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Amtliches Krgan für Stsöt- unö Lsuökreis Hsnsu.
Erscheint tagluv mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
XL 140.
Montag den 20. Juni
1898
Amtliches.
§tadt&rct0 ^attaxt.
Bekavatwachrmgea des OberbürgermemeraNtes. Bekanntmachung.
Das Aufbrechen alter Fußböden und die Erneue rung derselben soll öfferttlich vergeben werden.
Die Bedingungen liegen von heute an im Stadtbauamt I, Zimmer Nr. 23 des Ritthbauses, für Interessenten auf und find Angebote bis zum Samstag den 25. ds Mts., vormittags 11 Uhr, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, daselbst einzureichen.
Die ErSiftwnz findet zu biefer Znt in Gerenwan etwa erschierener Bieter im Zimmer Nr. 24 statt.'
Hanau den 17. Zmli 1898.
Drr Magistrat.
Z. V.: Heraens. 9169
Bekanntmachung.
Städtische Badeanstalt.
Verschiedener nothwendig gewordener Reparaturen halber bleiben die Räume deS
Römisch-Irischen- mü) Touche-Balles bis auf VeiwreS geschloffen.
Hava», 20. Juni 1898.
9176 Stadt. Badeanstalt.
Ticustiachnchtcll an? dm Arcisc.
Gefnvdenr Ein Leibriemen. Ein kupferner Herrnrrvg bü Sura. Ei» Stück Sohlleder. Er» Korb, gez. J. B.
Verloren: Ein goldner Zwicker. Ein Sack Kochsalz. Eine blawsZrmige Er rnackröche.
Zagela»':«: Ein woher Fvrwrrier mit braunen Ohren »»d Quarze, Flecke», m. Eeichl.; Emv'Sugnahme bei Land- »ach Zadch Sreul 17. zn Niederdorielden. Ein weißer SpchHrmd ». Ge-chl.
Hana» am 20. Juni 1898.
Tie Neichstagswahlen
Ze »chr Ergebniffe der Wahlen bekannt werden, desto eu^ stellt sich heraus, daß seitens der bürgerlichen Parteien nicht so großer Eifer entfaltet worden ist, wie angesichts der von der Sachlage gestellten Anforderungen hätte erwartet werden würfen. Dem Rückgang der sozialdemokratischen Stimmen dagegen, der in vielen ihrer sicheren Sitze bemerkbar war, steht ein Stimmenruwachs in anderen Bezirken
gegenüber, der jene Verluste mehr als Weltmacht. Bei den Stichwahlen ist ein energisches und einmüthigeS Vorgehen aller nicht so ialdeuokraiischen Parteien dringend geboten, wenn nicht die hier noch gebotenen Aussichten im letzten Augenblick wieder verloren gehen sollen. Don Berlin wird geschr Leben:
^Mn einem fast fatalistischen Gleichmuth haben die bürgerlichen Parteien der Vermehrung der sozialistischen Mandate im neuen Reichstage als etwas ganz Selbstverständliches, als einer nun einmal nicht abzuwendenden Tha: ache entgegen Sieben. Erst sitzt, wo das Ergebniß der ersten Wahlschlacht einigermaßen sich überblicken läßt, kommt das Bürgerthum, 'oweu es sich durch ihre Parteiorgane vernehmbar machen fann,_ zur Einsicht 'einer verhängnißvollen Fehler straftvürdiger, leichtsinniger Aer'plütrrung und Lässigkeit gerenüber einem gemeinichaftlichen