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Jährlich 9 M. WSjährl. 4^50 4.

Bierteljährlich

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Für auswärtige Wennenten mit dem betreffenden Postaufschlag.

Die einzelne Hummer kostet 10 ^.

Zugleich U

Amtliches Grgsn für ötaöt- und LsnöKreis Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr. 164

Montag den 18. Juli

EinrückungS- gebühr

für Stadt- und £o* kreis Hanau 10 ^ Me 4gcspaltrne Garnrond« zeile oder beten Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

1898

AMMchsS.

SlcrHM^eis ^anait.

V^MMNüchllLMU des Ob erbörgermeisteramtes.

Am Montag den 18. Juli 1898, nachmittags von 5 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neustadter Rathhauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt, in welcher Partheien etwaige Strei- tig'eiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.

Hanau den 18. Juli 1898.

Der Vorsitzende des Gewerbegerichts vr. Gebeschus. 10598

Städtifche Badeanstalt.

Von Montag den 18» Juli er. ab sind die Räume des

Römisch-Irischen- und Touche-Bades wieder geöffnet und werden dieselben zur recht lebhaften Be­nutzung empfohlen.

10491 Städtische Badeanstalt.

Dicupuachrichtka aus dem Kreise.

Gefunden: Eine Anzahl Briefmarken. Ein rechter gelber Damen-Chikschuh (von der Post).

Zugelaufen: Ein Wolfsspitz: Cmpfanguahme bei Weichensteller Faust, Ostbahnhof.

Hanau am 18. Juli 1898.

Wegen des am 9. dieses Monats in Kreuznach verübten Einbruche-Diebstahls, bei welS em die Diebe Goldwaareu im Werthe von etwa 50 000 Mark erbeuteten, halte die Kreuz- nacher Polizeibehörde fast sämmtliche «Siebte Deutschlands und auch eine große Anzahl ausländischer Städte, u. A. auch Linz an der Donau, um Fahndung nach den Dieben ersucht. Darauf hin ist heute Vormittag vom Herrn Untersuchungs­richter zu Linz an der Donau an die Polizeiverwaltung Kreuznach telegrophirt morden, daß in Linz ein Mann ver­haftet worden sei, in deffen Besitze sich viele und werthvolle Pretiosen befinden, über deren Erwerb sich derselbe aber nicht ausweisen könne.

Da der in Kreuznach verübte Einbruchs-Tiebstahl durch Festnahme des Thäters an der Luxemburger Grenze und Herbeische ffung fast sämmtlicher gestohlenen Gegenstände auf­geklärt ist, erscheint die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß die im Besitze des zu Linz Festgeuommenen befindlichen Gegen­stände von einem andern Diekstahle in Deutschland oder dem Auslande herrühren.

Vorstehendes wird daher zur Kenntnißnahme und even­tuellen weiteren Veranlassung mitgerheilt.

Kreuznach den 16. Juli 1898.

Die Polizeiverwaltung.

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FenMetsn.

Die deutsche Tiessee-Grpedition.

Prof. Chun, der Leiter der deutschen Tiefsee-Expedition, die bekanntlich am 1. August von Hamburg aus noch Süd- Afrika aufbrechen wird, um die südlich des Kaps der guten Hoffnung gelegenen Meere zu durchforschen, hielt vorgestern (Sonnabend) in der Aula der Leipziger Universität seine An­trittsvorlesung als ordentlicher Professor, deren Gegenstand die deutsche Tiefste-Expedition bildete. Wir haben früher be­reits über diese Expedition berichtet. Professor Chun schil­derte zunächst die Einrichtungen, die auf dem von dem Reichs­amt des Inneren zur Verfügung gestellten DampferBal- divia" der Hamburg-Amerika Linie getroffen sind, und führte dann aus, daß 1858 das Ausfifchen eines Kabels im mittel­ländischen Meere, an dem sich 15 kleine Thiere angesetzt hatten, den Anstoß zu den Tiessee-Expeditionen gegeben hatte. Solche unternahmen dann die Skandinavier, die Amerikaner, die Engländer, Franzosen und Italiener. Die bedeutendste war die Chollcngev Expedition, die 1872 unter Führung John Murrays die englische Küste verließ und durch ihre in vier Jahren in allen Ozeanen vorgerommenen Forschungen einen völligen Umschwung in den bisherigen Anschauungen herrorbrachte. Man sah Fische mit seltsamem Skelettlau, andere mit einem Wald von Lanzen und monströsen Augen, andere wieder ohne jede Sehwerkzeuge. Die Teutschen allein waren bisher an Tieffee-Exedilionen noch nicht be- theiligt.

