Einzelbild herunterladen
 

«tnnnement»- Preis:

Jährlich 9 «M.

Wtjährl. 4^6 50* vierteljährlich

2 -« 25 J.

Für auswärtige UKmnmten mit dem betreffenden Psstaufschlag.

Die einzeln«

Nummer kostet

10

Jm Reklammthcil die Zeile 20 ^ für Auswärts 30 ^.

Einröckurlg-.

gebühr

für Stadt- und Lot» kreis Hanau 10 ^ Hl ^gespaltene Garmond« zeile oder deren Raum,

Zugletch

Amtliches Organ für Htsöt- unö Lanökreis Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 180.

MES8MWMMM

Freitag den 5. August

1898

Hierzu

Amtliche Beilage" Nr. 51.

DienstmchriMeil aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Dachdeckerhammer. Ein Hundemaul- korb mit Marke 551.

Hanau am 5. August 1898.

Bismarcks Vermächtniß.

Die Schöpfungen des Fürsten Bismarck überdauern ihn und werden noch der späten Nachwelt seine Größe künden. Aber auch ein Testament, ein köstliches Vermächtniß hat er uns hinterlassen. Es liegt in der vorbildlichen Arl seines Wirkens, in der Weise, wie er Politik ausgesaßt und gehand- habt wissen wollte. Leben wir dieser Art nach, werden wir im vollsten Sinne Erben Bismarckschen Geistes, so wird uns ein unvergleichlicher Schatz zufallen.

Den Kern des politischen Wesens und Wirkens Bismarcks birgt jene Aufforderung, die er einst in einer großen Rede an den versammelten Reichstag richtete:Lassen Sie den nationalen Ge­danken hell leuchten vor ganz Europa !" Der nationale Gedanke er war der schöpferische Lebensquell seiner Ruhmestaten, der stete Leitstern seiner schicksals- und arbeitsschweren Lebensbahn. Aus der Kraft des Nationalbewußtseins, die in Bismarck lebte und schaffte, erklären sich alle Einzelheit:» seims staats- männischen Handelns.

Nur diese Kraft, nur die unbedingte Liebe zu König und Vaterland, ließ Otto v. Bismarck, den altpreußischen Junker, zu einem Nationaldeutschen werden, ließ ihn die festgewurzelte» Neigungen und Ueberlieferungen eines bestimmten Standes­kreises und besonderer Stammesart überwinden, nur sie allein befähigte ihn, unbeirrt von den Partei-Streitigkeiten des Tages, den Blick immerdar fest auf das große Ganze gerichtet zu halten. Daher auch seine tiefgehende Abneigung gegen alles kleinliche Fraktionswesen, sein stetes Mahnen zur Einigkeit und seine bittere Verurtheilung deS alten Erbübels der Deutschen, des bösen Bruderzwistes.

Lassen wir den nationalen Gedanken hell leuchten vor ganz Europa!" Nicht besser ehren können wir den großen Todten, als wenn wir dieses Mahnwort zur Richtschnur für unser politisches Handeln machen. Nur dann erfüllen wir Bismarcks Vermächtniß, wenn wir uns fest zusammenschließen und treu zu Kaiser und Reich stehen. Bismarcksche Politik treiben heißt Sammlungs-Politik treiben, Sammlungs-Politik im tiefsten und zugleich weitreichendsten Sinne deS Wortes, nicht sür den vorübergehenden Zweck eines Wahl-Feldzuxes, sondern in allen Phasen und Wandlungen öffentlichen Lebens. e^jmg^.^^ g»«gegg^

FertiAetsn.

Ksmarck und der Tod.

Ein Beitrag zum Charakterbilde des Fürsten Bismarck.

Von Ernst Golz.

(Nachdruck verboten.)

Den Starken hat der Stärkere überwunden, den Mann von Eisen hat der Knochenmann hinweggeführt. In einem 83jährigen Leben hat Fürst Bismarck den Tod in mannig­fachen Formen gesehen, und er hat mehr als einmal Gelegen- best und Veranlassung gehabt, über das große Räthsel nach- zudenken, in das das Menschenleben ausgeht. Auch hat er sich nie gescheut, der ernsten Frage über des Daseins Solist! und Lösung offen ins Auge zu blicken, und eben weil die Beantwortung dieser Frage mit der Auffassung der mensch­lichen Dinge überhaupt aufs Engste zusammenhängt, darf eine Betrachtung der Stellung Bismarcks zum Tode wohl auch als ein Beitrag zu seinem Bilde bezeichnet werden.

