Einzelbild herunterladen
 

M»«»ement»- Preis:

Jährlich 9 *.

vierteljährlich

2 .M 25 ,*

Für auswärtige Momenten mit dem , betreffenden

Postaufschlag.

Die einzelne

Nummer kostet

10

Zugleich

Amtliches Argan für Stadt- unö FanSKreis Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 178

Mittwoch den 3. August

Sinrückung-. gebühr

für Stadt- und Lock» kreis Hanau 10^ Hl 4gespaüme Garmond­zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Jm Reklamenthril die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

1898

Amttiches.

SlcröMveis ^atmu.

NckssstDachungev des Oberbürgermeisteramtes.

Der Hebetermin für Steuern und Schulgeld für das II. Vierteljahr 1898/99 läuft mit dem 15. August er. ab und wird darauf aufmerksam gemacht, daß unmittel­bar danach mit Mahnung und Zwangs­vollstreckung begonnen werden muß.

Hanau den 29. Juli 1898.

Städtische Steuerkasse,

Markt Nr. 16

11163

Zimmer Nr. 6 u. 7 zu ebener Erde

Gefunden: Eine lO-Pfg.-Marke, in der Post liegen geblieben. Ein goldner Kinderkorallenohrring. Ein kleines silbernes Kettenarmband. Ein kleines Kinderportemonnaie mit etwas Inhalt.

Entflogen: Ein Kanarienvogel.

Hanau am 3. August 1898.

Fürst Bismarck als Volkswirth.

In der Vorstellung des deutschen Volkes lebt Fürst Bis­marck als der Baumeister des Reiches, der größte Staats­mann seit Richelieu und Cromwell, der genialste Diplomat aller Zeiten, der hinreißende Redner; darüber hinaus schwebt dem einen oder andern etwa noch Bismarcks Antheil an der Heeres-Organisalion vor. Von dem Wirken Bismarcks als Volkswirth aber ist in die breiten Bürger- und Volksschichten wenig mehr als eine unklare Vorstellung gedrungen. Die Bestrebungen zum Schutze der Landwirthschaft, verkörpert in der Zollpolitik, sowie die zur Besserung des Leoses der Ar­beiter, verkörpert in den sozialpolitischen Gesetzen, sind es wohl allein, die, weil ihn unmittelbar mit berührend, auch des kleinen Mannes Denken und Urtheil beschäftigt haben und noch be­schäftigen. Und doch umfaßt Bismarcks Thätigkeit als Wirth- schasts-Politiker eine ganz andere Summe von Werken als jene beiden Gebiete allein, wenn diese auch nach Bit, Initiative und Bedeutung in erster Reihe stehen.

Wollen wir die Thätigkeit Bismarcks auf wirthschaftlichem Gebiete mustern, so müssen wir gerechter Weise schon bei jener That beginnen, die uns die Entstehung des Reiches als erste Wohlthat brächte, naulich tie Vereinheitlichung des Münz-, Maaß- und Gewichts-Systems. Die Einheit von Münz-, Maaß- und GewichtS-Normen im Geschästsleben ist dem Geschlecht von heute bereits eine so selbstverständliche Sache, daß ihr Werth ihm überhaupt kaum zum Bewußtsein kommt. Diese erste Wohlttzot des geeinten Reiches steht jedoch unter Bismarcks Wirken nur an unterer Stelle. Groß und vielgestaltig dagegen zeigt sich die Reihe der nicht bloß organi­satorischen, sondern schöpferischen Alte, welche den Rahmen dieses Wirkens ausfüllen.

Dahin gehören zunächst: die Ausgestaltung des Steuer­wesens und die Bestrebungen, das Rerch finanziell auf eigene Füße zu stellen. Die Ausgestaltung deS Eteuerwesens unter Bismarck ist zu vielgestaltig, als daß sie mehr als eine sum­marische Angabe gestattete. Aus den vielen Debatten darüber dürste bekannt sein, daß der Altreichskanzler bei seiner Steuer­politik den Schwerpunkt auf den Ausbau der indirekten Steuern und da wiederum auf das Gebiet der Genußmittel (Branntwein, Zucker, Kaffee, Tabak «. s. w.) als die den untern Klassen mindest fühlbare Last legte. Wenn trotzdem seine Steuerpolitik angefeindet worden ist, so bleibt zum Trost die Wahrheit bestehen, daß Deutschlands untere Stände bei einem Genuß staatlicher Fürsorge, wie sie kein zweites Land der Welt kennt, verhältmßmäßig weniger belastet sind als jene anderer Nationen. ,

