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kreis Hanau 10 ^» 4gespaltene Garrnonb« zeile oder deren R«M^
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Die einzelne Nummer kostet 10 ^
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Amtliches Argan für Htaöt- unS LanSkreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
3m Reklamentheil dir Zelle 20 ^, fl
AuSwärtS 30 ^.
Nr. 116.
* Amtlich»«.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Paar weiße wollene Handschuhe. Ein Henkelkorb mit etwas Steinkohlen. Ein Regenschirm. Ein blau emaillirtes Schild mit der Nr. 24.
Verloren: Ein Portemonnaie mit etwas Geld und einem Wochenbillet.
Hanau am 20. Mai 1898.__
§faöt^ret0 ^anau.
MsMtNüchvUM des OöerbürgLrmeisteramtLs. Bekanntmachung.
Die städtischen Körperschaften haben genehmigt, daß die Stadt für sämmtliche Hausanschlüsse an das Elektrizitätswerk, welche noch bis MM 1. Juli d. Js. angemeldet werden, die Hälfte der Kosten vom Abzweige des Hauptkabels bis zum Hausanschlußkasten einschl. des letzteren bezw. bis zu 5 Meter über die Grundstücksgrenze übernimmt.
Es genügt für jedes Haus eine Anmeldung.
Die bezüglichen Anmeldeformulare sind auf dem Rathhaus Zimmer Nr. 18 erhältlich.
Die ausführende Firma hat vertragsmäßig bis zum 15. Oktober d. Js. das Elektrizitätswerk betriebsfähig fertig zu stellen.
Hanau den 18. Mai 1898.
Der Magistrat
Dr. Gebeschus. 7685
Bekanntmachung.
Ein durch Winddruck erfolgtes Umstürzen eines Baugerüstes hat dem Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten zur Verhütung derartiger Vorkommnisse zu folgender unter dem 6. April d. I. erlassenen Verfügung Anlaß gegeben:
„Die Standfestigkeit verbundener Gerüste von mehr als 10 m Höhe gegen Winddruck ist fortan durch statische Berechnung nachzuweism. Die Gerüste sind nöthigenfalls durch Verankerung und Versteifung gegen Umkippen zu sichern."
Wird unter Hinweis auf den § 81 alin. 4 der Bau- polizeiordnung vom 1. Juli 1885 veröffentlicht.
Hanau den 14. Mai 1898.
Städtische Polizeiverwaltung. Der Oberbürgermeister
Dr. Geb eschus. 7666
Bekanntmachung.
Der anstehende Klee auf dem dem städtischen Wasserwerke gehörenden Grundstücke Karte CG. an der Leipzigerstraße,
Leuilletsn
William Gwart Gladstone f.
(Nachdr. Verb.) Von Frank Robinson.
Hd. London, 19. Mai. (Telegr.) Gladstone ist heute früh gestorben.
Mit dem „großen, alten Manne" scheidet die charakteristischste Gestalt aus Englands öffentlichem Leben. Wenn eine jüngst erschienene geistreiche Charakterschilderung des Marquis Salisbury diesen Staatsmann den ersten Engländer der Zeit nennt, so darf man Gladstone als den englischsten Engländer seiner Zeit bezeichnen. Obwohl seine LandSleute ihm wiederholt zum Vorwurf machten, daß die Welt und die Menschen ihm näher lagen, als England und die Engländer, so war eine Erscheinung, wie die seinige, in ihren Stärken, wie in ihren Schwächen doch durch und durch englisch, und nur in England möglich. Es war dies nicht der einzige Widerspruch, den sein Charakterbild vereinte. Hat er doch als ein fast romantischer Tory begonnen und als der Führer des fortgeschrittensten Radikalismus in England seine Lausbahn Beschossen! Und nicht minder seltsam ist es, daß er, der erfolgreichste englische Politiker seiner Zeit, der viermal als Premier an der Spitze der Regierung gestanden hat, schließlich mit einem großen Mißerfolge in seinem LieblingSprojelte vom Schauplatze abtreten mußte.
