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für Stadt- und Laud» kreis Hanau 10 ^ die 4gespaltme Garmond» zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 4
Zugleich
Im ReNamentheil
S.Ä Amtliches Organ für Stadt- unö LanSkreis Hanau. ”X^®2
10 * Srschn«, «Mtz mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
m. 71. Freitag den 25. März 1898
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Dicustuachrichten aus dem Kreise.
Gesunden: Am 24. d. Mts. aus der Straße bei Wilhelmsbad ein Portemonnaie mit Geld. Ein Meisel.
Entlaufen: Zu Langenselbold ein Pinscher Hund, roth, mit halblanger Ruthe, m. Geschl. Ein schwarzer Spitzhund mit weißer Brust, m. Geschl.
Abhanden gekommen: Ein kleiner Handwagen.
Verloren: Ein Portemonnaie mit über 20 Mark. Ein Portemonnaie mit 43V1 Mark. Ein Mctzer Loos VII Nr. 14749.
Hanau am 25. März 1898.
(Sitzung vom 24. März.)
Der Reichstag ßtzie heute die zweite Lesung der Flotte«- vorlage fort. Staatssekretär Ti rp itz kommt auf die gestrige Aeußerung deS Abg. Schiller zurück, daß der Admiral HoU- mann die jetzige Vorlage gekannt u«d sich trotzdem in anderer Richtung ausgesprochen habe. Beides treffe nicht zu; Admiral Hollma»» höbe in technischer Beziehung genau aus demselben Boden gestanden, auf bim sich die Vorlage bewege. Der Gesetzentwurf sei das Produkt einer zehnjährigen angestrengten Arbeit.
Abg. Hilpert (bayer. Bauernb.) erklärt, nicht für die Vorlage stimmen zu können, weil die Landwirthschost gegenwärtig in keiner günstigen Lage sei.
Abg. Richter (freis. Volksp.) führt aus, eS handle sich um eine dauernde Organisation, um die Festlegung des Etats. Warum wolle man die Floltenvmlage durch einen Reichstag bindend erledigen lassen, dessen Lebensdauer nahezu abze- laufen sei? Die Kommission habe den Gesetzentwurf so unwesentlich verändert, daß seine Panci bei ihrer ablehnenden Haltung verharren wisse. Die Bedeutung einer Flotte werde Überschätzt, und daS, was wir haben, werde unterschätzt. Die Neubauten würden in Wahrheit nicht dem Handel, sondern einzig und allein der Schlachiflotte zu gute kommen, ebwohl diese durchaus nicht so mangelhaft und ersatzbedürstig sei. Der Abg. Rickert habe im Jahre 1889 gerade das Gegentheil gesagt von dem, was er gestern gesagt habe. Damals habe er als Küstenbewohner jede Besorgniß bezüglich der Xn- greifbarkeit der Küsten von sich gewiesen. Auch Admiral HoL- mann habe gesagt, daß eine große Panzerflotte in die deutschen Flußmündungen nicht einlaufen könne. Bon der Rsthwendig- keit der neuen Formationen sei er in der Kommission nicht überzeugt worden. Das Hauptöedenken richte sich aber gegen die Bindung des Reichstags. Die Abkürzung des Ceptennats auf 6 Jahre sei kein Vortheil, sondern ein Nachtheil, denn sie erhöhe die jährlichen Raten. Er fürchte sich nicht vor Schreckgespenstern, aber ein Geist gehe schon herum, nämlich der Geist der außerordentlichen Ueberschätzung der Marine. Diesem Geist müsse man entgegentreten. Die Beeinflussung von oben her sei bei dieser Vorlage sehr stark gewesen. Die Masse des Volks stehe nicht hinter der Vorlage.
feuiUeton.
Zweites Abonnementskonzert des Meins'schen Gesangvereins.
Hanau, den 25. März.