Mehr noch angefeindet als m ferner Steuerpolitiksah sich Fürst Bismarck in feiner Agrarpolitik. Im Hinblick auf die Lehre aller Geschichte, daß Schulmeinungen den Ernst einer Lage selten zu ersoffen vermögen, hat er sich ohne Rück­sicht aus Proteste nicht abhalten lassen, dem über unsern Acker- bau hereinbrechenden Derhöngniß, so weit es voglich war, vorzubeugen, Fürst Bismarck handelte in der begründeten Er­kenntniß, daß gleichviel ob daS von der sozialen und bürgerlichen Dimok,alte eingesehen wurde oder richt vre LandwirihsLaft sür Deutschland in wirthschaftltchcr, soztoter, gesundheilt cher urd militärischer Beziehung eine derart eminente

Bedeutung bat, daß der Staat zu Grunde gehen würde, wenn er die Landwirthschaft ihrem Schicksal überlassen würde.

Zu den Verdiensten des Fürstrn Bismarck auf wirth- schaftlichem Gebiete wir können sie nur in flüchtigen Um- risien anführen; eine Schilderung, die ihm gerecht würde, würde Bände füllen gehören ferner: die Förderumg der Ausfuhr durch Unterstützung von Dampferlinien, das Ein­reihen Devischlands unter die Welthandels-Nationen durch die Errichtung einer Reichsbank, die Eisenbahn-Verstaat­lichung, das Erwerben von Kolonien in Afrika, dann der Bau des Nordostsee'Kanals, das Ansuchelungswerk in Posen mit dem 100 Millianen-Fonds, die Einbeziehung der großen Seehäfen in die reichstäntiiche Zollgrenze, und über alle diesem jene vorhin erwähnten Werke, die den Kern seines Wirk-ns darstellen: die Arbeiter-Fürsorge durch sozialpolitische Gesetze und der Schutz der Landwirthschaft und der Industrie durch die Zollpolitik.

Manches, was Fürst Bismarck erstrebt hat, ist ihm ver­sagt geblieben zu erreichen. Dahin gehört z. B. die Finanz- Selbständigkeit des Reiches. Am Widerstände seiner Gegner scheiterten diese gutgemeinten Absichten. Gegner, ja verbissene Feinde sah er stets in Menge vor sich. Wie jeder weiß, hat ihn das nie beirrt. Erst der Geschichtsschreiber künftiger Tage wird dem Volkswirth Bismarck vorurtheilslos gerecht werden. Schon jetzt aber erkennen wir in ihm ein eindrucks­volles Beispiel für die Wahrheit der Thatsache, daß nicht immer natürliche Faktoren allein den Gang des Wirthschafts­Getriebes bestimmen, sondern daß auch hier ein Einzelner nachhaltig einzugreifen vermag, wenn sich Energie, Begabung und Ausdauer in seiner Person vereinigen.

Zum Ableben des Fürsten Bismarck.

Berlin, 2. August. Das heute erschieneneArmee- Verordnungsblatt^ enthält nachstehenden Armeebefehl: Die Trauer künde aus Friedrichsruh von dem Hinscheiden des General-Obersten der Kavallerie mit dem Range eines General-Feldmarschalls Otto Fürsten von Bismarck, Herzogs von Lauen bürg, des letzten Berathers Meines in Gott ruhen­den Herrn Großvaters in großer Zeit, erfüllt Mich, Mein Heer und ganz Deutschland mit tiefster Betrübniß. Der Verewigte hat sich durch die mit eiserner Willenskraft geför­derte Neugestaltung des Heeres in der Geschichte desselben ein unvergängliches Denkmal gesetzt. Ein Held auf den Schlacht­feldern, trat er mit wärmstem Interesse zu jeder Zeit auch für die Wehrhaftigkeit des Vaterlandes ein und erwies sich stets als ein treuer und eufridtiger Freund Meiner Armee. Es wird den schmerzlichen Empfindungen derselben entsprechen, für itn, der so viel für die Armee gethan, auch ein äußeres Zeichen der Trauer anzulegen, und bestimme Ich demgemäß Nachstehendes: 1) Sämmtliche Offiziere der Armee legen auf acht Tage Trauer an; 2) bei dem Küra'sier-Regiment von Seydlitz (Magdeburgifchen) Nr. 7, dessen Chef der Fürst ge­wesen, sowie bei bcm Garde-Zäger-Batoillov, bei welchem der Dahingeschiedene in den Dienst getreten ist, währt diese Trauer vierzehn Tage.