Diese und andere Gegensätze in seinem Charakter haben das Verständniß seiner Persönlichkeit sehr erschwert, und ganz besonders in Deutschland ist sein Wesen nur selten richtig erfaßt worden. Wir beurtheilen Gladstone stets als Staatsmann und setzen dabei voraus, daß er, wie Bismarck, ein geborener Staatsmann sei. Aber das war er nicht. Kein richtigeres Wort ist über ihn gesprochen worden, als das, das
Freitag den 20. Mai
der Karabineracker genannt, mit 44 a und 44 qm Flächen- aehalt, soll
Montag den 23. Mai d. I., nachmittags 31/» Uhr, an Ort und Stelle unter den im Termin bekannt zu gebenden Bedingungen meistbietend versteigert werden.
Hanau den 18. Mai 1898.
7668 Die Wasserwerks Direktion
Eine industrielle Kundgebung.
Auf der diesjährigen Generalversammlung des „Vereins zur Wahrung gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen in Rheinland und Westfalen," die vor wenigen Tagen in Düssel- dorf stattfand, hielt der Geschäftsführer Landtagsabgeordneter Dr. Beumer einen umfassenden Vortrag über das Wirth- schastsjahr 1897., Nachdem der Redner zunächst die günstigen Ergebnisse des Vorjahrs erörtert, wandte er sich der Frage der Neugestaltung unserer handelspolitischen Verhältnisse zu und stellte sich dabei ganz auf den Boden der SammlungsPolitik und des wirtschaftlichen Sammelrufs.
Die Politik der Sammlung bedeutet nach Dr. Beumers Ausführungen das Zusammengehen der produktiven Stände auf der allein möglichen mittlern Linie der gegenseitigen Verständigung. Den gemeinsamen Feind bilde dabei der „Freihandel um jeden Preis," dessen Lehren zwar durch die glänzenden Erfolge der Aera unserer nationalen Wirthschaftspolitik gründlichst widerlegt sind, der aber doch immer wieder von neuem seine Forderungen erhebe. Der Redner führte dann ferner aus, daß, wenn die Landwirtschaft nur unter der Bedingung höhere Getreidezölle lebensfähig zu erhalten sei, die Industrie dem kein Hinderniß in den Weg setzen werde. Die Industrie wünscht den nothwendigen Schutz für die Landwirthschaft, sie verlangt dagegen auch von der letztern, daß diese nicht darauf ausgeht, die Industrie in ihren vitalsten Grundlagen zu bekämpfen.
Weiterhin behandelte der Redner das sozialpolitische Gebiet, indem er in den Vordergrund seiner Betrachtung die Rede des' Grafen v. Posadowiky vom 13. Dezember 1897 rückte, in welcher dieser Staatsminister mit Recht erklärt habe, daß der Schwerpunkt aller sozialpolitischen Maßregeln in der Vertiefung und Ausdehnung der bestehenden sozialpolitischen Gesetze liegen müsse, nicht aber in einem Uebermaß polizeilicher Verordnungen, welche an fingen, dem deutschen Volke auf die Nerven zu fallen. Aus das Gebiet der Arbeitsausstände übergehend, legte der Redner dar, daß es sich bei denselben vielfach nicht mehr um die Lohnfrage, sondern um die Frage handle: „Wer soll Herr im Hause sein, der Arbeitgeber oder der Arbeiter?" Ohne Unterordnung, ohne Gehorsam, ohne Disziplin könne man in industriellen Betrieben auf die Dauer ebensowenig auskommen, wie in der
ein Kollege im Ministerium einst über ihn äußerte: er habe eigentlich nur für zwei Dinge wirkliches Interesse, für die Kirche und für die Finanzen. Darin liegt nicht nur sozu- sagen die Quintessenz seines ganzen Lebens und Wirkens, sondern auch gewissermaßer sein ganzer Stammbaum.
