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Amtliches Organ für SlaSt- unS LsnöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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für Stadt- und 2a* kreis Hanau 10 ^ Hl ägespaltenc Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

Nr. 179

Donnerstag den 4. August

1898

AmtLichr».

Jldm&Brew ^anau. HMlmtmachuufleu des Königlichen Landrathsamtes.

Das Infanterie-Regiment Nr. 166 wird am 11., 12., 13. und 15. August er. südlich der Straße Hochstadt Wachenbuchen, Schußrichtung HochstadtBurg d. v. Buchen, gefechtsmäßiges Schießen mit scharfen Patronen abhalten.

Dos Schießen wiro jedesmal vormittags 7 Uhr beginnen und um 1 Uhr nachmittags beendet sein.

Das Gelände, welches während des Schießens nicht be­treten werden darf, liegt innerhalb der Straßen Hochstadt WachenbuchenMittelbuchenWilhelmsbadHochstadt und wird einschließlich der Straßen WachenbuchenWilhelmsbad und MittelbuchenWilhelmsbad, jedoch ausschließlich der Landstraße Hanau Bruchköbel, durch Sicheryests- postcn abgesperrt.

Den Weisungen der Letzteren ist unbedingt Folge zu leisten.

Die Herren Ortsvorstände wollen dies unter dem be­sonderen Hinweis darauf, daß aus Gründen der Sicherheit das Zuschauen verboten ist, sofort veröffentlichen lassen.

Hanau am 3. August 1898.

Der Heimgang Bismarcks

abgereist, Graf Wilhelm Bismarck fährt am Freitag nach Königsberg zurück, während Fürst Herbert hf etwa sechs Wochen nach Wien reist,

Friedrichsruh, 3. August. In etwa sechs Wochen, nach Fertigstellung des Untergrundes der Gruft, wird die Beisetzung des Fürsten erfolgen.

nimmt ununterbrochen das öffentliche Ackeresse nicht nur Deutschlands, sondern man kann sagen: der ganzen Welt fast uusschließlich in Beschlag. Alle anderen Vorgänge treten im Vergleich mit diesem Verluste völlig in den Hintergrund und daraus erkennt man abermals, wenn man es nicht schon ohne­hin gewußt hätte, wie gewaltig der Machtfaktor war, der sich in der Persönlichkeit des Dahingeschiedenen verkörperte, auch......-7-7 -örv/ ....... ».«uH»vulu>Qiu|uU

als er, von den Staatsgeschälten zurückgezogen, den Rest i deutete an, daß alle jene Anordnungen nach dem Tode, welche seiner Tage in beschaulicher Zurückgezogenheit verlebte. In r die Beschäftigung der öffentlichen Meinung mit Erinnerungen au den großen Todten und sein Wort klingen die Nachrichten über anderweite Tagesereignisse nur mit gedämpftem Tone, wie aus weiter Ferne, hinein.

Köln, 3. August. DerKölnischen Zeitung" wird aus Friedrichsruh telegraphirt, die Familie des verstorbenen Fürsten

i Manchem etwas eigensinnig gewesen sein mögen, aus das Wort des Verstorbenen zurückzuführen sind, daß er wenigstens nach dem Tode Ruhe haben wolle.

M. 3440

Der Königliche Landrath v. Schenck.

Hamburg, 3. August. DieHamburger Nachr." ver­öffentlichen nachstehendes Telegramm aus Friedrichsruh:Die zahllosen Aeußerungen von tiefstem Schmerz und warmem Empfinden, welche dem unauslöschlichen Andenken meines großen Vaters gelten, nehmen einen so überwältigenden Um­fang an, daß es unmöglich erscheint, den Leidtragenden für ihre Treue bis über den Tod hinaus im Einzelnen zu danken. AuS ollen fünf Welttheilen hallt der Kummer, der die Fa­milie an dem Sarge niederbeugt, in rührender Theilnahme wieder, und es thut mir weh, nicht jede Kundgebung beant­worten zu können. Ich bitte die deutschen Zeitungen, diesen Worten Aufnahme zu gewähren, und danke im Namen der

Dienstnachnchten aus dem Kreise Gefunden: Eine blaue Brille mit Futteral. Hanau am 4. August 1898.

