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Amtliches Grgsn für 9taöl- und Landkreis Vauau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 143. Donnerstag den 23. Juni 1898

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Hierzu

Amtliche Beilage" Nr. 44.

Amtliches.

SlctdlK^ers ^anatt.

VeLZALLmachllugeii des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Der von den städtischen Körperschaften unterm

oLj o. yO beschlossene Baufluchtlinienplan für den Durchbruch der Nord­straße nach dem Sandeldamm, von dem die Parzellen:

F. Nr. 121/69, 71, 77/39, 142/39, 53, 52, 157/48, 47, 146/56 rc., 57, 62, 63, 123/70, 81/61a, 95/58 rc., 64, 317/191 betroffen werden, liegt auf Grund des § 7 des Gesetzes vom 2. Juli 1875 vom 22. ds. Mts. ab 4 Wochen zu Jedermanns Einsicht im Stadtbauamt II während der Dienststunden von 10I2V2 Uhr vormittags offen. Ein­wendungen gegen den Plan können innerhalb genannter Frist daselbst zu Protokoll gegeben, oder an uns schriftlich gerichtet werden.

Hanau den 18. Juni 1898.

Der Magistrat

Dr. Gebeschus. 9355^

Bekanntmachung.

Das Aufb rechen alter Futzböden und die Erneue­rung derselben soll öffentlich vergeben werden.

Die Bedingungen liegen von heute an im Stadtbauamt I, Zimmer Nr. 23 des Ratbhauses, für Interessenten auf und sind Angebote bis zum Samstag den 25. ds. Mts., vormittags 11 Uhr, verschlossen und mit entsprechender Auf­schrift versehen, daselbst einzureichen.

Die Eröffnung findet zu dieser Zeit in Gegenwart etwa erschienener Bieter im Zimmer Nr. 24 statt.

Hanau den 17. Juni 1898.

Der Magistrat.

J. B.: Heraeus. 9169

Dicnstnachrichtcn aus dem Kreise.

Gefunden: Eine leichte Ackerwaage. Eine Brille. Ein Medaillon.

Feuilleton.

Liebesgeschichten berühmter Männer.

Edward John Hardy, der Verfasser deS berühmt gewor­denen gemüthlich-humoristischen BuchesVerheirathet und den­noch glücklich", der als Geistlicher Gelegenheit genug hat, die Schwächen des menschlichen Geschlechts kennen zu lernen, dürfte sich durch sein unter obigem Titel soeben erschienenes neuestes Buch allseitigen Dank erworben haben.Liebcs- geschichten berühmter Männer" enthält eine Unmenge^ inter­essanter Mittheilungen über das Liebesleben berühmter Männer aller Länder und Zeiten und kommt zu dem Facit, daß auch daS größte Genie trotz Ruhm und Ehre das wahre, echte Glück doch nur im Hafen der Ehe findet.

" Der kürzlich verstorbene Romancier Alphonse Daudet hatte den Entschluß gefaßt, nicht zu heirathen, weil er fürchtete, daß eine unglückliche Ehe seine Phantasie beeinträchtigen könnte. Als er jedoch eines Tages Mademoiselle Julie Allard, einer begabten Schriftstellerin und Kritikerin, vorge­stellt wurde, besann er sich eines Bessern; und er hatte es nie zu bereuen, denn Madame Daudet war nicht nur eine musterhafte Gattin und Hausfrau, sondern auch eine tüchtige Mitarbeiterin. Er schrieb keine Seite, die sie nicht revidirt und korrigirt hätte. Nach Jahr und Tag spielte sich zwischen den Eheleuten eine kleine dramatische Scene ab, wie sie selbst in der musterhaftesten Musterehe nicht auszubleiben pflegt. Mitten drin bemerkte Daudet ganz ernsthaft:Weißt Du, meine Liebe, daß unser Zank sich wie ein aus einem inter­essanten Roman geschlüpstes Kapitel anhört?" - Mein lieber Alphonse, wie ich Dich kenne, wird er auch als Ka­pitel in einen Deiner Romane schlüpfen", lautete bte schlag­artige Entgegnung der prächtigen Frau.

Walter Scott bot als 19jähriger Jüngling einem schonen, jungen Mädchen, das beim Verlassen der Kirche von einem Regenguß überrascht wurde, seinen Schirm an, der dankend ^genommen wurde. Scott verliebte sich, wie es in einem

Entflogen: Eine Brünner Taube mit weißem Ring am Hals.

Hanau am 23. Juni 1898.

Die Präger Palackyfeier.

