Erstes Blatt.
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Amtliches Grgsn für KtsSi- unö LsuSKreis Vsuau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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für Stadt- und 2a* kreis Hanau 10 ^ He 4gespaltene Garmondzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für
Auswärts 30 ^.
Nr. 169
Samstag den 23. Juli
Amtliche-.
^anötrei^ ^anau»
BrrenntAachnugeu des Königlichen Landrathsamtes.
Das Infanterie-Regiment Nr. 166 wird am 29. und 30. d. Mts., 1. und 2. August er. Schießen mit scharfen
Patronen auf bem großen Exerzierplatz —
Schußrichtung
Eisenbahnübergang, nördlich Nordbahnhof, — Fallbachbrücke — abhalten.
Das Schießen wird jedesmal vormittags um 4 Uhr beginnen und um 8 Uhr nachmittags beendet sein.
Das Gelände Arbeiterhäuser—Scheibenstandswache— Chaussee Hanau—Langendiebach—Reußerhof—Eisenbahn in Höhe des Kinzigheimerhofs, unter besonderer Absperrung des Fußweges Chaussee Hanau—Roßdorf wird durch Sicherheits- posten abgesperrt und darf während des Schießens nicht betreten werden.
Den Weisungen der Sicherheitsposten ist unbedingt Folge
zu leisten.
Die Herren Ortsvorstände wollen dies unter dem besonderen Hinweis darauf, daß aus Gründen der Sicherheit das Zuschauen verboten ist, alsbald veröffentlichen lassen.
Hanau den 23. Juli 1898.
Der Königliche Landrath
I. V.: Becker, Regierungs-Assessor.
Der Bürgermeister Johannes Weber III. zu Hochstadt ist auf eine weitere 8jährige Amtsperiode zum Bürgermeister dieser Gemeinde gewählt und bestätigt worden. Hanau den 23. Juli 1898.
Der Königliche Landrath
A. 3038 I. V.: Becker, Regierungs-Assessor.
Unter dem Pferdebestande der Anilinfabrik der L. Cassella n. Comp. in Fechenheim ist die Pferdeftaupe
Firma
(Jnfluenza) erloschen.
Hanau am 21. Juli 1898.
Der Königliche Landrath.
V. 8082 I. V.: Dr. Becker, Reg.-Assessor.
Dicnstnachn-tcn aus dem Kreise
Gefunden: Ein Rechen.
Verloren: Ein Zwanzigmarkstück.
Hanau am 23. Juli 1898.
Lage-schau.
Von der Marine. Laut telegraphischer Meldungen an das Ober-Kommando der Marine sind S. M. Iächt „Hohenzollern", Kommandant: Kontre-Admiral Freiherr von Bodenhausen, und S. M. S. „Hela", Kommandant: Korvettenkapitän Sommerwerck, vorgestern von Digermulen in See gegangen.
Folgende Erklärung des lippeschen Staats- Ministeriums ist anläßlich der Veröffentlichungen der „Neuen Bayer. Landeszta." der „Tägl. Rundschau" zuge- gangm: „Den durch die Presse gehenden Mittheilungen über einen Schriftwechsel zwischen Sr. Majestät dem Kaiser und Seiner Erlaucht dem Graf-Regenten zu Lippe steht die lipp-sche Staatsregierung gänzlich fern. Die Veröffentlichung ist von nichtlippescher Seite und ohne Wissen und Wollen der hiesigen Staatsregierung erfolgt. Detmold, den 21. Juli 1898. Fürstliches Staatsministerium, von Miesitscheck."
Die Solinger Sozialdemokraten haben beschlossen, den früheren Reichstagsabgeordneten Georg Schumacher, durch dessen Kandidatur, bezw. Gegenkandidatur der Wahlkreis Solingen ihnen verloren ging, wegen des begangenen „Verraths" aus der Partei auszustoßen. Nicht besser ist es seinen Freunden ergangen. Schon jetzt werden Vorbereitungen getroffen, um bei nächster Gelegenheit den Wahlkreis zurück-
zuerobern.
