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Erstes Blatt.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 175. Samstag den 30. Juli

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1898

Amtliches.

StcröM^ers ^anau.

Vr^UStUschllllgLN des Oberbürgermeisteramtes.

Der Hebetermttt für Steuern und Schulgeld für das II. Vierteljahr 1898/99 läuft mit dem 15. August er. ab und wird darauf aufmerksam gemacht, daß unmittel­bar danach mit Mahnung und Zwangs- vollstrecknng begonnen werden muß.

Hanau den 29. Juli 1898.

Städtische Steuerkasse,

Markt Nr. 16, nies

Zimmer Nr. 6 u. 7 zu ebener Erde.

Dienstuachnchten aus dem Kreise.

Gesunden: Ein Regenschirm, in der Post stehen ge­blieben. 15 Pf. in Baar. Ein Messer mit Perlmutterschale.

Hanau am 30. Juli 1898.

Tagesschau.

Die Streichung Zolas aus der Ehrenlegion hat zunächst einen ihrer Ossiziere, dem vermuthlich noch mehrere folgen werden, veranlaßt, sich mit dem Gematzregelten sür solidarisch zu erklären. Wie ein Telegramm aus Paris meldet, gab der berühmte Librettist Jules Barbier, der Ver- sasser der Libretti zu GounodsFaust" undRomeo" und zu BizetsCarmen", seine Demission. Barbier schrieb an den Ordensrath:Angesichts der Maßregelung, welche Zola trifft, bleibt nichts übrig, als sich aus dem Orden zurückzu- ziehen, aus welchem er ausgeschlossen wurde. Ich empfinde ebensoviel Vergnügen, da ich Ihnen meine Offiziersrosette zu- rückschicke, wie seinerzeit, da ich sie erhielt". Zolas Ein­spruch gegen das Versailler Urtheil gelangt Ende nächster Woche zur Verhandlung vor dem Kassationshof. Das Journal meldet, das vorgestrige Verhör des Obersten Picquart durch den Untersuchungsrichter Fabre werde zur Vorladung neuer Entlastungszeugen führen. Labori bezeichnet die Meldung, daß Picquart gegen einen Offizier im Generalsrang eine Klage anzustrengen beabsichtige, als unbegründet. Der An­walt Demange erklärt, es liege noch keine Entschließung vor hinsichtlich des von Frau Dreyfus gestellten Antrages, das Urtheil gegen ihren Mann aufzuheben. Die Familie werde sich aber dahin entscheiden, keine neuen Schritte in der Sache zu thun, so lange sich die jetzige Erregung nicht gelegt habe.

Das IX. Deutsche Turnfest.

Hamburg, 28. Juli.

Der gestrige Nachmittag war dem Turnen der Schüler der Hamburg-Altonaer Schulen vorbehalten. 4292 Knaben betheiligten sich von 24 Uhr an gemeinsamen Eisenstab­übungen und verschiedenen Turnspielen, die frisch und lebhaft durchgeführt wurden.

Die Verkündigung der Sieger begann um 6V2 Uhr.

Auf der Tribüne waren mit dem Vorsitzenden Dr. Goetz, dem Geschäftsführer Prof. Rühl, Herrn Pros. Keßler und anderen Mitgliedern des Vorstandes der Deutschen Turner­schaft die Kampfrichter und Mitglieder der Hamburgischen Festausschüsse versammelt. Herr Dr. Goetz eröffnete die Preis- vertheilung mit einer kurzen Ansprache, in der er darauf hinwies, daß nach Beendigung der Festlichkeit und turnerischen Arbeiten noch 3 Aufgaben zu lösen blieben: Die Sieger zu ehren, der Stadt Hamburg nochmals Dank für ihre Gast­freundschaft zu sagen und das Gelöbniß unverbrüchlicher Treue für die Turnfache und das Vaterland zu erneuern.

Zuerst möge also die Preisvertheilung beginnen.

