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Mittwoch den 25. Mai

1898

^anö^rei^ ^anau.

Sekauntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Unter dem Pferdebestande des Pächters Theodor Göbels zu Mainkur ist die Pferdestaupe (Influenza) erloschen.

Hanau am 24. Mai 1898.

Der Königliche Landrath

V. 5994 v. Schenck.

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Eine silberne Cylinderuhr mit Gehäus nebst schwerer Nickelkette ohne Karabiner; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Bruchköbel. Eine gelbe Brosche mit silbernem Kopf. Ein Regenschirm nebst Herrnhut. Einige Briefmarken nebst. einem Geldstück (von der Post). Eine Wetterfahne. Ein Paar weiße Manschetten.

Verloren: Ein Sparkassenbuch Nr. 94. Eine gelbe Wagenkapsel. Eine weiße eckige Kindermütze.

Entflogen: Ein Kanarienvogel.

Zugelaufen: Ein weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen, m. Geschl. Ein schwarzer Dachshund mit brauner Schnauze und braunen Pfoten, w. Geschl.; Empfangnahme bei Maurer Konrad Stahl zu Oberdorfelden.

Hanau am 25. Mai 1898.

^tadfßrei# ^anaxt.

ZürnutMachuAge» des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.

Die für den Neubau des Elektrizitätswerks erfor­derlichen:

a. Zimmerarbeiten,

b. Dachdeckerarbeiten,

c. Spenglerarbeiten, sollen in öffentlicher Ausschreibung vergeben werden.

Die hierzu erforderlichen Unterlagen liegen für Bewerber von heute an im Stadtbauamt I, Zimmer 23 (Rathhaus), zur Einsicht aus.

Bewerber wollen ihre mit entsprechender Aufschrift „Zim­mer- rc. Arbeiten" versehene Angebote längstens bis zum Eröffnungstermin Samstag den 4. Juni d. I., vor­mittags 11 Uhr, bei oben bezeichneter Amtsstelle einreichen, woselbst um genannte Zeit die Eröffnung derselben im Beisein etwa erschienener Bieter erfolgt.

Hanau den 21. Mai 1898.

Der Magistrat

Dr. Gebeschus. 7896

Der Magistrat Dr. Gebeschus.

7897

Bekanntmachung.

Das Volksbad am Main wird in Bälde wieder eröffnet werden. Der Badeaufseher wird täglich in den Monaten: Mai von 6—9 vormittags und 2—8 nachmittags, Juni, Juli, August von 5—9 vormittags und 2—9 nachmittags, September von 6—9 vormittags und 2—7 nachmittags an dem Volksbad anwesend sein.

Wegen der erschwerten Aufsicht ist Nichterwachsenen die Benutzung des Volksbades nach 6 Uhr abends verboten.

Es wird vor dem Baden in den Stunden von morgens 9 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, sowie nach 7 bezw. 8 und 9 Uhr abends wegen mangelnder Aufsicht dringend gewarnt. Hanau den 21. Mai 1898.

Tagesschau.

Betriebssicherheit auf den deutschen Eisen- buhnen. Vor einigen Monaten fand im Reichs-Eisenbahn- amt eine Berathung von Vertretern der meist belheiligten Bundesregierungen und der MilitmVerwaltung über Maß­regeln zur Erhöhung der Betriebssicherheit auf den deutschen Eisenbahnen statt. Das Ergebniß dieser Konferenz liegt nun in einer Denkschrift vor. In dieser wird vorgeschlagen, die Betriebsordnung für die Havpteisenbahnen Deutschlands, die Bestimmungen über die Befähigung von Eisenbahn-Betriebs­beamten, die Signalordnung, die Normen für den Bau und die Ausrüstung der Haupteisenbahnen, sowie die Bahnordnung für die N.ben-Eisenbahnen zu ändern und zu ergänzen.

Poftwesen. Vom nächsten Etatsjahr ab sollen die Ge­hälter der Post- und Telegraphenbeamten in derselben Weise wie bei den meisten anderen Reichs- und Staatsbeamten vierteljährlich im voraus bezahlt werden, während sie bisher nur allmonatlich vorausbezahlt wurden. Das geschah aus dem Grunde, weil sämmtliche Reichspostanstalten wegen der

wandt haben, daß die seitens der städtischen Behörden und besonders des Magistrats beliebte öffentliche Behandlung einer Angelegenheit, die rein privaten und persönlichen Charakters gewesen, nicht zu den Aufgaben der kommunalen Körper­schaften gehöre.

