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Amtliches Kvgan für Staöt- unS Lanökreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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1898
«mtliche».
Bekanntmachung.
Betrifft Reichstagswahl.
Nach der heutigen Ermittelung des Ergebnisses der Wahlen zum Reichstage find auf die Kandidaten
1. Oberst a. D. Alexander Sieg-Wiesbaden . 5099
2. Rentner August Leonhardt-Hanau . . . 3891
3. Bürgermeister Mettenheimer- Eichelsachsen 1335
4. Schriftsteller Gustav Hoch-Hanau .... 12692 Stimmen gefallen, während 33 Stimmen zersplittert sind.
Hiernach ist Schriftsteller Gustav Hoch in Hanau mit absoluter Stimmenmehrheit im 8. Wahlkreise des Regierungsbezirks Cassel zum Reichstagsabgeordneten gewählt.
Hanau am 20. Juni 1898.
Der Wahlkommissar Königlicher Landrath
V. 6882 v. Schenck.
DiellstuathrWen aus dem Steife.
Gefunden: Eine silberne Broche, ein Blatt darstellend. Sechs Brillantrosen.
Verloren: Eine schwarze oxidirte Damenuhr mit Monogramm nebst Schleife.
Zugeslogen: Zwei Tauben.
Zugelaufen: Ein grauer Spitzhund m. Geschl.; Em- psangnahme bei Jakob Stein III. zu Hochstadt.
Hanau am 21. Juni 1898.
^taöt&rei# ^anau.
MLMtAKchMM des Oberbürgermeisteramtes.
Tagesordnung für die öffentliche Sitzung der Stadtver- ordneten-Verfammlnng
am Dienstag den 21. Juni er., nachm. 6 Uhr.
Ertheilung des Zuschlags für Begebung der neuen Anleihe. 9233
Am Mittwoch den 22. Juni 1898, nachmittags von 5 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neustädter Rathhauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerbegerichts statt, in welcher Partheien etwaige Streitigkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbrmgen können.
Hanau den 16. Juni 1898.
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts
Dr. Gebeschus. 9232
Stichwahl-Parole.
Bei allen nationalen Parteien dringt der Gedanke immer klarer und schärfer durch, daß bei den Stichwahlen vor Allem die entschiedenste Gegnerschaft gegen die Sozialdemokratie zum Ausdruck gebracht werden und die Wahl sozialdemokratischer Bewerber mit allen Kräften verhindert werden muß. Sowohl von konservativer, als auch von nationalliberaler, deutschsozialer und christlich-sozialer Seite liegen bereits viele Kundgebungen in Zeitungsstimmen, Wahlaufrufen und Erklärungen vor, die diesem Gedanken Ausdruck geben und z. B. sogar da, wo Freisinn und Sozialdemokratie in der Stichwahl gegen- überstehen, das Eintreten für den freisinnigen Kandidaten empfehlen. Das führende Organ Richters druckt schmunzelnd die Aufforderungen der „Korrespondenz des Bundes der Land- wirthe", der „Deutschen Tageszeitung", der „Konsero. Korr." und der „Kreuzztg.", in der Stichwahl sür den Freisinnigen gegen den Sozialdemokraten einzutreten, ab, hütet sich aber davor, seinen Anhängern das Gleiche in einem Kampfe zwischen den rechtsstehenden Parteien und der Sozialdemokratie zu empfehlen Die „Freist Ztg." stellt fest, daß auch der nächste Reichstag eine agrarische Mehrheit haben werde, und fugt
'Die Stichwahlen aber haben darüber zu entscheiden, ob noch darüber hinaus sich eine agrarische Mehrheit zusammen- findet, stark genug, die Regierung über ihre eigenen Absichten hinaus zu agrarischen Maßnahmen zu drangen.
Dann fügt sie an anderer Stelle hinzu: , „Nichts wäre verkehrter als statt des Kampfis auf zwei Fronten einzig und allein die Bekämpfung der Sozral- demokratie in Betracht zu ziehen."
