Abonnements- Preis:
Jährlich 9 M. -«jährl. 4^50^ Vierteljährlich 2 M. 25 ^.
Für auswärtige Wannentm mit dem
Betreffenben Postaufschlag.
Die einzelne Nummer kostet 10 ^.
SinrücknngS- gebühr
für Stadt- und &ö* kreis Hanau 10 ^ bte Igespaltme Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für
Auswärts 30 ^.
Amtliches Begatt für stsöt- unö LanöKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 167
Donnerstag den 21. Juli
1898
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 48.
^faötoret^ ^anau.
Es besteht die Absicht, den von der Straße vor dem Mühlthor nach dem Sandeldamm zu längs der Körner'schen Waschanstalt binführenden Weg als öffentlichen Weg einzu- ziehen. Indem ich darauf Hinweise, daß die Einziehung dieses Weges erst dann erfolgen wird, wenn die neue zu seinem Ersatz bestimmte direkte Verbindung zwischen Weg „vor dem Mühlthor" und Sandeldamm — Straße Nr. 17 — in zur Aufnahme des Verkehrs geeigneter Weise fertiggestellt ist, fordere ich gemäß § 57 des Zuständigkeitsgesktzes hierdurch aus, etwaige Einsprüche gegen die beabsichtigte Einziehung zur Ve-meiduvg des Ausschlusses binnen 4 Wochen vom Tage dieser Bekanntmachung an bei mir geltend zu machen.
Hanau am 16. Juli 1898.
Königliche Polizeidirektion.
P. 7700 I. V.: Dr. Becker, Reg.-Assessor.
Dienstuachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Damen-Taillengürtel. Ein Kinderstrohhut mit rother Verzierung.
Zugelaufen: Am 16. d. Mts. ein weißer Hund mit schwarzen Abzeichen, m. Geschl. (Ewpfangnahme bei Andreas Stein I. in Wachenbuchen).
Hanau am 21. Juli 1898.
^taöt&rei^ ^anau.
««kMMHLdtze» des Oöerbürgermeisteramteö.
Die Urliste derjenigen kiesigen Personen, welche zu dem Amt eines Schöffen oder Geschworenen berufen werden können, ist vom 22. d. M:s. ab eine Woche lang auf dem Rathhause — Zimmer Nr. 21 — ausgelegt. Innerhalb dieser Frist können Einsprachen gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Liste bei mir angebracht werden.
Hanau den 19. Juli 1898.
Der Magistrat
Bode. 10756
Diejenigen Firmen, welche beabsichtigen, Hausinstallationen für den Anschluß an das städtische Elektrizitätswerk zu übernehmen, werden aufgefordert, baldigst bei dem Magistrat unter Hinterlegung der festgesetzten Kaution von 1000 M. und der vorgeschriebenen Materialicnmuster ihre Zulassung als Installateure nachzusuchen. Die Pläne über Ausführung von Hausanschlüssen sind demnächst in vorgeschriebener Form bei dem Baubureau Sterngasse Nr. 8 einzureichen.
Hanau den 19. Juli 1898.
Der Magistrat
Bode. 10757
Vom Maximal Arbeitstag.
Die Sozialdemokratie ist mit einem Theil der preußischen Beamten einmal ausnahmsweise zufrieden, nämlich mit den preußischen Gewerbe-Aufsichtsbeamten. Denselben war der Auftrag geworden, einige Fragen über die Einführung eines sanitären Maximal-Arbeits,ages zu beantworten. Sie sollten berichten, in welchen Gewerben nach ihren Wahrnehmungen die Länge der Arbeitszeit auf die Gesundheit der Arbeiter derart ungünstig einwirkt, daß eine gesetzliche Normirung dieser Arbeitsdauer und der dazwischen liegenden Erholungspausen geboten erscheint. Auf Grund der Gewerbeordnung ist der Bundesrath ermächtigt, in dieser Beziehung Verfügungen zu treffen.
