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Nr. 113. Montag den 16. Mai 1898

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Amtliches.

^attMrei# ^anau.

BetaMtmachungeu des Königlichen Landrathsamtcs.

Infolge Wiederausbruchs der Schweineseuche in Windecken wird für die Stadt Windkcken die Orts- und Gemar- kungsfperre für Schweine wieder angeordnet. Das Durchtreiben ^on Schweinen ist verboten.

Die Herren Ortsvorstände wollen Vorstehendes sofort ortsüblich bekannt machen.

Hanau am 14. Mai 1898.

Der Königliche Landrath

V. 5630 v. Schenck.

In Weiskirchen, Kreis Offenbach, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und die Gehöft- und Gemarkungssperre aufgehoben worden.

In Radmühl, Kreis Gelnhausen, ist unter den Schweinen die Rothlaufseuche ansgebrochen.

Hanau am 16. Mai 1898.

Der Königliche Landrath

V. 5651/5652 v. Schenck.

Dicufitiachlichtcn aus dem Kreise.

Gefunden: Eine Brille. Ein Ring mit Schraube von einem Schirm. Zwei Messer. Eine Partie schwarze Verzierungen rc. zu einem Damenkleid. Eine silberne Damen- remontoiruhr. Ein goldner Knebel.

Verloren: Eine goldne Brosche.

Hanau am 16. Mai 1898.

KH^HM^AM ^anau. VLÄÄtWüchMgLL des OLerbürgermeisteramtes.

Für den am 7. August 1881 hier geborenen Leonhard Spangenberg ist um Entlassung aus dem preußischen Staatsverbande nachgesucht worden.

Hanau am 14. Mai 1898.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 7512

Der deutsche Mottenvereiu, der vor einigen Wochen in Berlin gegründet worden ist, bezweckt, das Verständniß für die Bedeutung der Flotte und ihre Aufgaben im deutschen Volke zu pflegen und in immer weitere Kreise zu tragen. Selbst das meerbeherrschende Eng­land hat es ungeachtet seiner gewaltigen Flotte für nützlich

FettiAetsm.

Die Entdeckung Indiens. _

Ein Skizzevblatt zur 400jährigen Erinnerung an Vasco da Ganias Ankunft in Ostindien, 17. (20.) Mai.*)

Von Dr. Wilhelm Becker.

(Nachdruck verdaten.)

Wie ein Rausch war es über Europa gekommen, seitdem der große Genuese die neue Welt entdeckt hatte. Alle kühnsten Träume von fabelhaften Reichthümern regten sich, Abenteuer­lust und Unternehmungsgeist überwand die Furcht vor den unbekannten Gefahren und der weiten Seefahrt. Die Spa­nier fühlten sich als die Herren der Welt; die Portugiesen, als Entdeckungsvolk älter, wie die Castilianer, fürchteten überflügelt zu werden und saunen auf neue Unternehmungen. Winkte ihnen doch noch ein köstliches Ziel, vielleicht das köstlichste von allen: das Wunderland Indien, die Schatz­kammer der Spezereien, der Juwelen und des Goldes. I»- dieu war durch den Vertrag, der zwischen ihnen und den Spaniern die Welt theilte, ihnen zugewiesen, nach Indien , hatte Bartholomäus Diaz, der Afrikas Südspitze umschifft hatte, den Weg gewiesen, in Indien mußte Portugals große Zukunft liegen.

So saß, erzählen die Chroniken, Dom Mancel, Portu­gals Herrscher, nachdenklich in seinem Saale und sann, wem er wohl die Flotte anvertrar en solle, die er auf die Entdeckung Indiens auszusenden beabsichtigte. Da geschah eS, daß seine Augen auf einen Kavalier seines HoshalleS fielen, thun mittelgroßen, kräftigen vollkSeligen Mann mit scharfem Blick und energischen Zügen, und eine Inspiration sagte ihm, daß dies sein Mann"sei. Der Mann aber war ein Edelmann aus alter Familie, der in der kleinen Stadt Eines geboren .... *) Zur Feier dieses Ecdeiktages finden tont 17.20. Mai in L'ssabon große nationale Festlichkeiten statt.

erachtet, eine Flottenliga ins Leben zu rufen, die mit eifer­süchtigem Auge über die Überlegenheit Großbritanniens zur See wacht, das englische Publikum sowohl über die englische Flotte als auch über die Motten des Auslandes auf dem Laufenden erhält und der Regierung in Bezug auf das Be­streben, England die Vorherrschaft auf den Meeren zu sichern, mit großen Mitteln vorarbeitet. Frankreich und Italien sind dem Beispiele Englands gefolgt.

Für Deutschland war es um so wün'chenswerther, eine ähnliche Einrichtung zu schaffen, als sich bei der Berathung der Flotten-Vorlage gezeigt hat, daß die Bedeutung der Flotte für die politische Macht und das nationale Erwerbsleben noch lange nicht von allen Schichten der Bevölkerung er­kannt ist. Solange aber die Flotte im Bewußtsein unseres ganzen Volkes nicht dieselbe Werthschätzung wie unsere Armee genießt, ist ihre Erhaltung und Entwickelung nicht so ge­sichert, wie es die Vertheidigung unsers Landes zu Wasser und der Schutz unserer überseeischen Interessen erfordern.

