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Amtliches Organ für Staöt- unö Lsuökreis Hanau.
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Nr. 86.
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Donnerstag den 14. April ^'■ATlSäm?^
1898
NEchss. ^an^^rsi^ ^anau.
VekamtmachmgLN des Königlichen Laudrathsamtes.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorftetzer werden hierdurch darauf aufmerksam gemacht, daß es im Hinblick auf die spätere Strafvollstreckung sich empfiehlt, bei von außerhalb Preußens wohnenden Personen begangenen Uebertretungen nicht mit polizeilichen Strafverfügungen vorzugehen, vielmehr der lokalzuständigen Amtsanwaltschast Anzeige zu erstatte«.
Hanau am 31. März 1898.
Der Königliche Landratb.
V. 3737 I. V.: Dr. Becker, Reg.-Assessor.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Regenschirm. Ein weißer Damen- handschuh. Ein Taschenmesser.
Verloren: Ein goldnes Armband.
Hanau am 14. April 1898.
StaMBrew ^anau.
ArkMNtWschMßks des OSeMMrMeistersNtes.
Infolge Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche unter dem Viehbestände eines hiesigen Einwohners sind die hiesigen , Viehmärkte bis auf Weiteres wieder aufKehoben worden. Ebenso ist das Beschicken der Wochenmärkte mit Läuserschweinen und Absatzferkeln bis auf Weiteres verboten.
Hanau den 13. April 1898.
Der Magistrat
Dr. Gebeschus. 5684
Die für die Ausführung von Installationen für den Anschluß an das städt. Elektrizitätswerk maßgebenden Vorschriften liegen im Rathhause, Zimmer Nr. 18, zur Einsicht der Interessenten offen.
Hanau den 13. April 1898.
Der Magistrat
Dr. Gebeschus. 5683
Städüslht gkwktbl. Fstüilttizrslhnlt.
Das neue Schuljahr beginnt Msntckg dr« 18. April K I., vomitta-s 8 Uhr.
Anmeldungen werden am 18. und 19. April d. I., vormittags von 8—10 Uhr, im Schnlhause, Erbsengasse Nr. 1, entgegengenommen.
Hanau den 12. April 1898.
Der kom. Dirigent:
C. Wankel.
Feuilleton.
Gin Spazierritt nach Tjistto.
<Bo» dem nach Kiautschou entsandten Spezial-Berichterstatter des „S. L.-A.")
sMenchlinLs photographirt. — Auf der Paßhöhe des Osllagers. — Chinesische Ackerbkstellung. — Laudstr«ßen cxistiren richt. — Chinesische Dörfer und Torsschönen. - Chinesische Eifersucht. — Das Ku^dEs-^CHirkM^Kr^ücu^— Im Pfandhause von Tsinw.s
' ^^ , iTsigteru, 24. Februars j
r u, J^rL01^ ^G§ «lugenblicklich von den deutschen Truppen kesitzte chmcslsche Gebiet — also von hier über Tsimo nach Klaulschou und über Nikukau zurück — ist bei den zum Theil sehr schwierigen Wege» dieser circa 200 Kilometer betragen- Gesammtstrecke ziemlich strapaziös, bietet aber des ^nter- essanten eine ganze Fülle! . . . Vor einigen Tagen unternahm diesen Ritt der Kommardeur des Mariue-^nsanterie- Bataillons, Major v. Lossow, in Begleitung seinesE Lieutenants v.Besse ur d ies Berichterstatters. Eine Ordonnanz und ein Naßov (chinesischer Pferdewärter) vervollständigte Kavalkade, welcher gleich nach dem Abreiten ons Tsingtau eine kleine Ueberraschong zu Th-il wurde. Sie fiel nämlich in einen Hinterhalt, der eigintlich den nach Tsiniug zurück- kehrcndcn Missionaren gegolten hatte; statt ihrer wurden sie nun meuchlings — photographirt.