Das zweite Abonnementskonzert der Weinser, das gestern Abend in den Sälen der Centralhalle stattsaud, hatte sich eines recht zahlreichen Besuches zu erfreuen, beide Säle waren bis auf den letzten Platz besetzt. Anfangs waltete über dem Konzert oder vielmehr über den Konzerträumen ein eigenthümliches Mißgeschick, indem die Leitung des elektrischen Lichtes nicht funktionirte, weshalb das Publikum im Halbdunkel — nur der Nebensaal war durch Gasflammen erhellt — etwa eine halbe Stunde, bis die Leitung in Betrieb gesetzt worden war, auf die Eröffnung des Konzertes warten mußte. Dieselbe erfolgte durch den Vortrag der Hymne „Gott der Weltenschipfer" von Jof. Pembaur, derselbe Chor, der auch im ersten diesjährigen Abonnementskonzert bei Vereins, da- wals jedoch nur mit Klavierbegleitung, diesmal hingegen mit Orchesterbegleitung zu Gehör gebracht wurde. Demgemäß war die Wirkung dieser groß angelegten Komposition bei der nahezu 60 Stimmen zählenden Sängerschaar und dem voll besetzten Orchester eine recht tiefgehende und eindrucksvolle, zumal Chor und Orchester sich den bedeutenden Schwierigkeiten toB und ganz gewachsen zeigten und an Präzision und Sicherheit fast nichts zu wünschen übrig ließen. Als weitere Ehöre folgten die mit großer Innigkeit und feinster Nüanri-
Staatssekretär Tirpitz legt dar, daß der Entwurf der Flotte eine Organisation geben «olle. Eine Organisation sei etwas Dauerndes, und darum müsse auch eine dauernde, eine gesetzliche Regelung erfolgen. Die „Freisinnige Zeitung* babe früher selbst ein s'stiS, bindendes Programm gefordert. Wie könne aber ein solches Progra»» festgestellt und eine Einigung hierüber erzielt werden ohne Gesetz? Er, Redner, sei daher über die Haltung deS Vorredners erstaunt. Schlagworte wie „uferlose Pläne" könnten keine sachlichen Grüme ersetzen. Herr Richter verweigere Alles, und das nenne er sümpfen. In der Kommission habe Herr Richter nichts gesagt, er müsse also wohl gefühlt haben, daß er seinen, bei Redners, Darlegungen nicht gewachsen gewesen sei. Man bedeute, in welche Lage wir kommen könnten ohne Flotte. Im Kriege seien die Ei!enbah»en mit Truppentransporten und KriegstranSporten in Anspruch gerrowvien. Die Hsuptzufuhr müsse also zur See stattfinde«, und diese Zufuhr könne uns ohne genügende Flotte abgeschnitten werden. Hätten wir eine solche Flotte, so würden wir mit erheblich schwächeren Küster- befestigungen auch an wichtigen Punkten auskommen können. Er habe schon gesagt, daß sein Vorgänger im Amte bereits nach den in der Vorlage festgelegten Prinzipien gehandelt habe. Gegen uferlose Pläre gebe es doch nichts Besseres, als die Marineverwaltung gesetzlich zu binden. Staats sekretär Frhr. ». Thielmann stellt einige finanzielle Ausführungen des Abg. Richter richtig.