Berlin, 2. August. Auf Allerhöchsten Befehl Seiner Majestät deS Kaisers und KörigS findet aus Anlaß des Hinfcheidens Seiner Durchlaucht bt§ Fürsten von Bismarck, Herzogs von Lanenburg, am 4. d. M., vormittags 10 Uhr, in der Kaiser Wilhelm-Gedächtnißkirche zu Berlin eine litur­gische Andacht statt. Diejenigen Mitglieder des Reichstages und der beiden Häuser des preußischen Landtages, welche an dieser Andacht theilzunehmen wünschen, werden ersucht, die Einlaßkarten in den Bureaux der bezeichneten Körperschaften in Empfang zu nehmen.

Berlin, 2. August. Infolge eines heute hier einge- gongeuen Telegravms des Kaisers wird von der Veranstal­tung einer großen Trauerfeur auf dem Königkplatz hierselbst Alstand genommen werden. Dagegen wird eine solche Feier am nächsten Donnerstag in der Kaiser Wilhelm-Gedächtniß- kirche, vormittags 10 Uhr, stattfinden, wozu die Mitglieder des Bundesraths, des Reichstages, deS Landtages, sowie der höchsten Staats- und städtischen Belörden Einladungen er­halten werden.

Berlin, 2. August. Aus Friedrichsruh wiid gewettet: Vm lOVi Uhr heute Morgin empfingen sämmtliche Familiep- mitgli'der das heilige Abentmahl zu Füßen der Leiche. An der Einfexnuvg der Letzteren nehmen nur Famil^ermitglieder mit bcm Kaiser paar theil. Ammer messer hafter kommen die Kranzspenden an, theilweise "von riesigen Dimensionen. Der Sarg wird in urgefähr acht Taxen vorerst in aller Stille in einer Gruft gegenüber dem Parkeingenge beigesetzt wer­den. Fürstlichkeiten, die sich zur Trauerfeier engemeldet

hatten, wurden rom FürstenHerbert akgesagt. Die Depu-!den, ist nun bestimmt morden, den Sarg nicht im Sterbe-

tation des Herrenhauses wurde vom Fürsten Herbert em­pfangen, welchem diese die Theilnahme des Herrenhauses aus­gesprochen hat.

Berlin, 2. August. Nach dem Beschluß der Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft wird am Donnerstag anläßlich der Trauerfeierlichkeiten für den Fürsten Bismarck keine Sorte stattfinden.

Berlin, 2. August. Die Prägung einer Sterbe- Medaille des Fürsten Bismarck hat ein hiesiger Großfabri- kant in die Hände genommen. Die Medaille wird schon übermorgen in den Handel kommen.

Friedrichsruh, 2. August. Das Kaiserpaar trifft erst heute Nachmittag 5 Uhr 50 Minuten hier ein und wird voraussichtlich eine Stunde hier verweilen. Eine Deputation des Herrenhauses, bestehend aus den Herren Freiherrn von Manteuffel, Graf Matuschka und Oberbürgermeister Giese- Altona, überbrachten einen herrlichen Kranz. Ritter von Poschinger ist hier angekommen. Fürst Herbert Bismarck ist infolge der physischen Erregungen unwohl. Er leidet an Herzkiämpfen. Alles ist auf das strengste abgesperrt. Die Memoiren des Fürsten Bismarck erscheinen unter der Redak­tion deS Professors Horst Kohl.

