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Erstes Blatt.

Die einzelne

Kummer kostet

10 ^.

Zugleich

Amtliches Organ für HtsSt- unö LanöKrels Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Murück««-».

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für Stadt- und Lock» kreis Hanau 10 ^<fc 4gespaltene ©anno* zeile oder deren Rmm^ für Auswärts 15 ^

Im Reklamenthetl die Zeile 20 ^, ffa

Auswärts 30 ^

Rr. 117.

Samstag den 21. Mai

1898

Hierzu

„Amtliche Beilage" Nr. 36.

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Amtliches»

§faöt&rew ^anau, WWNtWschusIr;? ses DLerMgermeißeramtes.

Bekanntmachung.

Nachdem durch Kaiserliche Verordnung vom 22. b. Mts. bestimmt worden ist, daß die Neuwahlen für den Reichstag am 16. Juni d. J3. vorzunehmen sind, setze ich auf Grund des § 2 des Reglements vom 28. Mai 1870 (Bundesgesetz^ blatt S. 275) den Tag, an welchem die Auslegung der Wählerliste zu beginnen hat,

auf den 18. Mai d. Z8.

hierdurch fest.

Berlin den 24. April 1898.

Der Minister des Innern.

Vorstehende Bekanntmachung wird mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die Wählerlisten für den Stadtbezirk Hanau vom 18. bis einschl. 27. Mai d. Js. werktäglich während der Stunden von 8—12' 2 Uhr vor­mittags und 3—6 Uhr nachmittags im Zimmer Nr. 2 des Neustädter Rathhaufes (parterre) zu Jedermanns Einsicht ausliegen.

Einsprachen sind binnen 8 Tagen nach Beginn der Auslegung bei dem Magistrat anzubringen. Nur diejenigen Personen sind zur Theilnahme an der Wahl berechtigt, welche in die Wählerliste ausgenommen sind.

Die Abgrenzung der 8 Wahlbezirke wird demnächst näher bekannt gemacht werden.

Hanau den 27. April 1898.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 6671

Da der Hebetermin für Steuern und Schulgeld bereits abgelaufen ist, wird festgesetzt, daß da, wo die Steuerzettel nicht bei Beginn des Hebetermins ausgegeben waren, die Beträge für April bis Juni 1898/99 bis spätestens 14 Tage nach Empfang der Abgabenzettel entrichtet sein müssen, da nach Ablauf dieser Zeit mit Mahnung und Zwangsvollstreckung begonnen werden muß.

Die Steuer- 2c. Beträge für die weiteren Vierteljahre können zu jeder Zeit vor Beginn der betreffenden Termine in den auf den Zetteln angegebenen Küssenstunden eingezahlt werden.

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FKmMetsn

Fritz von Uhde.

Eine Studie zu seinem 50. Geburtstage, 22. Mai.

Von Theoder Lamprecht.

(Nachdruck verboten.)

Es war im Jahre 1884, als Fritz von Uhde sein erstes religiöses Bild zur Ausstellung brächte, und damit nicht nur in ren Kreisen der Kunstfreunde, sondern auch in denen des großen Publikums eine lebhafte Erregung hervorrief. Es war damals eine kritische Zeit für die Kunst. Das Gefühl, daß die Gedankenwelr und der Stoffkreis der älteren Malerei allmählich erstarre, machte sich mehr und mehr geltend; die Versuche aber, in die Malerei neue Prinzipien und Gedanken einzuführen, waren auserhalb der Künstlerkreise noch kaum bekannt geworden. So hatte man damals für die Kunst nur ein laues Interesse und eine keineswegs sehr hoffnungsvolle Stimmung übrig. In dies Stillleben schlug Uhse's „Lasset die Kindlein zu mir kommen" wie eine Bombe ein. Denn da war wieder ein Bild, das mit starker Stimme zu btn Herzen sprach, das die Gedanken und Empfindungen tief aufwühlte, und das zugleich durch seine, konsequent moderne Malweise die allgemeine Aufmerksamkeit auf den sich bil­denden neuen malerischen Stil mit Gewalt hinlenkte. An­erkennung vnd Achtung wurde dem Bilde eigentlich von keiner Seite versagt, über sein Wesen und seine Berech­tigung aber entspannen sich heftige, ja leidenschaftliche Er­örterungen.

Man blickte da in eine geräumige holländische Bauern­stube mit kahlen Wänden und hohen Fenstern, mit ziegel- gepflastertem Boden und großer Feuerstelle. Auf einem Strihle hat ein bleicher, in schlichte, wallende Gewände ge-

Zwecks schnellerer Abfertigung der Zahler wird dringend ersucht, das Geld, so wie es auf den Abgabenzetteln für die einzelnen Vierteljahre vorgemerkt ist, abgezählt zur Kasse zu bringen.

Hanau den 20. Mai 1898. 7758

Städtische Steuerkasse,

Markt Nr. 16, Zimmer Nr. 6—7 zu ebener Erde.

Bekanntmachung.