Da bei dieser unblutigen Prozedur weder Reiter noch Pferde zu Schaden gekommen, fitzten die Herren sehr bald auf ihren muntcrin Shonghai-Ponies die Tour weiter fort und freuten sich, auf der Paßhöhe hinter dem Ostlager an- gelangt, des wunderbar schönen Umblicks, der sich gerade von diesem Punkte dem Auge bietet. Außer der rückwärtsliegen- din Rhxde von Tsingtau mit dem stolzen deutschen Geschwader nbersieht man hier die sich linker Hand anschließende Bucht
Auszug aus dem Ortsstatut, ! betreffend die gewerbliche Fortbildungsschule in Hanau.
Alle im Gemeindebezi k b?r Stadt Hanau in Arbeit stehenden gewerblichen Arbeiter der nachfolgenden Berufszweige: Glaser, Klempner, Drechsler, Maurer, Weißbinder od-r Maler, Lackirer, Steinmetzen, Stuckateure, Tischler, Zimmerleute, Gelbgießer, Gürtler, Schmiede, Schloffer, Maschinenbauer einschließlich Former und Metalldreher, Mechaniker, Wagner, Tapezierer und Kunstgärtner, sowie Buchbinder, welche daS 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sind verpflichtet, die hierselbst errichtete öffentliche gewerbliche Fortbildungsschule an den festgesetzten Tagen uns Stunden zu besuchen und an dem Unterricht Theil zu nehme«.
Die zum Besuche der Fortbildungsschule verpflichteten ge- w^rslichen Arbeiter müssen sich mit Beginn ihrer Schulpflicht bei dim Dirigenten der Anstalt persönlich anmelden und zu den für sie bestimmten Unterrichtsstunden rechtzeiiig einfinden, und dürfen sie dieselben ohne eine nach dem Ermessen des Dirigenten der Schule ausreichende Entschuldigung nicht ganz oder zum Theil versäumen.
Die Geweröeunternehmer haben jeden von ihnen beschäf tigten noch nicht 18 Jahre alten gewerblichen Arbeiter spätestens am 6. Tage, nachdem sie ihn kontraktlich oSer Probeseite angenommen haben, zum Eintritt in die Fortbildungsschule unter genauer Angabe des Namens, des Jahres und Tages der Geburt desselben, sowie des Namens, Berufs und Wohnorts der Eltern, berw. des Vormundes des Arbeiters bei der Ortsbehörde (Städtisches Meldeamt) anzumelden und spätestens am 3. Tage, nachdem sie ihn aus der Arbeit entlassen haben, daselbst mit her abzumelden. Sie haben die zum Besuche der Fortbildungsschule Verpflichteten so zeitig von der Arbeit zu entlassen, daß sie rechtzeitig und soweit erforderlich gereinigt und umgekleidet im Unterricht erscheinen können.
Die Gewerbeunternehmer haben einem von ihnen beschäftigten gewerblichen Arbeiter, der durch Krankheit am Besuche des Unterrichts gehindert gewesen ist, bei dem nächsten Besuche der Fortbildungsschule hierüber eine Bescheinigung mitzugeben. Wenn sie wünschen, daß ein gewerblicher Arbeiter aus dringenden Gründen vom Besuche des Unterrichts für einzelne Stunden oder für längere Zeit entbunden werde, so haben sie dies bei dem Leiter der Schule so zeitig zu b-antragen, daß dieser nöthigenfalls die Entscheidung des Kuratoriums der Fortbildungsschule einholen kann. 5558
T K g e S s ch a rr.
