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Amtliches Organ für HtsSt- uuö Lanökrels Hanau
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für Stadt- und 2<u6« kreis Hanau 10 ^ Mc 4gesvaltme Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
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Nr. 163
1898
Amtliches. eSanO&rei^ ^banau.
BMrmtmachuugen des Königlichen Landrathsamtes.
Des Königs Majestät haben mittelst Allerhöchster Ordre vom 13. d. Mts. dem Komitee für den im August d. Js. in Vilbel im Großherzogthum Hessen abzuhaltenden Viehmarkt die Erlaubniß zu ertheilen geruht, zu der öffentlichen Der- loosvng von Vieh und landwirthschaftlichen Eebrauchsgegkn- ständen, die bei dieser Gelegenheit mit Genehmigung der Großherzoglichen Regierung veranstaltet werden soll, auch im diesseitigen Staatsgebiete, und zwar im Stadt- und Landkreise Frankfurt a/M. «nd im Landkreise Hanau, Loose zu vertreiben.
Die Polizeibehörden und Gendarmen werden angewiesen, den Vertrieb der Loose nicht zu beanstanden.
Hanau am 9. Juli 1898.
Der Königliche Landrath.
V. 7688 I. V.: Dr. Becker, Reg.-Assessor.
Die Schweineseuche in dem Gehöft des Landwirths Wilhelm Emmerich in Wachenbuchen ist erloschen. Die Gehöft- sperre ist aufgehoben worden.
Hanau am 15. Juli 1898.
Der Königliche Landrath.
V. 7810 I. V.: Dr. Becker, Reg.-Assessor.
Bekanntmachung.
Städtische Badeanstalt.
Von Montag de«L 18. Juli er. ab sind die Räume des
Römisch-Irischen- und Douche-Bades wieder geöffnet und werden dieselben zur recht lebhaften Benutzung empfohlen.
10491 Städtische Badeanstalt.
Erledigung.
Das diesseitige Ausschreiben vom 9. d. M. J.-Nr. 5513 III, betreffend den Diebstahl an Goldwaaren im Werthe von etwa 40 000 Mark bei dem Goldarbeiter Gerhard hierselbst, ist durch Festnahme der Thäter bei Trier erledigt. Die gestohlenen Sachen wurden noch in deren Besitz vorgesunden.
Kreuznach den 12. Juli 1898.
Die Polizeiverwaltung.
J. A.: Hartmann.
Leuilletsit
Unsere Umgegend.
II. Nach der Herrnmühle.
Wenn Sie mich heute auf meiner Wanderung begleiten wollen, verehrter Leser, dann müssen Sie sich den Armen de8 Schlafgottes schon frühe entreißen, denn mein Ziel liegt heute in respektabler Ferne und wir werden manchen Meilenstein passiren müssen, bis wir an Ort und Stelle sind. Sehen Sie sich vor, denn wenn ich einmal im Wandern begriffen bin, dann wird so schnell nicht Halt gemacht und ein Verschnaufen gestatte ich nur, wenn Sie es sich durch Ausdauer und Anstrengung verdient haben. Sie aber, geschätzte Leserin, brauchen sich nicht unwillig abzukehren, denn Ihnen muthe ich keine unbillige Anstrengung zu; Sie können meiner Exkursion auf bequemerem Wege folgen, denn für Sie steht der beflügelte Wagen der Phantasie bereit.
Sie erinnern sich der vortrefflichen Schilderung der Bulau, die uns der „Hanauer Anzeiger" kürzlich gab? In diese Bulau treten wir ein, begrüßt von den fröhlichen Weisen der erwachenden Waldsänger und willkommln geheißen von den ersten Strahlen der Morgen'onne, die sich hier und da durch eine Lücke in dem grünen Laubdach stehlen. Es ist noch still, wunderbar still in dem weiten Walde, selbst das vereinzelte Zwitschern der gefiederten Sänger gehört zu dieser wohl- thuenden Stille. Die Füße streifen den Frühthau von den Gräsern und eine verschlafene Kröte richtet die großen Augen verwundert auf den frühen Wanderer und hüpft in schwerfälligen Sätzen ins Dickicht.
Vorwärts gehr'S auf dem blumigen Waldweg, vorwärts in den frischen Morgen hinein und die Brust hebt sich und dehnt sich und kann sich nicht satt trinken an der kühlen,
Gewerbe-Aussicht in Preußen.
Ueber die Wirksamkeit der pnußischen Gewerbe-Aussicht im Jahre 1897 geben die soeben erschienenen Berichte der Gewerberäthe einen befriedigenden Ausweis. Wie immer, so enthalten die Berichte auch diesmal werthvcllis Material zur Beurtheilung unserer Arbeiterverhältnisse. Aus einem den Einzüberichten vorausgeschickten Verzeichniß ergibt sich, daß dem gewerblichen Aufschwung, der Zunahme der Arbeiter und den wachsenden sozialpolitischen Aufgaben entsprechend auch die mit dem Aussichtsdienste betrauten Beamten vermehrt worden sind. Gegenwärtig sind in 27 Aussichtsbezirken 26 Re- gierungs- und Gewerberäthe, ein kommissarischer Gewerberath, 94 Gewerbe-Inspektoren und 66 Gewerbe-Jnspektionsassistenten beschäftigt. Das Jahr 1897 hat ferner für den gewerblichen Aussichtsdienst eine wesentliche Entlastung insofern gebracht, als die Beamten von d.-r Revision der landwirthschaftlichen und Schiffs-Dampfkessel entbunden worden sind. Infolge dessen hat sich auch die Gesammtzahl der Revisionen von 1,398 Millionen im Jahre 1896 auf 1,925 Millionen gehoben.