Die hundertste Wiederkehr des Geburtstages Palackys, den sie den größten Sohn des tschechischen Volkes nennen, galt es zu feiern, und eine allslavische Kundgebung ist daraus geworden. Alle slavischen Volksstämme waren von den Tschechen zu Gast geladen und in den letzten Tagen auch thatsächlich in Prag bei der Feier vertreten, für welche der tschechische Geschichtschreiber Palacky den Namen hergab. Die Verdienste Palackys um sein Volk können nicht bestritten werden, er war der erste Rufer für eine allslavische Gemein­schaft, für ein Zusammensassen der ganzen slavischen Welt und weihte diesem Ziele fein ganzes Leben. Er war aber auch der Begründer deS Deutschenhasses bei den Tschechen. Deutsche Bildung hatte er ausschließlich genossen und stattete den Dank ab, indem er zunächst für die altehrwürdige deutsche Universität zu Prag tschechische Vorträge forderte und auch erwirkte; so die spätere Zweitheilung vorbereitete und den tschechischen Wahn planmäßig nährte. Das großdeutsche Par­lament zu Frankfurt fand in Palacky einen erbitterten Geg­ner, er predigte nicht blos die Zusammenfassung des Slaven- thums, er gab derselben auch die Richtschnur: Bekämpfung Hes Deutschthums!

Die Saat, die Palacky gesät, ist rasch aufgegangen und sshr gut gediehen. Sie fand guten Boden im eigenen Volke, a&r auch zarte Pflege leider bei den Deutschen, die sich in naiver Art des Entgegenkommens des kleinen Tschechen­volkes als eines deutschen Erfolges freuten, und noch mehr bei den maßgebenden Kreisen Oesterreichs, die seit dem deut­schen Bruderkriege ihre Aufgabe darin erblicken zu müssen glaubten, an Stelle des bis dahin überwiegenden deutschen Einflusses einen slavischen zu setzen. Wieweit Letzteres ge­lungen ist, haben die jüngsten Ereignisse in Oesterreich klar gezeigt, wohin dieser slavische Einfluß aber zielt, hat die Palacky-Feier bewiesen. Der Führer der Tschechen, der Ab­geordnete Herold, konnte am Schlüsse der Präger Festlichkeiten in die Zukunft schauend aus rufen: Der Samen der slavischen Gemeinbürgschaft fei ausgestreut, die Slaven-Söhne einer Mutter vereinigen sich zu einer mächtigen Umarmung, welche so stark und mächtig sein wird, daß ihren Feinden, sobald sie dieselben umfassen, die Knochen krachen w erden!

Auszug auS dem Buche im Neuen Wiener Tageblatt heißt, über Hals und Kopf in die junge Dame, die sich als Tochter des Sir John Belches Stuart entpuppte. Es entspann sich ein intimes Freundschaftsverhältniß zwischen den Beiden, das sechs Jahre dauerte; Margarethe, die den jungen Scott sehr ermuthigte, schenkte aber ihre Hand nicht ihm, sondern einem Andern. Scott verliebte sich sechs Monate nach der Ver­mählung seinerersten Liebe" mit Charlotte Margarethe Charpentier, der Tochter eines französischen Emigranten, die eine Rente von 500 Pfund und auch große, persönliche Vor­züge besaß, namentlich einen lebhaften Geist. Originell sind die ersten Briefe, welche die Verlobten wechselten. In einem derselben heißt es:Bevor ich schließe, möchte ich Ihnen rathen, nicht so vielemuß" in Ihren Briefen anzuwenden. Sie beginnen zu früh damit; ich aber werde mir die Frei­heit nehmen, sie nicht zu beachten. Sie müssen auf sich Acht aeben, Sie müssen an mich denken, Sie müssen mir oft schreiben. Muß das Alles wirklich Ihre getreue C. C.?" Damals liebte Scott die zungenfertige, resolute, mandeläugige Französin eigentlich noch nicht das kam erst später.

Von dem französischen Satiriker Scarron erzählt man sich, daß er, als ihn der Notar bei Abfassung des Eheoer- trages fragte, welche Mitgift seine Braut in die Ehe bringe, lachend geantwortet habe:Zwei große Augen, eine herrliche Gestalt, ein paar zierliche Händchen, viel Witz und Geist.

Und was setzen Sie der Dame in Ihrem Heiraths- kontrakt aus?" fuhr der Notar fort.Die Unsterblich­keit", lautete die kurze Antwort. Und Scarron hat Wort gehalten.

Zum Maler Leonardo da Vinci kam der reiche Geldver­leiher Francesco Giocondo und wollte sein schönes Weib Mona Lisa gemalt haben.Ein Dutzend Musiker werden die edle Dame bei guter Laune erhalten müssen", meinte der Künstler.Vielleicht wäre eS sogar gerathen, der Abwechse« lung halber auch einige Sänger und Possenreißer herbeizu- schaffen." Schließlich fand da Vinci den besten Ausweg, um Mona Lisa bei guter Laune zu erhalten; er verliebte sich in sie und machte ihr den Hof. Giocondo war ein alter Mann,

Der Kampf der Slavenwelt gegen das Deutschthum ist am Sonntag und Montag in der Hauptstadt der öster­reichischen Provinz Böhmen verkündet worden in tschechi­scher, polnischer, flovenischer, kroatischer, ruthenischer und russischer Sprache. Daß dies in Oesterreich geschehen konnte im Beisein der Vertreter der Regierung unter dem besonderen Schutze des Statthalters, ist das Ergebniß der unheilvolle« Politik der letzten Jahrzehnte. Vielleicht öffnet die Palacky- Feier den Lenkern des österreichischen Staatswesens die Augen! Vielleicht? Wir zweifeln gar sehr daran. Aber außerhalb Oesterreichs wird man wohl die Rufe, welche in Prag laut wurden, nicht unbeachtet lassen können. Nicht gegen die 8 Millionen Deutschen in Oesterreich kehrt sich der zum Panslavisten-Kongreß gewordene Palackytag, mit denen glaubt man wohl schon fertig zu sein, die Kampfrufe gelten allen Deutschen, sie gehen auch nicht nur von den Tschechen, sondern von der ganzen slavischen Welt aus.

