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Nr. 176
Montag den 1. August
1898
Amtliche« ^anö&rete ^anau. Mmmtmachuugen des Königlichen Landrathsamtes.
Bauuntemehmer Wilhelm Wild II. und Landwirth Andreas Belk II. sind zu Ortsschätzern der Gemeinde Keffelstadt bestellt und verpflichtet worden.
Hanau am 27. Juli 1898.
Der Königliche Landrath.
V. 8072 I. V.: S chneider, Kreissekretär.
Ackermann Friedrich Simon aus Mittelbuchen ist zum Ortsschätzer-Stellvertreter der Gemeinde Mittelbuchen bestellt und verpflichtet worden.
Hanau am 27. Juli 1898.
Der Königliche Landrath.
V. 7936 I. V.: Schneider, Kreissekretär.
Dienstuachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine silberne Damenremontoiruhr mit grauseidenem Bande, auf dem Wege von Himbach—Ostheim; Empfangnahme bei Philipp Kehm, Himbach. Ein Sackrock und weißer Strohhut mit schwarzer Einfassung, im Vorgarten des Kaiserhofes vorgefunden.
Verloren: Ein Portemonnaie nebst einem Metzer Dom- bauloos Nr. 103980 und einer I0-Psg.-Marke.
Hanau am 1. August 1898.
SlcrHI^eis ^anau.
NMMWichMM öes Oherbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Die Ausführungen und Lieferungen für den Rohbau des Hauptgebäudes vom II. Wasserwerk und zwar zunächst:
Erd-, Maurer', und Steinmetzarbeiten sowie Eiseutteserung, sollen im öffentlichen Ausschreiden vergeben werden.
Pläne, allgemeine und spezielle Bedingungen liegen im Stadtbauamt I, Zimmer Nr. 23 des Rathhauses, von heute an für Bewerber zur Einsicht auf und können die Arbeitsauszüge für Mark 3,00 daselbst bezogen werden.
Angebote sind verschlossen bis zum Donnerstag den 11. August, vormittags 11 Uhr, bei genannter Amts- sielle einzureichen, woselbst auch um diese Zeit die Eröffnung im Beisein etwa erschienener Betheiligten vorgenommen werden wird.
Hanau den 27. Juli 1898.
Der Magistrat
Bode. 11063
Deutschland steht trauernd an der Bahre seines größte» Sohnes. Mußte man nach menschlichem Ermessen auch schon seit Jahren damit rechne», daß auch dieses gewaltige Leben der Vergänglichkeit seinen Tribut zahlen würde — jetzt in der Stunde des Abschieds, in dem Augenblick, wo der Mann auf immer von uns geschieden ist, dem sich über ein Vierteljahrhundert lang deutsches Fühlen und Denken in Dankbarkeit und Verehrung, in Liese und Begeisterung zugewandt, da fühlen wir es, wie einen Schnitt, der nimmrr heilt, wir glauben eine Lücke in dem Besitzstand der deutschen Nation, die kaum je völlig ausgefüllt werden wird. Denn wenn auch Fürst Bismarck seit mehr als acht Jahren der amtlichen Thätig- keit entrückt war und auf seinem Altentheil der wohloerdienten Ruhe pflegte, so fühlten und wußten wir doch, was wir noch au ihm hatten, er war nicht nur ein Mahner und Warner, nicht nur der Letzte und Größte der großen Zeugen einer großen Zeit, er blieb ein positiver Faktor deutscher Macht, so lange er lebend unter uns weilte, auch in der Einsamkeit seines Sachsenwaldes.
Dahingestreckt, von einem Stärkeren bezwungen, liegt nun der gewaltige Baumeister des deutschen Reiches, gewaltig an Geist und Kö per, ein Urbild deutscher Kraft, dahingestreckt nach einem Leben voll Kämpfen ohne Gleichen, voll Erfolgen ohne Gleichen. Und wenn schon der Anblick des Todes uns allemal erfüllt mit dem Bewußtsein der Kleinheit alles Menschlichen und Endlichen — mit doppelter Macht erfüllt uns dieser Gedanke, wenn der Größten und Stärksten einer sich beugen muß vor dem unerbittlichen Gleichmacher.
