Einzelbild herunterladen
 

Wt»««ementS- Preis:

Jährlich 9 * -Sjährl. 4^50^. vierteljährlich 2 .* 25 ^

Mr auSwärtige Momenten mit de» betreffenden

Yostaufschla^

Die einzelne Nummer kostet

19 A

EinrScknng». gebühr

für Stadt- und 2o* kreis Hanau 10 ^Mi ^gespaltene Gannmlck- Zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^

Im Reklamenlheil die Zeile 20 ^, für

Auswärts 30 ^.

Amtliches Organ für Stsöi- unö LanSKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 182

Montag den 8. August mnHHmo»um»HHnt

1898

AmMchrs.

MaötUröi# ^anau.

Zwecks Einlegung der Kabel ist von Montag den 8. bis einschließlich Mittwoch den 10. d. M. die Sperrung fol­gender Straßenstrecken für den Fuhrverkehr angeordnet worden:

Hirschstraße, Strecke Salz- und Nürnbergerstraße,

Rosenstraße, ferner für das Straßenkreuz Nürnbergerstraße Kölnischestraße.

Von der letzteren Ecke wird die Kabellegung vom Donners­tag den 11. d. M. an fortgesetzt und von dieser Zeit an ist die Absperrung für den Fuhrverkehr angeordnet in den Strecken;

Marktplatz (-Südseite)Römerstraße bis Kanalplatz und den darin enthaltenen Straßenkreuzungen.

Die Absperrung der Straßenstrecken ist durch Aufstellen von Böcken erkenntlich gemacht.

Hanau, 6. August 1898. P. 8317

Königliche Polizei-Direktion.

v. S ch enck.

Dicustuachrichtcu aus dem Kreise.

Gesunden: Eine Brille mit Futteral. Im Rathhaus (Wartezimmer) ein Korb stehen geblieben. Ein Va Liter- Maaß.

Verloren: Ein Portemonnaie mit 8 Mk. Inhalt und 3 Konsummarken. Eine silberne Damenremontoiruhr nebst Kette.

Hanau am 8. August 1898.

Die Emser Depesche.

Zu den Schmähungen, mit welchen Fürst Bismarck noch nach seinem Tode von sozialdemokratischer wie französischer Seite überhäuft worden ist, hat natürlich auch das bekannte Märchen von der Fälschung der Emser Depesche wieder aus­giebigen Stoff liefern müssen. Bismarck soll durch diese verbrecherische That", wie man sich auszudrücken beliebt, den Kriegsbrand zwischen Frankreich und Deutschland leichtfertig entfesselt haben.

Da es leider immer noch Leute gibt, die sich durch solche im Tone unfehlbarer Gewißheit vorgetragenen Märchen blen­den lassen, so dürfte eine kurze Richtigstellung wohl am Platze sein. Dankbar ist anzuerkennen, daß von freisinniger Seite auch in diesem Punkte der Wahrheit die Ehre gegeben wird. Sd ist beispielsweise dieVosstsche Zeitung" erst jüngsthin in schlagender Ausführung allen Versuchen, aus der Legende der Emser Depeschen-Fälschung Kapital wider den todten Reichskanzler zu schlagen, mit Entschiedenheit entgegengetreten.

Feuilletsn.

Keisebrief aus Mürchurg. i.

(Orikinalbrief.)

