Erstes Blatt.
WJ»nnementC«
Preis:
WSHrl. 4 ^ 50 ^. vierteljährlich
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Für auswärtige
Liurückuu-A» gebühr
für Stadt- und Loch» kreis Hanau 10 ^ W 4gcspaltme Garmoeck«
betreffenden
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10 ^
Zugleich Ls /^^
Amtliches Gegun für Htsöt- unö Lanökreis Hansu
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Im Reklamenthell bit Zeile 20 ^ j
SuSwärtS 30 ^.
Rr. 112.
Samstag den 14. Mai
1898
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 34
Amtliches. ^taöÄww ^anau.
Ausschreiben.
Der Kaufmann Friedrich Dreßler, geboren am 12. April 1876 zu Büdingen, hat sich am 12. d. Mts., vormittags 9 Uhr, aus seiner Wohnung hierselbst entfernt und ist bis jetzt noch nicht zurückgekehrt. Die angestellten Nachforschungen sind bisher ohne Erfolg gewesen und ist nach den vorliegenden Umständen die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß sich rc. Dreßler ein Leid angethan hat.
Der Vermißte ist etwa 1,65—1,75 m groß, hat schmales Gesicht, aus dem linken Backen eine Narbe, schwarzes Haar, Anflug von Schnurrbart, am Hinterkopf eine Vertiefung, trug kaffeebraunen Sackanzug, Schnürstiefel, schwarzen weichen Filzhut, grüne Binde, mit an den Ecken umgebogenem Stehkragen.
Um Anstellung von Nachforschungen nach dem rc. Dreßler, Anhaltung im Betretungssalle und Nachricht hierher wird ergebenst ersucht.
Hanau am 14. Mai 1898.
Königliche Polizeidirektion.
I. V.: Schneider, Kreissekretär.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Verloren: Eine Luftpumpe nebst einem englischen Velo- zipedschlüfsel. Von der Kinzig am 12. d. Mts. weggeschwemmt: Wäsche und zwar 2 Herrnhemden, 3 Kinderhosen, 3 Kopsbezüge mit Monogramm MN., Taschentücher, Kragen, Nachtjacken und sonstige Kleinigkeiten.
Entflogen: Eine blaue s. g. Trommeltaubr mit weiß- geschecktem Kopf.
Gesunden: Ein Regenschirm. Ein leerer Schulranzen.
Hanau am 14. Mai 1898.
^taMMww ^anau.
MkMlmchMM des OZerbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Nachdem durch Kaiserliche Verordnung vom 22. d. Mts. bestimmt worden ist, daß die Neuwahlen für den Reichstag am 16. Juni d. Js. vorzunehmen sind, setze ich auf Grund des § 2 des Reglements vom 28. Mai 1870 (Bundesgesetzblatt S. 275) den Tag, an welchem die Auslegung der Wählerlisten zu erfolgen hat,
auf den 18. Mai d. Zs.
hierdurch fest.
Berlin den 24. April 1898.
Der Minister des Innern.
Vorstehende Bekanntmachung wird mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die Wählerlisten für den Stadtbezirk Hanau vom 18. Mai d. Js. ab acht Tage lang währender Stunden von 8—121/2 Uhr vormittags und 3—6 Uhr nachmittags im Zimmer Nr. 2 des Neustädter Rathhaufes (parterre) zu Jedermanns Einsicht ausliegen.
Einsprachen sind binnen 8 Tagen nach Beginn der Auslegung bei dem Magistrat anzubringen. Nur diejenigen Personen sind zur Theilnahme an der Wahl berechtigt, welche in die Wählerliste ausgenommen sind.
Die Abgrenzung der 8 Wahlbezirke wird demnächst näher bekannt gemacht werden.
Hanau den 27. April 1898.
Der Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.
6671
Bekanntmachung. ^teic^stagswa^CCiften.
Abschriften der Reichstagswahllisten können von der Stadtverwaltung gegen Erstattung der Abschreibgebühren bezogen werden. Anträge sind im Zimmer Nr. 16 des Rathhauses zu stellen.
Hanau den 13. Mai 1898.
Der Oberbürgermeister
7505
Dr. Gebeschus.
Am Montag den 16. Mai 1898, nachmittags von 4V2 Uhr ab, findet tm unteren Sitzungssaale des Neustädter Rathhauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des GeVerbegerichts statt, in welcher Partheien etwaige Streitigkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.
Hanau den 11. Mai 1898.
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts Dr. Gebeschus.
7510
Mittwoch den 18. Mai 1898
Zucht- und Fettviehmarkt
in Hanau. 7471
Ein sozialdemokratisches Zukunftsbild.