Die Eltern waren die Ersten, die Bismarck durch den Tod verlor. Am Neujahrstage 1839 starb in Berlin die lange kränkelnde, von Statur zarte Muttermund sie zog den Ratten nach sich ins Grab. Von dem Schlaganfall, den er Mob, der seelischen Erschütterung erlitt, hat sich der alte Nr nie mehr erholt; und nachdem er 14JWonate langm Wem QimtnEr des Schönhausener Schlosses, in dem Funker ^o einst das Licht der Welt erblickt hatte, gelegen und glitten hatte, schied er am 22. November 1845 aus der ^t. Bismarck stand damals im krästigsten Manne-alter ^ war voller Lebenssülle und geistiger Gesundheit;eruhts 6" Weihen M «reifen ®«tei 3 y»r be|e BM »^schüttelnden Schmerz. Offen hat er sich em IM ^chh-r über seine damaligen Empfindungen geäußert.Der

Mit Notbwmdigkeit abw ergibt sich aus solcher Politik Zeit begann die Auffahrt der geladenen Gäste. Die am Ber- auch der mannhafte Entschluß zu entschiedener Bekämpfung liner Hofe beglaubigten Gesandten boten in ihren prunk- fller antinationalen Richtungen unseres Volkslebens, also ins- blsondere der Eozialdewokiatie. Die Sozialdemokratie weiß wohl, warum sie den greifen Recken im Sachsenwalde so glühend haßte, daß sie ihn auch noch über den To» hinaus

mit ihrem Hoffe verfolgt. In der Sammlungs-Politik des Fürsten Bismarck, in feiner Politik der großen Ziele und des ausschließlich nationalen Handels ist uns das sicherste, ja das einzige Bollwerk wider die finstern Gemalte« des Umsturzes verliehen. Darum nochmals: geloben wir an der Bahre des Dahingeschiedenen, sein netionalpolitisches Vermächtniß getreu­lich zu erfüllen, und wir könnten getrosten Muthes der Zu­kunft des Vaterlandes entgegenblicken.

Die National-Tva«erfrier für den großen Kanzler.

Berlin, 4. August. Die Stadt Berlin zeigte heute ein sehr trauervolles der Bedeutung des Tages ent­sprechendes, weihevolle- Bild. Ein großer Theil der Laden­besitzer hatte der Aufforderung des Vereins Berliner Kauf­leute und Industrieller und des Zentral Verbandes kauf­männischer, gewerblicher und industrieller Vereine Folge ge­leistet und die Geschäfte geschlossen. So sah es in manchen Theilen der Leipziger-, der Friedrich- und der Straße unter

den Linden wie Sonntags vormittags aus. Besonders war die Aufforderung von den großen Waarenhäusern und Maga­zinen befolgt worden, aber auch die Mehrzahl der kleinen Läden war geschloffen und die Schaufenster verhängt, oder nahmen die Fürstlichkeitm Platz, durch Rollläden gesperrt. Der Trauerschmuck der Fenster den Reichskanzler mit den zahlreich erschienenen Vertretern war noch reichlicher gcworden. Besonders war zu bemerkn, daß sich die Zahl der kleinen Flaggen und Tramrdekorationen einzelner Gefchästsinhaber und Bewohner der Häuser auf­fallend vermehrt hatte. Ungemein reichlich war die Aus­schmückung in der Friedrichstraße und der Straße Unter bin Linden.