Köln, 2. August. Laut derKölnischen Zeitung" wur­den die viel besprochenen Bismarck'schen Memoiren bereits seit geraumer Zeit an die Verlagsanstalt Union zum Preise von einer Million Mark verkauft. Die Memoiren wurden vom Fürsten bis in die letzte Zeit hinein fortgesetzt. Die Veröffentlichung dürfte bald erfolgen.

Bad Nanheim, 2. August. Graf Hoyos, der Schwie­gervater Herbert Bismarcks und der Staatssekretär des Reichsmarine-Amtes, Admiral Tirpitz, welche beide hier zur Kur weilten, und infolge der Trauerkunde aus Friedrichsruh nach Berlin abgereift.

Darmstadt, 2. August. Die Stadtverordneten be­schlossen, am nächsten Sonntag eine Trauerfeier für den Fürsten Bismarck, welcher Ehrenbürger von Darmstadt war, abzuhalten und zur definitiven Beisetzung des Fürsten eine Delegation nach Friedrichsruh abzusenden.

Eger, 2. August. Der Stadtrath hat in einer außer­ordentlichen Sitzung seiner tiefsten Trauer über den Heim- gan des Fürsten Bismarck Ausdruck gegeben.

* *

*

Friedrichsruh, 3. August. Im Beisein des Kaiser- paares hat gestern Abend um 6 Uhr die Trauerfeier für den Fürsten Bismarck staitgefunden. Der ganze Tag hatte große Schoaren Theilnehmender und Schaulustiger nach Friedrichsruh gebracht, sodaß die Chren-Kompagnie und die Gendarmen vollauf zu thun hatten, den Weg vom Bahnhof nach dem Schlöffe frei zu halten. Genau zur festgesetzten Zeit um 5 Uhr 50 Minuten traf der Kaiserzug ein. Zum Empfang des Kaiser paares wa>-en anwesend Fürst und Fürstin Herbert Bismarck und Graf und Gräfin Wilhelm Bismarck und Graf Rartzau. Der Kaiser in Marineuniform, die Kaiserin in Trauerkleidung, standen im Salonwagen, grüßten und stiegen, als der Zug hielt, raschen Schrittes aus. Der Kaiser eilte auf den Fürsten Herbert zu und küßte ihn auf beide Wongen, den anderen Herren drückte er die Hand, während er die des Fürsten Herbert küßte. Alle an­wesenden Trauernden küßten der Kaiserin die Hand. Nach funfminutigcm Gespräch ging Fürst Herbert und der Kaiser als erstes Paar, die Kaiserin mit dem Grafen Wilhelm Bis­marck als zweites, sowie die übrigen Herrschaften ins Schloß, wo sie sofort das Sterbezimmer betraten. Der Kaiser war tief gerührt, die Kaiserin in Thränen aufgelöst. Die Trauer- feierlichkeit deuerte etwa 20 Minuten. Pastor Westphal hatte der Predigt entsprechend dem Wunsche des Verstorbenen die Worte aus dem 1. K-rinthex-Briefe, Kapitel 15, 53, o4, 55, 57, zu Grunde gelegt: Der Tod ist verschlungen mw dem Sieg u. f. w. Nach dem Gottesdienst trat das Gefolge in den Park hinaus und das Kaiser-paar blieb mit der Familie allein. Der Kaiser besprach den Mausoleumsplaw und erbot sich, in Friedrichsruh ein Mausoleum erbauen zu lassen, was indessen von den Hinterbliebenen dankend und bestimmt abgelehnt wurde mit der Bitte, es der ^amiüe zu aestattcn, ihren großen Todten durch die Errichtung einer Ruhestätte an dem Orte zu ehren, wo er seine letzten Tage beschlossen hat. Der Kaiser bemerkte hierauf, er werde es sich aber nicht nehmen lassen, im Berliner Dom einen Sar­kophag mit dem lebensgroßen Bilde des Entschlafenen darauf zu errichten. Noch herzlichem Abschied trat das Kaiserpaar die Reise nach dem Neuen Palais bei Potsdam an.

Friedrichsruh, 3. August. Nach eingehenden Kon­ferenzen, in welchen die sanitären Gesichtspunkte erörtert wur-