Tief erschüttert wendet das deutsche Volk den Blick nach der waldumrauschten Einsamkeit, die den großen Todten umfängt. Wie fein Name nicht vergessen wird, so lange der Menschen Geschlechter diese Erde bevölkern, so wird seiner in heißer Dankbarkeit und treuer Verehrung gedacht werden, so lange noch ein deutsches Herz schlägt, ein deutsches Wort gesprochen wird, so lange der Sinn für menschliche Größe nicht erstorben ist. Er wird fortleben in seinem Werke und in den dankbaren Herzen seines Volkes. Ist auch sein Körper gleich dem jedes Sterblichen d-r Erde verfallen, sein Geist weilt unter uns und wird bei uns sein, so lange ein deutsches Reich macht- und kraftvoll noch besteht. Sein Geist ist es, der dem Reiche das feste Gefüge gegeben hat und was er mit starker Hand geschaffen, es steht fest und ehern da für alle Zeiten, wie er selbst im Leben dagestanden als der eherne Kanzler. Als der letzte der Getreuen um Kaiser Wilhelm I. ist er nun auch einberufen worden zur großen Armee, wo ihn der kaiserliche Herr erwartet, dem er so lange in Treue gedient. Vor uns, den Ueberlebenden, und der Nachwelt steht des deutschen Reiches erster Kanzler da als der besten deutschen Männer einer, als der treueste Freund des Reiches und des deutschen Volkes. Und in der Weltgeschichte erhebt sich seine Gestalt weit üb-r das gewöhnliche Maß des Diplomaten, als einer der bedeutendsten Staatsmänner aller Zeiten, als der erste Staatsmann des 19. Jahrhunderts wird er dereinst gelten und künftigen Geschlechtern wird sein Wissen und Können, sein Wollen und sein Erfolg als Vorbild dienen. Und so trösten wir uns denn heute, unter dem Eindrücke der Trauer um den theuren Dahingeschiedenen, mit dem versöhnenden Gedanken; er war unser und soll unser bleiben für ewige Zeiten!
Fenittetsn
SismarcksWermächtmß an sein Molk.
b (Nachdruck verboten.)
Eine Lücke, die nie ausgesüllt weilen kann, »st durch, das Hinscheiden des größten Ciaotrwcnves aller Zeiten in den Bau des Deutschen Reiches gerissen worden. Aber der große Baumeister des ReichcS hat dasür gesorgt, daß die fremden Fluthen nicht durch die Lücke eindringen und das Gebäude zerstören können. Er bat in seinen Aussprüchen i em deutschen Volle einen sicheren Panzer, der es gegen fremden Ansturm schützt, hinterlassen, wenn anders das deutsche Volk einsichtsvoll genug ist, von dieser Echutzwehr Gebrauch zu machen. Aus den Bismarckfcheu Busfpröchen kann noch in Jahrhunderten jeder deutsche Mann rnd können insbesondere Diejenigen, die berufen sind, des Volkes Führer zu sein, lernen, wie man sich verhalten muß, wenn man seinem Volke Segen bringen will. . ,._ . ..
Das erste Ersorderniß, das Fürst Bismarck bis tn sein höchstes Alter mit Wort und That geübt hat, ist die strenge Pflichterfüllung. Der Fürst war bekanntlich trotz seines hünenhaften Körperbaues schon verhältnißmüsig ^ühzeilig von Leiden und Gebresten oller Art Heimgesucht. Aber das hinderte ihn nie, seine Pflicht zu erfüllen. Wiederholt hat er wehmüthig im Reichstag gesagt, daß er noch in seinem hohen Alter den Rest seiner Kräfte aus die Erwiderung von -.ln- griffen verwenden müsse, weil er es für ferne Pflicht holte, seinem Könige und seinem Volke bis zuletzt zu dunen. Gerade rührend ist es, wie er schon vor mehr alS 20 Jaynn, am 19. Frbrvar 1878, im Reichstage am Eingänge einer gewaltigen Rede über die ganze europäische Lage erklären muß: «Ich bitte zuvördest um die Nachsicht des Reichstages, wenn
