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Erstes Blatt.

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Erftheittt täglich mit AMsahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 139.

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UMLiches.

^anO&rei^ ^anau.

NekanutWachuugek des Königlichen Landrathsamtes.

Der Gerichtsvollzieheramtsanwärter Georg Schuhmann aus Offenbach ist zum Vollziehungsbeamten der Gemeinden bestellt und von mir verpflichtet worden.

Hanau am 17. Juni 1898.

Der Königliche Landrath

A. 2566 v. Schenck.

Dienstiiachiichtcn aus dem Kreise.

Gefunden: Ein schwarzes Cigarrenetuis.

Hanau am 18. Juni 1898.

Slcrölk^eis ^anau.

MrLrWtWüchMMA des Oberbürgermeisteramtes.

Da am 1. Juli d. I. mit der Verlegung der Kabel des Elektrizitätswerkes begonnen werden soll und die Herstellung der Hausanschlüsse nach dem jeweiligen Fortschreiten der Kabelverlegung vorgenommen werden muß, so werden die Hausanschlüsse derjenigen Häuser, deren Besitzer definitive Anschlüsse angemeldet haben oder bis zum 1. Juli d. J. anmelden werden, durch die Stadt ausgeführt werden.

Hanau den 2. Juni 1898.

Der Magistrat

vr. Gebeschus. 8401

Verpachtung eines Wirth- schafts-Etablissements.

Das 2V2 km von Hanau und 14 km von Frankfurt a/M. an der Frankfurt-Hanauer Eisenbahn (Station Wil­helmsbad) gelegene, mit schönem Park umgebene domänen- fiskalische Wirthschafts-Etablissement Wilhelmsbad, bestehend aus der sog. großen und kleinen Wirthschaft nebst komfortablen Logierhäusern, entsprechenden Nebengebäuden und 47 a 17 qm Gemüsegarten, soll mit dem zugehörigen Mo­biliar anderweit vom 1. April 1899 ab auf sechs oder zwölf Jahre öffentlich meistbietend verpachtet werden.

Termin hierzu ist auf Montag den 27. Juni d. Js., vormittags 10 Uhr, an Ort und Stelle und zwar in das Parterrezimmer rechts in der großen Wirth­schaft anberaumt.

Der bisherige Pachtzins betrug jährlich 3275 M.

Zur Uebernahme der Pachtung wird ein disponibles Ver­mögen von 36 000 Mark erfordert und es haben Pacht­bewerber über den Besitz eines solchen, sowie über ihre per­sönliche Qualifikation zum Wirthschaftsbetriebe, durch glaub­hafte Zeugnisse sich im Termin auszuweisen.

Die Pachtbedingungen werden im Termin vorgelesen, können aber schon vorher im Büreau des Königlichen Domäuen- Rentamts Frohnhof Nr. 4 dahier eingeschen oder von da gegen Erstattung der Schreibgebühren bezogen werden.

Die Vorzeigung der Pachtobjekte kann, nach vorausge­gangener Anmeldung, durch den Königlichen Schloßgärtner Bauer in Wilhelmsbad jederzeit erfolgen.

Gewünscht werdende weitere Auskunft wird von dem Unterzeichneten ertheilt.

Hanau am 5. Juni 1898.

Der Königliche Domänenrath

Bell. 8575

Die Lage der Reichsfinanzen.

Am 15. d. M. findet der Finalabschluß sowohl in der Reichshauptkosse als als in der preußischen Generalstaatskasse statt. Das Ist-Ergebniß des Finanzjahres 1897/98 für das Reich wie für Preußen wird daher in Kurzem feststehen. Wädreud für Preußen nach alter Uebung die betreffenden Zahlen erst bei der Vorlegung des nächstjährigen Etats mit­getheilt werden und man bis dahin auf die dem Landtage mitgetheilten Schätzungen, nach denen das Finanzjahr 1897/98 für Preußen wiederum ein glänzendes ist, angewiesen bleibt, findet für das Reich regelmäßig die Veröffentlichung des Jahresabschlusses statt. Auch gestatten die regelmäßigen Mit­theilungen über die Erträge der wichtigsten Einnahmen des Reichs schon vor der Veröffentlichung des Abschlusses em einigermaßen sicheres Urtheil über die Ergebnisse desselben, obwohl zu einem ganz vollständigen Bilde das Verhältniß

Die heutige N

Samstag den 18. Juni

der Jstausgaben zu dem Elatsansatze von Ersparungcn und Etatsüberschreitungen fehlt.

Die letzt bekannt gegebenen endgültigen Zahlen über die Erträge der Zölle und Verbrauchsabgaben, der Stempel­steuer sowie der Post- nnd Eisenbahnvtrwaltung liefern den zahlenmäßigen Beweis, daß die Finanzen des Reichs sich in außerordentlich günstiger Lage, seine Einnahmen zugleich in stetig aufsteigender Bewegung sich befinden. Die für Rech­nung des Reichs erhobenen Verbrauchsabgaben haben, trotz­dem die Zuckersteuer hinter dem ausnahmsweise hohen Er­trage des Jahres 1896/97 um einiges zurückgeblieben war, im Ganzen beinah 9Va Millionen mehr eingebracht, als im Etat vorgesehen ist und die Post- und Telegraphenverwaltung, sowie die Eisenbahnverwaltung haben gegen den Etat eine Mehreinnahme von zusammen über 151/» Millionen Mark geliefert.