Die Sozialdemokraten haben sich mit ihren Ideen über den Zukunftsstaat, den sie auf den Trümmern der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung errichten wollen, schcn so lächerlich gemacht, daß die Klüger» unter den „Genossen" es längst aufgegeben haben, zu -schildern, wie die Verhältnisse in diesem erträumten Paradiese aus Erden geordnet werden sollen. Gar zu neugierige Fragen werden mit der verlegenen Auskunft abgefertigt: Kommt Zeit, kommt Rath! Bisweilen passirt es aber dem einen oder andern Führer dennoch, daß er seine Weisheit über die Herrlichkeiten des sozialdemokratischen Regiments unvorsichtigerweise ausplaudert. Das ist dann j-desmal recht erheiternd. Hören wir daher, was die Sozial- demokraten in einem uns vorliegenden Flugblatte über den Himmel auf Erden zu sagen wissen. Zweck diese? Flugblattes ist, den Wählern im Wahlweise Wanzleben klar zu machen, daß sie bei Leibe keinen andern als d.n Tischlermeister Gerlach in den Reichstag wählen dürfen.
Also: gute Schulen müssen sein! Wie sollen die beschaffen sein? „Kleine Paläste mit Gärten, »wo sich die Kinder glücklich fühlen!" Alles ist frei: Unterricht, Bücher u. s. w. Die Lehrer und Lehrerinnen sollen sehr tüchtig sein und gut bezahlt werden. Was sollen die Buben und Mädels in der Schule lernen, auch Kochen, Nähen u. s. w.; die Knaben sollen später ein Handweik lernen und daneben eine „höhere wissenschaftliche Ausbildung" erhalten. Aber eines dürfen die Buben, von denen ein Jeder an der Hobelbank oder auf dem Schneidertische zugleich ein kleiner Professor sein wird, unter keinen Umständen werden: nämlich Jurist. Juristen wird es überhaupt nicht mehr geben. Da im sozialdemokratischen Staat sich Alle wie Brüder lieben werden, wird auch jede Gelegenheit zu Prozessen fehlen! Mithin braucht man auch die ganze Juristerei nicht mehr! Ob die jungen Sozialdemokraten Theologen werden dürfen, sagt der „Genosst" Gerlach nicht, eS ist ja aber selbstverständlich, daß Kirchen und Pastoren nicht mehr existiren werden. Mit der Bildung will es jedoch der Tischlermeister Gerlach sehr ernst nehmen. Auch das Studium auf den Universitäten wird für Jedermann unentgeltlich sein; „talentvolle" Jünglinge und Töchter haben nicht nur Unterricht, sondern auch Wohnung, Kleidung und
Essen vollkommen frei. Daneben Lesehallen, Theater, Vergnügungen — AlleS frei.
Das gesammte Volk — so wird weiter von dem Pro- ' phetcn im Kreise Wanzleben berichtet — nimmt an den Staatsgeschäften Antheil. Das Volk bestätigt alle Gesetze und wählt alle Beamten; „Nachtwächter, Ortsbehörden, Land- räthe, Minister, Richter, Geistliche (also doch!), Lehrer usw." Der Staat garantirt den Arbeitslosen Arbeit und lohnenden Verdienst. Ob Bummler und Faulstricke ebenfalls vom Staate reichlich versorgt werden, oder ob es solche Menschen in Zukunft gar nicht mehr geben wird — verschweigt das Flugblatt. Jedenfalls sollen Alle — Handwerker, Geschäftsleute, Kleinbauern und Arbeiter — bei einem Alter von 60 Jahren eine „ausreichende Etaalspension" erhalten, „ungefähr wie heute ein Pastor."
Nun ist allerdings noch eine heikle Frage zu beantworten: Wo soll das Geld zu all' diesen schönen Plänen Herkommen? Die „Genoffen" in Wanzleben wissen auch hierauf Bescheid zu geben: „Diese Frage beantwortet unser Programm!" Das klingt sehr stolz, waS aber aus diesem Programm^ zitirt wird, ist so konfus wie nur irgend möglich. Einmal sollen alle indirekten Steuern abgeschafft werden. Dadurch werden natürlich die verfügbaren MittA, um „das Volk" zu ernähren, nicht vermehrt, sondern im Gegentheil zum großm Theil preisgegeben. Aber auch auf die direkten Steuern glauben die sozialdemokratischen FinanzgenieS verzichten zu können, wenn man ihnen die Kassenschlüssel in die Hände gibt. Auf die „Millionenvermögen und Millioneneinküvste" haben sie es abgesehen.
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsblatt 14 Seiten.
Dieses ganze Finanzprogramm ist so herzerquickend naiv, daß wir dasselbe den Lesern nicht vorenthalten dürfen. Man höre und staune! Dort heißt es: „Die Reichen werden in den Mittelstand herabgezogen und wir andern durch Einziehung der Rieseneinkünfte jener in den Mittelstand hinein- gehoben, dann ist der Mittelstand erhalten und hier haben Sie das Bild des sozialdemokratischen Zukunftsstaates!" Es wird also etwas von oben nach unten gezogen, von unten nach oben gehoben — und das Zauberkunststück, das noch nie jemand vollbracht hat, steht fix und fertig da! Alle Unterschiede zwischen Arm und Reich sind verschwunden, es gibt nur noch den einen großen Mittelstand.