Thronfolgefrage. Aus Braunschweig wird gemeldet: Die Erklärung des Staatsministers v. Otto im braunschweigi- gen Landtage, daß an maßgebender Stelle in Preußen die Auffassung obwalte, es habe sich in den thatsächlichen Ver- hältnifsen, welche dem die braunschweigische Throuerledigungs- frage betreffenden Bundesrathsbeschluß vom 21. Juli 1885 zu Grunde gelegen, nichts geändert, war welfischerseits be­mängelt und bezweifelt worden. demgegenüber veröffentlichte gestern das braunschweigische Staatsministerium in den „Amt­lichen Anzeigen" eine längere Erklärung dahingehend, daß 1. die Erklärung des Staatsministers v. Otto sich auf die Mit­theilungen von amtlicher, berufener und verantwortlicher Stelle stütze, 2. Niemand, der mit dem preußischen Staats­wesen einigermaßen bekannt, auch nur einen Augenblick zweifel­haft sein könne, daß als eine an maßgebender Stelle in Preußen obwaltende Auffassung nur eine solche bezeichnet werden könne, welche an höchster Stelle in Preußen bestehe.

Frankreich. Die 581 Abgeordneten, aus denen die am 8./22. Mai gewählte Kammer zusammengesetzt ist, zer­fallen nach einer offiziösen Aufstellung in 225 Republikaner und 45 Ralliirte, die zusammen die Regierungsmajorität ausmachen, 182 Radikale und sozialistisch Radikale, 45 Kollektivisten, 49 Monarchisten und 26 revisionistisch-antise­mitische Nationalisten. Der „Temps" schließt daraus klein­laut, es gebe in Frankreich keine absolute Majorität. Keine Partei dürfe diese beanspruchen, doch weise die der sogenann­ten Regierungsrepublikaner noch die stärkste Zahl und den größten Zusammenhang auf. Das Kabinet habe gehofft, sie werde etwa 30 neue Sitze erobern, aber die Lage bleibe die gleiche nach wie vor. So werde die Regierung auch ferner tastend mittelst Zugeständnissen vorgehen müssen, und dies habe durchaus nichts Tröstliches. Noch ungünstiger für das Kabinet Mäline wie die offiziöse Zusammenstellung lautet die folgende: Die Regierungspartei verliert endgültig 16 Sitze an die Sozialisten und Radikalen. Diese beiden Parteien besitzen in der neuen Kammer 247, Möline nur 246 An­hänger. Letzterer hängt somit vollständig von der Gnade der 58 Monarchisten ab. Die Zerbröckelung des Kabinets Mö- line nimmt bereits seinen Anfang. Wie der „Temps" mit- theilt, hat der Kolonialminister Lebon, der in Parthenay durchgefallen ist, in einer Unterredung, die er heute mit dem Ministerpräsidenten Möline hatte, diesem sein Portefeuille überreicht. Herr Möline konnte nicht umhin, auf daS Ent­lassungsgesuch einzugehen, bat aber seinen Kollegen, die Gcschäfte noch bis zum nächsten Ministerrathe weiterzu-

gewaltigen Umsätze im Geldverlehr monatlich abrechnen und weil der frühere Staatssekretär Dr. v. Stephan eine viertel­jährliche Vorausbezahlung für wirthschaftlich nicht nützlich hielt.

Oberpräfident und Stadtverordnete. Der Vor­gang zwischen dem Ober Präsidenten Graf Bismarck und dem Oberbürgermeister bei der Centenarfeier am Kaiser-Wilhelm- Denkmal, der Gegenstand öffentlicher Erörterungen in der Stadtverordnetenversammlung war, ist, wie aus Königsberg gemeldet wird, anscheinend noch nicht erledigt. Oberpräsident Graf Wilhelm Bismarck soll sich, nach der „Ostd. Presse", beschwerdeführend an den Minister mit der Begründung gc->führen.

Fenilletr»

Unsere Umgegend.

Hanau, 24. Mai.

I. Eine Wanderung in die Berge.

Wird das Wetter halten? Wird uns der Himmel in stiner bekannten Rücksichtslosigkeit wieder einen Streich spielen? — Das waren in der letzten Woche die dominiren- den Gedanken, die einem den ohnehin schon hart mitge­nommenen Schädel noch wirbliger machten und ein ohnmäch- Zer Seufzer war gewöhnlich der Schluß solch' unerfreulicher Monologe. Man hatte sich ja im Lause unseres Frühlings so sehr daran gewöhnen müssen, alle Sonnenblicke des Him­mels — die leider Gottes auch selten genug vorkamen — wit skeptischem Lächeln zu betrachten und wenn selbst die lebenslustigste Seele bei solch häufigen Enttäuschungen zu­weilen einer pessimistischen Regung Raum gab, so durfte wan ihr dies absolut nicht verübeln.

Aber diesmal hatte der viel geschmähte Himmel doch ein Öfteres Einsehen gehabt, vielleicht hatten ihn auch die zahl­losen Vorwürfe enttäuschter Menschen mürbe gemacht, — kurz, erfreuliche Thatsache war da, daß er ein andauernd freundliches Gesicht schnitt und es wäre unnutz, sich den Kopf über seine Motive zu zerbrechen.

