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Amtliches Organ für Htaöi- unS LanSKrels Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
m. 150.
Freitag den 1. Juli
1898
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 45.
SlcrHIKveis ^anaxu ~ Bekanntmachung.
Zwecks Herstellung einer neuen chaussirten Decke auf dem Auhcimerweg zwischen Nürnbergerthor und Ehrensäule wird der Auheimerweg für den Fuhrverkehr von Montag den 4. Juli d. Js. ab auf die Dauer von 10 Tagen gesperrt.
Der Fuhrverkehr findet während dieser Zeit über die Leipziger- und Spessartstraße statt.
Hanau am 1. Juli 1898.
Königliche Polizeidirektion.
P. 7028 I. V.: vr. Becker, Reg.-Assessor.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.
Die infolge Ausbruchs der Schweineseuche unterm 14. Mai d. Js. für dir Stadt Windecken angeordnete Orts- und Gemarkungsfperre wird hiermit aufgehoben.
Die Sperre über das Gehöft des Mathias Muth bleibt noch fortbestehen.
Hanau am 1. Juli 1898.
Der Königliche Lanbratb.
V. 7285 I. V.: Dr. Becker, Reg.-Assessor.
§faöt&rex# ^anaxu
MaWmHMßeS des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Die Herstellung von 340,00 qm Siampfasphaltpflaster auf Cementbeton ist zu vergeben. Bedingungen rc. liegen auf dem Stadtbauamt II (Longstraße 41) auf. Angebote für die Herstellung und mehrjährige Unterhaltung des Asphaltpflasters sind bis 8. n. Mts., vormittags 11 Uhr, an das Stadtbauamt II verschlossen mit der Aufschrift: „Asphalt- Pflaster" einzureichen. Zu dieser Stunde werden die Angebote im Beisein etwa erschienener Bieter geöffnet.
Hanau den 28. Juni 1898.
Der Magistrat
Dr. Gebkschus. 9761
Dienstoachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Zwei schwarze Damenregenschirme. jMMBMWWWWMMI^^ .....
Fereittetsn
Aus Kunst und Leben.
Der neue Reichstag ist, den Namen der Abgeordneten nach, eine fast vollständige Vertretung aller Stände und Berufsgruppen. Vom Rath und Ritter bis zum Träger und Steinhauer, vomHofmann und Richter bis zum Leinweber und S t ö ck e r finden sich alle Schichten der Bevölkerung im nengewählten Parlamente. An erster Stelle steht das Handwerk, das ein S a t t l e r, drei Müller, ein Baumany, ein S ch wieder, Schmidt und S ch m i t t, ferner ein Metzger und ein B r 0 d b ä ck im Reichstage vertreten. Den Wehrstand repräsentirt ein Hausse, bewaffnet mit Spieß und Haake, den ein Heeremann zum Sieg führt, den Handelsstand ein Kaufmann und ein K r ä m e r, die Hochfinanz ein W e r t h- m a n n. Die Kunst und Literatur hat nur einen Heine entsandt und einen Sieger, der kein M e i st e r ist. Von den deutschen Stämmen gibl's im Reichstag einen fransen und einen elsässischen P r e i ß, neben dem ein Hesse, ein Sachse, sowie als Vertreter des Auslandes ein N 0 r m a n und ein Franzius figuriren. Die Land-und Forstwirthschaft vertreten ein B a u e r m e i st e r, ein Förster, der sich mit Esche und Birk zu schaffen macht, ein Fischer, in dessen Fischbeck sich nur ein Plö tz und ein Krebs befinden, ferner ein Köhler und ein Jäger. Dieser mit Hieber und Fußangel ausgerüstet, stellt dem Bock und dem Böckel, dem Haase'und dem Haas nach, bleibt aber dabei nicht Stumm, sondern stößt ins Ho ru. Arg gefährdet ist das zahlreich vorhandene Hühnervolk: der H a h n, Häh nl e und Hänel mit ihrem Küchly durch den Geyer und Sperber, welche mitunter auch das friedliche Lama
Zugelaufen: Ein weißer Foxterrier; Empfangnahme bei dem Weißbinder Philipp Seipel zu Oberdorfeiden.
Hanau am 1. Juli 1898.
Lsgesschan.