Mit lauter Stimme wurde nun der Namen des ersten Siegers verkündet. Unter lebhaftem Beifall der in dichten Schaaren die Tribünen füllenden und das Viereck der Vereine umstehenden Turner und Zuschauer drückte Herr Dr. Goetz dem Sieger einen Eichenkrauz aufs Haupt und überreichte ihm ein schönes Ehrendiplom. Eine Musilfanfare geleitete den Sieger auf seinen Platz zurück. Mit größter Aufmerk­samkeit wurde der Name jedes Siegers und die ihm zuge- fallene Punktzahl erlauscht und Gut Heil-Rufe aus den Reihen seiner näheren Freunde schallten ihm entgegen, wenn er vor die Tribüne trat und das Haupt entblößend aus den Händen der Senioren des Turnens seinen Ehrenkranz empfing.

In solcher Weise wurden 105 Sieger im Einzelwettturnen, 2 Sieger im Ringen, 9 im S- leuderball-Weitwerfen, 9 im Hindernißrennen, 8 im Deutschen Dreisprung verkündet und in allen Abtheilungen zahlreichen Turnern ehrende Erwäh­nungen zuerkannt.

Als gegen 8 Uhr der feierliche Akt beendet war, nahm Herr Professor Rühl-Stettin das Wort, um der zweiten von Dr. Goetz erwähnten Pflicht gerecht zu werden. Er widmete dem Senat und der Bürgerschaft, allen Behörden, die sich im Interesse des Turnfestes bemüht und allen den Männern, die in den Ausschüssen bei seiner Vorbereitung und überaus glücklichen Durchführung gearbeitet, herzlichen Dank und schloß mit einem dreifachen Gut Heil auf Hamburg, in das die fremden Turner besonders freudig einstimmten.

Der Vorsitzende des VereinsDoria" aus Genua über­reichte hierauf mit einer italienischen Ansprache ein Schmuck­

stück in Etuis, das Herr Dr. Goetz dankend entgegennahm und dem Jahn-Museum zu überweisen versprach. Herr Caoa, liere Guerra, Präsident des Turnvereins in Rom, verlas ein vom Könige von Italien eingetroffenes Telegramm, das den warmen Sympathien des Königs für die Turnfache Ausdruck gab, und überreichte dann einFahnenband in den italienischen Farben für das Bundesbanner.

Herr Dr. Goetz wies nach einem herzlichen Dank an die italienischen Turner und ihre liebenswürdigen Vertreter darauf hin, daß nach Erledigung der zweiten Aufgabe noch die dritte übrig bleibe. Es sei ein eigenthümliches Zusammentreffen, daß gerade in den Festtagen in einem sozialdemokratischen Flugblatt ein heftiger Angriff aus das Turnen und seine pa­triotischen Tendenzen erfolgt sei und daß er soeben eine De­pesche aus Friedrichsruh erhalten habe, die schlechte Nachrichten über den Gesundheitszustand des Fürsten Bismarck bringe. Die Angriffe und die Krankheit des Schöpfers und Hüters der Deut­schen Einheit müßten die Turner mahnen, um so fester pa­triotisch auszuhalten.

Der Fackelzug setzte sich um 9Ve Uhr vom Festplatze aus durch den Eingang beim Millernthor in Bewegung.

Es waren etwa 4000 Harzfackeln im Zuge so »ertheilt, daß die rechten und linken Flügelmänner der viergliedrigen Kolonne je eine trugen. Vom Millernthor ging es durch überall auf den Trottoiren dicht gedrängt stehende Menschen- maffen hindurch über die Helgoländer Allee nach den St. Pauli-Landungsbrücken hinunter und am Hafen entlang bis zum Rödingsmarkt, über diesen, den Altenwall und Reesev- damm zum alten und neuen Jungfernstieg, und dann zur Esplanade, überall mit jubelnden Zurufen begrüßt. Nicht minder fröhlich und übermüthig war die Stimmung der Turner selbst. Vor dem Hause des präsidirenden Bürger­meisters Dr. Lehmann wurde ein kräftiges dreifaches Gut Heil unter Fackelschwingen gebracht und dann durch das Dammthor auf die Moorweide marschirt, wo die Fackeln zu- sammengeworfen wurden.