Durch ein Jmmediatgesuch an den Kaiser gab Professor Chun die Anregung zu einer deutschen Expedition, zu der auch

Bon der Marine Laut telegraphischer Meldungen an das Ober-Kommando der Marine sind S. M. S.Hohen-1 s zollern" Kommandant: Kontre-Admiral Freiherr von Boden­hausen und S. M. S.$ela", Kommandant: Korvetten- i Kapitän Sommerwerck, am 16. Juli von Molde in See ge- ! gangen; der ReichsposttampferKönig" mit der abgelösten Besatzung von S. M. S.Contor", Transportführer: Lieutenant zur See Mommsen, ist am 15. Juli in Hamburg angekommen.

Etatsjahr und Kalenderjahr. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat betreffs der Bezeichnung des Etals- jahres an die königlichin Eisenbahndirektionen folgenden Er­laß gerichtet: Die bisher üblich gewesene Bezeichnung des Etatsjahres mit Bruchtheilen aus zwei Kalenderjahren hat ! sich als unzweckmäßig erwiesen. Vom Beginn des nächsten Etatsjahres ab ist nur eine Jabresziffer, nämlich diejenige zu verwenden, welche den größten Theil des Etatsjahres vom 1. April bis Ende Dezember umfaßt. Der Jahresziffer ist aber das WortEtalsjahr" zum Unterschiede gegen das Kalenderjahr hinzuzufügen. Das nächstjährige Etatsjahr er­hält demnach die BenennungEtatsjahr 1899". Die Be­zeichnung fr üherer Etatsjahre bleibt unverändert.

Politische Phantasien. Im Juliheft der Monats­schriftWahrheit^ (herausgegeben von Dr. Armin Krausen) findet sich ein Artikel:Politische Phantasien", welcher schon durch die Person seines Vcrfcssers unser besonderes Interesse verdunt. Derselbe ist ein Sohn des letzten Kurfürsten, der z. Z. in Berlin weilende Prinz Heinrich von^ Hanau. Der Verfasser geht von der Ansicht aus, die europäischen Groß­mächte dürsten denfrechen Anschlag" Amerikas gegen Spanien nicht dulden, sie müßten Spanien dem übermächtigen Gegner gegenüber beistehen. Dabei tritt der Prinz für die Bitdung eines europäischen Kontinental-Staaten-Bundes ein. Wie aus der Menge der kleinen deutschen Staaten ein einiges Deutschland hervorgegangen sei, so müsse aus den ; europäischen Mächten ein geeintes Europa geschaffen werden. Frankreich und Deutschland mahnt er zur Verhöhnung, die Franzosen möchten ihre Hoffnung auf Wiedererlangung , ElsostLothringens aufgeben. Die Worte des Prinzen, mit denen er zur Versöhnung mahnt, verdienen im Wortlaut wiedergegeben zu werden.Ich weiß ja von mir selbst, der ich mit ganzem Herzen an meinem engeren Vaterland hänge, wie schwer es ist, sich in eine neue Situation hineinzufinden, Hct das doch bei mir viele Jahre gekostet. Endlich muß man sich aber doch in das Unvermeidliche fügen. Hat mir dabei zum Trost der deutsche Gedanke gedient, so muß bei Euch Franzosen der Gedanke dienen, daß auch ohne den verlorenen Theil Eures Vaterlandes Euer schönes Frankreich doch noch immer mit an der Spitze der Völker stetzt. Darum denkt: Sich selbst besiegen ist der schönste Sieg" und re'cht die Bruderhand dar. Ihr könnt gewiß sein, daß sie von uns mit Freuden und mit aufrichtiger Liebe ergriffen wird."

