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Amtliches Grgsn für Stsöt- und LanSkrers Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Auswärts 30 4*
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Mittwoch den 18. Mai
1898
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Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 35.
AMttiches.
SL«rHMAs^s ^mtau. ” Bekanntmachung.
Zwecks Entfernung der Anschlußkitungen zu den alten Kanälen in der Römerstraße zwischen Steinheimerstraße und Kanalthorplatz, wird dieser Straßentheil vom 20. d. Mts. ab auf die Dauer von 8 Tagen für den Fährverkehr jeder Art gesperrt.
Hanau am 17. Mai 1898.
Königliche Polizeidirektion.
P. 5378 v. Schenck.
Dicllstliachrichtcn aus dem Kreise.
Zugelaufen: Ein junger weißer Jagdhund mit braunen Flecken, m. Geschl.; Empsangnahme bei Kourad Köhler zu Rüdigheim.
Gelandet am 11. ds. im Main bei Großauheim: Ein Floßholzstamm von 18 Meter Länge.
Gesunden: Ein Portemonnaie mit etwas Geld. Ein gelbes Kettenarmband. Ein Buch (Notiz für Schneiderin). Eine Knabenmütze mit Futteral. Ein Umhängsel mit 3 kleinen Rasseln.
Verloren: Ein Kopfbezug nebst 2 weißen Herrnhemden.
Hanau am 18. Mai 1898.
^taöt^rei^ ^anau.
MWküMachun-M des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.
Nachdem der Baustuchtlinienplan für das Gelände nördlich der Aepfelallee vom Magistrat in der Sitzung vom 10. ds. Mts. auf Grund des Gesetzes vom 2. Juli 1875 förmlich festgestellt ist, liegt derselbe von jetzt an aus dem Stadtbauamt II (Langstraße 41) zu Jedermanns Einsicht offen.
Hanau den 13. Mai 1898.
Der Magistrat Dr. Gebeschus.
7648
Die Annahme der Pfarrer-Besoldnngs- vorlage.
DaS preußische Herrenhaus hat die Pfarrer-Besoldungs-
die Vorlage vorgebracht worden, so wird doch allerwärts der Dank der Geistlichen überwiegen, daß dieser schwierige Gezen- gesttze nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses ange- stand mit einem solchen Entgegenkommen der Regierung und
Feuilletsn.
In der Paulskirche.
Eine Skizzenblatt zur Erinnerung an den Zusammentritt des ersten deutschen Parlamentes zu Frankfurt a. M., 18. Mai 1848.
Von Norbert Oberhuber.
(Nachdruck verboten.)
In jenem Sturmjahre 1848, das an bewegten Tagen so reich war, war die Stimmung des ganzen deutschen Volkes völleicht nie so gesammelt, so einheitlich, so feierlich, als am 18. des Wonnemonats, da in der alten Kaiser- und Krö- nungeftabt am Mainflusse das erste deutsche Parlament zusammentreten sollte. Wie könnten heute die Epigonen jene Stimmung mit- und nachsühlen, die die Zeitgenossen erfüllte, als sie zum ersten Male seit den Freiheitskriegen, zum ersten Male nach drei trüben Jahrzehnten die Einheit des deutschen Volkes in einer lebendigen Erscheinung verköipert saheni An diesem Tage stiegen tausend Gebete zum Himmel auf, schwärmten tausend rosige Träume in eine glückliche Zukunft aus, bildeten sich tausend ernste, männliche Vorsätze" Und das galt für alle Landestheile und für alle Parteien Deutschlands.
Wie war nun erst das Leben und Treibe« im alten Frankfurt selbst! Die Stadt wußte die Ehre wohl zu schätzen, die ihr zugefallen war, indem das Parlament sie zur Stätte ihrer Arbeit wählte, und das bewegliche Völkchen schwamm in Wonne. Ganz Frankfurt hatte sich geschmückt. In der Frühlingsluft flatterten die Kränze und Guirlanden, rauschten die Fahnen, eng gefüllt mit einer frohbewegten Menge waren die Straßen und es herrschte jene seltene Ekstase der Freude, die leicht die Thränen fließen macht und Fremde einander gerührt in die Arme sinken läßt. Dazu tönte Musik, klangen
nommen. Für den Pfarrerstand hat sich damit ein Fortschritt von ungemeiner Tragweite vollzogen. Die Verwaltung des Pfarrer-Vermögens wird auf die Gemeinde übertragen und an Stelle des bisherigen schwankenden Pfründen-Einkommens wird dem Geistlichen ein festes Grundgehalt gewährleistet. Auf diese Weise wird erreicht, daß der Geistliche in seinem Einkommen von Schwankungen nicht mehr berührt wird und daß für die Besoldung der Geistlichen der Ueber-ang gemacht wird von der Naturalwirthschaft zur Geldwirthschaft. An Stelle des bisherigen Dispositions-Fonds zur „Besserstellung der Geistlichen aller Bekenntnisse" wird durch den zur Annahme gelaugten Gesetzentwurf eine bestimmte Summe für die beiden Kirche« im Verhältniß ihrer Stärke etatsmäßig zugewandt. Diese Summe beträgt 5,6 Millionen Mark mehr, als gegenwärtig und ist dazu bestimmt, das Mindestgehalt der evangelischen Geistlichen zunächst von 1800 Mark auf 2100 Mark zu bringen und es zu ermöglichen, die Erhöhung aus 2400 Mark eintreten zu lassen. Von 5 zu 5 Jahren soll mit Hilfe der Alterszulagen-Kasse das Gehalt sich um 600 Mark erhöhen bis zum Maximalbetrag von 4800 Mark. Diese Summe wird vom vollendeten 25. Dienstjahre ab jeder evangelische Geistliche beziehen, auch wenn er auf einer Minimalstelle sitzen bleibt.