Einzelne Gewerbe-Inspektoren nun haben den Auftrag sehr gründlich argesoßt und eine lange Reihe von Betrieben ausgezählt, in denen nach ihrem Dafürhalten zum Schutze der Gefuntheit der Arbeitenden die zulässige Stundenzahl für die tägliche Arbeit begrenzt werden müsse. So bringt der Aufsichtebeamte für den Regierungsbezirk Potsdam die Dekre- tirung eines Maximal-Arbeitstages für etwa 50 fabrifmä^i^e Betriebsarten in Anregung. Er macht aber auch gleichzeitig verschiedene Vorbehalte und fügt bei, daß nach seiner Ueberzeugung „zur vollkommenen Klärung der schwebenden Fragen weitere, nach bestimmten Vorschriften auszuführende umfangreiche Erhebungen nöthig sein würden".
Der letzten Meinung sind auch wir. Die Erhebungen eines einzelnen, ot er einiger weniger Beamten, welche mit der
Erledigung einer großen Menge beruflicher Pflichten betraut sind, reichen nicht entfernt aus, um die hochwichtige Frage der Maximal-Arbeitszeit zur Entscheidung zu bringen. Das vorliegende Material ist so lückenhaft und, wenn man die ^verschiedenen Berichte miteinander vergleicht, in sich selbst so .widerspruchsvoll, daß schlechterdings nicht einzusehen ist, wie ' auf demselben ein gesetzgeberisches Vorgehen der Reichsregierung : ft^ ausbauen könnte. Soweit sind wir ja aber auch noch nicht, und der nächste positive Schritt der staatlichen Orcane dürfte sein, daß an der Hand der von der Gewerbeaufsicht dargebotenen Fingerzeige die Ange!egenheit einer weiteren genauern Erwägung unterzogen wird. Solche Dinge lassen sich ■ eben nicht übers Kniee brechen, wenn verhütet werden soll, daß der Eingriff in die Produktions- und Erwerbsverhälinisse ' her industriellen Bevölkeiung der letztem mehr Schädigung ; als Nutzen bringt.
Die Sozialdemokratie ist aber äußerst erfreut. Erblickt ; sie doch in den Berichten und Hinweisen der Gewerbe-Inspektion eine stillschweigende Anerkennung des von ihr zähe versochtenen Acktstundemages. Der „Vorwärts" meint, daß die Arbeiterschaft darnach streben müsse, nicht nur in den xe- sundheitsgcfährlichen Betrieben, sondern auf allen Gebieten die Arbeitszeit derart herunterzudrücken, daß der Achtstunden- i tag die höchste Grenze der Arbeitsdauer darstellt.
Selbstverständlich ist dagegen nichts einzuwenden, daß für solche Betriebe, deren Gesundheits-Gefährlichkeit erwiesen ist, die Arbeitszeit begrenzt wird. Das ist in Deutschland vielfach bereits geschehen und wird auch fernerhin nicht unterlassen werden. Der sozialdemokratische Achtstundentag bezweckt aber noch etwas anderes. In ihm steckt weniger das Verlangen nach einer Erweiterung d?s Arbeitsschutzes, als ein Stück sozialistischer Lohnpolitik. Je kür zer die Arbeitszeit, desto mehr Arbeiter müssen eingestellt werden, um die bisherigen Leistungen zu schaffen. Aus diese Weise soll die „industrielle Reserve-Armee", Zwilche außer Arbeit iit, in Beschäftigung gebracht werden. Die Verwirklichung dieser Absicht wäre löblich und gut. wenn die Sache nicht einen schlimmen Haken hätte. Der Sozialismus setzt nämlich voraus, daß der einzelne trotz kürzerer Arbeitsdauer mindestens denselben Lohn beziehen würde wie bisher. Den Unternehmern werden auf diese Weise finanzielle Mehraufwendungen zugemuthet, die leicht den Betrieb überlasten können. ES bliebe darum nur der Ausweg, den Betrieb, wenn er nicht einfach eingehen soll, in anderer Weise zu verbilligen, etwa durch die Einführung neuer maschineller Vorkehrungen. Den Arbeitern wäre hierdurch wiederum gar nicht gedient. Eine Verkürzung der Arbeitszeit, die über ein bestimmtes Maß hinaus der Industrie neue Opfer auferlegt, könnte gerade für die Arbeiterschaft, welche darauf hindrängt, zum zweischneidigen Schwert werden. Man sollte daher nicht voreilig eine Aktion betreiben, die üble Erfahrungen jur Folge haben könnte.