Main, Wein und Glockenklang gehen durch ganz Franken­land" an diesen Spruch wird man nirgends so erinnert, wie in der alten Main- und Weinstadt Würzburg. Sie ist heute die Stadt der Kirchen und Priester und zugleich der Kliniken und Aerzte, weltberühmt durch die Erfindung ihres Universitätsprofessors Röntgen, in alter Zeit durch ihren Bürgermeister Tillmann Riemenschneider, den größten Bild­hauer seiner Zeit (t 1531), von welchem eine große Reihe von Bildwerken in der Stadt und Umgebung herrühren, die sich durch Schönheit der Gestalten, Innigkeit und Weichheit der Empfindung, lebensvolle Charakteristik und edlen Stil ausze'chnen. Daß Würzburg zugleich die Stadt der Priester und Aerzte werden konnte, verdankt eS der Energie des Bischofs Julius Echter von Mespelbrunn, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, der nicht nur die reforma- torischen Bestrebungen mit Härte unterdrückte, sondern auch durch die Begründung des Julius-Spitals, eines großen Krankenhauses sür:Arme, abgearbeitet und unvermögend Volk, auch arme, kranke, breßhaft und verlassene Leut" der Arzneikunst hier eine Grundlage gab, auf der die Jahrhunderte weitergebaut haben. Wer die Stadt seit einer Reihe von Jahren nicht gesehen hat, erstaunt über die Entwickelung, die das neue Würzburg neben dem alten genommen hat, das mit seinen winkligen Gäßchen, originellen Hävsern und Giebeln einen so altdeutschen Eindruck macht, wie neben Nürnberg kaum eine andere süddeutsche Stadt. Am schönsten präsentirt sich Alt-Würzburg von der alten Mainbrücke aus, wo der

Kaiser Napoleon war lange vor 1870 bereits zum Kriege mit Deutschland fest und unwiderruflich entschlossen; er be­trieb aufs eifrigste die Rüstungen zu diesem Kriege und be­mühte sich angelegentlich, Bundesgenossen zu werben. Darüber liegen unwiderlegliche Aktenstücke vor, und auch von unbe­fangenen französischen Darstellern jener Epoche ist die Rich­tigkeit dieser Thatsachen mehrfach anerkannt worden. Der Krieg mußte kommen, weil er für die Franzosen beschlossene Sache war.

Bismarcks genialem Scharfblicke entgingen die feindlichen Pläne des Nachbars nicht. Er sah die Unvermeidlichkeit des heraufziehenden KriegsgewitterS voraus, und seine glühende Vaterlandsliebe veranlaßte ihn naturgemäß, auf ein Mittel zu sinnen, daß Deutschland von der Entladung des Wetters in einem möglichst günstigen Momente getroffen würd?. Zu diesem Zwecke schrieb er die Emser Depesche. So wie er handelte, würde und müßte jeder Patriot von gleicher Einsicht gehandelt haben. Fürst Bismarck erfüllte, als er die Emser Depesche verfaßte, im Namen und Interesse des ganzen Volkes eine Pflicht nationaler Selbsterhaltung. So und nicht anders stellt sich dem gerechten Urtheil jene Thatsache dar.

Der Inhalt der Depesche enthielt an sich nichts, was nothwendig den Krieg her beiführen mußte. Aber in Frank­reich drängte die Stimmung zum Kriege. Man suchte längst begierig nach einem Vorwande, um sofort loszuschlagen. Die Emser Depesche lieferte ihn. Frankreich stürzte sich, wie Bis­marck vorausgesehen hatte, ohne genügende Rüstungen und ohne Bündniß in den Krieg.

Die Emser Depesche berichtet von den Verhandlungen zwischen König Wilhelm und Benedetti. Wäre der Verlauf der Verhandlungen falsch dargestellt worden, so hätte sicherlich wenigstens einer der beiden Männer dagegen Einspruch er­hoben. Das ist jedoch keinesfalls geschehen. Mit Recht be­merkt daher dieVosstsche Zeitung":Wie man jene De­pesche eine Fälschung nennen kann, ist nicht abzusehen. Es wurde in dieser Depesche manches verschwiegen, was der König seinem ersten Minister vertraulich geschrieben hatte, aber ver­ständigerweise wird kein Mensch verlangen, daß der Verkehr zwischen König und Minister in gefahrdrohenden Zeiten sich im Lichte der Oeffentlichkeit vollziehen solle."