Heute Morgen wurden mit zahlreichen Extrazügen und überfüllten Dampfern Turnfahrten nach allen Richtungen an­getreten.

Das IX. Deutsche Turnfest ist beendet, und mit Freude darf Hamburg auf die Tage zurückblicken. Das Wetter hat nach Möglichkeit seine Gunst bewährt. War es auch meist recht kühl und anfangs stürmisch, so hat doch kein einziger anhaltender Regenguß das Turnen oder die Umzüge gestört, und die Turner konnten ihre anstrengenden Uebungen aus- ! führen, ohne unter Sonnenbrand oder Regen zu leiden. Auch ! kein einziger ernster Unglücksfall ist bei dem lebhaften Treiben J der 27 000 Betheiligten vorgekommen. Mögen die Turner ! der Feststadt Hamburg ein so gutes Andenken bewahren,

Fe«Metoir

Eine Seeschlacht vor 100 Jahren.

Zur Erinnerung an den 1, August 1798.

Von Robert Berndt.

(Nachdruck verboten.)

Unter günstigem Winde segelte das von Sicilien kom­mende englische Geschwader gen Osten, der Küste des alten Räthselland.s Egypten zu, und alle Segel waren geschwellt, gleich als ob sie vor Ungeduld bräunten, die stolzen Linien­schiffe und behenden Fregatten dem Ziele zuzuführen. Aber höher noch schwellte die Ungeduld die Brust des Komman­danten, des Kontre-Admirals Horatio Nelson, der aus der Kommandobrücke seines Flaggschiffes, des 74ersVanguard", stand und unablässig in die Ferne spähte. Er mußte end­lich den Feind, die französische Flotte, finden! Entwischt war sie ihm aus Toulon; dieselbe schlimme Böe, die seinen Vanguard" zeitweilig dienstuntauglich gemacht hatte, hatte sie in guter Fahrt ihrem Ziele zugeweht. Seitdem halte Nelson länger als einen Monat den verschwundenen Feind m ollen Theilen deS Mittelmeeres gesucht; an den Säulen des Herkules und an der ligurischen Küste, vor Malta und am Strande der Provence hatte er ihm nachgespürt, immer vergeblich. Und mit jedem Mißerfolg wuchs der feurige Ehrgeiz in diesem Manne der kühnen Leidenschaft. Endlich hatte ihn reifliche Ueberlegung zu dem Resultat geführt, die Franzosen mühten vor der egyptischen Küste liegen, und ein Vorgefühl sagte ihm, daß er diesmal nicht umsonst suchen werde. Er mußte sie finden. t ,

Der Hasen der alten Welthandelsstadt Alexandria war erreicht kein Feind! Also weiter ostwärts das Steuer

gerichtet, und hurtig, daß keine Stunde verloren gehe und der Gegner nicht wieder entschlüpfe. Er hatte nur noch ein Auge und einen Arm, dieser Nelson; aber das Auge bohrte sich in den Horizont, als wolle es durch seinen Blick das Geschwader der Republik bannen, und der Arm war ent­schlossen, zu schlagen, wenn und wo er es fände. Da steigt am Mäste des führenden SchiffesZealous" ein Signal auf.Feind in Sichr!" meldet der Kapitän Samuel Hood. Endlich gefunden, die Entscheidung ist da athmet Nelson auf.17 Schiffe" telegraphirt Hood weiter. Auf 15 hatte Nelson nach den Erkundigungen feiner Späher nur gerechnet, doch ein Schiff mehr oder weniger macht seinen tapferen Blaujacken nichts auS. Auf der Fahrt hatte Nelson mit den Kapitänen seine Pläne für alle Fälle bereits eingehend durch- gesprochen; so brauchte es in diesem Augenblicke keiner wei­teren Berathung mehr, und als die stumme Sprache der Schiffe das KommandoKlar zum Gefechte!" gab, kannte jeder Mann seinen Platz. Schnell näherten sich die Eng­länder dem Feinde.