Der anstehende Klee auf dem dem städtischen Wasserwerke gehörenden Grundstücke Karte CG. an der Leipzigerstraße, der Karabineracker genannt, mit 44 a und 44 qm Flächen- arhalt, soll

Mouteg den 23. Mai d. I., nachmittags S1^ Uhr, an Ort und Stelle unter den im Termin bekannt zu gebenden Bedingungen meistbierend versteigert werden.

Hanau den 18. Mai 1898.

7668 Die Wasserwerks Direktion

Dienstnüchrichtm aus dem Kreise.

Gefunden: Eine silberne alte Cylinderuhr mit Gehäuse. Ein wollenes Herrnhemd. Eine Peitsche; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Niederdorfelden. Ein ledernes Täschchen mit einer großen silbernen Münze mit Bild und der Jahreszahl 1726 re.

panau am 21. Mai 1898.

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Bon der Marine Laut telegraphischer Meldungen an das Ober-Kommando der Marine haben folgende Beweg­ungen S. M. Schiffe stattgefunden: S. M. S. „Greif", Kommandant Korvettm-Kopitän Bredow ist am 16. Mai in Kirkwall angekommen: die 1. Division des I. Geschwaders, Chef: Vize-Admiral Thcmsen, ist am 19. Mai ebenfalls in Kirkwall angekommen und an demselben Tage nach Helgoland in See gegangen; S. M. S. „G-fion", Komandant Kor- vetten-Kapitäu Follenius, hat am 19. Mai Taku verlassen, um nach Kiamschou zu gehen; S. M. S. „Geier", Kom­mandant Korvetterr-Kapitän Jacobsen, ist am 18. Mai in Havanna angekommm.

Der Bundesrath hat in seiner gestrigen Sitzung die Entwürfe einer Militärsirafgerichtsordnung, eines Einfüh- rungsgesetzes zur Militärstrafgerichtsordnung und eines Ge­setzes, berr. die Dienstvergehen der richterlichen Militärjustiz- beamten und die unfreiwillige Versetzung derselben in eine andere Stelle oder in den Ruhestand, nach der Fassung der

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kleideter Mann mit einem träumerischen innigen, gütigen Gr

sichtsausdrucke Platz genommen. „Lasset die K;ndlein zu mir kommen," so hat er gesprochen, und die Kindlein sind zu ihm gekommen. Die Jüngsten haben mit der instinktiven Menschenkenntniß, die Kindern eigen ist, schon Vertrauen zu dem Hoden Manne gewonnen, ichmiegen sich an ihn und geben' ihm eine Patschhand. Und wie sie die zögernden älteren Geschwister nach sich ziehen, so folgen denen wieder die mißtrauischen Erwachsenen, die noch verlegen und unge­wiß an der Thüre zaudern. So ist die magnetische Gewalt, die von dem großen Kinderfreunde ausgeht, tresflich geschildert. Und wenn auch der Vorgang sich in einem modernen Bauern­hause unter dürftigen Menschen unserer Zeit abipielt, so fehlt der Darstellung doch eine gewisse Verklärung nicht. Das macht das Licht, das silberne Licht, das über die rothen Fliesen rieselt, das Blondhaar der Kinder umfließt und den _ _ . . . . . „

fwni mit einer stillen Glorie umgibt. Das Licht war es aber die Dresdener Akademie, die er besuchte, bot ihm so ja auch gewesen, durch das Meister Rembrandt die niedrigen wenig Genugthuung, das er den Pinsel mit dem Degen ver- Hütten und Menschen, die den Schauplatz und die Persönlich- tauschte und bei den sächsischen Gardereitern als Otfizier ein- keiteu seiner religiösen Darstellungen bildeten, geadelt und trat. Ms ein schneidiger Offizier ritt er 1870 die Patrouillen

leiten seiner religiösen LarstellungtN bildeten, geadelt und geweilt hatte. Verkehrte aber. JesuS hier mit Menschen im Gewände unserer Zeit, so mußte man sich daran erinnern, daß auch die großen Meister der Renaissance sich die heiligen Figuren stets im Kleide ihrer Epoche gedacht und sie so dar­

gestellt hatten. „ c Q

Das alles wurde in der Diskussion über das Bild mit Nachdruck geltend gemacht. Aber auch an Einwänden fehlte es nicht. In den Tagen des Lionardo und Dürer wurzelte die Kunst so fest in der Religion, daß beide von einander ganz untrennbar waren. Dazumal waren die heiligen Ge­stalten dem Maler lebendige Wesen, die ihn von Kind auf begleitet hatten. Natürlich, daß er sich sie als seines Gleichen dachte. Heut aber hat sich das Verhältniß zwischen Kunst und Religion verschoben, hat sich die Inten ssensphäre der

Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 12 Seiten.