Die Freisinnspresse in der Provinz fordert ganz deutlich zur Unterstützung der Sozialdemokratie auf. Die „Breslauer Ztg." erklärt: „Kein freisinniger Mann darf für einen Reaktionär stimmen." Der „Ltegnitzer Anzeiger" bemerkt: „Des freisinnigen Mannes größter Gegner ist aber unter, allen Umständen der agrarisch-feudale Reaktionär", und fügt wahrheitswidrig und entschieden wider besseres Wissen hinzu, daß von dieser Seite stellenweise die Parole ausgegeben worden sei, bei einer Stichwahl zwischen einem Manne der freisinnigen Volkspartei und einem Sozialdemokraten dem letztem zum Siege zu verhelfen. Wir könnten diese Preß- stimmen noch außerordentlich vermehren, begnügen uns aber, nur noch die „Berliner Volksztg." anzuführen, welche nachstehendes Programm ausgibt:
„Für jeden wirklich freisinnigen Mann giebt es nur eine Erkenntniß aus der Situation heraus: die Nothwendigkeit der Fortsetzung des Kampfes gegen die Reaktion an der Seite der Sozialdemokratie. Auch die Sozialdemokratie verschließt sich dieser eisernen Nothwendigkeit nicht. Sie wird überall die freisinnigen Kandidaten gegen die Reaktion unterstützen. Wo Freisinn und Sozialdemokratie untereinander in Stichwahl stehen, mögen sie den Kampf ehrlich und tapfer ausfechten. Wo aber einer der beiden Theile gegen die Reaktion engagirt ist, da heißt es Schulter an Schulter kämpfen, damit den reaktionären Parteien, unter welchem Sondernamen sie auch ihr politisches Gewerbe der Volksverdummung und Volks - knebelung betreiben, die wohlverdiente Züchtigung zu theil werde."
In ähnlicher Weise arbeitet die süddeutsche Volkspartei den Sozialdemokraten in die Hände.
Wir sehen aus diesen Aeußerungen, daß es dem Freisinn und den verwandten Gruppen garnicht einsällt, ernsthaft seinerseits den Kampf gegen die Sozialdemokratie aufzunehmen und daß namentlich Eugen Richter dem Grundsatz huldigt: „Nehmen ist seliger denn geben!" ohne zu bedeuten, daß sein eigenes Mandat durch dieses Doppelspiel sehr gefährdet ist. Es läge ja nahe, die Fortschritiler, die in einer ganzen Reihe von Wahlkreisen mit der Sozialdemokratie in Stichwahl stehen, damit zu strafen, daß man sie ebenfalls nicht nachdrücklich unterstützt. Aber die rothe Gefahr ist viel zu groß, als daß man an solche Rache denken dürfte. Wer ein Gefühl für die Nothwendifkeit, das Staatsleben vor der Uebermacht der Sozialdemokratie zu schützen, besitzt, muß unter allen Umständen gegen die Sozialdemokratie eintreten, ohne die Handlungsweise derer nachzuahmen, die pflichtvergessener Weise den traurigen Muth haben, bei der gegenwärtigen Sachlage noch einen Sozialdemokraten zu unterstützen.
Lagesscharr.
Kaiser und Armee. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Die vom Kaiser am 16. d. Mts. an die im Lustgarten zu Potsdam versammelten Leibregimenter gehaltene Rede hat folgenden Wortlaut: „Die wichtigste Erbschaft, welche mir mein erlauchter Großvater und Vater hinterlassen haben, die ich mit Stolz und Freude angetreten habe, das ist die Armee. An sie habe ich meinen ersten Erlaß gerichtet, als ich den Thron bestieg, an sie richte ich jetzt beim Eintritt in das nächste Jahrzehnt aufs Neue meine Worte. Ihr, die Ihr jetzt versammelt seid: Das erste Garderegiment zu Fuß, in dem ich aufgewachsen bin, das Regiment der Garde du Korps als das vornehmste Leibregiment der Kavallerie der preußischen Könige, das Leibgardehusarenregiment, das ich selbst komman- dirt habe, und das Lehrinsanteriebataillon, welches das gesummte Heer repräsentirt und das in Potsdam die Ehre genießt, für den König und sein Haus die Wachen zu stellen. Es ist wohl kaum einer Armee so schweres Leid geschehen, wie damals im Jahre 1888. Niemals hat eine Armee im Laufe eines Jahres zwei so gewaltige lorbeer- und ruhmge- krönte Heerführer verloren, die auch gleichzeitig ihre Kriegsherren waren. Mit tiefem Danke blicke ich auf die Jahre, die seitdem verfloffen sind, zurück. Es ist wohl selten eine so schwere Zeit über das Haupt eines Nachfolgers dahinge- gangen, der seinen Großvater und Vater hat in kurzer Zeit hinsterben sehen müssen. Mit schweren Sorgen übernahm ich die Krone, überall wurde an mir gezweifelt, überall stieß ich auf falsche Beurtheilung. Nur eine hatte zu mir Vertrauen, eine glaubte an mich. DaS war die Armee, und auf sie gestützt, im Vertrauen auf unseren alten Gott, übernahm ich mein schweres Amt, wohl wiffend, daß die Armee die Hauptstütze meines Landes und die Hauptsäule des preußischen Thrones sei, auf den mich Gottes Rathschluß berufen. «o wende ich mich denn heute zuerst an Euch und spreche Euch meinen Glückwunsch und Dank aus, in welchem ich zugleich
mit Euch alle anderen Brüder in der Armee umfasse. Ich habe die feste Ueberzeugung, daß in den letzten 10 Jahren durch die aufopfernde Hingebung der Offiziere und Mannschaften in treuer, hingebender Friedensarbeit die Armee aus dem Stande erhalten ist, in dem ich sie von meinen hochseligen Herren Vorfahren überliefert bekam. Wir wollen die 10 folgenden Jahre in Treue miteinander verbunden weiter arbeiten in unbedingter Pflichterfüllung, in eifriger nie erlahmender Arbeit, und mögen die Hauptsäulen unseres Heeres immer unangetastet bleiben, welche" sind die Tapferkeit, das Ehrgefühl und der unbedingte eiserne, blinde Gehorsam. Das ist mein Wunsch, den ich heute an Euch und mit Euch an die ganze Armee richte."