Es war ein gluthheißer Sommertag, dieser erste August, und bleich blickte in der erbarmungslosen Mittagssonne das weiße Schloß von Abukir auf die Rhede hinab. Da lag das französische Geschwader, der Stolz seiner Nation. Keine schöneren Schsffe hatte das blaue Mittesmeer je gesehen.Franklin, Neun dieser mächtigen Dreidecker führten 74 Kanonen, der zose die feindlichen Schiffe, die bei günstiger Brise schnell Franklin", derTonuant" und derGuillaume Tell" waren ' ' *

mit 80 Geschützen gewaffnet, alle aber überttaf der gewaltige Orient", einstDaupdin Royal" und späterSans Cu- lotte" genannt, ein Riesenschiff, das in der furchtbaren Rüstung von 120 Feuerschlünden starrte und den Admiral /

BrueyS trug. Da lag das Geschwader und schaukelte sorglos Tonvengehalt und Bewaffnung nachstand, sozusagen nach- auf der azurnen Flulh. Es erwartete jetzt keinen Feind, einander aufzufressen. Dabei war fteilich noch ein böses Admiral Brueys hielt an Bord desOrients" ein lustiges Item, indem seine Schiffe, um die Franzosen von der Diner, die Boote mit einem Theile der Mannschaft waren1 Landseite her angreifen zu können, die ziemlich enge und

Die heutige Nummer umfaßt außer dem UnterhaltungSblatt 12 Seiten.

zur Ergänzung des Wasservorraths an Land geschickt, und Jedermann suchte sich, so gut er konnte, vor der grausamen Gluth zu retten und sich's bequem zu machen. Wie ein Donnerschlag fällt in dies Stillleben das Signal vom Guerrier" :Feind in Sicht!" Eine ungeheuere Verwirrung entsteht. Was thun? Unter Segel gehen und die hohe See zu gewinnen? Blanquet Duchaila und Dupetit-Thouars rathen's. Doch) der Admiral glaubt sich auf der Rhede, int

Bereiche der Landbatterieen sicherer, auch erwartet er den An­griff des Feindes nicht vor dem nächsten Morgen. Der Fundamentalsatz, daß eine Flotte den Gegner nie im Hafen vor Anker erwarten dürfe, war damals noch keineswegs all- crkannt und erst dieser 1. August sollte den entscheidenden monumentalen Beweis für ihn liefern. So entschließt sich Brueys, den Feind vor Abukir zu erwarten und trifft in fieberhafter Eile, so gut er eben kann, seine Vorbereitungen. Schnell führen die flinken Gigs die Kapitäne an Bord ihrer Schiffe; die Fregatten werden kommandirt, einen Theilihrer Besatzung zur Ausfüllung der Lücken an die Linienschiffe ab- zugeben, was aber in der Eile und Verwirrung nur sehr un­vollkommen geschieht und in einer langen Linie, denGuer­rier",Conquerant",Spartiate" undAquilon an der Westseite als Vordertreffen und im Zentrum die Riesen

- - i". ..Tonuant" undOrient" erwartet ber Fran-

herankommen. ,

Nelson's Plan war ebenso einfach als genial. Er wollte sich mit seiner ganzen Macht auf das französische Vorder- tressen werfen und zunächst dies bewältigen, um dann die gegnerischen Schiffe, denen seine Flotte als Ganzes an Zahl,

einander aufzufressen. Dabei war fteilich noch ein böses