Großfürst Konstantin von Rußland hat zur Präger Feier seinen Glückwunsch gesandt, die österreichische Regierung war durch besondere Abordnungen d er treten, der russische General Komarow wurde im Triumphzuge durch Prag geleitet, die Vertreter der Polen, Slovenen, Kroaten und Ruthenen schlössen sich ihm an. Planmäßig war Alles voi bereitet worden, um die Feier angesichts der deutschen Baudenkmäler Prags und des Restes seiner deutschen Ureinwohner zu einer großslavischen Kundgebung zu gestalten. Die Regierung lieh dem Werke bereitwilligst ihre Dienste. In echt slavischer Liebenswürdigkeit wurden die Präger Deutschen einige Tage vor der Feier an die Pöbelausschreitungen der Novembertage erinnert, dann höflichst darauf aufmerksam gemacht, daß es in ihrem Interesse sei, wenn sie sich jeder Gegenkundgebung durch Nichtbetheiliguug an der allgemeinen Beflaggung enthielten. Der Präger Statthalter war von dem rein wissenschaftlichen Zwecke der Feier so sehr überzeugt, daß er den Rektoraten der beiden deutschen Hochschulen auftrug, ebenfalls mitzuthun und Universität und Technik zu Beflaggen. Eine Gegenvor­stellung an das Ministerium wurde rundweg abgewiesen, und nur der Charakterfestigkeit der deutschen Hochschullehrer ist es zu danken, daß die erste deutsche Universität von der Schmach bewahrt blieb, bei einer Palackyfeier mitgethan zu haben, die als Zukunftsbild die Umfassung der Deutschen durch die Slaven zeigte,daß die Knochen krachen werden". Der Präger Slaventag zeigte den Ernst der Lage in Oesterreich wohl auch für Alle, welche in den Kämpfen der Deutschen im Habsburgerstaate eine fremde Angelegenheit erblicken, der man völlig theilnahmslos gegenüberstehen müsse, um sich nicht

der Künstler zählte kaum 43 Jahre, war schön, geistvoll, beredt und hatte schon damals den Ruf, ein Genie zu sein. Was Wahres an dieser Liebesgeschichte ist, läßt sich natürlich heute nicht mehr ergründen. Thatsache bleibt das Eine, daß da Vinci von dem Augenblicke an, da er Mona Lisa kennen lernte, ihr Gesicht auf allen seinen bedeutenden Bil­dern malte.

Ueber Bismarck, Disraeli und Gladstone ist schon ein Meer von Tinte verschrieben worden. Alle Drei waren glücklich in der Wahl ihrer Frauen, die ihnen hilfreich zur Seite standen und ihre hohe Stellung würdig ausfüllten. Frau Gladstone war als Mädchen unter dem Namendas schöne Fräulein Glynnes" bekannt. Anläßlich eines Diners war sie die Tifchnachbarin eines Ministers, und dieser lenkte zuerst ihre Aufmerksamkeit auf Gladstone, indem er sagte: Sehen Sie sich doch den jungen Mann vis-ä-vis an, der wird noch einmal Premierminister." Fräulein Glynnes be­obachtete die hübschen, ausdrucksvollen Züge des jugendlichen Abgeordneten mit großem Interesse, machte aber erst in dem darauffolgenden Winter seine persönliche Bekanntschaft in Italien. 1839 heirathete das Pärchen, und bei seiner gol­denen Hochzeit erklärte der große Staatsmann, daß es ihm an Worten fehle das dürste ihm zum ersten Male in seiner bewegten Laufbahn passirt sein um die Dankes­schuld auszudrücken, in der er bei seiner Frau stehe. Frau Gladstones Glück trübte nur das Eine, daß sie die Gesell­schaft ihres angebeteten Gatten, so lange er Englands Premier­minister gewesen, so wenig genießen konnte. Es bereitete ihr stets große Freude, wenn Londoner Freunde sie während der Season" zu einem Diner luden, denn da bat sie stets, neben ihrem Gatten sitzen zu dürfen.Sonst komme ich nicht dazu, mit ihm plaudern zu können, da ihn seine Geschäfte in Lon­don zurückhalten; ich sehe ihn oft wochenlang nicht!"

Aehnlich dürste es übrigens den meisten Frauen berühmter Männer ergehe« ein Beweis mehr, daß es auf Erden kein vollkommenes Glück gibt und daß man sich jede Stunde Glück mit Opfern erkaufen muß.