Mtt«e»e«t».
Preis:
Hihrlich 9 * Mährl. 4 JK 50 4.
Vierteljährlich 8 X 25 ^5.
AGr auswärtige Bäumten mit dem hÄvesfmdm MAaufschlag.
Ke einzelne
Nummer kostet
16 4.
Amtliches Grgsn für Slaöl- unö LsnöKreis Hmiau.
•ixrSfs*fl» gebühr
für Stadt- und LvO> kreis Hanau 10 4* 4gespaltene Garmond zeile oder der« R«W, für AuSwärtS 15 £
Im Reklamemhea die Zeile 20 W
Auswärts 30 ^
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Montag den 6. Juni
Dienstnachrichtcn aus dem Kreise.
Gesunden: Eine Velozipedluftpumpe. Ein Sack Kartoffeln, ca. 150 Psd. Inhalt; Empfangnahme beim Herrn Gutsvorsteher zu Pulverfabrik. Eine wollene Pferdedecke auf der Straße zwischen Mittelbuchen und Kilianstädten; Em- pfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Kilianstädten. Ein Hundertmarkschein; Empfangnahme bei Herrn Johannes Köhler X. zu Hüttengesäß. Ein neues weißes Taschentuch. Ein schwarzer Damenregenschirm mit kleinem weißen Horngriff.
Hanau am 6. Juni 1898.
Die Bedeutung der Landwirthschaft und der Industrie in Deutschland.
Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht Dr. Ballod im neuesten Hest von Schmoller's „Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirthschaft" eine eingehende und interessante Abhandlung, in welcher er zu der Frage, ob und inwieweit Deutschland ein Industriestaat sei, ein reiches statistisches Material in so sachkundiger Weise, wie wenige Andere, zu liefern weiß. Vermag er mangels einer vollständigen Produktionsstatistik auch nur annähernd festzustelle«, welche Werthe die Industrie einerseits, die Landwirthschaft andererseits hervorbringt, wieviel also eine jede zum Nationaleinkommen beiträgt, so lohnt es sich doch, einige der wichtigsten Resultate hier kurz mitzulheilen.
Nach einen Hinweis auf die Ergebnisse der Berufszählung vom 14. Juni 1895, nach denen die industrielle und die landwirthschastliche Bevölkerung Deutschlands sich ungefähr die Wagschale halten, die Gesammtziffer der agrarischen Bevölkerung zwar eine etwas geringere als die der industriellen (18,5 gegen 20,2 Millionen), die Zahl der Erwerbsthätigen aber nahezu die gleiche ist (8,292 gegen 8,281 Millionen) und dabei die Landwirthschaft 1,049 Millionen Erwerbs- thätige, die noch einen Nebenberuf ausübten, die Industrie dagegen 1,491 Millionen zählte, — folgen zahlenmäßige Erörterungen des Getreidekonfums im Deutschen Reiche, der im Durchschnitt der Jahre 1879/84 315,8 kg in den vier Jahren 1894/97 dagegen 382,5 kg auf den Kopf der Bevölkerung betrug, des Einfuhrbedarfs an Lebensmitteln und Rohstoffen, sowie des gesammten auswärtigen Handels des Reiches. Dabei sind drei Gruppen von Ländern unterschieben, mit denen Deutschland im Waarenaustausch steht: diejenigen, aus denen vorwiegend Nahrungs- und Genußmittel sowie Rohstoffe eingeführt werden (Rußland, Vereinigte Staaten von Amerika, Australien, Britisch-Ostindien, Britisch-Nord- amerika, Kapland, Brasilien, Agentinien, Niederländisch-Ost- indien), die vorwiegend Jndustriegegenstände und Halbfabrikate liefernden Staaten (Großbritannien, Frankreich, Belgien, Niederlande, Schweiz) und die Länder mit gemischtem Waarenumptz (Oesterreich, Italien). Für das Triennium 1893/95 berechnet der Verfasser an der Hand der amtlichen Reichsstatistik, deß der Handelsumsatz mit den Nahrungsstaaten sich nur auf 6,8 Milliarden, derjenige mit den Industriestaaten auf 8,4 und der Waarenaustausch mit Oesterreich und Italien auf 3,6 Milliarden Mark belief. Weiter stellt er fest, daß die gesammte Ausfuhr Deutschlands an Fabrikaten in den Jahren 1894/96 allerdings 2584 Millionen Mark im Mittel betrug, daß dieser Gesammtausfuhr jedoch eine Einfuhr von 1308 Millionen Mark an Fabrikaten, Metallen und einfach bearbeiteten Gegenständen gezenüberstand, die gesammte Mehrausfuhr von