Eine verständige Stimme aus der Centrums- Presse. Einen recht wohlthuenden Eindruck machen im Gegensatz zu so manchen andern Auslassungen nachstehende Bemerkungen des „Bayr. Kur." zu der Stichwahl im ersten Münchener Wahlkreise. Wir entnehmen dieselben den „Münch. N. N." mit den von diesen vorgenommenen Auslassungen. Danach lauten sie wie folgt : „Es fällt ein Alp, von der Brust des ordnungsliebenden Bürgers. Berlin! bürgerlich und München noch sozialistisch — wer hätte es! ertragen? ... An den heurigen Wahlen ist das Bezeich-! nende, daß die Sozialdemokratie von allen staatserhaltenden■ Parteien verliessen worden ist, und wir stimmen der „Köln, l Volksztg." nicht bei, wenn sie die Centrumsleitung in Dort-^ mund tadelt, weil durch ihre Stellung gegen die Sozial- l demokraten einige Sitze in Westfalrn dem Centrum verloren! gegangen sind; wie wir auch z. B das „Pfälzer Volksblatt" in Kaiserslautern nicht begreifen, wenn es offen in der Stich- l wähl zu Gunsten der Sozialdemok atie eintrat. Einmal muß doch die letzte reinliche Scheidung vollzogen werden; und das i Centrum ist stark genug. Es darf sich nirgends und in nichts mehr der Sozialdemokratie verpflichtet fühlen . . . In wie weit sich die Ordnungsparteien ferner verständigen können, was man aus dem jahrzehntelangen Kampf gelernt, l. . . das wird die Zukunft lehren. Nach unserer Meinung ! gibt es nicht nur einen Punkt, sondern eine Linie, auf welcher man Zusammenarbeiten könnte. . . ." — Wenn das Cen- i trum überall nach dieser Anschauung im Wahlkampf vorgegangen wäre, so hätten die Sozialdemokraten so manchen Sitz nicht erobern können. Die Zukunft wird hoffentlich auch hier Besserung bringen.
Die Eröffnung der deutschen Landwirthschafts- UttssteüUNg in Dresden ist gestern Mittag 12 Uhr in Gegenwart des Königs und des Prinzen Friedrich August vor sich gegangen. Außerdem waren anwesend der preußische Landwirthschaftsminister Freiherr v. Hammerstcin, sowie die! Vertreter des sächsischen Ministeriums. Gestern Abend 6^2 Uhr fand beim Prinzen Friedrich August eine Festtafel statt, zu der der preußische Landwirthschaftsminister, der Minister v. Metsch, das Direktorium der Ausstellung und der Vorstand der Deutschen Landwirthschastsgesellschaft geladen waren.
Getreidezölle. Aus Paris wird b.richut: Der gestern im Elystze abgehaltene Ministerrath beschloß, daß die Getreidezölle vom 1. Juli ab wieder in voller Höhe erhoben werben, sollen.
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nicht verschmähen. Ein Raab und ein Wurm sind die übrigen Repräsentanten des Thierreiches. Für den einzigen Esser ist durch Kohl und Speck, Klos und Pfau n- kuch zur Genüge gesorgt, dem Pichler dagegen wird trotz der Hitze Blos ein Hirsch geboten. Für den einzigen Geck des Parlaments, der seltsamerweise em Rother ist, gibt's einen Spiegel. Wird auch im neuen Reichstage mancher Spähn ausgefochten werden müssen, mancher Abgeordnete eine Mauser durchmachen, wird es auch öfter Hoch hergehen, der Ton Rauh oder öfter noch Gröber als bisher sein, eius fehlt dem Parlamente nicht, der nothwendige E r n st zur Arbeit. Wenn sich die einzelnen Parteien nicht im Hasse begegnen, Lieber von einander Lehr annehmen, wird sich's auch mit dem neugewählten Parlamente gut auskommen lassen. Es ist nicht viel besser, aber nicht viel schlechter, als seine Vorgänger, selbst die Regierung wird mit ihm recht zufrieden sein können, wenn sie nur nicht an O p f e r g e l t gar zu V i e l h a b e n Will.
Vom deutschen Aerztetag in Wiesbaden ist zu melden, daß nach der Begrüßung des Regierungspräsidenten Dr. Wentzel und des Vertreters des Kultusministerium Geh. Rath Kirchner der Vertreter der Stadt Wiesbaden Professor Löbker-Bochum über die Thätigkeit der Kommission zur Regelung des Verhältnisses der Aerzte zu den Privat-Unfall- verstcherungsgesellschaften berichtete. Die langjährigen Verhandlungen haben dahin geführt, daß die Kommission mit den Vertretern der genannten Gesellschaften folgende, vom Referenten zur Annahme empfohlenen Vereinbarungen ge- trossin hat: 1. Das Honorar für die ärztlichen Atteste zahlen die Unfallverstcherungsgesesillschaften selbst, ohne unter dem Titel „Arzthonorar" oder einem ähnlichen Titel Ersatz Don den Versicherten zu verlangen. 2. Diese Bestimmung tritt in Kraft für alle vom 1. Januar 1899 an abzu schließenden neuen Versicherungen sofort, für die vorher abge-
Politische und unpolitische Nachrichten.
(Depescheu-Burea« „Herold"'.)
Berlin, 30. Juni. Der Kaiser empfing heute Vormittag an Bord der Nacht „Hohenzollern" den Reichkanzler Fürst Hohenlohe und später den Generallieutenant Freiherr« von der Goltz. Am Montag früh wird der Kaiser von Kiel aus seine Nordlandreise antreten.