Feind, welcher dem Bürgerthum und dem narioralen Etaar den Untergang gechworen hat. Unsäglich betrübend ist die Niederlage der bürgerlichen Parteien in Hamburg, der zweiten Hankelssi adt von ganz Europa, wo sich die Träger des weltmännischen Unternehmung-geisteS nicht dazu auizurasien vermochten, die politi'che Vertretung ihrer Handel-empore den Sozialdemskrawr, die von jeher die hanseatische Inttllizeuz ani'S Litter're b-käurrften und sie unsis Empfint sich sie ichädizren, zu enwrißen. Aber über 51,000 Wähler in Hamburg verzichteten av: ihr Wahlrecht and gaben die Vertretung der stolzen Han'astan im TenftLen Reichstag gleich im ersten Mahlgang den Sozmldemokraren preis' Und ähnlich nie in Hamburg, so in den mersten Hauptstädten unserer deur'chen Bundesstaaten und in den großen Industrie-Zentren, denen er st bürgerliche Kraft, bürger- LLer Fleiß und der ungeahnte wirch'Gastliche Am'chwung Lammelpunkre von Tan''enden von Arbeitern baren; dorr vermocht:» sie bei auskömmlichen Emistenzbedurgungen ihre' Leü-nshaPung su, .... wert höherer Nrr--.au zu stelle», als dies arbeiten den Klaffen dies sich vor 10—15 Zar reu st läüea denken köttnen! — Wenn nun die RerchsHauptstadt davor bewahrt geblieben ist, gleich dem erste» ioz-aldrmrkratr'chen Ansturm r» erliegen, so kann sie nur die Beiftrtefetzunz aller Differenzen innerhalb der bürgerlichen Parteien bei der Stichwahl vor der Schmach recen, die rothe Fahne auch von d« Zürnen aller Berliner Wahlkreisr wehen m 'rhen.
Unumwundere Anerkennung gerbtest, daß das Organ der' Konservativen, die E^reuzzeitusz^, der Urber- zeugunz von der Nothwendigkeit, selbst ma den von ihr ze haßten ^trünniien zu ammes gr-en die Sozialdemokraten zu marichirm, Lnsdruck verlecht. Sie schrieb bereits Samstag Morgen:
„Mag es beut Einzelnen auch noch eine so große Ueber Windung kosten, einem Kandidaten, den er bis gestern bekämpft hat, am Stichwahl tage feine Stimme zu geben: es muß geschehen l Man denke dabei baran, daß man nicht
für den mißliebigen Kandidaten, sondern gegen die Sozial- demokratie stimmt!*
Die "N ationalliberale Korrespondenz" schreibt:
*Für die Stichwahl selbst ist die Parole gegeben; es versteht sich für die nationalliberale Partei von selbst, daß sie ihre ganze Energie in erster Linie gegen die Bekämpfung der Lozialdemokratie entwickeln wird. Zu einer ganzen Reihe von Stichwahlen sird die verschiedenen Parteien auf die Unterstützung der nationalliberalen Partei angewiesen. Wir erwähnen dies, um bei Zeiten genug darauf aufmerksam zu machen, daß die Bereitwilligkeit der Wähler, dem äpntll an ihre Unterstützung Folge zu geben, weiemlich dadurch bedingt ist, wie sie von der Seite behandelt werden, auf der man auch ihre Hilfe beanspruch.".
