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Nr. 68
MAMMMMMV
1898
Amtliches.
^anöBrei^ ^anau.
Belimutmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.
In Kilianstädten ist die Schweineseuche (Schweinepest) festgestellt worden; es wird daher für Kilianstädten die Ortsund GemarkungSsperre für Schweine angeordnet. Das Durchtreiben von Schweinen durch den Ort und die Gemarkung Kilianstädten ist verboten.
Hanau am 22. März 1898.
V. 3403
Der Königliche Landrath v. Schenck.
Dicnstliachrichtcn aus dem Kreise.
Zugelaufen: Ein weißer Foxterrier mit schwarzem Kopf, m. Geschl.
Gefunden: Eine goldne Broche. Ein Portemonnaie mit Geld. Ein schwarzer Regenschirm. Ein Päckchen, enthaltend ein kleines Stück graues Futter und 15 Stück gelbe Marineknöpfe.
Hanau am 21. März 1898.
Deutscher Reichstag.
(S itz ung v om 21. März.)
Auf der Tagesordnung des schwach besuchten Hauses stehen sämmtliche in der zweiten Lesung noch zu erledigenden Etatsreste. Beim Reichsamt des Innern wird der rück ständige Titel für den Bau eines Präsidialgebäudes für den Reichstag bewilligt. Beim Titel Allgemeiner Pensions- fond beantragt die Kommission eine Resolution, »s« Reichskanzler Aufklärung darüber zu verlangen, woher die auffallende Zunahme der Ungleichheit in den einzelnen Kontingenten der gewährten Jnvalidenpenston komme.
Generallieutenant v. V t e b a h n sagt die gewünschte Auskunft zu, ebenso sächsischer Bevollmächtigter Graf Vitzthum. Die Resolution wird angenommen. Zum Etat deS J«va- lidcufonds beantragt die Kommission eicen NachtragSetat, um allen als Veteranen anerkannten Personen die Beihilfe von 120 Mark zu gewähren.
Abg. Gras Oriola (natlib.) beantragt eine »eitere Resolution betreffend Vorlegung eines Gesetzes behufs Entschädigung für Nichtbenutzung des Zivilversorgungsscheines. Der Antragsteller befürwortet seine Resolution.
Abg. Baumbach (Reichsp.) und Werner (Antisemit) befürworten die Resolution.
Abg. Graf Roon (kons.) führt aus, die Unzufriedenheit sei keineswegs stets eine berechtigte. Es werde vielfach übertrieben. Redner stimmt den Wün'chen der beiden Resolutionen »»»«»»■■■MBWMWTOmaWMaSMffiM^
Feitilletsn
Ktadttheater in Hanau.
Hanau, 22. März.
Der bekannte Preuß. Hosschauspieler Herr Karl S » n t a z, der vor kurzer Zeit die Feier seines 80jährigen Künstlerjubiläums in voller geistiger Rüstigkeit feiern konnte und jetzt auf einer AbschiedS- »omn^e über die deutschen Bühnen begriffen ist, hatte am Sonntag oud) bei uns Einkehr gehalten und den Grafen General Thorane in gefälligem Lustspiel »Der Königslieutenant" gespielt. Die des Stückes konnte allseitig befriedigen, denn wir hatten es im Spielplan seit Jahren ungern vermißt. Obwohl der Handlung 7ein ^crer Konflikt zu Grund liegt, vermag sie dennoch lebhaft zu mrereßlren, schon durch die sympathische Figur des jungen Wolfgang ^olye, tn dessen Jugendzeit und Elternhaus der Schauplatz der Er- eignisse gelegt ist. Zur Zeit des siebenjährigen Krieges hatte Frank- Nirt vorübergehend französische Besatzung erhalten unter Befehl des
Thorane, der als Gouverneur in GötheS Elternhaus am Hfrschgraben Quartier genommen hatte. Dieser so sympathisch ge= getajnete kunstsinnige Offizier ist der Held des Stückes, und wenn er Deutschlands Zerklüftung und Parteiung z« damaliger Zeit Göthe gegenüber auf das schärfste geißelt, so finden seine Worte in deutscher -«rüst nur Zustimmung. Das Gebiet der Kunst aber möchte er als neutralen Boden wissen, wo sich alle Menschen versöhnt die H«nd
