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für Stadt- und Landkreis Hanau 10 ^ die ^gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^
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Amtliches Organ für Stsöt- unö LsnSKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer yeilage. *ewe»e*iiWwteifieiMMWi6WeWfc<iMw«aeBeeMweewMeMwee»ie«wKÄ™n»»*wwiBGe*SB*e«BB.iw»W6Wewee»Ärweewt
Montag den 28. März
1898
Amtliches.
^anößreis ^anatu
SekaMtmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
In Wafserlos, Bezirksamt Alzenau, ist die Maul- und Klauenseuche auSgebrochen und Gehöftsperre ««geordnet worden.
Hanau am 28. März 1898.
Der Königliche Landrath
V. 3647 v. Schenck.
Dienstaachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine Hundekette. Ein Paar ausgebefferte graue Mannsstrümpfe. Ein LoosungSschei» für Dachdecker Christoph Gertenbach aus Ochshausen.
Zu geflogen: Ein Kanarienvogel.
Verloren: Ein neuer Regenschirm. 4,60 Mk. baar (in Papier gewickelt). Eine ca. 1,25 Meter lange goldne rohe s. g. Knotenkette; dem Wiederbringer eine Belohnung. Ein Portemonnaie mit 34—35 Mark. Eine schwarze Schürze mit Stickereien. Eine goldne Kravattennadel.
Hanau am 28. März 1898.
Karl Geibel in Kesselstadt ist zum Todtenbeschauer der Gemeinde Kesfelstadt bestellt und verpflichtet worden.
Hanau am 18. März 1898. V. 3222
IV. J. 275/95. Der Steckbrief vom 16. März 1895 gegen den Kaufmann Ferdinand Hegmann aus Hanau wird erneuert.
Frankfurt a. M. den 24. März 1898.
Kgl. Staatsanwaltschaft.
Im Hafen.
Nach langer Fahrt ist die Flottenvorlage in den Hasen der Gesetzgebung einzelaufen. Der Reichstag hat das für unsere Wehrkraft, zum Schutze unseres Handels und unserer Kolonien so wichtige Gesetz mit großer Mehrheit angenommen. Diese Thatsache ist mit Genugthuung zn begrüßen. Wenn man bedenkt, wie der Reichstag noch vor einem Jahre nicht einmal die überaus bescheidenen einjährige« Forderungen für die Marine anerkannte, so wird man die S chwierigkeiten ermessen können, die zu überwinden rasten.
Das Verdienst an dem Zustandekommen des Gesetzes gebührt in erster Linie der Reichsregierung; sie hat das Verständniß für die Bedeutung der Flotte geweckt und befestigt, sie hat entschieden auf die Bewilligung, des alt nothwendig Erkannten bestanden, und sie hat vor Allem auch gezeigt, daß sie von der Flotte zum Wohle deS Vaterlandes Gebrauch zu machen »ersteht. Die sachliche und ruhige Vertretung, welche der Gesetz-Entwurf durch das Reichsmarineamt gesunden hat, das weitgehende und geschickte Entgegenkommen und das vornehme Auftreten des Staatssekretärs Tirpitz, die eingehenden und überzeugenden Darlegungen deS ReichS- schatzsekretärS Frhr. von Thielmann und des Staatssekretärs des Innern Grasen Posadowsky über die Finanzkraft des ReicheS und das Avsreichen der vorhaudeuen Deckungsmittel verbesserten vt« Tag zu Tag die Stimmung nicht bloß im Reichstage, sondern noch weit mehr in der öffentlichen Meinung; hinzu traten mit überzeugender Kraft mehrere Ereignisse im Auslande und ihre geschickte Ausnutzung durch eine thatkräftige, wohlerwogene Leitung der auswärtigen Polink.
Nach der Reichsregierung hat an der Förderung der Vor- läge neben Herrn von Bennigsen, der eigens von Hannover nach Berlin gekommen war, um kurz vor feinem Scheiden a»s der politische« Wirksawke't für das große nationale Unternehmen cinzutreten, der Centrumsführer Dr. Lieber ohne Frage den Havptantheil. Ihm ist es zu denken, daß die große Mehrheit seiner FrEons>Genvsfin, die arfanzs der Verstärkung unserer Flotte ablehnend gegenüberstand, zu positiver Mitarbeit und schließlich zur Annahme der Vorlage bewogen wurde. Es ist weiter cnzuerkennen, daß infolge kines Eentrrms-Antragcs eine Verbesserung der Vorlage insofern eingetreten ist, cls der gesetzliche Flotteriestand nicht erst in sieben, sondern schon in sechs Jahren erreicht werden soll. Die Verdienste des Abgeordneten Dr. Lieber und seiner Parteiffeunde in dieser wichtigen nationalen Frage sind um 1° erfreulicher, als das Centrum mit feiner Stellungnahme zur Flotten-Vorlage in seiner Politik eine Wendung vollzogen ^at. Das Centrum hat sich in seiner Mehrheit — wenigstens
was die Frügen der Wehrfähigkeit betrifft — auf denselben Standpunkt gestellt, den früher die alten Kartellparteien einnahmen. Die Abgeordneten Frhr. von Hertling und Spähn haben diese Wendung mit dem Gefühl der Verantwortlichkeit der ausschlaggebenden Partei und dem Pflichtbewußtsein derselben erklärt.
