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für Stadt- und Land« frei« Hanau 10 ^ Ht 4gespaltenc Garmond» zeile oder deren Raum, für AuSwärlb 15 ^
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^X. Amtliches Avgan für Sfaöt- unö Lsnökreis Hanau.
10 ^ Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Mittwoch den 23. März
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 22. März.)
Der Reichstag hat heute zunächst einige Rechnungsiachen über die Schutzgebiete erledigt. Abg. Schall (kons.) beklagt die vermehrte Einfuhr von Branntwein in unsere Schutzgebiete. Im Interesse des christlichen Kulturwerks in Afrika bitte er die Regierung, diesem Unwesen zu steuern. Unterstaatssekretär Frhr. v. R i ch t h »f e n erwidert, daß die Klagen der Regierung bekannt seien. €8 müsse da aber aus internationalem Gebiet vorgegangen werden, und es sei bereits eine Konferenz in Brüssel in Aussicht genommen, die Deutschland beschicken werde. Die Decharge für die Rechnungen wird ertheilt und der Bericht der Reichsschulden- kommission für erledigt erklärt.
Darauf wird die Bundesrathsvcrordnung über Herstellung von G uß sta h l ku g e ln mittelst Ku ge l s a r otmüh l e n in dritter Lesung genehmigt und ferner die allgemeine Rechnung für das Etatsjahr 1894/95 erledigt. Auch die Postdampfervorlage wird in dritter Leiung ohne Debatte angenommen. Daran schließt sich die zweite Be rathung des Gesetzentwurfs, be'reffend die anderweite Festsetzung des Ge sam mt kontin geut s der Brennereien, der ebenfalls angenommen wird.
Es folgt die Fortsetzung der zweiten Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Entschädigung der im Wiederaufnahmeverfahren sreigesproche- nen Personen. $ 1 wird mit 171 gegen 36 intimen angenommen. Abg. Frohme (soz.) befürwortet nunmehr einen Antrag Auer, einen neuen § 1a einzüschaltm, in dem eine Entschädigung für unschuldig erlittene Untersuchungsbast ausgesprochen wird. Staatssekretär Rieb erd in g betont, daß keiner der europäischen Kalturstaaten eine Entschädigung für die Untersuchungshaft gewähre. Die Kommissiousbe- rathung h-be ein negatives Resultat über diese Frage ergeben, es sei daher nicht angängig, die Frage hier durch einen ein« geschobenen Antrag, der die Grundlage des ganzen Gesetzes verschiebe, zu erledigen. Abg. Pieschel (natl.) sägt, auch seine Freunde seien im Prinzip für die Er tschädigung, aber aus praktischen Gründen könne diese Forderung in dem Gesetz nicht festgelegt werde». Abg. v. B u ch k a (kons.) hält die Entschädigung für unschuldig erlittene Untersuchungshaft für mindestens ebenso w chttg wie diejenige für die unschuldige Verurtheilung. Deutschland könne auch auf bieftm Gebiete den anderen Kulturstaaten vorangeben. Er werde aber gegen den sozialdemokratischen Antrag stimmen, um das jetzige Gesetz nicht zu gefährden. Abg. S ch M i d t Marburg (Ctr.) tritt auch für die Entschädigung für unschuldig erlittene Untersuchungshaft ein, hält aber ans praktischen Gründen vorläufig eine Resolution für zweckmäßig. Der Antrag Auer wird ab^elehnt. Der Rest des GesetzeS wird unverändert
FortS des Westens gegen die Indianer verwendet und nur bei größerem Aufruhr vermöge ihrer schnelleren Marschbereitschaft herangezogen. Die Infanterie ist mit vorzüglichen Repertirbüchsen amerikanischen Modells bewaffnet. Die Kavallerie reitet gut trainirte Thüre. Die Artillerie fü^rt sechsläufige Gotlinggeschütze, welche jedoch durch Schaell- feuerkanonen ersetzt werden sollen und ist weniger gut auS- gebildet.
Die Uniform besteht aus dunkelblauem Käppi, dunkelblauem Waffenrock und weiten hellblauen Hosen und ist nicht nur sehr kleidsam, sondern auch weit praktischer zUgeschnitten als die preußische.
In der Bundesarmee befinden sich Söldlinge aus aller Herren Länder. Well irgend Jemand, u» etwas zu verdienen, Soldat werden, so hat er nichts weiter zu tznn, als über 20 Jahre alt zu sein, und sich in einem her stets offenen Werbebureaus in den großen Städten zu melden. Dort wird er ärztlich untersucht, gewogen »nd, falls er gesund und nicht über 150 Pfund schwer ist, sofort angenommen. Der Gemeine oder „private" muß der englischen Sprache mächtig sein, sich zu fünfjähriger Dienstzeit und unbedingtem dienst lichen Gehorsam schriftlich verpflichten. Im ersten Jahre er- hält er anfangs einen Sold v»» 13 Dollar (etwa 54 Mk. monatlich), im zweiten Jahre 1t Dollar und so fort, bis er im fünften Dieustjahre mit 18 Dollar abschließt. Während seiner Dienstzeit erhält er Uniform, Waffen und Verpflegung geliefert; doch wird ihm für Schonung seiner Bekleidung und Ausrüstung eine bestimmte Prämie «»gerechnet, die er am Schlüsse seiner Dienstzeit sammt seinen sonstigen Ersparnissen und deren Interessen von dem „paymaster* aus bezahlt erhält. Der Dienst in den Kasernen oder „barracks" ist »icht schwer. Exerzirt wird bei der Infanterie z. L. nur eine Stunde täglich. Der Wochtdienst ist schon beschwerlicher, doch auch nicht aufreibend. Auf Stadturlaub, oder
Ar. 69.