die Mittel vom Reichstage bewilligt wurden. Was die Auf­gaben der neuen Expedition, die be-anntlich neun Monate dauern wird, avlangt, stehen biologische Fragen im Vorder­grund. Es soll untersucht werden, wie sich die Thiere in der Tiefe ernähren und soripflanzev. Weiter soll der indische Ozean untersucht werden. Auch der Einfluß der Flußläufe auf die Meeresströmungen soll beim Congo und anderen Flüssen erforscht werden. Die schwierigste Aufgabe harrt der Expedition in den Meeren südlich von Capstadt, wo infolge des Zusammentreffens heißer und kalter Strömungen des Meeres in der Tiefe eine reiche Thierwelt bestehen soll. Von hoher Bedeutung sind auch die übrigen Untersuchungen, welche die Expedition vornehmen will. Ueberraschend ist zum Bei­spiel, daß in einer Tiefe, in die kein Lichtstrahl dringt, Thiere mit n ächligen Augen existiren. Man nimmt an, daß rou den Thieren selbst Licht ausgestrahlt wird. Die Schließ- netze, welche die Thiere aus der Tiefe anS Tageslicht fördern sollen, sind derart konfiruirt, daß sie sich in einer Tiefe von 3000 Metern öffnen, dann aber, wenn sie in die Höhe ge­zogen werden, bereits nach 200 Metern wieder vollkommen schließen, sodaß man Lebewesen aus einer Tiefe ton 2800 bis 3000 Metern aus dem Meere heraufbefördert.

Außer zoologischen, wird man auch ozeanographische Fragen zu lösen versuchen, weshalb der Expedition ein Offi­zier der Handelsmarine beigegeben ist. Es sollen Lothungen vorgenommen werden, die thermischen Schichten des Waffers in der Tiefe gemessen, die Strömungsverhältniffe untersucht und meteorologische Beobachtungen angestellt werden. Dem Chemiker liegt die Untersuchung des Salzgehaltes des Meeres und die Darlegung der absorbirten Gar mengen, dem Bakte­riologen die Erforschungen des Tiefseeschlommes und der Bakterien in demselben ob. In der Begleitung Professor

Die Kapitulation von Santiago unterzeichnet.

Die Uebergabe von Santiago de Kuba nebst den Be­stimmungen über die Einräumung der ganzen Provinz Santigo, mit Ausnahme der Festung Holguin, an die Amerikaner, welche zwischen den Generälen der Union und Spaniens auf Kuba zunächst nur mündlich vereinbart war, ist jetzt schrift­lich sestgelegt und unterzeichnet. Die Nordamerikaner find nun im militärischen Besitz des Ostens von Kuba, während die spanischen Garnisonen nach Abgabe ihrer Waffen freien Abzug nach Spanien auf amerikanischen oder neutralen Trans­portdampfer» erhalten. Diese Thatsache meldet folgendes Telegramm:

London, 16. Juli. Laut einer Meldung des Generals Shafter nach Washington ist nunmehr die Kapitulation von Santiago unterzeichnet worden, und zwar unter folgenden Bedingungen: 20000 Flüchtlinge kehren in die Stadt zu­rück. Die amerikanische Infanterie bewacht die Straßen rings um die Stadt. Die amerikanischen Sanitätsabtheilungen ver­pflegen die spanischen Kranken und Verwundeten. Me spanischen Truppen aus der Provinz Santiago de Kuba werden sich nach der Hauptstadt begehen, um die Waffen zu strecken, außer den 10 000 Mann Besatzung von Holguin. Die Festungsgeschütze von Santiago werden den Amerikanern in gutem Zustande übergeben werden. Die Amerikaner sollen die Eisenbahn nach Juragua zu freier Verfügung erhalten. Alle Spanier werden nach Spanien gebracht werden, nach­dem ste die Waffen ausgeliefert haben. Spanier und Ameri­kaner werden gemeinsam die Hafenminen unschädlich machen.

