bau einer Bahn geben soll, doch gar nicht so unbegründet. Er hat vielmehr seinen sehr ernst­haften Grund, denn diejenige Macht, die ihren Willen wird durchsetzen können, hat einen Stützpunkt mehr, wenn es ein­mal zur Auftheilung China's kommt.

Wenn Rußland mit immer neuen Forderungen an China Herantritt, so trägt England zum großen Theil Schuld daran. Die Engländer haben sich anfänglich auch gegen berech­tigte Forderungen Rußlands aufgelehnt. So haben sie einen entsetzlichen Lärm erhoben, als Rußland mit der Ansicht hervortrat, Port Arthur zu besetzen, trotzdem doch die Ge­winnung eines eisfreien Hafens für Rußland fast eine Existenz­bedingung darstelle. Rußland kümmerte sich um den eng­lischen Protestlärm nicht und legte seine Hand auf Port Arthur; England aber wich muthig zurück. Hätte England nicht am unrechten Orte Lärm erhoben, so hätte es nicht zu­rück zu weichen brauchen und damit nicht seine Schwäche zu verrathen brauchen, jetzt, wo England einmal zurückgewichen ist, gefällt sich Rußland darin, auszuprobiren, wie weit wohl England noch zurückweichen wird. So hat es die Forderung derPolitik der offenen Thüren" schlechterdings die Folge- leistung verweigert und Port Arthur nach Art eines russischen Hafens behandeln zu wollen erklärt; so hat es die Forderung erhoben, daß die Militärinstruktoren für die Flotte sowohl wie für die Armee nur aus Russen bestehen sollten; so hat es jetzt wieder neue Forderungen ausgestellt. Wenn also Rußland über die ursprünglich berechtigten Forderungen hinousgeht, so mag sich China bei England dafür beranken.

England glaubt nun den Schaden, den eS China zuge­fügt hat, dadurch wieder gut zu machen, daß der englische Gesandte in Peking d<r chinesischen Regierung die offizielle und formelle Versicherung gibt, England werde China in dem Widerstände gegen Rußland unterstützen. Damit ist aber für China noch nicht sehr viel gewonnen. Denn einmal fragt es sich, wie weit diese Unterstützung gehen würde und zweitens gibt es, wie es inMinna von Barnhelm" so schön heißt, Beispiele von Exempeln", daß England Unterstütznngsver- spreaungen nicht immer streng innegehalten hat. Friedrich dem Großen war im siebenjährigen Kriege Geldunterstützung durch England zugesagt, aber gerade als seine Lage ohnehin wegen, die an den Hängen der Berge entlang führen, in der Wandelhalle, in der bei ungünstigem Wetter die Badekapelle ihr Werk verrichtet, oder auf dem kleinen Sträubingerplatze, der den Namen der ältesten unter den Dynastenfamilien Gasteins trägt, den Mittelpunkt des Badelebens bildet und durch das Durcheinander von promenirenden Kurgästen und neugierigen Bauern, von Gasteiner Müßiggängern und stets auf Beute fahndenden Hoteldienern ein besonderes Gepräge erhält. Und hier bei den Walzer» der Kapelle, dem Ge­knarre phlegmatischer Lastwagen und den Signalen der Post­hörner entfaltet sich denn jener alte und ewig neue Eitel- keitsmartt von Klatsch und Flirt, von neuen Bekanntschaften und alten Feindschaften, von Bewunderung und Neid, der nun einmal zu den ständigen Einrichtungen eines Weltbades gehört.

Wenn aber der Strom der Gastein besuchenden Fremden noch gering ist, welch' ein köstlicher Friede herrscht dann hier in den Bergen! In den mächtigen Nadelwäldern, in die der Ort gebettet ist, ruft der Kuckuck und singen die Vögel um bie Wette. Ungeduldig stürzt die Ache in mächtigen Sätzen wohl hundert Meter in die Tiefe hinab, eine dichte Säule von Wasserstaub emporseudend, um dann noch lange sprudelnd und springend in reißendem Laufe durch das Gasteiner Thal nordwärts der starken Salzach zuzueilen. Da liegt sie vor uns die grüne Gastein, wie das Thal hier genannt wird, eine lachende Thalmulde, überall dicht von den charakte­ristischen Heustadeln besetzt, und weithinauf ziehen sich an den mächtigen Berghängen die einsamen Almhütten, von tief­grünen Wiesen in all' der unvergleichlichen Pracht der Alpen­flora umkränzt, und fast greifbar nahe winkt von Hof-Gastein im Thale der weiße Kirchthum herüber, besten Glocke kaum den grauenden Morgen erwarten kann, um die Leute der Güstern in weithallenden Schlägen an ihre Pflichten zu mahnen. Darüber erhebt ins klare Blau des Aethers der Gamskarkogl,