Abg. v. B e n n i g s e n (null.) betont, in keinem anderen europäischen Parlament gebe es einen Politiker, der die Fragen der Landesverthridigung zum Exerzierplatz für Fragen des Etatsrechts mache. Wenn hinsichtlich des Konstitution «lismus in Deutschland eine Gefahr drohen sollte, so bestehe sie nur darin, daß der Reichstag einmal in Fragen der Landes Vertheidigung versahen könnte. Nebliger, s würde sich Herr Richter wohl gehütet haben, eine Oppositionsrede gegen die Flotte zu halten, wenn noch ein Zweifel vorhanden wäre, ob der Reichstag die Vorlage anuehme» werde. Wäre die Flotten- ftage in die Wahlbewegung geworfen worden, so würde sich die Lage für Herrn Richter und seine Partei wohl vcrhäug- voll gestaltet haben. In anderen Staaten gebe es kaum Parteien, die den Forderungen für Heer und Marine soent- gegentreten wie der Abg. Richter. In Frankreich hätten sogar die Radikalen die Forderungen der Regierung erhöht. Die Opposition gegen die Vermehrung der Flotte sei eigen!» lich durch diese Vorlage unangenehm enttäuscht worden, insofern als sie weit größere Pläne erwartet habe; deshalb male Herr Richter auch wieder schwarze Zukunftsbilder. Im Lande sei das Bewußtsein von dem Werthe einer starken Flotte gewechselt, vielleicht einige Theile von Bayern ausgenommen. Mit der jetzigen Vorlage solle ein dauernder Abschluß der Pläne und Versuche erreicht werden; unsere Flotte müsse im Stande sein, auch der größten SeemaLt in der Nordsee und in der Ostsee eine Seeschlacht zu liefern, und dazu werde sie nach der Ausführung des jetzigen Planes im Stande fein. Dazu kämen die großen Interessen unserer Häfen und unseres
rung dargebotenen beiden Volkslieder: a) „Die König?- linder" und b) „Ade", böhmisches Volkslied, bearbeitet von Böhme. Der lebhafte Beifall, mit dem diese beiden Lieder ausgenommen wurden, zeigte wiederum, eine wie dankbare Aufgabe die Gesangvereine in dem schönen Vortrag einfacher und edler Volkslieder erblicken dürfen. Den Schluß des ersten Theils des Konzertes bildete der Chor „Wasserfahrt" von F. Mendelssohn. Im zweiten Theil kamen die von Max Bruch für Soli, Männerchöre und großes Orchester komponirten Szenen auS der Frithjossage von Esaias Tegner znr Aufführung. Da erst vor Kurzem eine Besprechung des Werkes im Feuilleton dieses Blattes erschien, so erübrigt uns für heute nur, über die Aufführung selbst kurz zu berichten. Was hinsichtlich dieser den Chor anlangt, so müssen wir demselben auch hier unsere volle Anerkennung zollen, die Aufführung des Werkes lieferte aufs Neue den Beweis, daß es der Chor mit seinen Aufgaben ernst nimmt. Die Schwierigkeiten wurden mit Sicherheit überwunden und auch die Schattirungen schön herousgearbeitet. Besonders hervorge. hoben zu werden verdient die gewaltige Schilderung des Tempelbrandes durch Priester, Volk und Gefährten Frithjof'S, in der der Komponist unter Aufbietung aller ihm zu Gebote stehenden Mittel des ChoreS «nd des Orchesters eine hochdramatische Szene von hinreißender Kraft und packender Gewalt geschaffen hat, wie wir sie in der Männerchorlitteratur wenig finden. Dieser Chor sowohl als auch der Schlachtgesang „Auf, erhebet die Lanze des Kriegs, entfaltet die Fahne des SiegS", in dem das ganze Werk mächtig aus- klingt, wurden mit großer, überwältigender Wirkung zu Gehör gebracht. Nicht so günstig wie über die Leistungen bei
Handels. Wir brauchten eine kräftige Flotte, um die Handelsschiffe zu schützen. Der Abgeordnete Lieber sei gestern mit Unrecht angegriffen worden; er habe in der Kommission mit großem Geschick und vieler Sachkenutniß gearbeitet. Die jetzige Haltung des Centrums beweise, daß wir in Deutschland weit bessere Zustände hätten als andere Staaten, z. B. Frankreich und Oesterreich. Aus Anlaß dieser Vorlaze sei durch das deutsche Volk wieder ein frischer Zug gegangen, der gegenüber den politischen Zänkereien erfreulich sei. Man sollte dankbar dafür sein, daß neuerdings Fürsten ein so lebhaftes Interesse für die Marine zeigten. Das Landheer müsse eine Stütze und eine Ergänzung in der Marine haben.
Abg. Bebel (sozdem.) sagt, es werde sonst keinem Parlament in Europa zugewuihet, sich aus Jahre finanziell zu binden. In Deutschland regiere man auch gegen eine Majorität des Reichstages, und dieser antworte nicht mit der Budgetverweigerung. Jetzt würden die geringen Budgetbe- fugnisse des Reichstags noch mehr eingeschränkt. In Frankreich herrsche daS parlamentarische System, aber die Angehörigen aller Parteien glaubten infolge der Bismarckschen Politik, daß Deutschland Frankreich bald angreifen wolle. Deshalb stimmten dort auch die Opposttionsmitglieder für eine Verstärkung der Miltärmacht Frankreichs. Das Centrum werde infolge seiner jetzigen Haltung bald den Weg des Fleisches gehen. Um den Handel zu fördern, gebe es nur ein Mittel, den Frieden aufrechtzuerhalten und andere Staaten nicht durch neue Rüstungen zu reizen. Mit England und Frankreich werde Deutschland nie konkurriern können. Nun kämen noch die Forderungen für Kiaotschau. Wie solle das deutsche Volk das Alles bezahlen.