Industrie-Erzeugnissen einschließlich der Rohstoffe sich daher nur auf 1330 Mill. Mark im jährlichen Durchschnitt belief, daß dieselbe nur eine Werth- vermehrung von ca. 1000 Mill. Mark bedeutet, daß zur Deckung des Betrages der Mehreinfuhr an fremden Rohstoffen und Nahrungsmitteln (2159,6 Mill. Mark im Durchschnitt der drei Jahre) die von der deutschen Industrie erzeugten Werthe nur zu etwa 57°/g ansreichlen und der Rest von im Auslande angelegten Kapitalien, Rhederei und Handelsgewinn, sowie zu etwa 5 bis 6°/o aus der heimischen Landwirthschaft (Zuckerrüben) gedeckt werden mußte. Die Zahl der vom gesammten Export beschäftigten Industriearbeiter berechnet Ballod nach der Statistik der Unfallversicherung auf ca. 2 Millionen, 1k aller in der deutschen Industrie Erwerbsthätigen, und die Zahl der für die Mehraussuhr thätigen Arbeiter nur auf etwa 1 Million, Vs—V« der deutschen Industriearbeiter. „So wichtig daher", folgert der Verfasser aus den vorstehenden Zahlen, „auch der Export ins Ausland ist, eine ausschlaggebende Bedeutung besitzt der Mehrexport von industriellen Erzeugnissen keineswegs, und es ist fraglich, ob er sie je besitzen wird." Er müsse an Bedeutung verlieren, je mehr sich die vorwiegend Nahrungs- und Ge
nußmittel liefernden Länder der Industrie zuwendeten. Nach den Nahrungsstaaten habe Deutschland 1892/95 im Mittel für 808 Millionen Mark weniger Waaren ausgeführt, als es von ihnen empfargen habe. Die Befürchtung aber, eine fortschreitende industrielle Entwicklung dieser Staaten könnte es schließlich dazu bringe«, daß sie ihre Schulden abstoßen und bei erheblicher Zunahme ihrer Bevölkerung keine Nahrungsmittel mehr ausführen oder solche nur zu exorbitanten Preisen liefern, sei durchaus nicht unbegründet, wenn auch für die nächste Jahrzehnte ein solches Zurückfließen der Kapitalien aus den Nahrungsstaaten noch keine akute Frage sei. Ballod sieht für Deutschland nur zwei Wege, auf denen dieser Gefahr vorgebeugt werden könne: Schließung eines Zollbundes mit den in der gemäßigten Zone gelegenen Ländern Süd-Amerikas oder Hebung der inländischen Nahrungsmittel-Produktion, damit sie wieder in stärkerem Maße für die einheimische Bevölkerung ausreiche.
Durch eingehende Berechnung sucht dann Ballod annäherungsweise festzustellen, welche Methode die deutsche Industrie, welche die Landwirthschaft hervorbringt und in welchem Grade eine jede durch die Einfuhrzölle subventionirt wird. Den Gesammtwerth der landwirthschaftlichen Produkte, soweit dieselben für menschliche Ernährung in Betracht kommen, berechnet er an der Hand des vorhandenen statistischen Materials für das Triennium 1894/95—1896/97, wie folgt: Brodgetreide und Braugerste im jährlichen Durchschnitt 1350 Millionen Mark, Kartoffeln 350, Kartoffeln und Getreide zur Brennerei 85, Zuckerrüben 240, Fleisch 1800, Milch und Milchprodukte 1600, Produkte des Ackerbaus 350, ins gesammt 5775 Millionen Mark. Den Werth der Wolle von den 13 Millionen Schafen ich ätzt er aus 40—50 Millionen Mark, den der Handelsgewächse Hanf, Flachs, Raps, Rübsen auf 150 Millionen Mark und den Ertrag der deutschen Forsten auf 500—550 Millionen Mark. Land- und Forstwirthschaft zusammen würden demnach im Mittel der drei Jahre ca. 6500 Millionen Mark an Werthen erzeugt haben, von denen Produkte für mindestens rund 4 Milliarden Mark von der landwirthschaftlichen an die übrige Bevölkerung verkauft worden sein müßten. Die Werthsteigerung, bezw. der Verdienst von Müllern, Bäckern, Zwischenhändlern von Mehl und Fleischern betrug nach Ballod ca. 1300 Mark, also mehr, als der oben erwähnte gesammte Mehrexyort eingebracht bat. An Bier wurden in Deutschland 1895/96 ca. 60,6 Millionen Hektoliter im Werthe von etwa 970 Millionen Mark erzeugt, von dem ca. 300 Mill. Mark die Rohstoffe und