Das Orgau der Bvndes d er Landwirthe, die »Dentiche Tagesrig.", schreibt:
In vielen Greifen wird es sich darum handeln, Stellarg zwischen Freisinn und Svzinldewokrrrir zu nehmen, und wir 'ihen denn auch, daß die freiüxnigen Blauer hcu:e schon mir aller Macht in die Trompete blasen, um die Eigenschaft des Freisinns als bürgerlich« Partei nrbi et orbi tu verkünden. Daraus wird dann natürl-.L die Kons cueur gezogen, daß die konimnnrocu und nstwnal- lileralen Parteien 'ammr der dearsch- oziale» Reisrmpartei das Kriegsbeil begraben and Mann für Mann für den Fre:sinn an die Urne treten ratren. Die Berechtionng dir er Laschaaung ist, wenn man den Kampf gegen die Socialdemokratie au' die Fahne geschrieben her, wie es die uns rahesttbenden Parteien sämmtlich grchaa habe», »icht ru bestreuen, und wir sird auch der Ueberzeugung, daß sich ansire Freunde der Nothwendigkeit bewogt sind, bei ter Wahl znu'cheu Freisinnigen und SsuNtemekrarrn mtt aller Ärr : für erstere ernzurreren. kaß dies mit Bereist eräug geschieht, kann niemand »erlangen, aber darauf saunst es ja auch nicht an, sondern nur, daß man das chut, was man alS feine Schuldigkeit ersannt hrr. Wir sind uns habe nicht im Unklare» darüber, daß die «erhärt gedä 'ige 8rf, mit welcher der Freisinn den Wahl- kamp' gefüllt hat, wir erirmer» nur an dir schmählichen Perdachngungen des Borsirndes des Sinnes der L«d- wirche, bei melen von unsern Freunden eine so große Er- bitteruag, einen so tiefen Lösche» benorgerafeu hat, daß es der größten Ueberwindung bedürfe» wird, um sie für den Freisinn an die Urne zu bringen. Den» in eiazelae» Kreife», wo der Kampf am müdesten getobt hat, wo von gegnerischer Seite die giftigsten St^en Verwendung ge» bunden haben, uicht alle Wähler des Mittelstandes den Evtschlaß fassen können, für ihren schlimmsten Gegner ein» pürete», so hätte sich das der Freisinn selbst zazafchreiben, der daraus die Lehre riehen könnte, daß auch im Wahl»
Fauilletsn
'Schütztnftü in Aschaffenburg.
(Sig«»bericht bt» .Hanaarr Anzeiger').
Aschaffenburg, 19. Zuai.
Das herrliche Städtchen Aschaffenburg, das bei uns mannigfacher Vorzüge halber in so gutem Rufe steht, hat einen Festschmuck angelegt, der zu dem natürlichen Schmuck der vielen Schönheiten der Stadt in angenehmem Kontraste steht. Was bisher an Jubiläen und Erinnerung-festen ge boten wurde — und es war in den letzten Jahren durchaus nicht wenig — das Haken die Aschaffenbarger Schützen diesmal übertrumpft, denn sie haben den Avloß zu ihrem Feste wett, weit hergeholt au- dem 15. Jahrhundert, wo noch die derbe, wuchtige Armbrust bestimmt war, den verderbenbringenden Pfeil zu entsenden. Eine virr-underlfünfzigjährige Zub'läumsfeftr eiert Schützeusverems — das burte io leicht kein Verein nachwachen, denn in der Zeit wo die Buch- brmferfunft unb das Schießpvloer gerade «fingen ihren Einfluß geltend zu machen, ist erwiesene maßen das Gründen »on Vereine» noch nicht so sehr in der Mode gewesen wie Heulcumge. Es ist eine gewaltige Spanne Z-it, vier und ein halbes Jahrhundert und die Stürme, die während dieser Zeit das Land durchsegln», hätten wohl mehr als einmal aus gereuet, auch die oitbejle Schützengesellschaft aus den ^ugen zu heben. Aber die braven Aschaffenburger hielten Stand unb man braucht die böswillige Verleumdung, daß das bayrische 8iet ein fürtreffliches V^nvem-ael sei, gar nicht zu glauben, am sich recht herzlich über diele feste Veflänvigünt zu freuen.
