UtonnementS.
Preis: Jährlich 9 M.
vierteljährlich 2 .* 25 4.
Für auswärtige Wvtmenten mit dem
Betreffenben
Postaufschlag.
Die einzelne Nummer kostet 10 *
Zugleich ^r
Amtliches Organ für Slsöt- unö LanöKreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrücknug».
gebühr
für Stadt- und Lot» kreis Hanau 10 ^ Hi 4gespaltene Garmoud- zcile ober bereit Raum, für Auswärts 15 ^.
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 4
Rr. 174
Freitag den 29. Juli
1898
„Amtliche Beilage" Nr. 5».
«-Ech««.
Bekanntmachung.
Die Reichsdruckerei übernimmt von jetzt für Privatpersonen die Abstempelung von Streifbändern und von Briefumschlägen mit dem Freimarkenstempel unter den für die Abstempelung von Postkarten und Kartenbriefen geltenden allgemeinen Bedingungen, über welche die Postämter aus Erfordern Auskunft geben.
Die zur Abstempelung bestimmten Streifbänder können einzeln geschnitten oder in zusammenhängenden Bogen bis zur Größe von 60; 90 cm, die Briefumschläge in fertigem Zustande oder ebenfalls in ganzen Bogen bis zu der angegebenen Größe eingeliefert werden. . Die Briefumschläge müssen ihrer Beschaffenheit nach zur Abstempelung geeignet sein. Auf welchen Stellen der ganzen Bogen der Werthstempel eingedruckt werden soll, ist genau zu bezeichnen.
Die Abstempelungsgebühr wird mit 1 M. 75 Pf. für je 1000 Stück Streifbänder und Briefumschläge oder für jedes angefangene Tausend berechnet.
Mengen unter 20,000 Stück von jeder Gattung werden zur Abstempelung nicht zugelassen.
Berlin W., 23. Juli 1898.
Der Staatssekretär des Reichs-Postamts.
von Podbielski. •
Öftrere ^anau. DeksMtMachlmge« des Ks«Mch§y dl'nhrachsamtes.
In Bieber, Kreis Offenbach, ist die Schweinerothlauf- seuche ausgebrochen und Gehöstsperre angeordnet worden. Hanau am 27. Juli 1898.
Der Königliche Landrath.
V. 8279 I. V.: Schneider, Kreissekretär.
Dienstnachnchtcn aus dem Kreise.
Gesunden: Eine goldne Brille. Drei Sonnen- und ein Regenschirm, in der katholischen Kirche stehen geblieben.
Verloren: Eine Parthie Platinspitzen; dem Wieder- bringer eine gute Belohnung.
Hanau am 29. Juli 1898.
KlcrHM^ers ^banau. MLLMWchMgLR des OtzeMrgerrueisterasttes.
Bekanntmachung.
Zum lippischen Zwischenfall. Die „Neue Bayr.
„ Landesztg.", die sonst ein in weitesten Kreisen unbekanntes
Der Bauunternehmer Fr. Keu necke hier hat unter dem ^Dasein führt, scheint sich aus der lippischen Sache eine 15. April d. Js. ein Baugesuch eingereicht und beabsichtigt Spezialität machen zu wollen. Jetzt behauptet das Blatt,
hiernach an der Uferstraße aus der Parzelle G. G. 266/62 ein Wohnhaus zu errichten.
, Indem wir Interessenten hiervon Nachricht geben, bemerken wir, daß auf Grund des § 86 pos. 1 des Zuständigkeits- gesetzes Pläne und sonstige Unterlagen im Stadtsekretariat, Zimmer Nr. 21 des Rachhauses, zur Einsicht aufgelegt sind. - Einwendungen sind innerhalb 14 Tagen vom 30. Juli d. Js. an bei uns einzubringen.
Hanau den 27. Juli 1898.
Der Stadtausschuß des Stadtkreises Hanau.
I. V.: Bode. 11142
Bekanntmachung.