Wir haben diesem Programm nichts hinzuzufügen. Wer solchen Blödsinn glaubt, der kann nichts Besseres thun, als einen Sozialdemokraten in den Reichstag zu wählen.
Tagssschau.
Bon bet Marine. Laut telegraphischer Meldungen an das Ober-Kommando der Marine ist die zweite Division des Kreuzer-GesSwaders, Chef: Kontre-Admiral Prinz Heinrich von Preußen, Königliche Hoheit, am 12. Mai in Taku eingetroffen; die erste Division des I. Geschwaders, Chef: Vize- Admiral Thomsen, ist am 12. Mai in Grcenock (Clyde)ein- getroffen und beabsichtigt am 16. Mai nach Kirkwall in See zu gehen; S. M. S. „Irene", Kommandant; Korvetten- Kapitän Obenheimer, ist am 6. Mai und S. M. S. „Cormoran", Kommandant: Korvetten-Kapitän Brussatis, am 8. Mai in Manila angekommen.
Z«r Tammlttngspolitik. Es ist eine durchaus irrige Vorstellung von dem wahren Wesen der Sammlungspo! itik, anzunehmen, dieselbe wurzele in parteipolitischen Erwägungen und verfolge Absichten, die darauf gerichtet seien, den Bestand gewisser Fraktionen zu fördern und den anderer zu schmälern. Ihr Zül liegt vielmehr ausschließlich auf wirth- schaftlichem Gebiete. Die Politik der Sammlung will einen gemeinsamen Boten schaffen für alle diejenigen Elemente, welche in dem Schutze der nationalen Arbeit die Hauptaufgabe der Zukunft erblicken. Ihre Spitze richtet sich demgemäß ausschließlich wider die freihändlerischen Gegner eines solchen Schutzes, die sich gegenwärtig fast nur noch in den Reihen der sozialen und bürgerlichen Demokratie finden. Der Kampf gegen die Soz>aldemckratie, zu dem da? Sammlungsprogramm avffordert, aber trägt um so weniger einen parteipolitischen Charakter, als es sich hier um Bekämpfung eines Gegners handelt, dem seine grundsätzliche Verneinung des Bestehenden mit Naturnothwendigkeit eine Ausnahmestellung zumeist, und der seiner inneren Wesensart nach gänzlich außerhalb des Rahmens der geltenden Parteiverhältnisse steht.
Abkühlung. Der „Reichsbote" erörtert die Frage: Wird der neue Reichstag besser oder schlechter werden, als der alte? und drückt die Hoffnung aus, daß er bester werde; denn die befriedigenden Zustände des wirthschaftiichen Lebens, die glücklichen und erfreulichen Aktionen der auswärtigen Politik, der Aufschwung der nationalen Arbeit, des Handels, des nationalen Wohlstandes und des An- schens des Deutschen Reiches im Auslande — das alles hat die Hinneigung zu den demokratischen Nörgel-Parteien bedeutend abzekühlt und gezeigt, daß man doch weiter kommt mit einer positiv bauenden konservative» Politik, als mit der öden Nörgelei der Sozial Demokratie und des Freisinns. — Auch vielen Arbeiterkreisen dürfte doch allmählich der Gedanke aufdämmern, ob es für sie rathsam ist, der Sozial- demokratie ihre Arbeitssteuer in den Schoß zu werfen, damit diese dann im Reichstage gegen alles stimmt, wovon die Arbeiter Nutzen haben."
Zentrum und Sszialdemokratie. Unter der Devise „Für Wahrheit, Freiheit und Recht!" hat das Zentrum seinen Wahlaufruf veröffentlicht. Mit den ärgsten Schimpfreden fällt die Sozialdemokratie alsbald darüber her. Der „Vorwärts" schreibt: „Die alte Devise, unter der das Zentrum wieder in den Wahlkampf zieht, ist nichts als ärgste Heuchelei und man sollte dafür schreiben: „Für Unrecht, Verdummung und Volksverrath." Hoffentlich merkt sich das Zentrum diese Worte für den kommenden Wahlkampf. Eine tiefe, unüberbrückbare Kluft trennt die christlich- konservative Weltanschauung deS Zcntrnms von der atheistisch- umstürzlerischen der Sozialdemokrarie. Der Platz des Zentrums ist daher auch im Wahlkampfe unter allen Umständen an der Seite der Ordnungsparteien, was leider von den linksstehenden klerikalen Elementen zur Zeit der Wahlkampagne bisher nicht immer in gebührender Weise beachtet worden ist.
Arbeiterpartei aber Revolutionspartei? Wer hat Recht, Naumann oder ich? Mahnruf eines deutschen Ar-