Als ein Schotte, in dem kein Tropfen englischen BluteS stoß, erbte er das tiefe, lebendige religiöse Interesse deS Puritanervolkes von Schottland. Wenn sich zu diesem kirchlich-religiösen Interesse in seltsamer Verbindung ein natürliches finanzielles Verständniß, ja Genie gesellte, so erklärt sich dieser Umstand unschwer daraus, daß sein Vater ein Groß- kaufmann zu Liverpool war, daß die Atmosphäre, in der der junge Gladstone aufwuchs, einen durchaus merkantilen Charakter trug, und es ihm so von Jugend auf geläufig wurde, über große Geldsummen und große Geschäfte zu diSponiren.
Als Gladstone in Eton und Oxford seine Studien vollendet hatte, war er entschlossen, Geistlicher zu werden. Es fehlte nur ein Kleines zu dem entscheidenden Schritte. Hätte er diesen Schritt gethan, er wäre Englands größter Geistlicher im neunzehnten Jahrhundert geworden; so ward er nach Döllinger's AuSspruche nur Englands größter Theologe. Die Erfolge, die das junge, im Alter von 23 Jahren gewählte Parlamentsmitglied zuerst in der politischen Arena errang, wurden weit überstrahlt durch den mächtigen Erfolg, den sein 1838 erschienenes Buch über die Beziehungen zwischen der Kirche und dem Staate hatte. Bunsen, der preußische Gesandte in London, nannte dieS Buch ein Ereigniß, nannte es das Buch der Zeit. ES ist noch etwas Anderes: es ist das Buch des Charakters Gladstone'S. Den Kern deS BucheS bildet der Gedanke, daß der Staat ein Gewissen besitze und daher, wie ein Mensch von Gewissen, eine Religion besitzen, nur eine einzige Religion als richtig anertennen könne. Die ausschließende Unduldsamkeit, die in dieser Auffassung gegen alle anderen Bekenntnisse, als daS hochanglikanische, lag, hat
1898
Armee, im Beamtenthum u. s. w. Was das Erwerbsleben von den Behörden erwarte und erwarten müsse, ist der Schutz der arbeitswilligen Elemente; mehr brauchen die Werksleiter und Werkseigner nicht; alles andere könne man ruhig ihrer eigenen Sorge und Umsicht überlassen.
Der Vortrag endete mit dem Ausdrücke der Hoffnung, daß es der gemeinsamen Arbeit der produktiven Stände, vorab der Industrie und Landwirthschaft, gelingen werde, den gemeinsamen Femd, die Sozialdemokratie, zu überwinden, jenen Feind, der an der Untergrabung unsers Staarswesens und unserer heutigen Gesellschaftsordnung arbeite. „Denn in einer solchen gemeinsamen Arbeit dienen wir alle am besten unserm schönen deutschen Vaterlande." Der Vortrag wurde mit lebhaftestem Beifall und allseitiger Zustimmung seitens der Versammlung ausgenommen.
Der Landtag
ist Mittwoch Vormittag von Seiner Majestät dem Kaiser und König im Weißen Saale des Königlichen Schlosses mit folgender Thronrede entlasten worden:
Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtags!
Bei Beginn dieser Legislaturperiode habe Ich dem Vertrauen Ausdruck gegeben, daß Mein Bestreben, den Bedürfnissen des Landes überall gerecht zu werden, in Ihrer Mitarbeit eine sichere Stütze finden werde. Meine Zuversicht hat sich erfüllt. Mit Befriedigung bliese Ich auf das während dieser arbeitsvollen fünf Jahre in gemeinsamer Thätigkeit Erreichte zurück.
Zur dauernden Befestigung unseres Finanzwesens ist eine Reihe von Maßnahmen eingeführt; insbesondere werden die Konvertirung der vierprozentigen Anleihen, die Aufstellung bestimmter Grundsätze für den Haushaltsplan, die Wiedereinführung der obligatorischen Schuldentilgung und die Verabschiedung des Gesetzes, betreffend den Staatshaushalt, wesentlich dazu beitragen, auch für die Zukunft ein wohlgeordnetes Finanzwesen zu sichern.