Reichstagsbeschlüsse angenommen und eine Reihe vom Reichs­tage gefaßter Resolutionen und Beschlüsse zu Petitionen rc. theils dem Reichskanzler, theils den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Den Anträgen, betr. den zollfreien Einlaß der von der Pariser Ausstellung zurückgelangenden Güter, betr. die Denaturirung von Baumwollmsamenöl und betr. den Zollverwaltungskostenetat für Lübeck, wurde die Zustimmung ertheilt. Den zuständigen Ausschüffen wurren überwiesen der Entwurf von Bestimmungen über die Feststellung des Börsen­preises von Werthpapieren, die Beschlüffe des Landesaus- schusses zu dem Gesetzentwurf für Elsaß Lothringen über den Kaiserlichen Rath in Elsaß-Lothringen und die Vorlage, betr. Abänderung der Bestimmungen über den Verkehr mit Spreng­stoffen. Schließlich wurde über einen Seiner Majestät dem Kaiser für die Besetzung einer Reichsgerichtsrathsstelle zu machenden Vorschlag und über eine Reihe von Eingaben Be­schluß gefaßt.

Entlastung der Kleingewerbe. Die Konferenz im Finanzministerium, die sich am Mittwoch mit der Frage der Entlastung der Kleingewerbe bezw. Besteuerung der Großbazare beschäftigte, währte über 4 St-nden. Der Finanzminister führte persönlich den Vorsitz; außerdem waren von seinem Ministerium noch die Herren Gencralfleuerdirektor Burghardt und die Geh. Ober-Regicrungsrätde Dr. Strutz und Jungk zugegen. Ueber den Gang der Verhandlungen wünschte der Minister keine Veröffentlichungen vor Erscheinen des offiziellen Berichtes; es kann daher vorläufig nichts Näheres darüber mitgetbeilt werden. Doch scheint als ein­ziges greisbares Resultat festzustellen zu sein, daß der Finanz­minister dringend den Kommunen empfahl, ohne Zögern an der Hand des Kommunalabgebengesetzes mit Erlaß von, Ge­werbesteuer-Verordnungen vorzugehen, die den Wünschen des Kleingewerbetreibenden Rechnung tragen. Herr Landtags­abgeordneter Landrath von Brockhausen war persönlich zur Vertretung dieser von ihm äußernd«, ntlich sachkundig geför­derten Angelegenheit erschienen. Die Kommune Berlin war durch den Stadtkämmerer Maaß, die Städte Köln, Frank­furt, Breslau und Magdeburg durch ihre Oberbürgermeister vertreten. Als Sachverständige hatte der Finanzminister unter den vom „Bund der Handel- und Gewerbetreibenden" Vor­geschlagenen geladen: Kommerzienrath Liffauer, E. Finster- busch, Vorsitzenden des Kolon ialwaarer. händler-VerbandeS Lvisenstadt und Osten, M. Holzapfel, Vorsitzenden des Ver­eins selbstständiger Schneidermeister, Wäschehäudler Leber- mann und Cigarrenhändler Scheuermann. Außerdem waren seitens des Centralverbandes deutscher Kaufleute Kaufmann Ernst Grote-Hannover, und seitens deS Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller Geheimrath Goldberger und B. W. Vogts erschienen. Bon zuverlässiger Seite wird ver-

Menschen über das Religiöse hinaus mächtig erweitert, und wenn der moderne Maler daffelbe thut, wie die alten Meister, so thut er, der zu den heiligen Geschichten von Hause aus eine andere Stellung einnimmt, eben nicht dasselbe. Dürer war naiv, Uhde ist bewußt; ja, man kann noch mehr sagen: Uhde ist ein Prediger, ein Proselytenmacher, ein Apostel. Daß aber darum sein Werk nicht etwa als der Ausfluß kalter Ueberlegung, raffinirten Suchens und Grübelns angegeben werden darf, das lehrt ein Blick auf seine Ent­wickelung.

ES war für Uhde bedeutsam, daß er als der Sohn eines höheren geistlichen Verwaltungsbeamten geboren wurde (22. Mai 1848 zu Wolkenburg in Sachsen). Die Eindrücke der Kindheit sind ja immer die mächtigsten, und Uhde gewann so von Kind auf mit dem religiösen Denkm innige Fühlung.

Seine Liebe und Begabung zur Kunst äußerten sich frühzeitig,

und Macken der Gardereiter mit. Wenn aber das alte Wort sagt, daß zwischen den Waffen die Künste schweigen, so traf dies auf Uhde nicht zu. Vielmehr regte sich schon damals und später immer mächtiger die alte Liebe zur Kunst neu in ihm, und 1877 entschloß sich der damalige Rittmeister von Uhde, zum zweiten Male um sie zu werben.

Es begann eine Zeit ernsten, künstlerischen Ringens. Zunächst warf er sich mit Eifer auf das Studium der Alten, und einige damals entstandene Bilder zeigen den Einfluß des Frans Hals und des Jan Steen. Als 'Uhde aber merkte, daß er Gefahr lief, über den Alten sich selbst zu verlieren, wandte er sich ab und schloß sich Muntacsy an, dessen Ge­stirn damals auf der Höhe stand. Ihm folgte er dann auch nach Paris. Und wie er hier zuerst die neue Malweise kennen