Berlin, 4. August. Heute Vormittag 10 Uhr hat in der Kaiser Wilhelm-Gedächtnißkirche die vom Kaiser befohlene liturgische Andacht für den verstorbenen Fürsten Bismarck stattgefunden. Bereit» um 8V» Uhr begannen in der Um­gebung der Kaiser Wilhelm-Gedächtnißkirche alle Straßen und Plätze sich mit einer ungeheuren Menschenmenge zu füllen. Alle Fenster der umliesenden Häuser, sowie sämmtliche Balköne waren mit Publikum besetzt. Zahlreiche Photographen hatten Aufstellung genommen, um das sich darbietende farbenprächtige Bild aufzunehmen. Um 91/» Uhr begannen die Glocken zu läuten, die Chren-Kompagnie, welche von dem 2. Garde­regiment zu Fuß gestellt wurde, rückte heran und nahm gegen­über dem Haupteingang der Kirche Aufstellung. Zu gleicher'

bsssrus

^^m^nii_^-7T- , 1 1 ngJMwrowp-AWCT

Tod der Eltern" (so schrieb er an die Schwester)ist nach dem Laufe der Natur vorauszusehen, und der Verkehr zwischen Kind und Eltern pflegt nicht so innig und das Bedürfniß derselben auf Seiten der Kinder wenigstens nicht so lebhaft zu sein, daß wir bei ihrem Tode nicht eher Mitleid und Webmuth, als heftigen Schmerz über den eigenen Verlust empfinden." Charakteristisch und, wie uns scheint, für das Verständniß Bismarcks von Werth ist hieran die matt Hofe Ehr- li^feit seines Empfindens. Er macht sich nichts vor, und eben weil er sieb nicht künstlich, aus Rücksicht auf Anderer Urtheil in Sentiments hineinredet, in Gefühlen schwelgt, eben darum war sein Gefühl da, wo es stark und tief sich äußerte, von eiserner Treue, von sittlicher Größe, von quellender Ur- sprünglichkeit.

So hatte er den Tod in jener ernsten, aber versöhnenden Eestalt kennen gelernt, in der er wie eine Naturnothwendig- keit, fast wie eine Wohlihat erscheint, wie Schiller fingt;

wenn zum Grabe wallen Entnervte Greise".

Noch kannte er den Tod nicht als den grausamen Zerstörer blühenden Lebens, der mit einem Schlage reiche Hoffnungen, lochendes Familienglück vernichtet. Noch hatte er die schreck- liaie, unersttzliche Leere nickt empfunden, die der Verlust eines uns nahe verbundenen Menschen in uns hervorrufen kann. Da gab ihm der Tod der Frau Marie von Blankenburg geb. Thadden im Jahre 1846 diese ernste Lehre. Bismarck beiand sich gerade auf dem Blankeuburg'schen Gute Cardemin, als diese ihm höchst werthe Frau ihrer Krankheit erlag, und doppelt schwer traf ihn darum der Todesfall. Das große Räthsel des Menschenlebens stand zum ersten Male in nächster Nähe erschreckend vor ihm, und er konnte nicht recht an die Wahrheit und Wirklichkeit des Unerklärbaren glauben. Mlr war dieses Gefühl der Leere, dieser Gedanke, eine mir theuer und nothwendig gewordene Person, deren ich sehr

vollen Uniformen ein bunt bewegtes Bild. Minister und hohe Beamte in ihren Uniformen fanden sich gleichfalls zahl­reich ein. Die Bundesrathsmitglieder waren fast vollzählig erschienen. Desgleichen hatten viele Abgeordnete des Reichs­tags und ds Landtags d r Einladung Folge geleistet. Auch hohe Militärs hatten sich in großer Anzahl eingefunden, um der Feier beizuwohnen. Gegen 9S/< Uhr kam die Equipage des Prinzen Friedrich Leopold, welcher Husarenuniform trug. Die Prinzessin Friedrich Leopold erschien in tiefer Trauer. An dem Hauptportal der Kirche fand die Begrüßung der be­reits erschienenen hohen Gäste statt. Kurz darauf trafen die Söhne des Prinz-Regenten Albrecht von Preußen ein, welche der Prinzessin Friedrich Leopold die Hand küßten. Unte dessen war die Menge immer mehr und mehr ange­wachsen. Das Gedränge war stellenweise so stark, daß eine über die Straße gezogen; Barriere durchbrochen wurde. Der gesammte Pferdebahnverkehr war eingestellt. Punkt 10 Uhr kam von Potsdam das Kaiserpaar in offener Equipage von einer Abtheilung Kürassiere eskortirt. Das Kaiserpaar ver­ließ den Wagen und begrüßte die vor dem Hauptportal ver­

sammelten hohen Gäste. Der Kaiser trug die Uniform des 2. Garde-Regiments zu Fuß, die Kaiserin hatte Trauer an­gelegt. Hierauf schritt der Kaiser unter dem Geläute der Glocken die Front der Ehrenkompagnie ab. Nunmehr begab sich Alles in die Kirche und die Lithurgie begann. Die Kirche war vollständiz gefüllt. Für das Kaiserpaar standen zwei

Armsessel vor dem Taufstein.