Fast durchweg betonen die Berichte, daß die Industrie im Jahre 1897 in günstiger Lage war, sodaß stellenweise sogar Arbeitermangel eintrat und auch jugendliche Arbeiter beschäftigt werden mußten. Nicht uur aus den östlichen, sondern auch aus den westlichen Provinzen wird Arbeitermangel gemeldet, so in den Berichten von Hannover, Köln u. a. Die vermehrte Nachfrage hat verschiedentlich zu Lohnerhöhungen geführt. Die Lage der Arbeiter war sonach verhältnißmäßig befriedigend.
Außer ihren gewöhnlichen Aufgaben hatten die Gewerbe- Aufsichtsbeamten auf drei Fragen zu antworten, die ihnen vom Reichskanzler rorgelegt worden waren und die die Festsetzung eines sanitären Maximal-Arbeitstages betreffen. Diese Fragen sind zum Theil sehr eingehend beantwortet. In einigen Berichten wird über zu lange Arbeitszeit in manchen Betrieben geklagt. Die Klagen betreffen namentlich das Ziegelei- gewerbe. Im übrigen ergibt sich, daß wir in Deutschland — im Vergleich zu unsern Nachbarländern — eine geringere und keineswegs übermäßige Arbeitszeit haben. Der Berliner Gewerberath beispielsweise schickt voraus, bei seinen Erhebungen über den sanitären Maximal- Arbeitstag sei angenommen worden, daß die Dauer der täglichen Arbeitszeit eine die Gesundheit gefährdende Ueberan- strengung nicht herbeiführt, wenn sie, durch ausreichende Pausen unterbrochen, nicht mehr beträgt als 10 Stunden für jugendliche Sirbeiter, 11 für erwachsene Arbeiterinnen und 12 für erwachsene Arbeiter. In dem Potsdamer Bericht wird sogar bemerkt, daß eine zehnstündige tägliche Arbeitszeit jetzt allgemein als Regel gilt, abgesehen von den Ziegeleien und ————— ........................ «»»»i»«--».»
würzigen Waldlust. Die Bäume werden lichter, wir treten heraus aus dem träumerischen Halbdunkel des alten Waldes und werfen der zierlichen Waldnymphe, die zwischen den Bäumen hervor lugt und einen freundlichen Scheidegruß winkt, übermüthig eine Kußhand zu.
Ausathmend bleiben wir einen Augenblick stehen und lassen die Blicke durch die herrliche Ebene schweifen, die sich riugS vor unseren Augen ausbreitet. Gelbliche Kornfelder wogen und nicken im uralten Rhytmus, grüne Saatäcker dehnen sich weit in das Thal hinaus, die rothen Dächer der freundlichen Ortschaften werfen den hellen Glanz der Morgensonne zurück und im Hintergründe schließen sanft ansteigende- Berge und Hügel die herrliche Landschaft ab. Durch grüne Wiesen und Auen trägt die Kinzig ihre Fluchen an den alten Ueberresten einer römischen Niederlassung vorbei. Wir lassen daS alte Rückingen mit seinen schmucken Häusern links liegen und wenden uns nach Niederrodenbach, wo uns von dem abgestumpften Thurmdache eine ganze Storchfamilie klappernd begrüßt nnd als Zeugniß für ihre Pflichttreue sehen wir einen Haufen flachölöpsiger Kinder heranspringen, die uns noch neugieriger unstarren, als die verschlafene Kröte vorhin in der Bulau.
Eine kleine Stärkung liegt im Interesse unserer Tour und wir versäumen nicht, die gebotene Gelegenheit bestens zu würdigen. Morgenluft und rüstiges Ausschreiten vereinigen sich zur Erzeugung eines respektablen Appetits und die freundliche Ermunterung der Frau Wirthin beeinträchtigt denselben durchaus nicht. Wenn einer eine Reise thut, so kann er was verzehren, könnte man das alte Sprichwort variiren und dies wäre sicher nicht gelogen.
Nun sind wir wieder auf dem Wege, der bei Ober- rodenbach schon anfängt hügelig zu werden. Die vor einer halben Stunde inS Werk gesetzte Magenstärkuug erlaubt unS, diesen neuen Ort ohne Aufenthalt zu passiren, wir
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhattungsblatt 14 Seiten.
der Textil-Jndustrie in den kleineren Orten. In den Vororten Berlins mehren sich zudem die Betriebe, welche eine kürzere tägliche Arbeitszeit bis zu 8 Stunden haben.