Was diese Aenderung bedeutet, ersieht man allein schon aus dem Umstände, daß 1612 evangelische Pfarren noch nicht 1500 Mark Gehalt einbringrn, und daß von 7000 überhaupt in Betracht kommenden Stellen 4600 noch nicht 3000 Mark Einkommen haben. Welch eine Fülle von Noth in den Pfarrhäusern verborgen ist, wird durch diese Zahl offenbar. Das bisherige Pfründen-System hat sich als unzureichend erwiesen, die Selbstbewirthschastung wird rur noch in den seltensten Fällen geübt. Von 1900 Hektar Pfarrland werden nur noch
1100 Hektar selbst bewirthschaftet. Von nun an hat nicht mehr der Pfarrer die Sorge, sein Pfarrland zu verpachten, sondern die Gemeinde zahlt ihm das Gehalt und verpachtet das Pfarrland. Geistliche, die auf Minimalstellen bleiben, werden nicht wehr genöthigt sein, in die gewöhnliche fruchtlose und an Enttäuschungen so reiche Bewerbung von besseren Pfarrstellen einzutreten, wo die große Zahl der Bewerber kaum dazu beigetragen hat, daS Ansehen des geistlichen Standes zu heben. Ein jeder erdient sich seine Gehalts- f zulage. Die Alterszulagenkasse ist nicht allein für die preu-^ ßische Landeskirche, sondern für alle evangelischen Kirchen in Preußen bestimmt und bildet ein materielles Band um diese Kirchen.
Der Finanzminister bezeichnete die Vorlage mit Recht als' eine „solide Ordnung der äußern Lage der Geistlichen." So' manche BedenktN auch im Laufe der Verhandlungen gegen
die Glocken, feuerten Geschütze ihren Salut. Es war ein echter und rechter Frühlingstag in der politischen Geschichte unseres Volkes.
Die aber, denen all' diese Freude und Feier galt, hatten sich inzwischen im Kaisersaale des alten Römers versammelt. Wohl eine Stätte, die selbst den Leichtfertigsten zu ernsten Gedanken herausfordern mußte, eine Stätte, die, um das bekannte Wort Napoleons zu verwenden, den versammelten Boten des deutschen Volkes mahnend zurief, daß vier Jahrhunderte deutscher Geschichte von diesen Mauern auf sie herabblickten. Von den etwa 600 Abgeordneten, die dts Parlament im Ganzen zählte, fand sich hier mehr als die Hälfte zusammen, um zunächst ihren Alterspräsidenten aus- zumitteln. Der Aelteste war ein Baier, dessen Name von festem Muthe in der unseligen Lola Montez-Sache erzählte. Da aber dieser Mann den Vorsitz auSschlug, so wurde daS Altcrspläsidium einem 70jährigen übertragen, dem Hannoveraner Lang. Und nun, da sie einen vorläufigen Führer hatten, traten die 380 aus dem Schatten des RathhauseS in die Sonne des MaientageS und traten den kurzen Weg zur Paulskirche an. Ueber den Römerderg und die Neue Kräme führte dieser Weg, und die Glocken hallte« stärker, die Kanonen feuerten lustiger, die Fahne« rauschten stolzer und die Freude schwoll zu einem mächtigen Orkane an, als die Erwählte» der Notion in würdigem Zuge über diese historische« Stätte« dem Schauplatze ihres Wirkens zuzogen. Nun schlössen sich die Pforten der Paulskirche hinter ihnen — und eine neue Epoche der deutschen Geschichte hatte begonnen.
Die Paulskirche war ein neuerer, erst 1833 vollendeter Bau, und es war, als ob ihr Architekt von der einstigen Bestimmung des Gotteshauses eine Ahnung gehabt habe. Denn dieser Rundbau war in der That zum Sitzungsraume eines Parlamentes im Ganzen recht geeignet. Im Innern war der Saal hoch und blendend hell, die mächtigen Fenster-
zugleich mit einer so glücklichen Hand durch alle Hemmungen und Bedenken, die sich bei dem Einschlägen deS neuen Weges an den verschiedensten Stellen geltend gemacht haben, darch- gebracht warben ist. Die Befürchtung, daß der Pfarrer, weil er sein Geld von der Gemeinde bekommt, nun nicht mehr Diener der Kirche sei, sondern Diener d:r Gemeinde werde, wird schwerlich zutreffen.