Als diese Frage ihre glückliche Erledigung gefunden hatte, dann konnte es auch dem Kopf nicht mehr schwer fallen, ein Programm auSzuhecken, das des Himmels guter That entsprach. Und welcher Gedanke wäre da wohl eher ge­kommen als: eine Wanderung in die Berge? Der Laub­frosch hatte ja so hoffnungSfreudig die höchste Sprosse seiner Leiter erklömme» und der blaue Zeiger des Barometers war fo vielversprechend nach rechts gerückt, warum also nicht

hinaus, weit hinaus wandern in die blauen Berge, die sich

so einladend von dem Horizonte abhoben?

Ich überhörte dreist die Mahnung deS alten Goethe:

„Warum in die Ferne schweifen?

Sieh' das Gute liegt so nah —"

Denn obgleich ich eine absolute Hochachtung vor unseren ver­schiedenen hiesigen Bieren und sonstigen in der Nähe liegen­den Annehmlichkeiten und Kostbarkeiten habe — zuweilen er­wacht doch einmal der brennende Wunsch in meiner Seele, all' diesen goldenen Herrlichkeiten auf ein paar Stunden oder Tage den Rücken zu kehren und an den unverfälschten Genüssen einer fröhlichen Wald- oder Bergwanderung die Freuden des Stadtlebens zu messen. Und der Vergleich fällt nicht immer zu Gunsten der Letzteren aus!

Wie verheißungsvoll sie herübergrüßten, bte alten blauen Berqe des Spessart, wie sie sich scharf abzeichneten vom dunstlosen Horizonte! Es war, als ob hinter den Wellen­linien der Berge eine stille Freude winke, eine fitfje, rolh- wangige Freude ohne gemalte Reize und Gla§6sandschuhe man brauchte ihr nur in die Arme zu laufen und ihr den thaufrischen, rosigen Mund recht herzhaft zu ku st en ... . Aber es findet sie nicht Jeder, wenn er auch noch so ge­wissenhaft den rothen Wegezeichen an den Bäumen nachgehtz sie bleibet Manchem eine unerreichbare Fata Morgan«. $dj spreche nicht von denen, die aus dem Neuen Wirthshaus der ^wetschenschnaps oder in Kahl las Bayerische mit magischer ^anbcraewalt festhält; nein, die werden auf ihre Fa^on

auch Manche, die ihre städtischen Ge­wohnheiten und Ideen nicht an den ersten grünen Bäumen abschütteln können und die Dinge nach ihren einseitigen An­schauungen beurtheilen; denen wkb eine Wanderung in die Berge nicht die befreier.de Behaglichkeit gewähren.

Also die Berge sehen wir i« der Arne blinkn und sintemalen der große Prophet Muhammed schon die betrübende

Erfahrung machen mußte, daß die Berge nicht zu den Menschen kommen, so wollen wir gleich rüstig darauf los­wandern.

Siehe, da hat auch schon die schier endlose Umfassungs- planke der Pulverfabrik ein Ende und vor uns liegt im Hellen Morgenglanz das Neue Wirthshaus. Ein ver­stohlenes Liebäugeln, ein sekundenlanges Schwanken, dann sitzen wir drin in der schlichten Laube und geben der Hebe, die mit der klassischen Hand ein leichtes Gähnen verbirgt, unsere Wünsche kund. Bald rinnt dann auch das erste Tröpflein Nektar über unsere Lippen und wir scheiden kurz darauf.

Die Sonne blinzelt schon über den duftenden Tannen­wald und die Thautropfen blitzen in den Gräsern und Blumen und die blauen Berge stehen immer noch auf dem alten Fleck. Aber wir sind ihnen schon näher gekommen, nicht mehr lange, dann liegt der Wald hinter unS und in nicht allzuweiter Ferne erblicken unsere Augen das vielgenannte Dörfchen Alzenau. Gott sei Dank, man hat die moralische Berechtigung zu einem zweiten Frühstück, nach dem Kehle und Magen sich schon lange sehnen. Und nun kommt auch der heimliche Feind des Wanderer, das bayerische Bier, das sich oft stärker als unsere besten Vorsätze erweist und daS die gefährliche Eigenschaft hat, gerade dann am besten zu schmecken, wenn man schon lange genug hat. Aber die Kenntniß dieser That­sache bewahrt uns vor Unbedachtsamkeiten und wir sehen unS nach einer knappen Stunde am Fuße des Hahnenkamms. Der Spessart ist kein Himalaya und Gletscher sind in ihm noch nicht bemerkt worden, auch Lawinen sollen nicht über­mäßig häufig von seinen Bergen herunterkommen, aber er hat doch seine Schönheiten und seine Poesie und man braucht doch keine Lunge zu opfern, um seinen stolzen Gipfel zu er­klimmen. Das geht so gemächlich auf dem schneckenartig ge­wundenen Wege in die Höhe und ehe man sich's recht versieht,