Der Flotten-Verein will nach verschiedenen Richtungen hin wirken. Den Zeitungen soll durch ein Auskunsts­Bureau alles von Marine-Angelegenheiten, was für die Oeffentlichkeit Interesse hat, zugänglich gemacht werden. Eine besondere Aufgabe des Vereins wirb es sein, dahin zu streben, daß die Jugend in den Elementar-, Mittel- und höhern Schulen über die Flotte und die See-Jnterefsen unter­richtet werde. Es sollen ferner Wanderlehrer ausgesandt werden, um überall die Lehre von den nationalen Pflichten, von der nationalen Ehre, von der nationalen Flotte zu ver­künden. Kurz, das gesammte deutsche Volk soll planmäßig über die Bedeutung der Flotte für unser Gemeinwesen auf­geklärt, es soll das nationale Bewußtsein gestärkt und gepflegt und das r-ationale Gewissen geschärft werden.

Der deutsche Flotten Verein hat sich somit eine patriotische Aufgabe ersten Ranges gestellt. Um Politik will er sich nicht kümmern. Er steht über den Parteien; es können ihm Angehörige aller politischen Richtungen beitreten, sofern sie patriotisch sind. Der Flotten-Verein will bis an den letzten im Volke herantreten und hat darum den Mindest-Beitag auf 50 Pfg. im Jahre festgesetzt. Jeder treu zu Kaiser und Reich stehende Deutsche ist dem Verein willkommen. An­meldungen zum Beitritt sind an das Sekretariat Berlin W., Wilhelmstraße 46/47 zu richten. Der Flotten-Verein ver­dient, von jedem Daterlandsfreunde unterstützt zu werden. Wie der Kaiser dem Verein sein Interesse zuwendet, kann man daraus ersehen, daß er die Uebernahme des Protektorats durch den Prinz-Admiral Heinrich in Aussicht gestellt hat.

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und damals gegen 30 Jahre alt war, und er hieß Vasco da Gama. Vasco da Gama war ein ehrgeiziger Mann, der nie gehofft hatte, daß den stillen Wünschen seines Ehrgeizes Gelegenheit zur Bethätigung geboten werden würde. Freudig nahm er darum des Kövigs Vorschlag an; ihn schreckte die weite Seefahrt nicht, nicht das unbekannte Ziel mit seinen vielfältigen Gefahren und nicht jenes furchtbare Kap der Stürme, dem die Umtaufung als Kap der guten Hoffnung wohl einen besseren Namen gegeben, dessen Gefährlichkeit sie aber nicht verringert hatte. So wurde Vasco Admiral der indischen Flotte. Drei Schiffe, von denen zwei die siegver- kündenden Namen der Erzengel Raphael und Gabriel trugen, und ein Proviavtschiff standen ihm zur Verfügung. Den Gabriel" befehligte er selbst, denRaphael" sein zärtlich geliebter Bruder Paulo da Gama.

An einem Julitage des Jahres 1497 war es, daß die Mannschaft der Expedition in geschlossenem Zuge aus der Kirche sich zum Hasen bcgab, und die Schiffe langsam den schönen Tojo abwärts, dem Ungewissen entgegen, sich in Be­wegung setzten. Eine ungeheure Menschenmenge zu Lande und auf Booten gab ihnen das Geleit und da war Keiner, der nicht Offiziere und Manuschaften als Männer des Todes angesehen hätte. Ergreifend hat Camoens die bewegten Szenen des Abschieds geschildert, Camoeus, dessen welt­berühmtes schwungvolles und phantasiereiches Heldengedicht Vasco da Gama es zu verdanken hat, wenn er neben Ko­lumbus der gefeiertste aller Entdeckunasreisendin jener großen Zeit geworden ist, in der er doch seinen Ruhm mit einem Magcllaes, einem Cortez, einem Cabrol, einem Pizarro u. s. w. zu theilen hatte.

Hinter bim AdmiralschiffGabriel" verschwanden die Thürme von Lissabon, verschwanden die Ufer der Heimath, und in ruhiger Fahrt ging eS südwärts zu den kapverdischen Inseln und immer weiter nach Süden. Glatt war bis dahin die Reise gegangen, doch das Kap der Stürme sollte auch an ihnen den alten Namen bewähren. Da raste die See und

Tagesscha«.