""^ wie er Frankfurts Künstler gern vereint an einem Werke /Waffen sehen wollte, so möchte er die ganze Menschheit vereint auf vem Boden der Kunst wissen. Auch die übrigen Figuren des Stückes verrathen den sorgfältig und glücklich charakterisirenden Geist des Meisters, Gutzkow hat ihnen durchweg lebinsvolle und interessirende Buge verliehen. Der Graf Thorane des Herrn Karl Sontag war "le wohldurchdachte und sorgsam ausaesührte Leistung eines erfahrenen Künstlers, der reifes Verständniß mit Liebenswürdigkeit und eleganter Darstellung zu verbinden weiß. Das zahlreich erschienene Publikum hatte dem gefeierten Künstler einen überaus freundlichen T^lpfang bereitet und zeichnete ihn sowohl bei offener Szene als auch «°ch den Aktschlüssen mit lebhaftem Beifall au8. Die Leistungen Mrer Darsteller waren nur zum Theil befriedigend. So dürfte Wr Je "8« ® ö I le r ein weiteres Studium der Rolle des jungen olfgang noch sehr zu empfehlen sei«. Sie eilte viel zu flüchtig
zu und ist für Berücksichtigung der Veteranen und Wittwen erst nach den Invaliden.
Abg. Fritzen (Ctr.) und Förster (Antisemit) plädiren für beide Resolutionen.
Abg. Prinz Schönaich-Karolath (wildlib.) meint, die Ungleichheit, daß die Militärpenstoxen beim Kommunaldienst auf das Gehalt angerichtet würden, beim Staatsdienst nicht, müsse unbedingt beseitigt werden.
Abg. Rickert (freis. Verein.) bittet die Regierung um Aufklärung, wie sie sich zu der Sache stellen wolle und empfiehlt dringend eine Revision der einschlägigen Gesetzgebung.
Hierauf wird dieser Etat genehmigt und beide Resolutionen einstimmig angenommen.
6S folgt der Etat der reichs- Dir Kommission beantragt den
deutschen Eisenbahnen.
Reichskanzler zu ersuchen, daß die Beseitigung der Betriebs- sekretärftellen nicht dgrch Ernennung neuer Betriebsfekretäre verzögert werde. Nach einer Bemerkung des Abg. Bebel (Soz.) erwirert
Geheimrath Wacker zapp, die Bittschriften würden regelmäßig von der Petitionskommission zur Kenntniß der Verwaltung gebracht.
Die Äbgg. Rickert (freis. Verein.) und Gröber (Ctr.) bezeichnen dieses Verfahren als absolut unzulässig. Letzterer stellt einen diesbezüglichen Vortrag zur dritten Lesung in Aussicht. Die Resolutionen der Kommission und der Etat werden sodann angenommen. Nach kurzer Debatte wird sodann der Titel Banken genehmigt. Hierbei erklärt auf eine Anfrage des Abg. Grafen v. Arnim der Staetssckretär v. Pod- bielski: Bei dem Dirbstahl in der Reichsdruckerei handelt es sich um einen ganz außergewöhnlichen Fall, über den ich noch nicht vollständig Aufklärung geben kann, weil zur Zeit darüber noch eine Untersuchung schwebt und die Sache noch nicht ganz klar ist. Bisher habe ich nur konstatiren können, daß die aus der Reichsdruckerei entwendeten Scheine aus einer einzigen Herstellung herstammen und daß diese Herstellung beendet ist am 14. Januar 1897. Durch eine Verknüpfung von Umständen ist eS anscheinend dem Oberfaktor
möglich gcwrsen, eine Summe von Scheinen — die Zahl kann schon aus anderen Gründen ist nicht anzunehmen, daß gerade ich nicht genau fixiren, sie wird aber nicht erheblich sein und dieser Mann außer dem in vorstehendem Falle bereits eine wird nicht in die Millionen gehen — sich anzueignen. Auf Unterschlagung begangen hat. Seine Pensionirung ist näm- diese Scheine, b-ren Papier nxb Druck echt ist, sind nach- lich im Herbste vergangenen Jahres verfügt, und thatsächlich träglich Nummern entweder, wie wir bisher haben konstatiren