Der neue Reichstag. Von den 397 Mitgliedern des neuen Reichstages haben, wie ein Vergleich der neuen Fraktionsliste mit der letzten des alten Reichstages ergibt, 230 schon bis jetzt dem Reichstage angehört. Von den 167 „neuen Männern" waren 19 schon in früheren Legislaturperioden Mitglieder des Reichstages, nämlich die Freikonservativen v. Christen und Holtz, die Nationalliberalen Büsing, Endemann, v. Fischer, Sattler, die Zentrumsabgeordneten Graf Ballestrem, Stötzel und Lehemeyer, die Sozialdemokraten DreeSbach, Klees, Psannkuch, Schwartz, die Mitglieder der freisinnigen Vereinigung Brömel, Hänel, Schrader, Siemens,
der Pole Movy und der „Wilde" Stöcker. Thatsächlich also wird der neue Reichstag 148 neue Männer zählen. Relativ am stärksten ist der Personenwechsel bei den Nationalliberalen. Von den 46 Mitgliedern der nationalliberalen Fraktion haben nur 17 schon dem alten Reichstag angehört, 29 sind neugewählt worden, darunter allerdings 4 Reichstagsab^eordnete aus früheren Legislaturperioden bis 1893. Absolut am größten ist die Zahl der neuen Männer beim Zentrum: 36 neben 71, die dem Reichstage von 1893 bis 1898 ange- börten. Die konservative Fraktion im neuen Reichstag ist 52 Mitglieder stark, unter ihnen 21 Neulinge. Von den 22 Freikonservativen waren 12 schon bis 1898 Reichstagsabgeordnete, von den 14 Polen 11, von den 56 Sozialdemo- kraten 34. Unter den 29 Mitgliedern der Freisinnigen Volkspartei repräsentiren 11 frisches Blut, unter den 12 Ver-
einigungeleuten 4. Die deutsche Volkspartei ist 8 Mitglieder stark, die Hälfte von ihnen ist Nachwuchs. Die 10 Mitglieder der deutsch-sozialen Reformpartei zählen zwei Neulinge, Gäbet und Raab, in ihrer Mitte. 41 Mitglieder des neuen Reichstages bezeichnen sich als wild, 20 von ihnen sind ^^^ ,„ tuItul 5u|tlcvt„Htut wiedergewählt woi den, ihnen gesellen sich 21 junge Wilde zu,! würden, nicht getäuscht worden seien, unter ihmn Stöcker, der ^ewehrsobrikant Mauser und die Bündler Ratzmger und Rösicke.
Italiens Verdrängung aus Tunis. Die Italiener scheinen sich allgemach an den Gedanken zu gewöhnen, daß es ihr unabwendbares Schicksal sei, aus ihren Positionen in Afrika durch die Franzosen verdrängt zu werden. Die Regierung betrachtet Tunis augenscheinlich als einen völlig verlorenen Posten, obgleich dort zwölsmal mehr Italiener als Franzosen ansässig sind. Nachdem man vor zwei Jahren in Rom, in der Hoffnung, von Frankreich einen Handelsvertrag zu erhalten, das französische Protektorat über TuniS anerkannt und auf die Gleichstellung des italienischen Handels mit dem französischen verzichtet hat, ist nun in dieser Woche auch noch die letzte namhafte Position Italiens in Tunis j verloren gegangen: die wichtige Eisenbahn, die die Stadt Tunis mit ihrem Hafen Golotta verbindet. Sie gehörte der' Allgemeinen italienischen Schifffahrtsgesellschast, die für den Betrieb der Bahn von der italienischen Regierung eine jährliche Subvention von 150,000 Francs erhielt. Die französischen Behörden in Tunis suchten der italienischen Bahnverwaltung auf jede erdenkliche Weise die Lust am Betrieb zu benehmen, und das ist ihnen denn auch rasch gelungen. Die Allgemeine italienische Schifffahrtsgesellschast hat die Bahn schon im April an die französische Eisenbahngesellschaft Bona- Guelma verkauft. Man hat den Verkauf geheim gehalten, so lange es möglich war, da das Ministerium Rudini den ungünstigen Eindruck der Nachricht fürchtete. General Pelloux, der die Schuld an dem Verkaufe auf seinen Vorgänger abwälzen kann, gab die vollendete Thatsache bekannt. Ein oder zwei Blätter schlagen Lärm, aber sonst regt sich Niemand im Lande über den Vorgang auf.