Politische und unpolitische Nachrichten.
(Depeschen-Bu'reau.Herold'.)
Berlin, 20. Juni. Heute früh 8 Uhr explodirte auf dem Uebungsplatze des Garde-Pionier-Bataillons eine Pulver- tonne, wodurch der Sekondelieutenant Wollmann getödtet wurde.
Berlin, 20. Juni. Ja dem Prozeß gegen die in die Grünenthal-Affaire verwickelten Frauen wurde die Wittwe Eng zu 9 Monaten Gefängniß, die Frau Sittig zu 3 Jahren Zuchthaus und die Elli Goltz zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilt. Die Hebamme Wittwe Heinecke wurde freige- sprochen.
Breslan, 20. Juni. Gestern Nachmittag ermordete, wie dem „Breslauer General-Anzeiger" aus Hermsdorf gemeldet wird, der Schuhmachergeselle Karger daselbst die Ehefrau des Schuhmachers Herrman sammt ihrem 8jährigen Sohne in Abwesenheit des Meisters, der sich auf einer Vergnügungstour befand.
Prag, 20, Juni. Im slawischen Journalisteu-Kongreß wurde ebenso wie bei der Palacki-Feier die slawische Solidarität in allen Dingen proklamirt und eine Resolution angenommen, in welcher die bürgerliche Gleichwertigkeit und die sprachliche Gleichberechtigung aller Slawen verlangt wird. Es sei mit allen Kräften dahin zu wirken, daß der slawische Boden nicht mehr von fremdem Kapital okkupirt werde, sondern für immer in rein slawischen Händen verbleibe. Jede fremde Konkurrenz solle durch Hebung der slawischen Produktion energisch verhindert werden. Bei dem Festbankett hielt General Komorow eine längere Rede, in welcher er darauf hinwies, daß alle Slawen nur einen gemeinsamen Feind hätten, den sie alle bekämpfen müßten. Erst wenn dieser Feind vollständig besiegt sei, seien die zur Zeit zwischen den slawischen Nationen bestehenden Differenzen auszugleichen, was dann leicht geschehen könne.
Prag, 20. Juni. Die gestrige Palacki-Feier verlief in größter Ruhe. Die Polizei hatte, trotzdem an dem Festzuge ca. 30,000 Personen theilnehmen, nirgends Anlaß zum Einschreiten.
Innsbruck, 20. Juni. Im Kaisergebirge ist der Student der Chemie Schleber aus München abgestürzt. Von Kufstein sind Rettungsmannschaften abgegangen.
Karlsbad, 20. Juni. Der reiche Grundbesitzer Dra- Howicz versuchte seinen hier wohnenden 11jährigen Neffen durch Hunger sterben zu lassen, um sich in den Besitz des beträchtlichen Vermögens desselben zu setzen. Drahowicz wurde verhaftet.
Lemberg, 20. Juni. Obgleich auch gestern keine ernste Ruhestörungen stattgefunden haben, befürchtet man, daß die Bewegung auf Ost-Galizien über greift, da die Stojanowski- Partei für einen allgemeinen Erntestreik agitirt. Im Gefängniß zu Jaslo befinden sich über 200 Exzedenten.
Rom, 20. Juni. Der Versuch Sonninos, ein Kabinet zu bilden, ist gescheitert. Die Freunde Visconti Venosta's machen Anstrengungen denselben zur Uebernahme der Kabinets- bildung zu bewegen. Visconti Venosta verhält sich jedoch biS jetzt ablehnend.
Hongkong, 20. Juni. Admiral Dewey hat den Insurgenten verboten Manila zu erstürmen, damit die Stadt sich den Amerikanern übergeben könne. Hierdurch hält Amerika alle seine Ansprüche auf die Besitzergreifung der Philippinen aufrecht.
Gibraltar, 20. Juni. Der Kapitän eines englischen Dampfers, welcher hier eingelaufen ist, meldet, daß man die spanische Flotte bei Capa de Java gesehen habe.
Wetterhericht.
Voraussichtliche Witterung: Ziemlich warmes, jedoch allmein noch unbeständiges Wetter.