ist er schon seit dem 1. Januar d. J. nicht mehr in der können, mit der Hand aufgetragen worden, zum Theile aber Reichsdruckerei gewesen. Zu seiner Entdeckung hat übrigens auch mit einer Handpresse — wenigstens deuten viele Zeichen auch der Zufall geführt, daß sich auf dem Kirchhofe Ueberreste darauf hing. Diese Scheine sind also vollständig echt in der Zeitung gefunden haben, in welche er die Scheine ge- Bezug auf Papier und Druck. Was nun die Fabrikation wickelt hatte, und daß gerade diese Nummer der betreffenden anlangt, so ist es dabei nöthig, über den Betrag der zu Zeitung in der Zahl der im Uebrigen von dem Thäter s:rg- druckenden Stücke hinaus etwa 10 pCt. derselben mehr zu |am aufgehobenen Exemplare jener Zeitung fehlte. Naturdrucken, da stets durch mangelhafte Herstellung ein Verlust gemäß werden wir Veranlassung nehmen, demnächst bekannt an Scheinen eintritt. Diese Ausschußwaare soll nach den zu geben, in welcher Weise die Sache ihre Erledigung ge- Bestimmungen durchlocht werden, damit sie nickt in den Ver- funden hat. Soweit sich die Sache übersehen läßt, liegt
über die Schönheiten dieser Parthie hinweg und trug dem Humor derselben fast gar keine Rechnung. Rath Göthe und Frau fanden gute Vertretung durch Herrn Linzen und Frau Le hmann, eine kleine Entgleisung des ersteren störte nicht den guten Eindruck seiner Darstellung, die, wie erforderlich, schlicht und einfach war. Der Humor des Herrn Tyrkowski als Sergeant-Major hatte die Lacher auf seiner Seite; wir hätten ihn etwas maßvoller lieber gesehen. Den alten Schwätzer und Schnüffler Professor Mittler gab Herr Hille in Maske und Spiel gleich vorzüglich. Weiter sei noch Frl. Emmy Köller mit Anerkennung gedacht, die die Grethel, Dienstmagd im Göthe'schen Hause, frisch und mit drolligem Humor gestaltete. Mit der wenig hervortretenden Rolle des Althof fand sich Herr Dysing zufriedenstellend ab.
Aus Kunst und Leben
Ibsen-Feiern. Berlin, 81. März. Der Verein Freie Bühne" feierte gestern Abend den 70. Geburtstag
„
Jbsen's durch ein Festmahl. Bei demselben kam ein an kannten Schauspielers Emil Paul'ens war das Königliche Herrn Dr. Elias eingegaugenes Telegramm des Dichters zur; Theater gezwungen, die Ibsen-Vorstellung bis zu Ibsens An- Verlesung. Dasselbe lautete: Seien Sie mir auch im Kreise in Kopenhagen hinauszuschieben. Dagegen feierte das
meiner persönlichen Freundschaftsbeziehungen ein Stellvertreter
und übermitteln Sie all den theuren Freunden, die am Sonntag dort versammelt sind, meine« herzlichsten Dank und wärmsten Händedruck. Ich bin auf das Tiefste gerührt, daß man mich festlich zu ehren gedenkt, «»geachtet dessen, daß ich in weiter Ferne weile, aber seid versichert, daß mein Herz bei Euch ist. In Treue und Ergebenheit Euer Hendrik Jb en. Die an den Dichtcr abgesandte Dankantwort der Festversammlung lautete: „Mit der „Freien Bühne" haben sich 350 Verehrer Henrik Jbsev's vereinigt in aufrichtiger Erkenntlichkeit für all das Große, das Sie der Wett gegeben haben. Die Festversammlung hat mit Gefühlen der Freude und des Glückes die Begüßungsworte vernommen, die Sie aus der Ferne gesandt haben. Die „Freie Bühne" entbietet! in festlicher Stimmung dem Meister, dem Freunde Gegen-s