Fürstliche Gäste. Dresden, 12. April. Wie dem „Dresdener Journal" mitgetheilt wird, werden die nachge
nannten Herrschaften zur Feier des 70. Geburtstages und 25jährige« Regierungsjubiläums des Königs zum Besuche am königl. Hofe eintreffen: Der Kaiser von Oesterreich; der deutsche Kaiser; der Prinz Regent von Bayern; der Groß- Herzog von Hessen; der Herzog Johann Albrecht von Meck en- burg-Schwerin nebst Gemahlin; der Kronprinz von Schweden und Norwegen; der Großfürst Paul Alexandrowitsch von Rußland; der Herzog von Genua; der Graf von Flandern; der Herzog Albrecht von Württemberg; der Herzog von Sachsen-Coburg »nd Gotha und ser Erbprinz von Sachsen- Coburg und Gotha; der Erbgroßherzog von Baden; der Erb- großherzog von Sachsen-Weimar und Prinz Bernhard Heinrich von Sachsen-Weimar; der Erbgroßherzog von Oldenburg; Ernst Günther zu Schleswig-Holstein; der Fürst von Hoben- zollern; der Fürst von Schwarzbarg- Rudolstadt; der Fürst Reuß j. ß.; der Fürst zu Schaumburg Lippe; der Erbprinz von Sachsen Meiningen nebst Gemahlin und Tochter; der Erbprinz von Anhalt nebst Gemahlin; der Prinz Ernst von Sachsen-Altenburg nebst Gemahlin; der Prinz Albert von Sachsen-Altenbürg; der Prinz Christian von Sc^eewig- Holstein; der Prinz Leopold von Schwarzburg-Sondershausen, sowie der Herzog von U-ach nebst Gemahlin.
Das Verzetchnitz der «nerlesigten Dorlagen ist im Apgeovdneterehtdttse gestern ausgegeben worden. Danach sind noch nicht durchberathen 15 R gierungsvorlagen, 5 Ks-nmissionsberichte über Anträge, 9 Initiativ Anträze, 2 Interpellationen, 59 Kommissionsberichte über Petitionen. Von den Regiernngsvsrlsgen stehen u. a. zur zweiten und dritten Berathung: der Ges tzrntwurs über die Piisziplinar- ve Hältnisse der Privatdozenten an den Landesuniversitäten, der Gesetzentwurf über das Anerbenreckt bei Kandgütem in der Provinz Westfalen, der Gesitzentwurf über das Dienst- einkomuien der Pfarrer. Die erste, zweite und hatte Berathung haben noch zu erfahren u. a. der Gesetzentwurf über die Erweiterung und Verständigung des Slaatseisenbahnetzes und die Bctheilizunz des Staates an dem Bau von Kleiu-^ bahnen. — Unter den Kommissionsberichten über Anträge befinden sich die der Budgetkommission über die Anträge von Arnim, betr-ffcnd die Erhöhung des Einkommens der Förster, Möller, betreffend die Aufbesserung der Gehälter der Lehrrr an dem vom Staate und andern gemeinsam unterhaltenen Lehraifftalten, der Agrarkommiffion über den Antrag des Abg. Herold, bet. Uebernahme der Kosten thierärztlicher Umersuchungen auf die Stratskasse. Von den Anträgen stcheu noch zur Berathung die der Abgeordneten Baensch- Schmidtlein und Sey^el (Hirschberz), betr. die Neuregelung der Schulunterhaltungspflicht, des Abg. Gamp, betrcff-nd die -Revision der zur AuSfü.rung der reichsgesetzlichen Bestimm- ^ungen über die Sonrtogsruhe erlessenen Verordnungen, der Abgg. von Mindel-Steinfels und Ring, betreffend Maßregeln gkgm Viehseuchen, sowie Einführung der obligatorischen