Noch günstiger ist die Entwickelung der der Klausel Frankenstein unterliegenden Zölle, Verbrauchs- und Stempel­steuern. Diese haben nach Abzug der dem Reiche verbleiben­den 134 Millionen aus dem Ertrage der Zölle und Steuern nicht weniger als 470,3 Millionen Mark eingebracht, während der Etat Ueberweisungen nur in Höhe von 404 Millionen Mark vorsieht. Mithin sind über 66 Millionen Mark mehr aus diesen Einnahmequellen gefloffen als bei Aufstellung des Etats veranschlagt ist und die Bundesstaaten würden, wenn die Klausel Frankenstein noch unvermindert in Kraft stände, statt des im Etat vorgesehenen Ueberschusses der Matrikular- umlagen von rund 18 Millionen Mark eine Summe von über 48 Millionen Mark mehr vom Reiche erhalten, als sie infolge von Matrikularumlagen an dasselbe zu entrichten haben. Bekanntlich verbleiben ihnen aber von diesem Be­trage nach dem Reichspnanzgesetz vom vorigen Jahre nur 25 Prozent, während 75 Prozent zum Zwecke der Schulden­tilgung von der Reichskasse eingezogen werden. Der überaus günstige Eindruck, welchen man nach diesen Zahlen von der Entwickelung der Einnahmen des Reiches gewinnt, wird noch erhöht durch den Umstand, daß die hohen Erträge der Zölle erzielt sind, obwohl die Getreidezölle infolge der Verminderung der Getreideeinfuhr weit hinter dem Durchschnitt zurückge­blieben waren.

Die Jstergebmsse der Einnahmeerträge des Reiches für 1897/98 liefern sonach den schlagenden Beweis, daß das Reich finanziell durchaus in der Lage ist, ohne die Er­schließung neuer Einnahmequellen auch die erhöhten Ausgaben für die Flotte zu bestreiten, sofern nur Frieden bleibt und das deutsche Erwerbsleben sich in gedeihlicher Weise fortent­wickeln kann. So sehen wir auch diesen für die Wohlfahrt des Reiches wie der einzelnen Glieder desselben so überaus wichtigen Faktor der Finanzen nach Ablauf des ersten Jahr­zehnts der Regierung Kaiser Wilhelms II. in glänzender Entwickelung, die um so befriedigender ist, als trotz der großen Aufwendungen, welche zu Zwecken der Landesvertheidigung, der Kultur, der Aufbesserung der Lage der Reichsbeamten, der Erweiterung und Erschließung der Absatzgebiete des deutschen Erwerbslebens in diesen zehn Jahren gemacht sind, keine erhöhten Ansprüche an die Steuerkeaft des deutschen Volkes gestellt werden mußten.

Tsgesschan.

Die Reichstagswahlen im Reiche. Soweit man das Wahlergebniß bisher übersehen kann, ist ein erhebliches Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen zu verzeichnen, eine außerordentlich große Zahl von Stichwahlen wird er­forderlich sein, und erst ihr Ausfall kann ein treffendes Bild des Wahlergebnisses bieten. Bereits fitzt liegen weit über 150 Stichwahlen vor. Von den ländlichen Wahlkreisen ist naturgemäß roch fast gar nichts zu hören. Das Centrum behauptet im Wesentlichen seinen Besitzstand am Rhein, in Westfalen, in Schlesien und in Württemberg. Aus Bayern liegen die Meldungen noch nicht vollständig vor. In Baden hat es um die Mehrheit seiner dortigen Sitze in den Stich­wahlen theils mit den Nationalliberalen, theils mit den Sozialdemokraten zu kämpfen. Seine Aussichten bei diesen Stichwahlen sind günstig. Jedenfalls kehrt das Centrum als stärkste Partei und in kaum verminderter Stärke in den Reichstag zurück. Bei den Konservativen und der Reichspartei läßt sich, da die Hauptstmke dieser beiden Parteien in den langausgedehnten, ländlichen Kreisen liegt, in denen die Stimmenzählung die längste Zeit in Anspruch nimmt, die Gewinn- und Verlustliste noch am wenigsten übersehen. Die Konservativen werden zweifellos ihre Sitze in Ostpreußen und Pommern zum größten Theil behaupten, immer umfaßt außer dem UnterIjaltungel