Das Schicksal der Flottenvorlage hat wieder einmal in erfreulicher Weise gezeigt, daß der nationale Gedanke im deutschen Volke in alter Kraft lebendig ist. Durch die Annahme des Gesetzes mit einer so überwiegenden Mehrheit ist der Beweis erbracht, daß da, wo Lebensinteresfin des deutschen Volkes in Frage kommen, wo es sich um Sein oder Nichtsein handelt, die gesetzgebenden Faktoren zusammensteben. Diese Thatsache dürfte namentlich im AuSlande, welches Abstimmungen über die Forderungen der Landes-Dertheidigung als Zeichen für die Gesundheit unserer innern Verhältnisse zu betrachten gewohnt ist, ihren Eindruck nicht verfehlen.
Der Abgeordnete Richter und die Flotten Borlage.
Je mehr sich die Zeichen flottenfreundlicher Stimmung im Lande mehrten, während anderseits das AbstimmungsErgebniß des Reichstages noch zweifelhaft erschien, desto stiller wurde die ehedem so laut betriebene Opposition der „Freisinnigen Zeitung". Die Flotten-Vorlage als Wahl- pa'.ole angesichts einer etwaigen Reichstags - Auflösung lastete gleich einem beängstigenden Alp auf der Brust des Abgeordneten Richter. Als aber mit der zunehmenden Sicherheit eines Mehrheits- Beschlusses der Alp hinweggenommen war, da trat auch Eugen Richter wieder keck in die Schranken und hielt eine donnernde Rede gegen das Flotten - Gesetz.
Vor allem mußten natürlich wieder die bekannten Ein- wände von der „Knebelung der Volksrechte", der „Bindung des Etatsrechts" u. s. w. herhalten, obgleich gerade in diesem Punkte die überzeugende und lichtvolle Beweisführung deS Referenten der Budget-Kommission, des Abgeordneten Lieber, jegliches Bedeuken hinweggenommen hatte. Zudem wusste der Staatssekretär des Marine-Amts dem Abgeordneten Richter das Widerspruchsvolle seines Verhaltens aufs schlagendste nachzuweisen. Vor dem Bekanntwerden der Flotten-Vorlage hatte daS Richtersche Preßorean das Ver- laugen der „Germania" nach einem festen, bindenden Programm auch zu dem feuriges gemacht. Nachher . aber, als ein klarer Plan und damit naturgemäß zugleich die Forderung seiner gesetzliche« Festlegung der Ocffentlichkeit unterbreitet waren, änderte sich flugs die freisinnige Taktik. Nun wurde der Vorwurf der „Uferlosigkeit" durch den der „Etats- Bindung" ersetzt. EineS geht daraus mit voller Klarheit hervor: für den Freisinn Eugen Richters ist die Opposition Selbstzweck. In verschiedenen Schubfächern liegen die widersprechendsten Argumente bereit; je nach Bedürfniß wird das eine dieser Schubfächer zugeschoben und das andere geöffnet. Von innerer Folgerichtigkeit und sachlicher Kampsesweise fehlt jede, auch die leiseste Spur.
Nicht minder unglücklich erwies sich der Richtersche Ver- srch, nachzuweisen, daß die geforderte Verstärkung unseres Marincbestandes allein der heimischen Schlacht flotte und nicht der AuSlandsflotte zu gute käme. Schon die bei dieser Gelegenheit gemachte Zahlenangabe war falsch. Wir sollen nach dem Geßtz 42 Kreuzer besitzen und besitzen zur Zeit 33; eS fehlen also 9 Kreuzer, und von diesen geforderten 9 Kreuzern entfallen 5 auf die Schlechtflotte und 4 auf den Dienst im Aulande. Ferner aber verleiht auch die mit der Annahme des Flotten-Gtsetz-s verknüpfte Erhöhung unserer Seegeltung an und für sich jedem Kreuzer und jedemKanonen- boot, welche wir jenseit der Meere schwimmen haben, eine ganz andere, weitaus gesteigerte Bedeutung.
Die Popularität des Marine Gedankens übrigens wird durch nichts besser beleuchtet als dadurch, daß selbst Eugen Richter bei Gelegenheit seiner Rede die Nötigung verspürte, sich" durch Anerkennung der Nothwendigkeit der Flotte mit einem, wenn auch noch so fadenscheinigen, nationalen Mäntel- chen zu umhängen. Eine nette Anerkennung fürwahr, der jede praktische Bethätigung fehlt, und die sich bisher nur im Verweigern geltend gemacht hat!