Der Bauunternehmer Fr. Keunecke hier hat unter dem 29. Jan. d. J. ein Baugesuch eingereicht und beabsichtigt hiernach, mischen der Uferstraße und der Kinzig auf der Parzelle G. G. 110/63 a ein Doppelwohnhaus zu errichten.
Indem wir Interessenten hiervon Nachricht geben, bemerken wir, daß auf Grund des § 86 pos. 1 des Zuständigkeits- gesetzes Pläne und sonstige Unterlagen im Stadtsekretariat, Zimmer Nr. 21 des Rathhauses, zur Einsicht aufgelegt sind.
Einwendungen sind innerhalb 14 Tagen vom 30. Juli d. Js. an bei uns einzubringen.
Hanau den 27. Juli 1898.
Der Stadtausschuß des Stadtkreises Hanau.
I. V.: Bode. 11141
Bekanntmachung.
Die Entwässerung des Stadtschlosses soll in öffentlicher Submission vergeben werden.
Arbeitsauszug und Bedingungen liegen von heute ab im Stadtbauamt I, Zimmer Nr. 23, für Interessenten aus und sind Angebote verschlossen und mit Aufschrift: „Entwässerung Stadtschloß" bis zum Eröffnungstermin
Dienstag, 2. August d. I., vorm. 11 Uhr, bei obengenannter Amtsstille einzureichen, woselbst schon jetzt die betr. AuSzüge gegen Erstattung von Mark 3,00 zu erhalten sind.
Die Eröffnung der Angebote findet um diese Zeit im Beisein etwa erschienener Interessenten statt.
Hanau den 25. Juli 1898.
Der Magistrat
Bode. 11010
LsgsssHsu.
der Kaiser habe, als er von der Beschwerde des Grafregenten bei den Bundesfürsten erfahren habe, einlenken wollen und als ein Zeichen versöhnlicher Gesinnung den Bruder des Regenten, Grafen Leopold v. Lippe, Kommandeur des 2. Garde-Feld-Artilleriereaiments, außer der Reihe mit Führung der 17. Feld-Artilleric-Brigade in Danzig beauftragt. Aber der Stein sei bereits in's Rollen gerathen und die Angelegenheit habe ihren Weg gehen müssen. Nun ist aber drr Brief des Grafregenten, der zu dem Telegramm des Kaisers die Veranlassung gab, am 17. Juni in Berlin eingegangen, die Ernennung des Obersten Grafen Lippe aber bereits am 14. Juni vollzogen und am 15. im „Militärwochenblatt" veröffentlicht worden, sodaß jeder Zusammenhang zwischen dieser Ernennung und dem lippischen Beschwerdefall ganz und gar ausgeschlossen wird. Der Versuch, auf diese Art die Angelegenheit so zu drehen, als ob der Kaiser sein Unrecht gewissermaßen anerkannt habe, fällt also vollständig ins Wasser und kennzeichnet sich als ein leichtfertiges, wenn nicht bösartiges Manöver. Wenn die Beförderung des Obersten Grafen Lippe wirklich außer der Reihe und in besonders bevorzugender Weise erfolgt sein sollte, so würde das nur beweisen, daß vor dem Briefe des Regenten durchaus keine Animosität gegen das Lippe-Biesterfeld'sche Haus vorlag.
Auf den preußischen Bahnhöfen ist eine Reche von Druckschriften verboten worden. Zugleich hat die Eisen- bahuverwaltung an die Bahnhofsbuchhändler ein Schreiben gerichtet, worin sie die Einreichung eines Verzeichnisses aller von den Buchhändlern zum Verkauf feilgebotenen Zeitungen, Zeitschriften und Bücher fordert. Das Schreiben der Eisenbahnverwaltung schließt: „Wir bemerken hierbei ausdrücklich, daß Preß-Erzeugnisse, insbesondere periodisch erscheinende, die durch Wort, Bild oder Geschäftsanzeigen Anstand und gute Sitten verspotten oder verletzen, die Sinnlichkeit überreizen, die die idealen Güter des Lebens herabzuwürdigen, werthvolle vaterländische Einrichtungen und deren Träger verächtlich zu machen, Neid und Haß unter den Staatsangehörigen zu erregen geeignet sind, auch wenn sie die Grenzen des Strafgesetzbuchs vermeiden, von dem Verkaufe in Zukunft auszu- schließen sind, was Sie bei dem einzureichenden Verzeichnisse berücksichtigen wollen".