Berlin, 30. Juni. Von dem Festmahl im kaiserlichen Nacht Club in Kiel wird noch berichtet, daß der Sieger Kontre- aomiral Barrandon den Kaiser als Gründer des kaiserlichen Nacht-Clubs und als Schirmherr des Segelsports feierte. Der Kaiser hob in Erwiderung des Trinkspruches die Bedeutung des Segelsports hervor und betonte die Nothwendigkeit einer Ausdehnung der wassersportlichen Veranstaltungen, namentlich die Wichtigkeit der Hochsee-Regatten, wie dies durch die Wettfahrten Dower-Helgoland und Travemünde- Swinemünde schon jetzt mit Erfolg stattfinde. Im Verlauf der Ansprache befürwortete der Kaiser die Schulung und tüchtige Uebung eines deutschen Nacht-Matrosenpersonals und eine Betheiligung deutscher Nachten an den Veranstaltungen im Auslande. Schließlich feierte der Monarch die Sportsleute, welche im sieben dem Sport und im Kriege der Marine ihre Kräfte weihen.
Berlin, 30. Juni. Der Kreuzer „Geier" ist von Havanna nach Santiago in See gegangen.
Chemnitz, 30. Juni. Heute früh in der vierten Stunde wurde an der Wittwe Kaden von ihrem Geliebten, dem Taubenhändler Perthel, ein Mordversuch verübt. Derselbe brächte der Wittwe zwei Stiche im Rücken bei, einen an der Schulter und einen am Halse. Die Wittwe ist schwer verletzt. Perthel versuchte sich dann selbst zu tödten, indem er sich 11 Stiche in die linke Brust beibrachte und die linke Pulsader durchschnitt. Beide wurden in das Krankhaus geschafft. Sie sind nicht vernehmungsfähig.
Lübeck, 30. Juni. Das Schwurgericht verurtheilte die Kindergärtnerin Burgmeister, welche dem drei Wochen alten Kinde ihrer Dienstherrschaft Gift beigebracht hatte, infolge- dessen das Kind starb, zu 10 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust.
Halle a. S., 30. Juni. Die 200jährige Jubelfeier der Francke'schen Stiftungen wurde gestern Abend und heute durch Festgottesdienste in den Kirchen St. Georgen und Ulrich, ferner durch eine Gedenkfeier am Grabe Francke's sowie durch festliche Veranstaltungen eingeleitet. Heute fand ein Festakt im großen Saale der Stiftungen statt, welchem Kultusminister Dr. Bosse, Oberpräsident Staalsminister Dr. v. Boetticher, Rektor und Senat der Universität, sowie Vertreter der städtischen Behörden und Andere beiwohnten. Nach der Festrede des Direktor Fries hielt Minister Dr. Bosse eine Ansprache, in welcher er darauf hinwies, daß die ganze evangelische
schlossenen Versicherungen am 1. Januar 1904. Tie Attest- formulare sollen einen Vordruck erhalten, ob sich das Attest ruf eine Versicherung der ersten oder zweiten Art bezieht. 3. Es sollen einheitliche, einsame Formulare für alle Atteste des behandelnden Arztes vereinbart werden. 4. Das Honorar für das Anfangs- und Schlußattest soll je 5 Mk., für etwaige kürzere Zischenatteste je 3 Mk. betragen, wobei vorausgesetzt wird, daß die Formulare wesentlich vereinfacht werden. 5. Die Versicherungsgesellschaften sind verpflichtet, Untersuchungen durch ihre Vertrauensärzte bei Unfallverletzungen nur nach vorheriger rechtzeitigen Benachrichtung des behandelnden Arztes ausführen zu lassen. Die Versicherungsgesellschaften verpflichten sich ferner, vor einem etwaigen Ein- greiftN in das Heilverfahren den behandelnten Arzt in Kenntniß zu setzen. Die Debatte über die Kommissionsvorschläge war sehr lebhaft, die Anträge wurden aber unverändert angenommen. Weiter beschäftigte sich der Aerztetag^ mit der Revision der Statuten. Sodann gelangte die Frage der Entwicklung der staatlichen Organisation des ärztlichen Standes in Deutschland zur Verhandlung. Medizinalrath Merkel-Nürnberg besprach die ärztlichen Organisationen in den einzelnen Bundesstaaten. Dr. Davidsohn-Lerlin wünscht eine staatlich geordnete Organisation der Aerzte, da man mit der freiwilligen, mit der man sich seit 25 Jahren behalfen habe, Schiffbruch gelitten hätte. Kaum die Hälfte der Aerzte gehöre heute den Berufsvereinen an. Sachsen sei allen anderen Bundesstaaten voraus. Die Versammlung beschloß, die Aufstellung von Thesen zu dieser Frage bis zum nächstjährigen Aerztetag zu vertagen. — Als erster Gegenstand des zweiten Verhandlungstages steht auf der Tagesordnung die Frage des Mediziustudiums der Frauen. Referent ist Professor Penzold- Erlangen, der folgende Thesen aufgestellt hat: 1. Wenn vorläufig die Zulassung zum ärztlichen Beruf auf Grund der gleichen Bedingungen wie beim Mann nur ge-