Au den Seiten derselben Rechts im Schiff sah man

des diplomatischen Korps. Dann folgten auf dieser Seite die Excellenzen, sowie die Räthe, ebenso die Vertreter des Osfizierkorps, die Vertreter der Stadt Berlin und andere Korporationen. Links saßen in der ersten Reihe die Damen des fürstlichen Gefolges. Dann kamen die Ritter des schwarzen Adlerordens, unter ihnen Graf von Waldersee und Graf Lehndorff, die Minister und die Mitglieder des Bundes- roths. Dann kamen die Vertreter der Parlamente. Die Emporen wurden, soweit sie nicht von den geladenen Gästen eingenommen waren, kurz vor Beginn der Feier dem Publi­kum geöffnet. Nachdem die Majestäten Platz genommen hatten, er öffnete der Kirchenchor die Feier mit dem Liede: Ich weiß, daß mein Erlöser lebt". Dann wechselten Gebet und Schriftverlesung des General Superintendenten Faber mit Gesängen des Chors und der Gemeinde. Die Ansprache leitete General-Superintendent Faber in die Form eines freien Gebetes und nahm als Anknüpfungspunkt den 149. Psalm, der dem Fürsten einst in einer bedeutungsvollen Stunde seines Lebens von einem bewährten Freunde als Stecken und Stab we^ig habe, nie wieder zu sehen und zu hören, so neu, daß ich mich bemit noch nicht vertraut machen kann und mir das ganze Ereigniß no6 nicht den Eindruck der Wirklichkeit macht." Während aber der Verlust ihm selbst wie etwas Traumhaftes erschien, sah er um so deutlicher das Verhalten der nächsten Angelörigen, der Herren von Blankenburg un) Thadden, in diesen schweren Stund n.Beneidensw-rth ist mir die Zuversicht der Verwandten, mit der sie diesen Tod als kaum etwas anderes wie eine Vorausreise betrachten, der

ein fröhliches Wiedersehen über lang oder kurz folgen muß." Noch hatte der Most nicht ausgegotzren, noch war Bismarcks innere Entwickelung nicht zum Abschlüsse gelangt, noch hatte er für das Räihsel keine Lösung gefunden, noch betrachtete er den Tod fast ausschließlich in seinen Folgen auf die mensch­lichen Beziehungen, noch war ihm die tröstliche Auffassung der Blankenburg und Thadden fremd.

Eine Wandlung vollzog sich während der nächsten Jahre in ihm. Der glückliche Gatte und Vater gewann sich serren Seelenfrieden. Das Leben gewann ihm sittlichen Werth. Ohne Gott, die Frau und die Kinder, schien ihm (1851), könne man das Leben schließlich ablegenwie ein schmutzves jbemb*. Er aber hatte seinen Inhalt gefunden und das Ewige im Zeitlichen erkannt: ,,eS ist hier alles doch nur eme Leitsrage, Völker und Menschen, Thorheit und Weisheit, Krieg und Frieden, sie kommen und gehen wie Wasser wogen, und das Meer bleibt" (1659). Wenn er sich sonach der Anschauung Moritz von Blankenburg's mehr genähert hatte, so konnte er doch gerade jetzt, wo er sich selbst heranblühender Kinder erfreute, es *oH ermessen und nachfühlen, was es für seine Schwester und seinen Schwager Arnim bedeuten wußte, als sie im Jahre 1861 einen liebenswürdigen und freudig gedeihenden Sohn bei der Entenjagd durch Entladung des Gewehrs verloren. Tief erschüttert schrieb er dem Schwager; Darüber wird die Trauer nicht von Dir weichen, so lange