Ab^,. v. Kardorff (Reichsp.) hebt hervor, die Bedenken gegen die Borlage hätten bei vielen Abgeordneten so lange überwogm, als man über die Kosten besorgt gewesen sei. Jetzt laffe man die Bedenken fallen, da es möglich sei, ohne neue Steuern die Flotrenvermehrung durchzuführen. Gerade die arbeitenden Klassen hätten ein großes Interesse an der Flottenvorlage, denn sie gewähre wieder Tausenoen Arbeit. Den Deutschen im Auslande verdankten wir zum großen Theil ven Aufschwung unseres Handels, und es sei natürlich, daß sie öfter die deutsche Kriegsflagge sehen wollen. Der jetzige Reichstag habe sehr im nationale« Interesse gewirkt und werde sich durch die Annahme der Mariuevorlage ein neues Denkmal setzen.
Abg. Spähn (Ctr.) weist die Angriffe des Abg. Bebel gegen das Centrum zurück. Früher habe man sich zurückhaltend verhalten, weil man nicht klar gesehen habe und die Versuche roch nicht abgeschlossen gewesen seien. Das sei jetzt anders infolge dieser Vorlage, und auch die Mittel seien jetzt gesichert. Das Centrum sei sich seiner Verantwortung bewußt und habe sich nach sorgfältiger Prüfung in seiner Mehrheit für die Annahme der Borlage entschlossen. Der Kulturkampf sei noch nicht vorüber, trotzdem bewillige seine Partei, was für die Sicherheit des Vaterlandes und für die Ausdehnung unseres Handels nothwendig sei.
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Chores können wir uns über diejenigen der Solisten äußern, nämlich der Frau Elisabeth Grundmann-Rödiger von hier (Sopran) und des Herrn von Haxthausen voa Kopenhagen (Bariton). Frau Grundmann Rösigkr vertrat d e Rolle der Jngeborg in der Frithjofsage und sang außcrkem noch die Lieder „Allerseelen- von R. Strauß, „Liebeszauber- von Klara Schumann und „Ich liebe dich- v. A. Förster. Man merkt es der Sänge'-in an, daß sie längere Jahre als Bühnen- sängerin thätig gewesen ist, und demgemäß trägt ihr Gesang in Geste, Geberde und Pose einen vorwiegend theatralischen Charakter, was in dem Konzertsaale störend wirkt; etwas mehr klassische Ruhe dürste sie sich für den Konzertgesang zur Pflicht machen. Die Stimme des Herrn von Haxthausen hat einen sehr minimalen Umfang und ermangelt der erforderlichen Kraft und Fülle, um die herrliche Parthie des i?rith- jof auch nur einigermaßen wirkungsvoll zur Geltung zu dringen. Außerdem brächte der Sänger noch drei Lieder zum Vortrag, in denen er jedoch auch nicht für sich einzunehmen wußte. DaS zur Begleitung der Liedervorträge benutzte Pianino erwies sich übrigens mit seinem klapprigen Ton vollständig unzulänglich. Herr Adolf Müller leitete die Wiedergabe der Chöre, vor allem das Werk von Bruch „Scenen aus der Frithjofsage- mit künstlerischer Ueberwachung der einzelne» Kräfte, indem er Chor und Orchester dem bewährten Dirigentenftabe unterzuordnen und einer reifen und vornehmen Auffassung des Werkes zur Anerkennung zu verhelfen wußte. Das gut besetzte Orchester, zusammengesetzt auS den beiden hiesigen Militärkapellen, zeigte sich auf vortrefflicher Höhe, indem es künstlerisch Licht und Schatten verteilte.