Tagesschau.
Von der Marine. Laut telegraphischer Meldungen an das Ober-Kommando der Marine sind S. M. S. „Hohenzollern", Kommandant: Kontre-Admiral Freiherr von Bodenhausen, und „Hela", Kommandant: Korvetten-Kapitän Sommerwerck, am 19. Juli in Digermulen, S. M. S. „Loreley", Kommandant: Korvetten-Kapitän von Witzleben, am 19. Juli in Therapia und S. M. S. „Olga", Kommandant: Kapitän-Lieutenant von Daffel, am 9. Juli in Advent- Bay angetommen; der Reichs-Postdampfer „Bayern" mit der Ablösung aus Ost-Asien, Transportführer: Kapitän-Lieutenant Ließmann, ist am 19. Juli in Hongkong eingetroffen und beausichtigte, am selben Tage die Weiterreise anzutreten.
Eine Betheiligung der Sozialdemokratie an den preußischen Landtagswahlen darf als vollständig ausgeschloffen gelten. Die „Genossen" haben den Führern, welche für die Betheiligung eingetreten, rundweg erklärt, daß sie der Parole nicht folgen würden. In einer Wählervei- sammlung im fünften Berliner Wahlkreis bemerkte Dr. Weyl, einer von den jüngeren Akademikern, der zweifellos bald ins Parlament gelangen und von sich reden machen wird, daß die Hamburger Erörterungen über die Wahlbethciligung an den Laudtagswahlen die Genoffen verwirrt und zum Theil die bei den diesmaligen Wahlen hervorgetretene Lässigkeit verschuldet habe. Derselben Meinung war auch Genosse Liep- mann, der in kleineren Gewerkschaftsversammlungen oft, als Leiter hervorgetreten ist. Sämmtliche Gewerkschaftsführer haben ebenfalls sich dahin ausgesprochen, daß in allen Gewerkschaften die Stimmung dahin gehe, keine Hand bei den preußischen Landtagswahlen zu rühren, in Berlin habe man bei den Reichstagswahlen nur Front gegen die Deutsch-frei-
sinnige Volkspartei zu machen und dieselbe solle man bei den Landtagswahlen unterstützen, indem man deren Wahl- männer in der brüten Abtheilung gegen die Antisemiten und Konservativen durchbringe; das könnten die „Genossen" nicht verstehen. Da ferner Liebknechts Einfluß in der Partei wieder im Wachsen ist und der „alte Soldat der Revolution" bekanntlich auf das Entschiedenste die Wahlbetheiligung an den Landtagswahlen bekämpft hat, so dürften die Herren Auer und Wbel angesichts dieser Thatsachen es wohl vorziehen, ihre Agitation für die Betheiligung an den preußischen Landtagswahlen wohl vollständig aufzugeben, so daß also die bürgerlichen Parteien bei den im Oktober stattfindenden Wahlen mit der Sozialdemokratie nicht zu rechnen haben werden.