Im Uebrigen erscheint es unverständlich, warum gerade die Sozialdemokratie als angebliche Vertreterin der Arbeiter- Jnteressen^die Thatsache des 1870er Krieges so sehr verab­scheut, daß sie seinen vermeintlichen Urheber nicht scharf genug zu brandmarken vermag. Kein Berufsstand verdankt der Schöpfung dieses Krieges, dem neugeeinten Reiche mehr, als gerade die städtische Industrie-Arbeiterschaft. Der reiche, un­geahnte Aufschwung unserer industriellen Erwerbsthätigkeit datirt erst seit dem Frankfurter Friedensschlüsse her. Die

Blick auf den Marienberg mit dem alten SchloßWirte- burc", an dessen Mauern sich 1525 der Sturm der 20 000 aufrüherischen Bauern brach, und zurück auf die Domstraße auf die Eingangsfront des Doms einen durchaus eigenartigen Eindruck gewährt. Ueberhaupt machen die Mainuser mit ihren Rebenhügeln einen sehr lieblichen Eindruck; hier gedeihen die besten Weinsorten nach dem alten Trinkerspruch:Zu Würz­burg am Stein, zu Klingenburg am Main, zu Bacharach am Rhein, da wächst der beste Wein". Die Weinberge in der Umgebung der Stadt sind zum großen Theil Weingüter des Julius-Spitals und des Bürger-Spitals, die durch dieselben zu großem Wohlstände gekommen sind. Das Julius-Spital hat ein Vermögen von 9 Millionen Mark und besitzt an 300 Gebäude, 18 000 Morgen Waldungen und außerdem 8000 Morgen Grundbesitz. Nachdem noch zu guterletzt die Preußen die Festung auf dem Marienberg im Jahre 1866 vom gegenüberliegendenKäppele" mit Feldgeschützen beschossen haben, wurde die Festungseigenschaft der Stadt aufgehoben, und nun konnte Neu-Würzburg sich entfalten. Zum Auf­schwung der Stadt, welche 60 OOO Einwohner zählt, trug ferner die bedeutend gesteigerte Frequenz der Universität bei, deren medizinische Fakultät zu den berühmtesten Deutschlands zählt. Das Glacis der Festung umschließt die Stadt in einem großen Bogen und ist nun mit den herrlichsten Anlagen ver­sehen. Neben der alten, mit 14 Standbildern fränkischer Heiligen und Berühmtheiten (selbst Pipiu der Kleine ist darunter) geschmückten Mainbrücke wird der breite Main unten durch die Luitpoldbrücke, oben durch die Ludwigsbrücke über­spannt, und zahlreiche neue Prachthäuser und Villen ziehen sich am Glacis entlang, die der neuen Stadt ein vollständig großstädtisches Gepräge verleihen. Am meisten lohnend ist für den Fremden der Besuch der alten, innen durch Rokoko- stil vnd Jesuitengeschmack im vorigen Jahrhundert über- 1 ladenen und prunkvoll ausgestatteten Kirchen. Der ^tom ist

Sozialdemokratie beweist auch in diesem Falle wieder, daß sie die geschichtlichen Thatsachen nicht richtig zu würdigen vermag und daß sie vor allem das nicht ist, was sie zu sein stets vorgibt eine rechte und wahre Arbeiterpartei.

Politische und unpolitische Nachrichten.

!(Depesche«-Burea« .Herold*.)

Berlin, 7. August. Der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung zufolge sind anläßlich des Ablebens des Fürsten Bismarck beim Auswärtigen Amte weitere Beileidsbezeugungen von der spanischen, portugiesischen und chinesischen Regierung eingelaufen.

Berlin, 7. August. Dem Berliner Lokal-Anzeiger wird aus Friedrichsruh gemeldet: Bisher sind bei der Familie Bismarck 2000 Beileidstelegramme eingelaufen. Die Zahl der durch die Post eingetroffenen Packete mit lebenden Blumen beträgt bereits über 1000.

Wien, 7. August. Von verschiedenen Seiten wird ge­meldet, daß die zwischen Bavffy und Thun geführten Kon­ferenzen zu keiner Verständigung geführt haben. Die Mi­nisterpräsidenten werden sich deshalb nach Jschl begeben, um die Entscheidung der Krone zu überlassen.