Ein äußerst zutreffendes Urtheil über das Richtersche Ge- kahren wurde von dem Abgeordneten von Bennigsen gefällt, der darauf hinwieS, daß in den europäischen Parlamenten kein Volksvertreter existire, der mit seinen Freunden alle Fragen der Lardes-Vertheirigung so fortgesetzt zum Exerzierplatz für Fragen des ®tai?reet8 mache, und zugleich den Ernst der Gefahren betonte, die sich hieraus ergeben können. In der Hat werden alle Vaterlandsfreunde dieser Aeußerung
des greifen Führers der Nationalliberalen von ganzem Herzen zustimmen und zugleich im Interesse der nationalen Zukunft Deutschlands sehnlichst wünschen, daß die gekennzeichnete Art der Volksvertretung möglichst bal) für immer aus unserm parlamentarischen Leben verschwinde.
Politische und unpolitische Nachrichten.
3(D epescheu'-Bwrea» „Herold".)
Berlin, 27. März. Wie das „Berl. Tagebl." schreibt, soll gutem Vernehmen nach die Vermittlung zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten von Nordamerika insofern einen Schritt räch vorwärts gethan haben, als bereits ein diplomatischer Ideenaustausch darüber eingeleitet worden ist. Die Initiative hat Frankreich ergriffen, welches sich zu dem Schritt durch feine finanziellen Rücksichten auf Spanien veranlaßt fand.
Rom, 27. März. Crispi erhielt sowohl auS ganz Italien als auch aus dem Auslande^zahlreiche Sympathieadreffen. Auch Fürst Sigmare? soll ihm ein Telegramm gesandt haben.
Madrid, 27. März. Sagasta erklärte, daß Spanien weder zur Vertheilung von Hilfsgeldern für die Nothleideuden auf Kuba seine Zustimmung geben, noch eine Entschädigung für den gesunkenen Dampfer „Maine" aus den amerikanischen Bericht gewähren werde. Der Krieg werde unvermeidlich sein, wenn Amerika auf seine Forderungen bestehen solle.
London, 27. März. Alle Depeschen aus New Dork lauten höchst kriegerisch. Marinesekretär Long hat die Ordre gegeben, alle Kriegsschiffe schwarz anzustreichen.
London, 27. März. Es verlautet, die britische Regierung sei entschlossen, unter gewissen Umständen ihre Politik der Nichteinmischung in China aufzugeben und zur Wahrung der britischen Interessen die Insel Tschusan zu besetzen uno sie in einen Stützpunkt für die Flotte zum Schutze des Dangtse-Thales zu verwandeln.
London, 27. März. Die Marinebehörde in Ports- mouth erhielt den Befehl, sofort Bericht über das Marinematerial, sowie über die Beschaffung der seefertig zu stellenden Schiffe einzureichen. Dies wird mit der Krisis in Ostasien in Zusammenhang gebracht.
London, 27. März. Nach einer Meldung aus Hongkong erhielt die dortige Flottenstation den Befehl, alles in Kriegszustand zu versetzen, die Mobilisation ist auf Dienstag angesetzt. Das Kriegsschiff „Barfleur" ging nach Nagasaki ab. Der russische Geschäftsträger dringt auf eine Mittheilung vom Tsungli-Namen über die Bewilligung der russischen Forderungen. Prinz Kunk, der Präsident des Tsungli-Namen, nahm 10 Tage Urlaub, angeblich krankheitshalber, in Wirklichkeit wegen | feiner Unzufriedenheit im Gang der Geschäfte des Tsungli-Damen.
Sofia, 27. März. Der plötzliche Tod der Gattin des Rittmeisters Boilschcff erregt hier ungeheures Aufsehen. Gerüchtweise verlautet, daß die Verstorbene Gift genommen habe, weil sie die Verurtheilung ihres Mannes zum Tode als die größte Schmach empfunden habe.
Wetterbericht.
Voraussichtliche Witterung: Unbeständiges Wetter mit zeitweise« Niederschläzen.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 26. März.)
Der Reichstag s tzte heute die zweite Lesung der F l o t t e n- » orlage bei § 2 fort, der von der Erneuerung der Schiffe durch Ersatzbauten innerhalb eines regelmäßigen Zeitraums handelt. Die Kommission hat folgenden Zusatz hinzugefügt; Die Fristen laufen vom Jahre der Bewilligung der ersten Rate deS Ersatzschiffes. Zu einer Verlängerung der Ersatz- stist bedarf es im Einzelfalle der Zustimmung des Bundesraths, zu einer Verkürzung derjenigen des Reichstag-. Etwaige Bewilligungen von Ersatzbauten vor Ablauf der gesetz- licken Dauer sinv inverhalb einer mit dem Reichstag zu vereinbarenden Frist durch Zurückstellung anderer Ersatzbauten auszugleichen. Der Präsident bittet die Red»er, sich in ihren Ausführungen an den § 2 zu halten. Das Referat erstattet Ab,. Lieber (Ctr.). Abg. Liebermann von « o n n e n b e r g (ltschsoz. Resp.) betont, daß es angesichts der Mah»ung des Präsidenten, zu 8 2 nur sachlich zu sprechen, unwiglich ser, die Stellung seiner Partei, welche noch nicht zu Wort gekommen sei, zur Flottenvorlage d«rzulegen. Er behalte sich vor, dies bei der dritten Lesung zu th«n. Abg. Rintelen (Ctr.) sagt, durch $ 2 werde das Budgetrecht deS Reichstags ein für allemal beseitigt, und das hindere ihn