von Kiautschou, belebt durch eine Menge hin- und Hers geln- der chinesischer Dschunken. Zur Rechten ziehen sich die wild zerklüfteten, nur vereinzelt mit niederem Lütschengebüsch be standenen Autläufer des Lauschan-GebirgeS hin. Zwischen diesen und dem Mecresufer aber erstreckt sich, so weit das Auge reicht, ein allwählich breiter werdendes, stark coiphttS Gelände mit zahlreich ein gestreuten Dörfern. Wir zählten deren allein in allernächster Nähe vierzehn. Auch das tleinste Fleckchen ertragsähigen Bodens wird in diesem Uferstrich von den ChmefkN arsz-nutzt und bebaut. Kaum verständlich ist nur, daß dies auch heute noch mit Ackergeräthschaften aller- primitivster Art gischuht, wie solche vor Taustnden von Jahren von den Ureltern der jetzigen Bewohner benutzt worden sind. DoS zu beobachten, hauen wir im Verlaus unserer Reittour wiederholt Gelegenheit, denn schon jetzt, Mitte Februar, gehen die Chinesen hier daran, ihre Gerstenfelder zu bestellen. Mit einer wr ndersamen feinen Pfluzschaar, vor der zumeist ein Ochse und ein Esel gemeirffam eivgesponnt, zieht der Lenker eine kaum zolltiefe Furche. In dieselbe streut der nachfolgende Säwsnn mit regelmäßigen Intervallen von circa zwei Fuß je ein Häuschen Gerstenaursaat und thut später, ebenfalls mit der Hand, zu jedem dieser Häufchen ein paar Brocken getrockneter Excrcmeute; ein leichtes Darükereggemmit primitivster Holzexge schließt oder schließt auch richt die Furche, und — dre Sache ist abgethan I
Im Großen und Ganzen herrschte aber loch noch auf den Aeckern wenig Leben, desto regerer Verkehr dagegen auf den Landstraßen, unter denen man aber keinesfalls Landstraßen nach unseren Begriffen z« verstehen hat. Die fftstiren hier überhaupt nicht! Nur einfachste, je nach der Terrambeschaffen- heit schrräler oder breiter ausgetretene Pfade dienen alS Verbindungswege zwischen den Dörfern und Städten. Bei dem hiesigen fetten Lehwbod n mit Thonunterloge fi«d sie bei trockenem Wetter steinhart, insolge der ihren eigenen, tief
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aus gefahrenen Schubkarren-Geleise jedoch schwierig zu passiren. Tritt Regenwetter ein, so verwandeln sie sich sofort in fuß- tiefen, kleberigen Schlamm, durch den kaum vorwärts zu kommen ist. Augenblicklich waren sie fest und, wie schon gesagt, ungemein belebt. Ganze Trupps Chiuesm zogen auf Uxen hin und her, ihrer Arbeit nach. Viele von ihnen führten auf schwer bepackten Vilboros (einrädrigen Schubkarren) alle möglichen Landesprodukte, Sachen und Stückgüter nach Tsimo oder kamen von dort bereits mit ihren Einkäufen zurück. Alle musterten veuzierig die fremden Reiter. Einzelne Chinesen grüßten auch, und dann geschah das meistens militärisch durch Anlegen der Hand an die Kopfbedeckung, wie sie das irgendwo bereits unseren Soldaten abgesehen hatten.
Wie dicht die Berölkerung hier gesät ist, deuten schon die nahe bei einenber gelegenen, meist sehr nmfangrechen Dörfer an, welche sich wiederum aus einer Unzahl einzelner, in sich selbst möglichst abgeschlossener Geböfte zusammensetzen. Die Häuser der ß^tcren machen mit ihren aus Stein aufgeführ- tex Mauern auf den ersten Blick einen recht soliden Emdruck. Bei genauerer Untersuchung aber erweist sich ihre Solidität als illusorisch, sintemalen diese scheinbar massiven Mauern aus unregelmäßigen Feldsteinen bestehen, die nur uothdürftig durch gewöhnlichen Lehm und schlechtesten Mörtel zusammen- gehalten werden und dementsprechend auch nur sehr geringe Widerstandskraft besitzen. Genau dasselbe gilt von den alle größeren Dörfer einschltrßenden Umfassungsmauern.
Nahten wir einem solchen Dorfe, so ließ sich oft schon von Weitem zweierlei wahrnehmen: ein eiliges Herbeiströmen der im Freien beschäftigten männlichen Einwohner zu der Haupt-Dorfstraße, um uns dort näher in Augenschein zu nehmen, und glnchzeitig ein fluchtähnliches Ausreißen, d. h. eiligstes Fortwatscheln der holden, chinesischen Weiblichkeit. Ging Letzteres nicht mehr schnell genug zu bewerkstelligen, so