Ueber die Entwickelung der Kleinbahnen vom Geltungsbeg nn des Kleinbahngesetzes, also dem 1. Oktober 1892 bis Ende 1897, liegen jetzt die amtlichen Zahlen vor. Darnach betrug die Zahl der dem Verkehr dienstbar gemachten Kleinbahnen 120, ihre Gesammtlänge 3948,4 Kilometer. Von Anfang Oktober 1896 bis Ende September 1897 allein sind 44 Kleinbahnen mit einer Gesamaulänge von 1137,2 Kilometer dem Verkehr übergeben.
Der Bezirkshauptmann ron Reichenberg in Böhmen hatte sich bei der Zittauer Amtshauptmannschaft über die Absingung des Liedes „Deutschland, Deutschland
Fenilletsn
Reisedries aus Mrnberg.
(Originalbries.)
Es ist Sonntag Nachmittag. Ich sitze auf dem Balkon des Bayrischen Hofes und schaue die Carlstraße hinauf über die beiden Brücken, welche über die Arme der Pegnitz führen. Ich sehe zwischen zwei Reihen alldeutscher Häuser rechts und links auf die Hinterhäuser des Trödelmarkts, die mit den in die Ferne ragenden Kirchthürmen ein höchst eigenartiges und mittelalterlich anheimelndes Städtebild darbieten. Es ist nun einmal Nürnberg die Stadt, in welcher das Mittelalter mit seinem reichen und gemeinnützigen Bürgerthum des 14. und 15. Jahrhunderts, wie in keiner ander» deutschen Stadt zu uns redet. Die alten winkligen hundertjährigen Häuser erscheinen inmitten der heutigen Bevölkerung mit ihren elektrischen Bahnen, Kaffees und Restaurants wie ein Anachronismus, aber als ein liebenswürdiger Anachronismus wie bei einem Künstlerfest, und künstlerischer Sinn, Sorge für volks- thümliche Kunst umgibt Einen hier auf Schritt und Tritt. Die sonst so belebten Straßen sind heute wie ausgestorben. Alles, was gesund ist und einige Groschen übrig hat, ist zum 9. Fränkischen Sängcrsest nach Fürth, wo die für 6000 Gäste bestimmte Festhalle für die ungezählten Schaaren von Sängern und Zuhörern nicht Raum genug bieten wird. Drei Tage soll das Fest dauern, und die Sangesbrüder, mit ihren blau- weißen Schärpen, bunten Schleifen und bunten Bändern auf dem Hut, durchzogen schon am Vormittage die Stadt mit Bannern und Fahnen, ebenso wie die Feuerwehren, die in ihrem schönsten Staat das Fest in Fürth verschönern helfen. Wer einige Tage in Nürnberg weilen darf, wird vorziehen, sich den Strapazen eines staubigen, sonnenbestrahlten Fest
platzes bei 22 Grad im Schatten nicht auszusetzen und lieber die Steine reden lassen — Häuser, Kirchen und Straßen von der Herrlichkeit des alten heiligen römischen Reiches deutscher Nation. Von dieser Sprache wird freilich derjenige nur wenig vernehmen, der sich in einem der modernen Hotels der Neustadt niedergelassen hat, und darum ist in der That für jeden Besucher Nürnbergs die Hotclfrage sehr wichtig. Am meisten gelobt robb von Reisenden gewöhnlich der „Württem- berger Hof" dicht an der Bahn. Mir scheint nicht mit Recht. Es ist ein Passantenhotel, und oft genug muß man hier, selbst wenn man telegraphiert hat, mit Zimmern vorlieb nehmen, in denen man eigentlich nur bei Nacht sich aufhalten kann, von dem Geräusch der dicht daneben vorbeiführenden Bahn und der sehr belebten Straßenfront mit elektrischem Tramway nicht zu sprechen. Wer lange nicht in Nürnberg war, erstaunt über