Der Verkehr der Gewerbe-Aussichts-Beamten mit den Arbeitern hat sich in einzelnen Bezirken und namentlich in den industriellen gehoben. Es scheint so, als wenn die Erweiterung der Kenntniß von den eigentlichen Aufgaben der Gewerbe-Aussicht das Vertrauen zu den Beamten in den Arbeiterkreisen höbe. Leider gibt es immer noch Leute, die dieses Vertrauen stören oder nicht aufkommen lassen wollen. So berichtet der Beamte für den Oppelner Bezirk, daß die polnischen und die sozialdemokratischen Blätter seines Bezirks eifrig an der Arbeit seien, um Unfrieden zwischen ihm und den Arbeitern zu säen. Diese auch anderweit beobachtete Thätigkeit wird nur dadurch ausgeglichen werden können, daß die Blätter, welche treu zu Kaiser und Reich stehen, immer von Neuem über die Aufgaben der Gewerbe-Aufsichts-Beamten Aufklärung verbreiten.
Lagesschau.
Von der Marine. Laut telegraphischer Meldungen an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S. „Loreley", Kommandant: Korvetten-Kapitän von Witzleben, am 14. Juli in Trapezunt angekommen und beabsichtigte gestern nach Sinope in See zu gehen; S. M. S. „Oldenburg", Kommandant: Korvetten-Kapitän mit Oberst-Lieutenantsrang Wahrendorff, ist gestern in Dover angekommen und beabsichtigt, am 18. Juli nach Wilhelmshaven in See zu gehen.
Simplon Durchstich. Wie aus Berlin gemeldet wird, hat der schweizerische Bundesrath den von der Jura-Limplon- Bahn vorgelegten Plan für den Simplon-Durchstich, sowie den Kosten-Voranschlag und die hinsichtlich der Ausgaben von Sub- ventions-Aktien revidirten Statuten der Jura-Simplon-Lahn genehmigt und erklärt, der Finanzausweis zur Ausführung des Simplon-Unternehmens sei geleistet. Der Bundesrath hat definitiv die Bundesgarantie für das von den Kantonal- Banken vermittelte Simplon-Anlehen im Betrage von 60 Millionen Franks übernommen und macht nunmehr von diesen Beschlüssen der italienischen Regierung Mittheilung, damit diese den Finanzausweis ebenfalls genehmige. Hierauf werden in Bern die Ratifikationen zum schweizerisch italienischen Simplon-Vertrag auSgetauscht werden, worauf die Baubewilligung ertheilt werden wird; diese ist in den ersten Tagen des August zu erwarten.
Die große militärische Untersuchungs Kommission in Griechenland, welche das Verhalten der Ossiziere des Landheeres während des Feldzuges nachprüfen sollte, ist jetzt nach viermonatlicher Thätigkeit endgiltig aufgelöst worden; das weitere Verfahren wird durch das Justiz-
müssen uns aber auf eine längere Enthaltsamkeit vorbereiten, denn nun kommt in den nächsten zwei Stunden kein Dach mehr in Sicht, unter dem wir uns häuslich niederlassen könnten. Es ist eine herrliche Straße, die zu unserem Ziel führt; bald zieht sie sich zwischen dunklen Tannenwäldern dahin, bald klettert sie über Hügel und Bergrücken, steigt in lachende Thäler hinab oder windet sich durch prächtige Felder. Die Sonne steigt höher und höher am Himmel, das Leben regt sich allmählich und öfter begegnet uns ein Landmann im Sonntagsstaat mit Regenschirm oder Spazierstock, oder eine kräftige Landschönheit mit lachenden Augen und blitzenden Zähnen, oder — was auch hier nicht fehlt — ein eifriger Radier, der sein Vehikel mit flinken Beinen bergauf und bergab treibt. Die schlichten Morgengrüße der ersteren nimmt man fröhlich und die aufgewirbelten Staubwolken des letzteren resignirt entgegen. ,
Da tauchen in nicht zu weiter Entfernung die Ziegeldächer einer Ortschaft auf und ein Kirchthurmfordert verheißungsvoll zum Näherkommen auf. miroiarurlt^ £ schleunigen wir die Schritte, noch ein paar Mmuten und wlr sind in Albstadt, einem hübsch gelegenen Dorfe mit schnattern- den Gänsen und lachenden Schönen, mit krähenden Hahnen und rothwangigen Gassenbuben. Wenn man so lang drese Attribute einer kultivirten Gegend entbehren mußte (wrr haben seit l1/* Stunden kein Dorf mehr gesehen!) dann möchte man es machen wie in Scheffels „Trompeter von Säkkingeu" der treue Anton, der den ersten deutschen Hausknecht auf der Heimath von Rom mit einem kollegialen Kuß auszeichnen wollte. Es ist aber auzunehmen, daß nur die „lachenden Schönen" ein hinreichendes Verständiß für solch' vertrauliche Freudenäußerung haben würden, denn .... nein, ich will nicht indiskret werden. ....
Hier wird der Abschied schon schwerer, denn aus der Küche des sauberen Gasthauses dringen bereits verführerische