Höchst bedenklich war, blieben die englischen Hilfsgelder plötz­lich aus. Ebenso dachte Wellington nicht daran, dem bei Ligny hart bedrängten Blücher zu Hilfe zu kommen. China hat ja übrigens aus seiner eigenen Geschichte Be­weise für die Unzuverlässigkeit Englands. Schlug sich nicht England, das im chinesisch-japanischen Kriege zunächst China wohlwollend gegenüber stand, plötzlich auf Japans Seite. Und wenn China schließlich gnädiger davon kam, als es nach seiner kläglichen Kriegsführung eigentlich ^verdient hätte, so wurde dieser Erfolg doch nicht durch England, sondern gegen England erzielt. China kann also aus der Ver­gangenheit nicht den Anlaß fcköpfen, den gegenwärtigen Zusicherungen Englands Zusicherungen, die, wie die chinesische Regierung sehr wohl weiß, nicht zur Wahrung chinesischer, sondern englischer Interessen gegeben sind und die sofort ihren Werth verlieren, wenn die englischen Interes­sen fortfüllen oder sich verändern, allzuviel Vertrauen zu schenken. China wird also sein Heil nur darin erblicken können, zwischen den englischen und den russischen Einflüssen zu laviren. Das ist gewiß eine klägliche Politik, aber bei der völligen Zerrüttung aller Verhältnisse in China, bei der vollständigen militärischen Ohnmacht des himmlischen Reiches, ist es die einzige Politik, bei der die freilich recht beschränkte Selbständigkeit Chinas noch eine Zeit lang erhalten bleiben kann.

Rußland also sowohl wie England wüsten darauf ver­zichten, bei ihrem Machtkämpfe in Ostasien China als einen Faktor anzusehen, b.r ihre Position zu ungnnstcn des Gegners verstäken könnte. Die beiden Mächte haben nur mit einander zu rechnen und zu prüfen, ob sie für sich allein im Stande sind, den Gegner nieder zu werfen.

Welche der beiden Mächte ist die stärkere? Rußland hat seit Jahr und Tag seine Streitkcäfte, wie in Asien überhaupt, so besonders in Nordost-Asien vermehrt, aber es ist trotzdem die Frage ob sie bereits jetzt den englischen Streitkräften in Asten so gewaltig überlegen sind, daß dadurch daS ungeheuere englische Uebergewicht zur See mehr als ausgeglichen wird. Was England anbelangt, so haben die vorjährigen Kämpfe an der indischen Nordgrenze gezeigt, daß England dort seine Position noch sehr befestige» muß, ehe eS daran denken kann, größere Truppenmoffen aus Indien herauszuziehen und den Rüsten entgegen zu stellen.

England also ebenso gut wie Rußland haben gute Gründe, den Ausbruch des Konflikts noch hintanzuhalten. Beide Mächte haben freilich so viel Gegensätze in Asien mit ein­ander auszutragen, daß schließlich der Konflikt unvermeidlich sein wird. Aber gerade um der Mannigfaltigkeit dieser Gegensätze willen ist es noch garnicht sicher, daß im ent­scheidenden Momente gerade China den Anlaß zum Ausbruche der charakteristische Berg der südlichm Gastein, seine drei Spitzen, ein mächtiger, aber in seiner Form doch eleganter Gipfel, während in unmittelbarer Nähe des Wildbades der kahlköpfige Graukogl mit der wunderbaren Warze aus seinem Haupte ernsthaft den Ausgang des Thales hütet und die segev- sp-ndenden Quellen, die in seinem Innern in engem Schachte kochend heiß dem Gestein entspringen, das hier gewiß weniger, als irgendwo, die Bezeichnungtodt" verdient. Welchen Weg man auch einschlägt, überall gleicht die Wanderung einem wundervollen Wandelpanorama. Da geht's zu Kötschach, die ihr enges Thal mit wildem Brausen erfüllt, und je ein­samer der Pfad wird, um so großartiger tritt im Hinter­gründe die Majestät des Elendgletschers hervor, dessen Eis, in der Sonne blinkend, starke Lichtwellen herübersendet. Dort folgen wir dem Laufe der vertraulichen Ache^ aufwärts, vor­bei an Strudel und tosenden Fällen, aufwärts ins Gebiet der Alpenrosen, in immer wildere Bergkcstel, bis wir in der ernsten Einsamkeit des Naßfeldes angelangt sind, wo die Marie Valerie-Schutzhüite den mächtigen Tauern ins Gesicht blickt, die noch heut, wie vor Jahrhunderten eine Lander- und Völkerscheide bilden. Nur ein mühsamer und zuweilen nicht ungefährlicher Bergweg führt hinüber ins heitere Land Karnthen, und Post und Berühr müssen noch heut einen gewaltigen Umweg um die Mauer der Tauern machen, wenn sie das schöne Gastein erreichen wollen.

Wie lange noch, und die moderne Kultur hat auch in diesen Wall Bresche geschlagen! Schon seit Jahren schwebt das Projekt einer Tauernbahn, die von Lend ausgehend dem Gasteiner Thale folgen, die Tauern in einem Tunnel durch- brechen und ins Thal der Möll, nach Ober-Vellach und Sachsenburz hinüber führen soll. Wenn dieser bis in alle Einzelheiten längst sorgfältigst bearbeitete Plan zur Aus­führung gelangt, aber die inneren Verhältnisse Oester­reichs eröffnen leider wenig Hoffnung auf baldige Vollendung