Zur Frage der Getreidepreise. Graf Kanitz hat, i unterstützt von der konservativen Partei, im Abgeordueten- Hause folgende Anfrage eingebracht: Der gegenwärtige höhere Preisstand des Getreides findet in dem thatsächlichen Ver­hältniß von Vorrrth und Bedarf keine Erklärung, sondern es ist derselbe auf spekulative Unternehmungen an ausländischen Börsen zurückzuführen. Kapitalkräftige Spekulanten haben sich durch umfangreiche Terminkäufe die Verfügung über einen beträchtlichen Theil der Getreidestände gesichert, und die Beun­ruhigung des Weltmarkts durch den spanisch-nordamerikanischen Krieg wird von ihnen ausgenutzt, um den Preis der zurück­gehaltenen Waare in die Höhe zu treiben. Es steht zu er­warten, daß bei künftigen kriegerischen Verwickelungen derartige Preistreibereien sich und zwar in viel größerem Umfange wiederholen werden. Im Falle eines europäischen Krieges wird die Regierung jedes kriegführenden oder von Krieg be­drohten Landes es als eine ihrer vornehmsten Aufgaben be­trachten müssen, nicht bloß die Verpflegung der Armee, sondern auch die Volksernährung sicher zu stellen und möglichst viel Getreide sei es zu noch so hohen Preisen vom Aus­lande herbeizuschaffen. Dann werden die Spekulanten wiederum die Getreidevorräthe vorweg in Beschlag nehmen und nur zu Preisen abgeben, welche den heutigen Preisstand noch be­trächtlich, vielleicht um ein Mehrfaches übersteigen. Diese Preistreiberei muß dann aber um so bedenklichere Folgen haben, als die Lohn- und Erwerbsverhältniffe in Kriegszeiten naturgemäß eine rückläufige Bewegung annehmen. Wenn es in einem künftigen Kriege schon an und für sich eine schwierige Aufgabe der deutscher Regierung sein wird, die Zufuhrwege für das vom Auslande zu beziehende Getreide offen zu halten, so muß in der voraussichtlichen Steigerung der Getreide- preise eine fast noch ernstere Gefahr erblickt werden. Nur eine vorherige Ansammlung von Getreid-vorräthen in Friedens­zeiten erscheint geeignet diese Gefahr abzuwenden. Die Unter­zeichneten erlauben sich deshalb, an die königliche Staals- regierung die Frage zu richten: Beabsichtigt die königliche Staatsregierung, im Bundesrath den Erlaß von gesetzlichen Maßregeln zu beantragen, welche geeignet sind, im Falle eines künftigen Krieges 1) die Getreideversorgung Deutsch­lands sicherzustellen, 2) einer übermäßigen Vertheuerung des Getreides vorzubeugen?

Eine Liste der dentsch-renservativen Reichs- tagskandidaten, soweit sie derKreuzzeitung" bekannt geworden sind, wird in derselben veröffentlicht. Die Zahl dieser Kandidaten beträgt danach 99, von denen 76 auf Preußen fallen, 11 auf Sachsen, 3 auf Baden, 5 auf Meck­lenburg, 2 auf Bayern und 2 auf die beiden Lippe.

SS

warf das Schiff immer wieder rückwärts, die Piloten waren rathlos, die Mannschaft verlor den Muth, hob die Hände zum Himmel und bat Gott in zitternder Verzweiflung um Rettung. Da war es zuerst, wo Vasco da Gama so recht seinen Charakter zeigte. Er war ein strenger Mann, ja, er konnte grausam sein; seines Wesens gute Seite aber war eine unbeugsame Festigkeit, die kein Beben kannte, und für die das Wortrückwärts" nicht existierte. In wildem Zorne trat er vor die verzweifelte Mannschaft und schwur einen hohen Eid, er werde nicht ruhen, bis das Kap genommen sei, und möge geschehen, was Gott gefalle. Da sahen die Männer, daß seine Entschloffenheit unbeugsam sei; sie machten neue gewaltsame Anstrengungen, und als sie nach einiger Zeit das Land nicht mehr sahen, und die See ruhiger ging, da merkten sie, daß das Ziel ihrer dreitägigen Arbeit erreicht, das Kap umsegelt war, sie fielen auf die Kniee und über die blauen Wogen des indischen Ozeans scholl ein in­brünstiges Salve.

Nordwärts ging nun die Fahrt. Diese Reise ins Unbe­kannte schreckte mit jedem Tage die Gemüther der Mannschaft mehr. Camoens hat sie als furchtlos und immer treu gefeiert; sein Lied entspricht da der Wahrheit nicht. Sie versuchten zu meutern. Hier, wo Diaz einst kummervollen Herzens hatte umkehren müssen, hier wollten sie auch Vasco da Gama ein Zurück!" zurufeu. Doch sie hatten nicht mit dem Manne gerechnet, wie er war. Die Steuerleute und die Rädelsführr ließ er verhaften und in Ketten in den tiefsten Schiffsraum schaffen. Dann warf er die Quadranten und alle Geräthe der Navigation über Bord, und so trat er vor die Leute und sagte ihnen, nun hätten sie keine Hilfe mehr; er aber wolle gar keine, denn allein auf Gott traue er, und er werde sie führen. Dieser Auftritt ist für Vasco sehr charakteristisch. Er kennzeichnet seinen Muth, seine Schneidigkeit, und sein unerschütterliches Vertrauen auf die göttliche Führung in gleicher Weise, und er zeigt zugleich die Vasco eigenthüm­liche Geringachtung der Kunst der Schifffahrt. Denn er