Genossen unter sich. Aus Braunschweig, 19. Juli, wird geschrieben : Die gestern vom Vertrauensmann der sozia - demokratischen Partei einberufene Volksversammlung, in der u. A. über die Absetzung des Redakteurs des Volksfreundes Heymann gesprochen werden sollte, war von 4—5000 Personen besucht, die meistens der gemäßigten Richtung angehörten. Als bei den Vorschlägen für die Büreauwahl der Vertrauensmann auf die ihm bezeichneten gemäßigten Kandidaten nicht eingehen wollte und sich deshalb Tumult erhob, schloß er die Versammlung. Nun erhob sich ein wüster Lärm, bei dem zwei der am meisten gehaßten radikalen Mitglieder angegriffen wurden. Einer entfloh durch ein Fenster, ein Anderer wurde durchgeprügelt und konnte sich nur dadurch vor der wüthenden Menge retten, daß er sich unter den Schutz des die Versammlung überwachenden Polizeiwachtmcistei s begab.
Der Genfer Banarbeiterstrike wird von den Ginoffen als eine Art agitatorischer Felddienstübung be- I trachtet. Am Montag zog eine ziemlich große Schaar durch die Stadt, die „Carmaenoll" vor einem Arbeitsplatz singend, auf dem weiter gearbeitet winde. Dort kam es zu größeren Ansammlungen und infolge von Sachbeschädigungen zu Konflikten der Menge mit der Polizei. Der Staatsrath zeigt in einer Proklamation an, er werde, wenn die Ruhestörungen andauerten, energisch vorgehen und fordert die Bürger auf, die Polizei zu unterstützen. Eine Infanterie-Abtheilung wird in Bereitschaft gehalten um erforderlichenfalls die Polizei zu unterstützen. Mehrere ausländische Anarchisten werden polizeilich bewacht und sollen ausgewiesen werden.
Der Absatz englischer Jndnstrie-Erzeugnisse in Dänemark befindet sich im Rückgänge, während Deutschland seine dortige Kundschaft stetig vergrößert. Ein an das Londoner Foreign Office gelangter Konsulats bericht erklärt, daß die Dänemark bereisenden Vertreter englischer Firmen einen Mangel an Umsicht und Unternehmungsgeist zeigen, der einfach verblüffend ist. Dagegen wiro den demschen Reisenden das Zeugniß ausgestellt, daß sie ihre Aufgabe mit einer Geschicklichkeit lösen, die selbst angesichts des heutigen hochgespannten Wettbewerbs aller Nationen fast unglaublich sei. „Es darf niemals außer Acht gelassen werden, daß unsere Wettbewerber den Käufern weit mehr Vortheile gewähren als wir, namentlich was den Kredit und sonstige Geschäftserleichterungen betrifft. Wir müssen es ihnen nöthigeufalls nachthun, wenn wir erfolgreich mit ihnen konkurriren wollen. Unter allen Umständen aber müssen wir unsere einmal errungene Stellung festhalten, und das ist nur möglich, wenn wir die Bedürfnisse und Wünsche unserer Kundschaft bis ins kleinste Detail berücksichtigen und nie vergessen, nur das Beste zu liefern." Zum Schluß beklagt der Konsulatsbericht, gleich so vielen anderen, daß die von englischen Firmen versendeten Zirkulare und Preiskurante nur in englischer Sprache verfaßt, resp, in englischer Währung berechnet wären. Es würde eine geringe Mühe- und Kostenaufwendung verursachen, wenn derartige Zirkulare in der Landessprache und der landesüblichen Währung des Absatzmarktes, für welchen sie bestimmt sind, rcdigrt würden.
Politische und unpolitische Nachrichten.
<Depesche«-Burea» .Herold'.)
Berlin, 20. Juli. Die „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord ist am 19. ds. in Digermulen angekommen.
Berlin, 20. Juli. In unterrichteten Kreisen ist von einer im nächsten Reichstage einzubringenden neuen großen Militärvorlage, wie sie von Provinzblättern in den letzten Tagen angekündigt wurde, nichts bekannt.
Berlin, 20. Juli. In Bezug auf die amtliche Verfügung des russischen Finanzministers hinsichtlich der höheren Zollanwendung wird gemeldet, daß bis heute Mittag noch keine Meldung vorlag, wonach der erhöhte Zolltarif bisher zur Anwendung gelangt wäre.