Fürst Bismarck und die Parteien.

Es wär^ ein Wunder gewesen, wenn der nun im Sachsen­walde von der rastlosen Arbeit seines Lebens für immer auS- ruhende erste Kanzler deS reugeeinten Deutschlands in der Politik nicht Gegner gehabt hätte. Je höher ein Genius stiegt, umso zahlreicher ist die Schaar seiner Gegner, weil die Mittelmäßigkeit in der Welt breit »ertheilt ist und ihr nichts verhaßter ist, als ein Geist, der besondere Bahnen wandelt. Fürst Bismarck hat denn auch in seinen Reden manchmal von dieser Gegnerschaft gesprochen und einmal mit Bezug darauf das Wort:Diel Feind, viel Ehr" auf sich ange­wandt. Wenn der Genius aber der Sterblichkeit seinen Tribut

gezollt hat, pflegt in der Menschen Brust daS Gefühl von der Größe des Verlustes doch allgemein eiuzukehren, und so sehen wir denn auch nach dem Tode BiSwarck's seine Gegner ihm wenigstens einige Gerechtigkeit widerfahren lassen. Der erste Kanzler hat während seiner Amtsdauer und auch noch später in der Presse mit dem Freisinn manchmal seine Klinge gekreuzt, und doch kann sich s-lbst ein Eugen Richter nicht dem Zwange entziehen, nach dem Tode Bismarcks wenigstens dessen auswärtige Politik uneingeschränkt zu loben. Der Ulttamontanismus bewahrt dem Fürsten Bismarck noch aus der Kulturkampfzeit her einen bitteren Haß, der sich nament­lich bei der Versagung der Ehrenbezeugung der Mehrheit des Reichstages gelegentlich des achtzigsten Geburtstages des Alt­reichskanzlers in seiner ganzen Schroffheit zeigte, an der Bahre des Tobten von Friedrichsruhe haben auch die Cenkrumsblätter Worte gesunden, die von der Größe des Landmannes Zeug­niß ablegten und das Scheiden des Riesengeistes bedauerten. Alle Angehörigen dieser Parteien sind eben, so verschieden sie auch in ihren politischen Ansichten von der BiSmarckS waren, Söhne des deutschen Vaterlandes und betrauern in dem Dahin- geschiedenen den Landsmann. Nur einzelne Führer einer Partei haben sich ihren Haß gegen den Mann, der ihnen allerdings in energischster Weise entgcgengctretcn war, auch über den Tod hinaus bewahrt und demselben unverhohlen Ausdruck gegeben, es ist jene Clique, welche sich m dem C-n- tralvrgon der Sozialdemokratie ein journattstischeS Stelldichein zu geben pflegt. Hier ist der Fürst ^" Einer Weise geschmäht worden, als ob es sich um den Tod des größten Verbrechers gehandelt hätte. Tie kleinen Geister, die an der Spitze der Sozialdemokratie stehen, haben eben den Zusammenhang mit ihrem Voterlante völlig verloren und es huße zu viel Ohre onthun, auf die Schimpfereien mit einewWmte emzugehm aber die deutsche Nation sollte aus diesem Verhalten die nöthige Lehre ziihen. Gehkßt wird in dieser Weise nur der, welcher die Sozialdemokratie in ihrem innersten Kern getroffen hat. Deshalb wird man gerade aus diesem Verhalten der ^uhrer der Sozialdemokratie entnehmen müsstn, daß die Behandlung,

ES liegen weiter folgende Nachrichten vor:

Berlin, 3. August. DerReichsanzeiger" veröffmtlicht in einer Sonderausgabe folgenden Erlaß des Kaisers:Mit meinen hohen Verbündeten und dem ganzen deutschen Volke stehen wir trauernd an der Bahre des Gründers des deutschen Reiches, Otto von Bismarck, Herzog von Lauenburg. Wir, die wir Zeugen seines' herrlichen Wirkens waren, die zu ihm, als dem Meister der Staatskunst, als dem furchtlosen Kämpfer im Kriege wie im Frieden, als dem hingehendsten Sohne seines Vaterlandes und dem treuesten Berather seines Kaisers . _ _ _

unb Königs bewundernd hinaufblicken, sind tief erschüttert nächsten Angehörigen von ganzem Herzen Allen, die durch durch den Heimgang deS Theuren, in dem der Herr das TrosteSworte und Blumenspenden von nie gewesener Pracht Werkzeug schuf, die unsterblichen Gedanken an Deutschlands der Trauer, welche unser Land erfüllt, Ausdruck gegeben Einheit und Größe zu verwirklichen. Nicht ziemt es, in diesem haben. H. Bismarck."