ich nicht im Stande sein sollte, alles, was ick zu sagen habe, stehend zu sagen." Und ähnlich erklärt er mitten in seiner gewaltigen berühmten Rede vom 6. Feb. 1888: «Ich komme vielleicht später auch darauf zurück, wenn meine Kräfte mir das erlauben." Und was hat seine gewaltige Kräfte so erschöpft? Eben diese unerschütterliche Pflichttreue bis zum letzten Moment. Er hat dies selbst am ergreifendsten in einer Rede vom 14. März 1885 ausgedrückt, indem er sagte: „Für mich, meine Herren, ist die nationale Frage eine Frage, die vn jedem Tage und in jeder Stunde mir oft mit 100 Beziehungen cntgegentritt, die mir den Schlaf, die Ruhe am Tage raubt und mich dazu treibt, hierin meinem hohen Alter an die Beantwortung von Reden daS bischen Athem zu setzen, das mir noch übrig bleibt. Das ist eben die Liebe zu meiner Nation, die Liebe zu meinem Vaterlandes
Die Pflichterfüllung ist, wenn man so sagen darf, eine mehr passive Tugend. Ihre aktive Ergänzung ist der Muth, der erst einen Staatsmann zum leuchtenden Vorbilde für die ganze Nation machen kann. Und diesen Muth hat Bismarck jederzeit besessen. Er hat persönlichen Muth im Höchsten Maße bewiesen, als er unter den schwierigen Umständen die Stellung als Ministerpräsident übernahm. Er hat dieS mit berechtigtem Stolze in einer Rede vom 14. Juni 1882 aus- gedrückt, indem er sagte: „Wer hat für den deutschen Ge- danlen gewirkt und gearbeitet, wer hat den Entschluß gehabt, so wie ich eS im Jahre 1862 gethan hebe, daß ich weine g»nze Lebinsexistevz und vielleicht meinen Kopf einsitzte, um die Möglichkeit zu haben, die Zvstiwmurg deS KönigS von Preußen zu cirer nationalen Polstik zu gewinnen." Und noch bedeutsamer als dieser persönliche Muth ist für den Staatsmann der sittliche Muth, einzugestehen, daß er inen kann vnd geirrt hat. Auch diesen Muth hat Bismarck jeder Zeit gehabt. So sagte er am 17. Dezember 1873; „Ich habe mich noch nie geschämt, eine Meinnngsändcrung in meiner
Stellung einzuräumen, wenn die Umstände mich nöthigten, entweder in etwas nachzugeben, oder mich zu überzeugen, daß es so, wie ich wollte, im Interesse des Landes eben nicht geht.* Und schließlich hatte Bismarck auch den für einen Staatsmann so bedeutungsvollen Muth, nicht vor einer Majorität zu kriechen oder vor ihr zurückzuweichen. So sagte er am 9. Februar 1876; „Ich nehme für uns das Recht in Anspruch, auch solche Anträge einzubringen, von denen wir mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit voraussehen, daß sie verworfen werden." Und noch schärfer und mit berechtigtem Selbstgefühl erklärte er am 30. November 1881; „Die Leute, die der Majorität unter Umständen fest ins Auge sehen und ihr nicht weichen, wenn sie glauben im Rechte zu sein, die finden Sie nicht sehr häufig, aber es ist immerhin nützlich, wenn der Staat einige davon in Vorrath hat.* Die größte Eigenschaft aber, die" dem Staatsmanne seltener eignet, wie Anderen, aber ihm zu desto größerer Zierde gereicht, ist die Treue. Man kann den Gedanken treuer Ergebenheit nicht einfacher ausdrücken, als Bismarck in einer Rede vom Nov. 1881, in der er darthat, wodurch er sich bewogen gefühlt hätte, 1862 eine sehr behagliche Stellung mit dem dornenvollen Amte eines preußischen Minister-Präsidenten zu vertauschen: „Ich fab, mein angestammter Herr brauchte einen Diener u nd fand ihn nrcht;
da habe ich gesagt: Htrr Vin ich *
;Af<r hin ich!" dies war Bismarcks Losungswort, wenn König und Vaterland liefen. Dieses Wort ist sein köstliches Vcrmächlniß an sein Volk. Möge es jedem deutschen Manne zrm Leitwert dienen, auf daß er, wenn das Vaterland ihn biaucht, nicht Nachfrage bei sich hält, ob es ihm bequem ist oder nicht, ob er Opfer bringt oder nicht, sondern auf daß er verhüt vor die Reihen und einfach sagt, wie unser großer Bismarck es gesagt hat: „$!(* hin ich."