1898

Verloren ist für die Konservativen Hanau, das die Sozial­demokraten erobert haben, und Rostock, das früher von dem jetzigen Kolonialdirektor von Buchka vertreten war und wo jetzt Freisinnige und Sozialdemokraten in die Stichwahl kommen. Die Reichspartei behält ihre Führer Freiherrn von Stumm, Grafen Arnim und von Kardorff und erhielt in Herrn Dr. Arendt, der zum ersten Male in den Reichstag gewählt ist, eine frische Kraft, die sich im preußischen Abgeordneten­haus oft bewährt hat. Die Nationalliberalen sind nicht zusammengebrochen, wie ihre Feinde vorausgesagt haben. Wenn auch zunächst nicht viele Nationalliberale gewählt sind, so ist die Partei doch an einer großen Amahl von Stich­wahlen mit durchaus günstigen Aussichten betheitigt. Verloren ist für die Nationalliberalen Flensburg, wo Sozialdemokraten und Antisemiten in die Stichwahl kommen, und Stutt­gart, das von den Sozialdemokraten erobert worden ist. Die Freisinnigen scheinen vorläufig die Kosten des ganzen Wahlfeldzuges zu tragen. Sie verlieren 8 Sitze, kommen aber ebenfalls in eine große Zahl aussichtsreicher Stichwahlen, aus denen sie noch Trümmer ihrer einstigen Pracht retten kann. Weder Herr Richter noch Herr R i ck e r t sind bis jetzt aus der Urne hervorgegangen. Beide müssen mit dem Sozialdemokraten in der Stichwahl um den Reichstagssitz ringen und können nur durch Hilfe der ange- feindeten und verlästerten rechtsstehenden Parteien den Sieg erlangen. Ihnen, die stets mit der Sozialdemokratie paktirt haben, kommt jetzt die Politik der Sammlung gegen die Sozialdemokratie zu gute, das ist eine der seltsamen Erscheinungen, welche die Wahlen bieten. Nur ein Mitglied der Freisinnigen Vereinigung ist bisher gewählt worden, Herr Freese in Bremen. Sonst ist der Freisinn auf die Unterstützung der Sozialdemokratie und der rechtsstehenden Parteieu in den Stichwahlen angewiesen, eine beneidenswerthe politische Stellung für eine Partei! Ganz ohne Mandat und ohne Stichwahl ist bis jetzt die jüngste Partei, der nationale Sozialismus des Herrn Naumann. In Frankfurt wie in Jena hat Herr Naumann ohne Erfolg kandidirt; er hat mit seinem Einigungswerk" vollständig Fiasko gemacht und scheinbar lediglich für die Socialdemokratie gearbeitet.

Sozialdemokratisches Denunziantenthum. Die soziatoemokratischeVolksstimme" schreibt unter Frankfurt, 17. d. Mts.:Als Unikum für Gewerkschaftsmitglieder kann es bezeichnet werden, daß sich bei dem gestrigen Riesen-Wahlkampf noch Elemente gefunden haben, welche sich in den Dienst des Kuddelmuddels" gestellt haben, indem sie im Wahlbureau in der Alemaonia Wahldieuste verrichteten. Angesichts des großen Kampfes, wo jeder Einzelne seine ganze Kraft der Sache der Freiheit zur Verfügung stellen sollte, wagen es solche Jämmerlinge, der Arbeitersache in den Rücken zu fallen. Es ist unsere Pflicht, diese Helden gebührend der Oeffentlich- keit nicht vorzuenthalten. ES sind dies die HerrenAuch Gewerkschafter" Schriftsetzer Th. und H. bei Voigt u. Glei- ber." Mit Recht bemerkt hierzu dasFr. Journ.":Das ist die Auffassung der Männer des ZukunftsstaatS über die persönliche Freiheit. Nach der Auffassung dieser kleinen Tyrannenieelchen haben die 25 000 organistrten Buchdrucker sich ohne Murren der sozialdemokratischen Zwingherrschaft zu beugen, widrigenfalls man sie chikanirt und denunzirt, um ihnen das Leben sauer zu machen. Wehe dem, der eine eigene Meinung hat. Das sind die stolzen Sieger von gestern. Zur Sache selbst können wir dem sozialdemokratischen Blatte verrathen, daß die beiden bei der Gewerkschaft denunzirten Jämmerlinge" fälschlich angeklagt sind, denn sie haben in der Alemannia nur ihre Neugierde befriedigt, um as Wahl­ergebniß zu erfahren."

Der Zufammenbrnch des Getreideschwindels. Endlich scheint mit dem definitiven Zusammenbruch der Leiter'- schen Spekulation die Episode künstlicher Bewegungen der Getreidepreise ihren Abschluß erreicht zu haben ; selbst die Weizenpreise, welche vor Monatsfrist in Berlin die unge­wöhnliche Höhe von 250 bis 260 Mark erreicht hatten, stehen jetzt wieder auf einem Niveau, welches erheblich hinter den Weizenpreisen von 1891 zurückbleibt, und der Roggenpreis, welcher niemals eine außergewöhnliche Höhe erreicht hatte, ist heute auf einen kaum mehr mittleren Stand zurückgesunken. Die Entwickelung der Dinge beweist zunächst, wie richtig es war, daß die Reichsregierung sich gegenüber dem Drucke von sozialdemokratischer und freisinniger Seite nicht zur Suspm- dirung der Getreidezölle bewegen ließ; sie beweist ferner aber auch, in welchem Maße ganz andere Momente als die Ge­treidezölle auf die Preisbildung des Getreides einwirken, und wie völlig unrichtig die von freihändlerischer Seite aufgestellte last 14 Seiten.