Zum Zollkrieg mit Rußland. Durch die Blätter geht die Nachricht, daß die neuerliche Bestimmung der deutschen Regierung, nach welcher aus Rußland importirte Gänse nicht mehr über die Grenze getrieben, sondern nur noch mittelst Fahrzeugen eingeführt werden dürften, auf Seiten der russischen maßgebenden Stellen starke Verstimmung hervorgerufen und zu den Gegenmaßregeln russischer Zollerhöhungen geführt hätten. Wie die „Zentralstelle für Vorbereitung von Handelsverträgen" mitzutheilen in der Lage ist, ist jedoch eine zu ernste Auffassung dieser Sachlage nicht angebracht. Der russische Finanzanzeiger hat zwar eine offizielle Zurückziehung der 1897 gewährten Zugeständnisse bei Export von Celluloid-
und Lederwaaren veröffentlicht, de facto jedoch tritt diese Vrr-! Anlaß zahlreiche Vertreter von Turnvereinen begeben. — ordnung vor der Hand nicht m Kraft. Die Grenzzollämter Unter großen Beifallsbezeugungen der Bevölkerung erfolgte sind angewiesen, bis auf Weiteres an der bisherigen Zollbe- abends die Abreise der Vertreter des italienischen Turner- Handlung festzuhalten, da Vertandlnngen mit der deutschen Hundes nach Hamburg. Nach einem feierlichen Empfang der Regierung über den strittigen Punkt in Schwebe sind. Und Turner mit Reden, worin für Deutschland lebhafte Sym- diese Verhandlungen werden, wie die „Zentralstelle" aus pathien zum Ausdruck kamen, begann die Formirung des guter Quelle vernimmt, beiderseits mit solchem Wohlwollen Inges. Derselbe begab sich nach dem Bahnhof, wo in- und Entgegenkommen geführt, daß eine zufriedenstellende zwischen eine Abtheilung der Turnergesellschaft Andreas Uebercinkunst in sicherer Aussicht steht und die Zurücknahme Doria aus Genua eingetroffen war. Alsdann erfolgte die des fraglichen Erlasses zu erwarten ist, bevor er in die Wirk-1 Abreise.
samkeit getreten ist. Hamburg, 22. Juli. Der Exirazug mit etwa 800
Polttischa und unpolitische Nachrichten.
(Depeschen,Bureau „Herold".) begleitenden Musikkorps nach der Turnhalle in St. Georg,
Berlin, 22. Juli. Die Kaiserin hat dem Deutschen wo der formelle Empfang stattfand unb, Prof. Dr. Voller
Verein vom Rothen Kreuz zu Gunsten der amerikanischen und l ™ -r —- - ” • o.l„0_„..„
spanischen Gesellschaften vom Rothen Kreuz 1000 Mark über-; Empfang sprach Prof. Dr. Kienemann aus. Dann wurden
wiesen, die Kaiserin Friedrich 500 Mark. die Fahnen zur Aufbewahrung abgegeben, während sich die
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 12 Seiten.
Berlin, 22. Juli. Zu der Blättermeldung, daß eine hochwichtige Aenderung in der Behandlung der technischen Fragen der deutschen Marine vorgenommen werden solle, meldet die „Vossische Zeitung", daß es sich nur um eine Veränderung der Einrichtung der Personenboote handle. Im Uebrigen sei dies vorläufig nur ein Versuch.