„Amtliche Beilage" Nr. 22.
^anÖ^retö ^anau. Mlaimtmachmigen des Königlichen Landrathsamtes.
In Büdingen und Unter-Schmitten, Kreis Büdingen, ist die Rothlaufseuche erloschen und die Sperre aufgehoben worden. Hanau am 23. März 1898.
Der Königliche Landrath v Scheuck.
Dicnstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Kinderwagen mit ra. V» Centner Kohlen. Ein großer s. g. Schweinekorb.
Zugelaufen: Ein schwarzer Spitz mit gelben Beinen und weisen Pfoten, nebst Rasselhalsband.
Hanau am 23. März 1898.
^tadt^si0 ^anau.
GeLsrmtmachlmgeu des Oberbürgermeisteramtes.
Oeffentliche Sitzung des Gemeinde-Ansschnffes Donnerstag den 24. März 1898, nachmittags 5 Uhr. Berathungs-Gegenstände:
1. Hauptetat pro 1898/99:
Ordinarium E. u. A. 1348 500 Mk.,
Extraordinarium w „ M 1688 000 „ zus. 3 036 500 Mt.
2. Erwirkung eines neuen Privilegs für l*/s Millionen- Anleihe.
3. Rachverwilligung von Mk. 233,60 auf Tit. V Sp.-E. Stadtschloß — Kosten der Pläne.
4. Desgl. von Mk. 314,55 für Mehrkosten der Pümpver- suche auf dem Gaswerk.
5. Abräumungs- rc. Kosten der Schindlerffche« Scheuer Mk. 192,92. 4310
6. Geländeautztausch mit Peter Körner vor dem Mühlthor.
Handelskammer in Hanau.
Oeffentliche Sitzung
Donnerstag den 24. März 1898, nachmittags 4'/, Uhr, im Büreau der Handelskammer (Stadtschloß).
Die Handelskammer. Canthal. 4323
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Feuilleton.
Die Union in Waffen.
Skizze* ««» der Vereinigten Staaten Armee und Marine.
Von H. Deuwitz.
(S«*>r*< vertitfx.)
Seit dem großen Sezessionskriege, also ein volles Menschen- alter, hat Europa wenig Veranlassung gehabt, seine Aufmerksamkeit dem Heerwesen der großen amerikanischen Republik zuzuwenden. Heut aber, wo ein Krieg der Union mit Spanien zu einer ernsten Möglichkeit geworden ist, rüstet sich das allgemeine Interesse wieder arf die Heermacht der Union, zumal da ihre Verhälnisse und Einrichtungen ganz eigener Art sind.
Den Vereinigten Staaten stehen zwei Armeen zur Verfügung: Die regulären oder Bundesnuppen in der Stärke von etwa 35 000 Mann und die Nationalgarde »der StaatS truppen in ihrer Gesammtzahl etwa 150 000 Mann. Diese Truppen sind innerhalb weniger Stunden, vollständig aus- gerüstet, zum sofortigen Abmarsch gegen den Feind bereit. Wieviel Streiter die Union aber als sogen. Volunteers oder Freischärler im Ernstfall oder gar im Nothfall auf die Beine, unter Waffen, auf den Marsch und an den Feind bringen könnte, das entzieht sich jeder Berechnung, weil unter Umständen selbst die Frauen (horrible dictu) bewaffnet irs Feld ziehen und den Feind trotz Schnellfeuerkanonen und Maximgeschoffe einfach durch die bloße Uebermacht erdrücken würben.
Die reguläre Armee besteht aus Infanterie, Kavallerie und etwas Artillerie und ist die einzige stehende Truppe oder Linie in den Vereinigten Staaten. Sie wird zum oller- Arößeste» Theil zum Sicherheitsdienste in den zahlreichen
1898
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»ebst der Resolution auf Vorlegung eines Gesetzentwurfs, be treffend die Entschädigung für unschnldig erlittene Untersuchungshaft, angenommen.
Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr: Zweite Les»ng der Flottenvorlage.
Preußischer Landtag. AbgeordnetenhaaS. (Sitzung vom 22. März.)