Hamburg, 3. August. DerHamb. Korrespondent" schreibt: Der Senat hat, um Hamburgs tiefe Trauer um das Hinscheiden von Deutschlands großem Kanzler und Ham­burgs Ehrenbürger, Seiner Durchlaucht des Fürsten Otto von Bismarck, Ausdruck zu geben, nachstehende Verordnung getroffen: Samstag den 6. August, vormittags 11 Uhr, findet unter Theilnahme des Senats und der Bürgerschaft ein fein-

Einheit und Größe zu verwirklichen. Nicht ziemt es, in diesem

Augenblicke alle Thaten, die der große Entschlafene vollbracht hat, alle Sorgen, die er für Kaiser und Reich getragen hat, alle Erfolge, die er errungen, aufzuzählen. Sie sind zu ge­waltig und zu mannigfaltig und nur die Geschichte kann und wird sie alle in ihre eherne Tafeln eingraben. Mich aber drängt es, tor der Welt der Einmüchigkeit der Trauer und

der dankbaren Bewunderung Ausdruck zu geben, von welcher 1 ., , ,

^'------^-'------^n 1 3 licher Gottesdienst in der großen St. Michael-Kirche statt.

die ganze Nanon erfüllt ist und im Namen der Nation das

Gelübde abzugeben, daS, was er, der große Kanzler unter Kaiser Wilhelm dem Großen geschaffen hat, zu erhalten und auszubauen und wenn es Noth thut, mit Gut und Blut zu vertheidigen. Dazu helfe uns Gott, der Herr". Ich beauf­trage Sie, diesen meinen Erlaß zur öffevtlichen Kenntniß zu bringen. Friedrichsruh den 2. August 1898. Wilhelm I. R. An den Reichskanzler.

Berti«, 3. August. Der Kaiser hielt, wie jetzt auS Wilhelmshaven gemeldet wird, am Sonntag auf seiner Jacht Hohenzollern vor Beginn des Gottesdienstes eine Ansprache, in welcher xr die Verdienste Bismarcks rühmend erwähnte. Er sagte, daß wir ihm danken müßten, daß wir Deutsche sind.

Berlin, 3. August. DenBerliner Neuesten Nach­richten" zufolge ist der im Reichsanzeiger erschienene Nach­ruf für den Fürsten Bismarck vom Direkior des Staats­archivs, Geheimrath Dr. Cosel, Nochfolger und Schüler Sibels, verfaßt. Den Auftrag hat ihm Fürst Hohenlohe ertheilt.

Berlin, 3. August. Entgegen verschiedenen Blätter- meldungtu, wonach sich die Züge des verstorbenen Fürsten sehr verändert haben sollen, und der Kopf gewistermaßen zu- sammengesunken wäre, kann dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" auf Grund persönlicher Angaben des Professors Leubach mittheilen, daß der charakteristische Gesichtsousdeuck

nur ganz unbedeutend durch den Eintritt des Todes beeinflußt worden ist. Das Gesicht, nach der linken Seite geneigt, hat so viel Leben bewahrt, daß der halb geöffnete Mund Worte zu bilden scheine.

Berlin, 3. August. Die Berliner Getreidefirmen sind übenn gekommen, morgen ihreKonptoire geschlossen zu halten. Es fällt daher auch der Frühmarkr aus.

Berlin, 3. August. Die Nettesten der Berliner Kauf­mannschaft haben an dem Sarge des verstorbenen Fürsten einen Kranz niederlegen lassen. Die Berliner Kaufmannschaft

Nach Beendigung des Trauergottesdienstes wird von 121

Uhr von allen Kirchthürmen in Stadt und Gebiet Trauer- geläute ausgeführt. Die öffentlichen Gebäude und Schiffe im Hafen setzen an dem Tage bis nach Beendigung des Trauergeläutes die Flaggen halbstock. Die Börse bleibt an dem Tage geschloffen.