So ist denn wieder in aller Stille ein Gesetz unter Dach und Fach gebracht worden, welches für Kirche und Staat von größter Bedeutung ist. Jahrzehnte werden auf dieser Grundlage weiterbauen, und es wird sich zeigen, daß unsere Zeit, der man so oft den Beruf zur Gesetzung abgesprochen hat, in wirtschaftlichen und praktischen Dingen noch immer einen guten Griff zu machen und den Nagel auf ben Kopf zu treffen weiß. Sowohl dem Finanzminister als auch dem Kultusminister gebührt der Dank der Bctheiligten für diese neue und segenversprechende Ordnung. Dr. Bosse hat den vielen Erfolgen seiner Amtsthätigkeit eine neue sowohl von der evangelischen wie von der katholischen Kirche dankbar begrüßte Errungenschaft hinzugefügt.
Preußischer Landtag. Herrenhaus. (Sitzung vom 17. Mai.)
Das Herrenhaus nahm heute zunächst den B e r i ch t der Matrikelkommission über die seit Erstattung des letzten Berichts in der Zusammensetzung des Herrenhauses vorgekommenen Personalveränderungen entgegen und berieth sodann über den Gesetzentwurf, betr. die Erweiterung und Vervollständigung des Staatseisenbahnnetzes und die Betheiligung des Staates an dem Bau von Kleinbahnen. Gleichzeitig mit dem Gesetzentwurf wird über zwei Petitionen verhandelt, betr. die für die Bahn Angerburg—Heilsberg—Wormditt zu wählende Linie und betr. Fortführung der Nebenbahn Celle—Schwarm- stadt über Rodewald nach Nienburg. In der Gcneraldis- kussio« legt Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen auf Anregungen des Berichterstatters dar, die späte Vor- legung des Gesetzentwurfs liege in den besonderen Verhältnissen dieser Vorlage. Wenn die Provinz Posen diesmal leer auSgegangen sei, so beruhe dieS auf Zufälligkeiten, es seien aber auch für Posen schon Vorarbeiten im Gange. Was die Frage der Beitragsleiftung der Kreise bei dem Sekundärbah«bau betreffe, so sei er gern bereit, die Frage der Bewilligung eines Pauschguantums an Stelle des Gruno und Bodens in natura in Erwägung zu ziehen. Auf Anfrage des Herrn v. Hertzberg erwidert der Minister, er sei bereit, die Behandlung der Pfandbriefe bei der Kautionsstellung einer Prüfung zu unterziehen. Oberbürgermeister Bräsicke befürwortet einen weiteren Ausbau des Brom
nischen waren grün verhangen und über dem Sitze des Präsidiums leuchtete aus prächtigen rothen Vorhängen und deutschen Fahnen der Adler des Reiches hervor, das daS Parlament schaffen sollte. Im Halbrund waren gegenüber dem Präsidium die Bänke der Abgeordneten angeordnet; für die Zuschauer waren neben den großen oberen Gallerten, die stets brechend voll waren, zu ebener Erde links und rechts vom Präsidium zwei mächtige Gallerten eingerichtet. Hier auf diesen reser- virten Plätzen entspann sich während der Sitzungen ein besonders interessantes und reges Leben. Hier saßen die Diplomaten und horchten mit Spannung auf die zuckende« Puls- schläge des deutschen Volkes, hier schrieben die Journalisten, die dem neugierig harrenden Europa tagtäglich das Neueste auS der Paulskirche übermittelte«, hier harrten die Börsen- fürsten, und manches große Vermögen hing oft von dem Gange ab, den die Verhandlungen in diesem Raume ein- nahmen. Einen angenehmen Gegensatz zu ihnen bildeten die Damen, für die einige Bänke und eine besondere Gallrrie eigens reservirt war. Dem galanten Fürsten Lichnowsky hatten es die Damen zu danken, daß sie über eine eigene Gallerie verfügten, und der bekannte Lebemann liebte es, sich seinen Dank bei den Damen recht oft selbst zu holen. Im Uebrigen nahmen die Damen des Parlamentes an seinen spannende« Kämpfen mit kaum weniger leidenschaftlichem Interesse, als die Abgeordneten selbst, Antheil. Sie klatschten und murrten mit, die preußisch gesinnten Damen erschienen einmal von Kopf bis zu Fuß schwarz weiß gekleidet, und auch räumlich vollzog sich später zwischen ihnen und den Oesterreicherinnen eine „reinliche Scheidung". Hatte ein Redner sie ergriffen, den Gegner mit elegantem Stoß oder wuchtigem Hieb kampfunfähig gemacht, dann glänzten ihre Augen und rötheten fich ihre Wangen, und begeistert reichten sie dem Glücklichen ihre schönen Hände; denn so nahe war die Gallerte dem Sitzungsraum. Ja, es kam vor, daß sie in der