Das Abgeordnetenhaus setzte gestern Abend die zweite Berathung des Eisestbahnetats fort und beendete die Genera! ditzkussiott, in welcher Abg. Pleß (Etr.) ausführt, die Aufregung über die Eisenbahnunfälle sei im Lande doch größer, als Abg. Graf zu Limburg-Stirum anzunehmen scheine; sogar die L bensversicherungSgesellschaften zögen Vortheil daraus. Eisenbahvminister Thielen tritt den Ausführungen des Vorredners über die Beamtenverhältnisse entgegen und betont, daß technische Dinge nur von Technikern in der Verwaltung besorgt würden. Abg. v. Ploetz (kons.) findet es ungehörig, daß die Eisenbahnverwaltung in ihren Räumen Plakate zur Anpreisung von Margarine zulaffe, und ersucht, daß Wagenbesteller von Ankunft oder Nichtankunst der Wagen schleunigst benachrichtigt würden. Minister Thielen erwidert, deß nur Plakate unsittlichen oder pülitisch-n Charakters verboten seien, daß er aber die Sache prüfen wolle. Die Wagenfrage sei nach dem Wunsche bei Vorredners bereits geregelt. Die Denkschrift über dem Stand der Betriebssicherheit, die Betrieseimichtungm und den Betriebsdienst auf deu Sraatseisenbahnkn wird durch Kenntuißnahmr für erledigt erklärt.
In der Spezialdiskussion beantragt zum Einvahmetitel ^Personen- und Gepäckoerk^hr" Abg. Broemtl (freis.Der.), die Staatsregierung zu ersuchen, die Personen- und Gepäck- tarife zu vereinfachen und zu verbillige». Der Amragsteller betont, haß die Unhaltbarkeit des jetzigen Tarifspstems sich mehr und mehr Herausstelle. Minister TbidleN beruft sich auf die Erklärung, die er namens der Staatsregierung in der Budgetkommission bereits abgegeben habe. Danach fit eine erhebliche Ermäßigung der Personintarise nicht alS Bedürfniß änzuerkennen. Der Personenverkehr sei seit 1V Jahren in Preußen um 53,50 v.H. gestiegen, die Persouenkilomcter- zahl um 81,81 v. H. Preußen habe zudem mit die billigsten Tarife; die Berliner Do:0rttorife seien die b'ill'gstm bei ganzen Welt. Andererseits sei die nationalökonomische und sozialvolitische Auffeffung darüber getheilt, ob eine weitere Berbilligung der Tanse überhaupt Nützlich sei. Zudem komme es auf die Häufigkeit der BeförderungSmöstichkeit an, und auch hierin seien wir sehr erheblich fortgeschritten. Die Schwierigkeiten, die Buntscheckigkeit der Tarife bei den verschiedenen deutschen Verwaltungen zu beseitigen, seien sehr groß.
■■■«»■■MMMmmwwmMMwwmmBmäimWiliimitwilmm, sonst außer Dienst, darf der Sol-at keine Waffen tragen Subordination wird nur im Dienst strenge gefordert, sonst aber vielfach vernachlässtgt. Deserteure, werdett, Wenn man ihrer habhaft wird, was in zehn Fällen immer ein bis ein und ein viertel Mal der Fall ist, strenge bestraft.
Diese ^Bunßesarmce^ würde im Falle eines Krieges mit Spanten als» wenig in Betracht kommen und wenn sie auch fast bur^weg tüchtige, auf der Kriegsschule in West Point ausgebildete Offiziere besitzt, dennoch wenig oder garnichts auSrichten, weil sie an Zahl zu klein ist und nicht gut auf längere Zeit, wie es doch im Kriege erforderlich wäre, entbehrt werden fönnte.
Als Landtruppen würde also nur die zweite Armee, die Rationalgarde, bei etwaigen Feldz«g a»sführen können und das auch nur unter BesinKunzen. Die Nationalgarde ist weder Miliz im eigentlichen Sinne, also Bürgerwehr, noch auch vVolnnteer* b. h. Freiwilliger!trüppe. Dean die Verewigten Staaten-Mrliz besteht aus der Gesammtheit aller waffenfähige« Mannschaft von 18—45 Jähren und die Frei- willigm dienen nur im Kriege und dann auch nur den ein-- zllnen Sraatest, nicht der Union als solcher. Im Frieden ist die Nativnalgmoe eine Art stehender Sicherheit-wache, die der bürgerlichen Autorität und damit dem Gesetze unter Umständen den nöthigen Nachdruck zu verleihen hat. Im Kriege bildet sie den StaSm des zu bildenden Miliz- unb Frei- willigenheereS «nd wird unter dem Oberkommando des Präsidenten in die allgemeine Wehrkraft einrangirt. Ihre Ausrüstung besteht im Felddienst in grauem Sombrero, loser dunkelblauer Blo»se oder Jackct, hellblauen Beinkleidern mit Segrlmchgamaschen, Tornister mit Poncho, Mantel, wollener Decke, Feldfiaschk, Gewehr mit Baponett, Pattontasche und Kochgeschirre. Doch gibt es viele Variationen »ex dieser Uniformir»ng. Ein blaues Käppi mit Schirm außer Dienst