Steuern absorbirten, an Branntwein ca. 2,8 Mill. Hektoliter absolute« Alkohols im Werthe von 220—240 Mill. Mark inkl. Steuern, Zucker im Werthe von etwa 300 Mill. Mark nach Abzug der Steuer. Unter Hinzurechnung der aus dem Auslande eingeführten Nahrungsmittel im Betrage von einer Milliarde Mark und der von der landwirthschaftlichen Bevölkerung selbst verzehrten Lebensmittel ^xk Milliarden Mark) würde demnach der Gesammtwerth der Nahrungsmittel im jährlichen Durchschnitt 9,5 Milliarden Mark betragen, wovon 8,5 Milliarden auf einheimische Produkte entfielen. Hierzu käme noch der Aufschlag der Detailhändler und Gastwirthschaften in Höhe von 1 Milliarde Mark. Den Gesammtwerth der industriellen Erzeugnisse berechnet Ballod auf 10—11 Milliarden Mark im Mittel; bringt man aber davon die auf die Nahrungs- mittelindustrie entfallende« ca. 2,5 Milliarden Mark in Abzug, so verbleiben als Werth der sonstigen industriellen Er- zeugnisse nur 7,5—8,5 Milliarden Mark. Somit ergibt sich als Endresultat, daß einem Nahrungsmittelwerth von 9,5 (mit Einschluß der iwportirten Produkte) bezw. 8,5 Milliarden Mark (ohne die eingeführten Nahrungsmittel) ein Gesammtwerth der sonstigen industriellen Erzeugnisse von 7,5 bis 8,5 Milliarden Mark gegenübersteht. „Alles in allem genommen, wird daher", glaubt der Verfasser behaupten zu können, „gegenwärtig die einheimische Landwirthschaft plus Nahrungsmittelindustrie mindestens dieselben Werthe hervorbringen wie die gesammte übrige Industrie und dabei von einer stärkeren Begünstigung der Landwirthschaft durch Schutzzölle keine Rede sein können, eher umgekehrt."
Nach dieser Abwägung der Leistungen der Industrie und der Landwirthschaft in Deutschland geht Ballod zur Erörterung der Frage über, wie die Massen der anwachsenden Be, völkerung unterzubringen seien. Er beantwortet dieselbe dahin: soweit die Erwerbung von Ackerbaukolonien, in denen Deutschland einen Theil des Neberschufies seiner Bevölkerung absetzen und dabei seinen Industrie«xport erweitern könnte, oder ein Zollbund mit Nahrungsstaaten nicht zu erlangen sei, bleibe für das Reich nur die „Pflege des inneren Marktes" übrig, der Versuch, durch Hebung der Kauf
kraft der landwirthschaftlichen Bevölkerung den Anreiz zu einer Mehrproduktion von Lebensmitteln zu geben. Die erste Bedingung dieser Pflege des inneren MarkteS seien die landwirthschaftlichen Schutzzölle. „In Deutschland ist heute und wohl so lange, als die Schutzzölle nicht erniedrigt werden, eine Steigerung der Erträge der Landwirthschaft um das Doppelte nicht nur technisch, sondern auch wirthschaftlich möglich; wahrscheinlich ist eine schnelle Steigerung jedoch nur dann, wenn dafür ein ganz bedeutender Anreiz durch hohe Preise gegeben worden wäre, mit anderen Worten, wenn die Gewinnchance in der Landwirthschaft wenigstens für das Betriebskapital die gleiche wäre wie in der Industrie." Noch viel wichtiger aber als die Hebung der Preise für für landwirthschastliche Produkte sei die innere Kolonisation, und zwar eine Kolonisation im großen Stil, die zu einer Verdichtung der landwirthschaftlichen Bevölkerung führe. Schon Schmoller hat den Plan einer verstärkten inneren Kolonisation, Uebernahme eines Theils der verschuldeten, wirthschaftlich rückständigen Güter entwickelt. Ballod befürwortet indeß ein Dor- genen in noch umfaffeudcrrm Maße; es sei erwünscht, daß 20—30,000 Kleinbetriebe jährlich neu gegründet würden. Den Kapitalaufwand des Staats, den dieses Werk beanspruchen würde, schätzt er auf 5 Milliarden Mark. „Dafür hätte man aber die Möglichkeit, ein volles- Menschenalter hindurch erfolgreich innere Kolonisation zu treiben, eine Verdichtung der landwirthschaftlichen Bevölkerung um etwa 3k Million Kleinbetriebe und damit Mehrabsatz der Industrie im Auslande zu fördern."