Jnnichen (Tyrol), 7. August. Von der Drei-Schuster- Spitze stürzten zwei deutsche Touristen ab. Dieselben wurden bis spät Nachts nicht ausgefuuden.

Amsterdam, 7. August. Mehrere tausend Zimmerleute stellten die Arbeit ein. Durch diesen Streik sind die Vor­bereitungen zur Krönungsfeier gefährdet.

Paris, 7. August. Der Temps gibt genaueren Aus­schluß über die Entscheidung der Anklagekammer in der Affaire Dupaty de Clam. Danach hat die Autlagekammer nämlich entschieden, daß der Untersuchungsrichter Bertulus nicht kom­petent sei, gegen Dupaty de Clam einzuschreiten. Sie hat vielmehr auch das Zeugniß Christian Esterhazy's geprüft und erklärt, daß keinerlei ernstliche Anklagegründe gegen Dupaty de Clam norliegen.

Paris, 7. August. Dem Soleil zufolge ist das Be­finden der Exkaiserin Eugenie Besorgniß erregend.

Nantes, 7. August. Die feindseligen Kundgebungen gegen Grimaux uud Guyot wiederholten sich auch gestern. Der Bürgermeister forderte die beiden auf, Nantes so schnell als möglich zu verlassen. Die Kongressisten begaben sich infolgedessen nach dem nahe gelegenen Orte Pliffon.

London, 7. August. Das von Hamburg nach Kanada bestimmte Schiff Fortuna ist bei Neu-Fundlaud nach einer Kollisstou mit einem Eisberge gesunken. Einzelheiten fehlen noch.

Madrid, 7. August. Spanien lehnt entschieden die Beibehaltung der Kuba-Schuld ab, welche den Bankerott

l^^^^^al^^^^

die größte römische Basilika in Deutschland und hat 23 Al­täre mit großen Altarbildern; die Neumünsterkirche mit ihrer Zopfstil-Facade ist seit dem Jahre 851 in ihren ersten An­fängen errichtet über den Gebeinen des Franken-Apostels Kilian und seiner Genossen. die hier vom Thüringer Herzog erschlagen wurden. Sie hat eine sehenswerthe Krypta und macht trotz der inneren Ueberladenheit durch ihren sehr hohen Chor einen gefälligen, zur Andacht stimmenden Eindruck.

Aus Kunst und Leben.

Wer das Zählen des Puls-s erfand, wissen heute gewiß Wenige zu sagen. Schon der alte griechische Arzt Galenos lehrte seine Jünger das Befühlen des Pulses als ein Mittel zur Beurtheilung des Krankheitszustandes eines Menschen. Es ist um so wunderbarer, daß noch weit mehr als ein Jahrtausend verging, ehe man daraus tarn, Schläge des Pulses beim gesunden und kranken Menschen zu zählen, wie der Arzt es auch heute noch vielfach thut, wenn es nicht auf eine ganz genaue Messung der.Körpertemperatur ankommt. Freilich konnte man nicht früher daran denken, den Puls zu zählen, ehe man genaue Apparate zur Messung kleiner Zeitabschnitte besaß. Sanduhren waren dazu mcht ge­eignet, weil der von ihnen angegebene Zertabschmtt zu groß war, und dasselbe war bei den früheren Taschenuhren der Fall. Es war der englische Arzt Sir John Floyer, welcher 1649 bis 1734 lebte, der als Erster versuchte, die alte Kunst des Pulsfühlens durch den Gebrauch einer Pulsuhr zu ver­vollkommnen. Im Jahre 1707 veröffentlichte er eine Arbeit unter dem TitelDie ärztliche Pulsuhr", in der es heißt: Nach vielen Versuchen mit Pendeluhren versuchte ich es mit einer Pulsuhr, und mit dieser kann ich einen gesunden von einem übermäßigen oder von einem versagenden Pulsschlage gut unterscheiden." Dieser alte Arzt war überhaupt ein eigen-