die Fülle neuer Hotels, die dort entstanden ist, sämmtlich mit allem Komfort der Neuzeit. Allen voran das Grand Hotel unweit der Bahn, dann Monopol, Viktoria, Rother Hahn, Kaiser-Hof. Aber dennoch wird jeder, der gern in historischen Erinnerungen lebt, die alten Hotels im Pentium bev Stadt bevorzugen, und von diesen ist das vornehmste der „Bayrische Hof" — er ist so zu sagen mit dem Fremdenverkehr alt geworden und versetzt seine Besucher mitten in Alt-Nürnberg hinein. Maler, welche ein Stadt-Bild aus dem Mittel- alter skizziren wollen, brauchen nur vom Balkon des Zimmrrs Nr. 32, das eben wieder von zwei Malerinnen besetzt ist, ihrer Kunst freien Lauf zu lassen. Die alten prachtvollen Kirche« der Stadt mit ihren Holzschnitzereien von Adam Krafft und Peter Stoß und ihren Skulpturen von Peter Bischer, mit all den Glanzstücken der Nürnberger Architektur und Plastik um die Wende des 14. und 15. Jahrhunderts bilden den Haupt- Anziehungspunkt für diejenigen Besucher, welche Höheres suchen, als die reizende Rosenau und den Prachtpark des Maxfeld mit den Militär-Konzerten. Insbesondere einzig in ihrer Art
sind die immer aufs Neue überraschenden kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen desGermanischenMuseums, dieser permanenten nationalen Kunst- und Geschichtsausstellung mit 83 Sälen von einer Herrlichkeit und Eigenart, daß der Besucher eigentlich acht Tage und mehr dazu gebraucht, wollte er alles, was hier geboten wird, eingehend besichtigen. Die hervorragendsten Säle sind: 32 die Kirche, von allen Ge- bäulichkeiten der alten Kartause, die das Museum übernahm, die verhältnißmäßig unversehrteste, welche auch in ihrem ursprünglichen Zustande verblieben ist, ferner Saal 58, der die Geschichte des deutschen Buchdrucks in allen den ersten Druckausgaben von Bibeln, Kalendern und Erbauungsbüchern vor- führt und endlich die altdeutschen Zimmer-Einrichtungen sowie die Kunstmöbel, die einen Einblick in das Leben unserer Altvordern gewähren. Das Museum umschließt auch ein ganzes Zeughaus des Mittelaliers und die herrlichsten Gegenstände der Kunst und des Kunstgewerbes, von denen unsere ^ett lernen kann, wie vornehmer und edler Geschmack sich mit praktischer Zweckmäßigkeit verbindet. Unter den zahlreichen Wandgemälden von hohem Kunstwerth aus neuer und älterer Seit, welche die Wände der Kirche des Germanischen Museums sowie der Kapellen schmück n, fesselt den Besucher besonders das berühmte große Kaulbach'sche Bild: Kaiser Otto III. in der Gruft Karls des Großen im Dom zu Aachen. Der erste Kaiser des deutschen Reiches, Karl der Große, in der Gruft als Leiche auf dem Thron sitzend, wie einst auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, das Reichsschwert in der Rechten, das Evangelienbuch als Schutzherr der Kirche auf den Knieen haltend, wird nach fast zweihundertjähriger Grabesruhe im Jahre 1000 besucht von dem jugendlichen hochstrebenden Kaiser Otto III., der erstaunt über die Majestät seines großen Vorgängers, wie erschrocken auf den Stufen stehen bleibt, die in die Kaisergruft hinabführen. Ein alter Kriegsmann hat die Fackel zur Erleuchtung des Grabes vorangetragen und ist