kehr komme. Sie wird auch durchlocht, aber in' dem letzte« Monat find damals die Scheine nicht mehr in die Lochanstalt, sondern in den Tresor eingeschlossen worden. Nun kommt die zweite Verkettung. Diese liegt daran, daß ein Beamter, der einen zweiten Schlüssel zum Tresor gehabt hat, an dem Tage nachmittags krank geworden ist und dieser dem Oberfaktor gesagt hat: Morgen früh müssen wir die Arbeit machen. Gib mir doch den Schlüssel. Ja, meine Herren, das ist ein Leichtsinn von dem betreffenden Beamten. Es ist vielleicht schon früher vorgekommen. Er hat aber nichts Böses geahnt. Auf diese Weise hat der Beamte an dem Tage Zutritt zu dem Tresor gehabt. Nun kommt eine weitere Manipulation vor der Vernichtung. Diese Scheine werden nämlich alle noch einmal wieder gezählt und dabei muß nun dieser Oberfaktor wahrscheinlich die Packete, aus denen er einige Scheine herausgenommen hat — sie werden auf 100 gezählt und zu einer Säule von 1000 aufgebaut — auf seinen Tisch genommen haben, dadurch ist es möglich, daß er diese Scheine in diesem Umfange hat bei Seite schaffen können. So mag es gekommen sein, daß nickt so viele Scheine verbrannt worden sind, wie der damalige Vorrath betrug. Diese Scheine sind dann von ihm mit Nummern versehen worden. Soweit sich dabei übersehen läßt, wird die Reichsbank keinen Verlust treffen. Außer den Scheinen, die ja auf dem Kirchhofe gefunden worden sind, ist auch noch ein
ziemlich bedeutendes Vermögen Wir sind also gedeckt. Wenn daß in früherer Zeit — was falls gleiche Vorgänge passirt wahrscheinlich, denn es gehört
von dem Manne vorhanden, sich auch Herausstellen sollte, nicht festgestellt ist — ebensind — das ist aber nicht dazu das Zusammentreffen
einer Summe von Zufälligkeiten — die Durchlochung der Scheine muß nicht stattgefunden haben, der betreffende Mann muß sich die Schlüssel zu einem Tresor verschafft Haben, er muß die betreffenden Packete, aus denen die Scheine fehlen, sich in die Hände spielen — es ist also nicht anzunehmen, daß seit dem 14. Januar 1897 ein solches Zusammentreffen von Möglichkeiten wiederum stattgefunden hat. Aber auch
grüß und Dank. Dank für all das, was Sie in litterarischen und menschlichen Beziehungen gewesen sind! Und mit diesem ihrem Danke erneuert sie die Versicherung unwandelbarer Treue. Im Austrage der Festoersammlung Dr. Ludwig
Fulda." Festreden hielten Dr. Brahm, Dr. Fulta und Regisseur Lessing. — Christiania, 20. März. Der 70. Geburtstag Henrik Ibsens wurde heute hier mit großen Festlichkeiten gefeiert. Ibsen empfing Glückwünsche vom Stor- thingspräsidentrn Ullmann im Namen des Storthings sowie von zahlreichen Deputationen, Vereinigungen und Privatpersonen. Viele Glückwunschtelegramme liefen ein von Theatern des Nordens und Deutschlands. König Oskar sandte folgendes Telegramm: Ich und die Königin senden herzlichen Glückwunsch anläßlich Deiues 70. Geburtstages. Dein Ehrentag ist auch der Ehrentag des norwegischen Volkes. — Kopenhagen, 20. März. Infolge Krankheit des be-
Daama-Theater den Jubilar mit einer Aufführung der „Gespenster". Das voll besetzte Haus brächte durch stürmischen Applaus nach dem Schlußakt dem großen Dichter seine Huldigung dar. — Der große schwedische Frauenverein „Nija Jdun" hat dem norwegischen Dichter eine prachtvolle Huldigungsadresse überreichen lassen, die in sinnigen Emblemen die Stillung des Altmeisters zum Rechtsanspruch der modernen Frau wieder- spiegelt. Der Begleittext lautet: „An den Skalden und Seher, der emporstieg zu einsamen, entlegenen Höhen ; an den Richter und Entdecker, der verborgene Tiefen durchforschte, an den Schöpfer unsterblicher Gestalten, an den Denker neubildender Ideen und Vorbilder senden schwedische Frauen ihre dankbare Huldigung."