Politisch« und unpolitische Nachrichten.
(Depescheu-Bulreau „Herold".)
Wien, 5. Juni. Der Reichsrath hat gestern die Antwort aus die Anfrage wegen der Grazer Vorgänge festgestellt, die morgen abgegeben werden soll. Die Antwort dürste dem Vernehmen nach die Linke unbefriedigt lassen.
Prag, 5. Juni. Mehrere hundert Sozialisten, welche gestern Abend eine Versammlung abhielten, erörterten n. a. auch, daß die tschechisch- nationalen Sozialisten den von den Anarchisten am Lipandenkmal niedergelegten Kranz zerrissen hätten. Es entstand eine große Erregung. Die Versammlung zog vor das Haus der „Narodny Listy" und demolirte mit Steinen, Stöcken rc. das Parterre des Gebäudes. Auch die in den Räumen arbeitenden Personen wurden mit Steinen beworfen. Erst einem telephonisch herbeigerufenen Polizeiaufgebot gelang es, die Menge auseinander zu treiben. Es kam hierbei zu zahlreichen Verletzungen, auch eine Reihe von Verhaftungen wurde vorgenommen. Im Laufe der Nacht kam es noch mehrfach zu erheblichen Zusammenstößen.
Rom, 5. Juni. Die Regierung läßt das Gerücht von einer beabsichtigten Erhöhung der Rentensteuer kategorisch dementiren.
Chiasso, 5. Juni. In Vercclli wurden gestern 50 Landleute, Männer und Frauen, gefesselt eingebracht. Eine Militäreskorte mit geladenen Gewehren begleitete den Transport.
Brüssel, 5. Juni. Die internationale Zuckerkonferenz tritt am Dienstag im belgischen Auswärtigen Amt zusammen. Deutschland, England, Frankreich, Oesterreich-Ungarn, Belgien, Portugal, Rußland und Schweden sind vertreten. Es ist Geheimhaltung der Berathungen beschlossen worden.
Paris, 5. Juni. Der deutsche Botschafter widerlegt im „Figaro" das Gerücht, wonach der zur Zeit in Paris weilende Reichskanzler Fürst Hohenlohe mehreren Personen gegenüber die Absicht geäußert habe, zurückzutreten.
Lonvott, 5. Juni. John Morlep dementirt das Gerücht seines Uebertritts zum Katholizismus.
Madrid, 5. Juni. Die Regierung erhielt offizielle Nachrichten über den Kampf vor Santiago. Danach war das spanische Torpedoboot, welches den „Merrimac" zum Sinken brächte, an der Einfahrt des Hafens von Santiago postirt. Von der Besatzung des Schiffes wurde ein Offizier und sieben Soldaten gefangen genommen. Sagasta äußerte sich einem Korrespondenten gegenüber, daß der Kampf für Spanien einen bedeutenden Erfolg darstelle. Kein spanisches Schiff ist beschädigt. Die Schäden an den Batterien des Forts Morro sind unbedeutend. Das Wrack des in den Grund gebohrten amerikanischen Hülsskreuzers „Merrimac" hindert die spanische Flotte in ihren Bewegungen nicht. Es befindet sich zur Zeit kein amerikanisches Schiff mehr vor Santiago.
Madrid, 5. Juni. Der „Merrimac" war ein 4000 Tonnen Schiff. Andere amerikanische Dampfer waren gestern vor Tagesanbruch vor Santiago sichtbar. In großer Ent-