Berlin, 22. Juli. Die „Norddeutsche Allg. Zeitung" tritt der Ansicht entgegen, daß die an der russischen Grenze zu Gunsten der Einfuhr russischer Gänse getroffenen Maß- natmen bezüglich des Treibeverbotes lediglich durch den bekannten Erlaß des russischen Finanzministers wegen höherer Verzollung gewisser deutscher Waaren veranlaßt worden seien.
Es sei lediglich ein Zufall, daß die russische Finanzverwaltung zu derselben Zeit Regressivmaßregeln ankündige, wo seitens einiger vreuyischer Regierungs-Präsidenten die besagten Aus- nahme-Verfügungen getroffen wurden. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" fügt hinzu, daß sie in ihrer Erwartung, daß die wegen der Differenzen auf wirthfchastlich-politischem Gebiete gepflogenen Unterhandlungm zwischen Rußland und Deutschland zu einem zufriedenstellenden Ergebniß führen
Berlin, 22. Juli. Nach einer Meldung des Gouvernements in Kiautschou ist dort wegen der Beulenpest der Quarantänezustand erklärt worden.
Köln, 22. Juli. Der „Kölnischen Zeitung" wird aus Petersburg gemeldet, daß die russischen Zollmaßuahmen nicht vor dem 19. d. Mts. in Kraft treten.
Wien, 22. Juli. Anläßlich der Anwesenheit der Mitglieder des Verbandes der deutschen Bäcker-Genossenschaften „Germania" zum Besuch der Jubiläumsfeierlichkeiten richteten die österreichischen Bäckermeister ein Begrüßungstelegramm an den deutschen Kaiser. Die deutschen Bäcker richteten ein solches an den Kaiser Franz Joseph.
Wi-tt, 22. Juli. Im Juni 1898 betrug die Einfuhr jim österleichisch-ungarischen Zollgebiet 73.7 Millionen, mehr , 17.4 Millionen gegen Juni 1897, die Ausfuhr 65.4 Millionen, mehr 5.7 gegen 1897. Im ersten Halbjahr 1898 betrug die Einfuhr 437.8, mehr 82.8 gegen das erste Halbjahr 1897, die Ausfuhr 372.6, weniger 1.6 gegen das erste Halbjahr 1897. Die Handelsbilanz ergibt somit für das erste Halbjahr 1898 ein Passivum von 65.2 gegen ein Aktivum von 19.2 Millionen im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Cortina (Tyrol), 22. Juli. Der Sohn des Reichs- Archioraths Riedel aus München stürzte vom Mont Nuvolan ab und blieb sofort todt.
Paris, 22. Juli. Es verlaut-t, der Untersuchungsrichter Bertulus werde in die Provinz versetzt werden, da die Art und Weise, wie er die Untersuchung gegen Esterhazy geführt, angeblich seine Unfähigkeit zu größeren Aufgaben gezeigt hat.
London, 22. Juli. Den „Fivanzial-News" zufolge erfolgte der Abschluß eines Handelsvertrages zwischen China und dem Kongostaat. Letzterer beabsichtigt eine starke Ein
Wanderung von Kulis an den Kongo zu organisiren.
Oporto, 22. Juli. Durch die Explosion von drei Dampfkesseln brannte in Liffabon die Oelfabrik von Lambert
total nieder. Ueber 20 Arbeiter wurden schwer verletzt.
Zum deutschen Turnfest.
Rom, 22. Juli. Gestern Abend reiste von Genua
aus eine Abtheilung der Turngesellschaft Andreas Doria zur Theilnahme an dem Turnfest nach Hamburg, wohin sich auch
aus Rom und anderen italienischen Städten aus dem gleichen
Derselbe begab sich nach dem Bahnhof, wo in-
Hamburg, 22. Juli. Der Exirazug mit etwa 800 österreichischen Turnern traf kurz vor 7 Uhr hier ein. Tausende Personen hatten sich am Bahnhof versammelt. Die Turner marschirten unter Vorantritt von Hamburgern sowie des sie begleitenden Musikkorps nach der Turnhalle in St. Georg,
die Begrüßungsrede hielt. Den Dank für den glänzenden