Denn man dem vollgepfropften Zage entanoHen war and fröhlicher Hoffnung voll den Fuß in die Stadt setzte, denn lauerte schon die Fetzfrnrnde, dieses verführerische Gespenst, an der nächsten Straßenecke und saugte sich mit tausend Fangarm er: an einem fest. Unb je weiter man in die Stadt hineinkam, um so enger fühlte man sich von chr umschlungen und ehe küre Viertelstunde verging, da fühlte man schon ganz bayerisch unb lobte die Gründung der L priv. Schützen- gesellschaft alS die segensreichste That des scheidenden Mittel- alterS. In» Morgenwind wehten die blau-weißen Fahnen, n die sich auch nicht allzu oft eine schwarz-weiß-rothe möchte; von Haus zu HauS, von Fenster zu Fenster ziehen sich grüne Guirlanden und Blumenkränze unb durch die Straßen wogt eine festlich gestimmte Menge, die bald mit dem reichen Schmuck der Täufer liebäugelt, bald aufmerksam und begeistert auf bie dampfen Schläge horch:, die von dem Anstich ewe» frischen Faste- untrüglich Zeugniß geben. In allen Wirthschafte» — Afchaffenbm g tat daran feinen Mangel — entwickelt sich schon in frühester Margen "htitbe ein regeS Leben. Fkmke Mädels im kleidsamen Kostüme ber bekannte« Echützenl,e-l huschen gewandt durch die gedrängt« Schaar der Gäste unb tragen nicht dazu bei, die Trinklast der erwartungssollen Festthetlaehmer etn^ubärmra. Die Züge bringen fortwährend neue Zuftrhrev von ^Men auS allen Himmel-richmv gm und das Treiben and Trän gen auf den Straße« wirb immer flärkrr Hier unb da netze» kleine Trupp» in der hübsche« grünen Tracht ber Schütze« durch die Stadt unb das fröhliche Schwenke« der NUHüre unb die übermüthige» Zurufe verrathe«, daß sich auch unter den grünen Röcke« 'chon bte Festsiimmang dngenftet hat. Allmählich hüben sich in den Haapistraßev schwarze r»altere aus Menschen jederlei Art and an »en geschmückten Fenstern geigen sich erwartungsvolle Gesichter unb zarte Hände ordnen z^chästig die Blume« zum Gruß ^r die schütze». ^ine
allgemeine Bewegnng macht sich bemerkbar, ein Flüstern Rufen, Ricken und Strecken der Köpfe and ferne Trompetea- :5ne kündigen den herannahenden Festjag an.
Jetzt bewegt er sich langsam daher. Eia Ruf der Ueber» raschln»g und Bewunderung begleitet den Zag unb man sieht I gar bald, wie sehr diese Stufe berechtigt siad.
Die erste Gruppe bildet den glänzendste» Theil des Zage». Sie veranschaulicht die feierliche Einholung des Grafen unb dürften Hermann VIII. z« Herrn«berg und beffen Braat ! Elffabeih von Brandenburg nebst Gefolge gelegentlich ihrer Vermählung, bte im Jahre 1491 in Aschafienbvrg stattfand. Geführt wird die Gruppe durch die Räthe ber Stadt im reichen SaunnNalare, durch die Schützen unb die verschiedenen Züofte i» ihrer damalige» kleidsame» Tracht. Diesevr schließt sich das Gefolge zu Werd an, bestehend aus einer «°M EdelftäuleinS und Grches. Diese boten in ihrer überas» geschmackvollen und kostbare« Kleidung and durch das oer- räsduißyolle Arrangement ein äußerst prächtiges Bild, tote es wohl fetten in einem derartige» Fest zag gesehen warbt. Unter hahem Baldachin i::en bie Berat unb der Bräutigam, geleitet von Pagen unb «del- knavven, and servollständigtm die herrliche Gruppe. Sehr schön wirkte bei diesem Theile de» Zages die klangvolle Musik ter Holzbläser, dir sich dem hisivrsichcn Gepräge ter Grapire oortreffTüh anpaßte.
Sehr -ffektvoll war bie Schüpeugilde bargestellt, in welcher eine Anzahl brandenbargischer Lanzenreiter durch be 'ander- wirksame Kleidung autsielen. Bte Armbrustschützen mit hrem Hanvtmann und Fahnenträger hotten in Kostüm und Arrangement einen guten Geschmack bewiesen und ernteten -iel Beifall.
Die Zünfte waren durchweg originell »ertreten. Da waren Mrst die Bäcker bte auf ihrem Sagen ein schmuckes Back- Haus mit angefügter Deinlaube errichtet ha *n trab bie