Wie aus Washington telegrophirt wird, richteten Präsident Mac Kinley und der Kriegssekretär Alger an General Shafter Depeschen, in welchen sie ihrem Dank sowohl wie auch dem­jenigen des amerikanischen Volkes Ausdruck leihen für Shafter's glänzende Waffenthaten vor Santtago, deren Resultat die Uebergabe der Stadt gewesen. Der Präsident fügt noch hin­zu:Ihre ausgezeichneten Truppen haben nicht allein die Strapazen des Feldzuges und der Schlachten, und die Opfer, welche in denselben gebracht werden müssen, ertragen, sondern auch in Witterungsunbill obgesiegt über Hindernisse, von denen weniger tapfere und weniger entschloffene Männer über- wältigt worden wären." Der Präsident schließt mit Theil­nahmebezeugungen für die Kranken und die Verwundeten.

Dem Marschall Blanco, dem Höchstkommandirenden auf Kuba, ist die Uebergabe von Santiago ein Dorn im Auge. Er hält sie für verfrüht, weil er aus die Bundesgenossen- schaft der gelben Pest rechnete, welche die Reihen der ameri­kanischen Truppen stark gelichtet haben würde. Da er an der nun vollendeten Thatsache nichts mehr är b.rn kann, so ist er in Bezug auf die Vertheidigung Havannas und dis übrigen im Besitz der Spanier befindlichen Theiles von Kuba bis zum Aeußersten entschlossen. Ein Kabelielegramm desB. L. A." berichtet darüber folgendes:

Chuns befinden sich zehn junge Gelehrte, die ihm zur Hand gehen werden. Noch der Rückkunft der Expedition wird Profeffor Chun einen Reisebericht herausgeben; die einzelnen erzielten Resultate werden namhaften Spezialgelehrten zur weiteren Untersuchung übergeben.

Aus Kunst und Leben.

NrauenstttdittM. Au der Berliner Universität hat derKorr. für Kunst und Wiffensch." zufolge, zum ersten Mal eine Kandidatin, Frl. Neumann, der Fakultät eine wiffenschaftliche Abhandlung ein gereicht, um sich den philo­sophischen Doktorgrad zu erwerben. Die Dame hat sich vor­zugsweise mit Physik befaßt und bei den Professoren Planck und Marburg gehört. Wenn die Doktordissertation genügend erachtet wird, folgt die mündliche Prüfung. Gegen die Zu­lassung einer Frau zur Prüfung hat die Fakultät grundsätz­lich keine Bedenken gehabt. _ , ~

Die Errichtung eines-chengymnannnis hat sich der Verein Framubildungsreform Z» Hannover als Ziel gesetzt. Man hat den Wunsch, die Anstalt bereits Ostern 1899 eröffnet zu sehen. Das Mädchengymnasium in Karlsruhe geht zu Beginn des neuen Sch^jahres, Mitte Sevtember, an die Stadt über. Der VereinFiaucnbilduvg- Fraueustudium", der es in Gemeinschaft mit der Stadt neu- oraavisirt hat und bis jetzt einen bedeutenden Zuschuß zahlte, errichtet nunmehr ein Internat, welches auswärtigen Familien den Schulbesuch des Gymnasiums für ihre Töchter erleichtern soll. Viele Eltern werden sich eher dazu entschließen, ihre Töchter von Hause fortzugeben, wenn sie wissen, daß die Mädchen geistig und körperlich gut geleitet und beausfichtigt werden. Der Verein hat als Vorsteherin eine pädagogisch tüchtige Dame in Fräulein Margarete Olten gewonnen.