Wiesbaden, 3. August. Heute hat sich hier ein Komitee gebildet, um, wenn möglich, schon nächsten Sonntag am Niederwald-Denkmal eine Trauerkundgebung der mittel- rheinischen Orte anläßlich des Ablebens des Fürsten Bismarck zu veranstalten.

Wiesbaden, 3. August. In der heutigen Magistrats­sitzung hielt Bürgermeister Heß eine Gedenkrede auf Bismarck. Es wurde sodann beschlossen, ein Beileidschreiben an den Fürsten Herbert Bismarck namens des hiesigen Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung zu senden.

Karlsruhe, 3. August. Der badische Minister des Auswärtigen, Brauer, begibt sich heute Nachmittag zur Theil­nahme an den Trauerfeierlichkeiten für den Fürsten Bismarck als Vertreter des Großherwgs von Baden nach Berlin.

Wie«, 3. August. In einer Versammlung der Deutsch- Nationalen in Wels wurde beschloffen, als Trauerzeichen für den verstorbenen Fürsten Bismarck schwarze Kornblumen am Tage der Schlacht von Sedan zu tragen. Alle Frauen und Männer wurden ersucht, sich dieser Trauerkundgebung anzu- schließen.

Berlin, 4. August. Bei der heutigen Bismarck-Gebächt- nißfeier werden auch die deutschen Bundesfürsten und die deutschen Städte durch ihre Vertreter theilnehmen. Für den Fürsien Herbert Bismarck und die übrigen Mitglieder des Hauses Bismarck ist die kaiserliche Loge in der Kirche reser- virt, doch dürste von der Familie niewand an der rjeier thnl- nebmen. Die Trauerfeier der Berliner Studentenschaft fand

HM" -"U"S nicvcriegen lagen. >vle Veruner jtavfmanmcyon nehmen. Luc ^iuu»,r>» v« ^....... .....v?' ''

wird sich an der morgen in der Kaiser Wilhelm Gedächtniß-! gestern Abend statt. Etwa 40 Korporationen.mit ihrm utn-

Kirche stattfindenden Trauerfeier durch eine Deputation von drei Mitgliedern vertreten lossen.

, Friedrichsrtth, 3. August. Bei der gestrigen Leichen­feier wurde auf Anordnung der Küchenbehörde in allen zu dem Pfarriprengel gehörigen Kirchengemeinden die Glocken geläutet. Mit jedem Bahnzuge treffen zahlreiche Kranzspenden ein, welche zunächst auf dem Rasen vor dem Schlosse nieder­gelegt werden.

flotten Fahnen nahmen an derselben theil. Ueber 2000 Per­sonen waren erschienen. Professor Adolf Wagner hielt dre

Friedrich,r«h, 3. August. Die Familie hat in der .............. .. .. - . . r letzten Nacht Abschüd von dem Todten genommen. Alsdann welche Giltst Bismarck bin letzteren angedeihen ließ, die einzig verließ sie das Sterbezimmer, welches ebenso wie die ar^ grenzenden Räume vom Fürsten Herbert Bismarck persönlich

abgeschlossen wurde. Geheimrath Schwenninger ist bereits

richtige war.

Trauerrede.

Friedrichsruh 4. August. Es treffen fortgesetzt zahl­reiche Deputationen von Vereinen ein, die jedoch wegen der Erschöpfung des Fürsten Herbert nicht empfangen werden. Von städtischen Deputationen wurde der Oberbürgermeister von München vorgelassen. Zum Kondolenzbesuch traf ferner der Fürst von Hohenlohe-Oehringen hier ein. Geheimrath Schwenninger wird in den nächsten Tagen wieder hier sein. Gestirn Nechmittag hatte der Fürst diejenigen Personen der Dienerschaft des Schlosses, die zu Lebzeiten des Verstorbenen in seinem und seiner Gemahlin unmittelbarem Dienst be-