Die Finanzlage des Staates hat sich in der ab gelaufenen Legislaturperiode fortgesetzt günstiger gestaltet. Während die ersten Jahre noch Fehlbeträge aufwiesen, haben die letzten Jahre mit Ueberschüssen abgeschlossen. Diese erfreuliche Entwickelung hat es möglich gemacht, die wachsenden Bedürfnisse auf allen Gebieten des Staatslcbcns in ausgiebiger Weise zu befriedigen. Die Ausgaben in allen Ver- waltungszweigcn haben bedeutend erhöht werden können, und eine Reihe seit längerer Zeit ungelöster Aufgaben ist nunmehr zur Durch- führung gelangt.
Die Lage der Beamten hat sich durch Einführung des Systems der Dienstaltersstufen, die erhebliche Vermehrung der etatsmäßigen Stellen, die Anrechnung bestimmter Jahre für die Diätarien, die Erhöhung der Wittwenpensionen, dir Aufhebung der Dienstkautionen wesentlich verbessert. Vor Allem ist es gelungen, die im Jahre 1890 begonnene allgemeine Erhöhung der Beamten geh älter nunmehr zum Abschluß zu bringen. Nur die Neuregelung der Gehälter einiger Klassen der Unterbeamten wird den Landtag in der nächsten Session noch beschäftigen müssen.
Den seit Jahren hervorgetretenen Wünsche» auf Verbesserung der Lage der Volksschullehrer ist durch das Gesetz vom 3. März v. Js. entsprochen worden, burd) welches das Ziel erreicht worden ist, den Lehrern ein festes, den örtlichen Verhältnissen angemessenes Einkommen zu sichern.
Gladstone später gemildert. Es ist ein ehrlicher Zug in seiner Entwickelung, daß sein starrer Geist sich unablässig Fortschritte abrang. Nie aber ist er von dem Prinzipe seines Jugendwerkes abgeganzen, das politische Leben religiös zu behandeln. Darin lag seine Stärke, darin zeitweis seine mächtige Wirkung auf die Volksmassen, daß er alle Wendungen und Ereignisse des Staatslebens aus ihren sittlichen Werth, auf ihre religiöse Bedeutung hin prüfte, sich als Mann von Religion zu ihnen stellte und seine Ueberzeugungen mit dem ganzen Feuer eines religiösen Glaubens vertrat. Der Mann nahm alles feierlich, mochte es sich um die Erweiterung des Wahlrechtes ober um ein lustiges Couplet handeln. Nie hat man von ihm ein Witzwort, nie einen Scherz, ja, nie eine geistreiche Wendung gehört; er fuhr immer schweres Geschütz auf. Als ein damals umlausendeS Witz« wart des alten Weltkindes Palmerfion in seiner Gesellschaft drollig gefunden wurde, fuhr er auf; „Drollig nennen Sie das? Ich nenne es teuflich!" Die Geschichte mag später entscheiden, ob es für Gladstone ein Glück oder Unglück war, daß sie ihm in Disraelt einen Gegner von völlig entgegengesetzter Geistesart gegenüberstellte. Disraeli, beweglich, schmiegsam, liebenswürdig, praktisch, witzig, sarkastisch — Gladstone schwerfällig, fanatisch, stets feierlich, nie humoristisch und immer pathetisch, der Eine alles weltlich und weltklug — der Andere alles sittlich und theoretisch behandelnd; so mußten die Beiden erbitterte Gegner werden. Als Gladstone sich zum ersten Male im Parlamente zur Erwiderung auf eine geistsprühende Rede Disraeli's erhob — es war im Jahre 1852 —, da begann er seine Rede sofort, indem er von den Gesetzen der Würde und deS Anstandes redete. So begann daS Duell zwischen dem schwerfälligen Elephanten und dem geschmeidigen Panther und es dauerte im gleichen Stile ohne Waffenstillstand und Frieden fort, bis sein Gegner im Jahre 1881 starb. ü