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Jährlich 9 M. AMährl. 4 ^50^.

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Mir auSwärtige Momenten mit dem betreffenden PvAaufschlag.

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für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ die 4gespaltene Garmond­zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 4

Im Reklamentheil die Zeile 20 4, für

Auswärts 30 4

Amtliches Avgsn für Sfaöf- unS Landkreis Harran.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

rassawwsmsHMHeEäMSEasasss^aöSÄiiHiss^ÄMgsi^^

Montag den 21. März

1898

RmtNchrs. c^anöBrei^ ^anau. Bekanntmachungen des Königlichen Landrat Hsa»tcs.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 25. Januar d. Jhs. A. 297 um »lsbaldige Einsendung des Beschlusses nach § 91 des Kommunalabgabengesetzes vom 14. Juli 1893, betreffend die Ausbringung der Kreissteuern.

Hanau am 18. März 1898,

Der Königliche Landrath A. 1012 v. Schenck.

Die Maul- und Klauenseuche unter dem Viehbestände des Gutspächters Otto Marcus in Wasserlos, Bezirksamt Alzenau, ist erloschen und die Gehöftsperre aufgehoben worden. Hanau am 21. März 1898.

Der Königliche Landrath

V. 3232 v. Schenck.

Dicnstnachnchtcn aus dem Kreise.

Gefunden: Drei leinene weiße Kragen. Eine Knaben­kappe.

Hanau am 21. März 1898.

>tadtBrew ^anau.

MsMtWschmlM des OberdürgeMeisteramteS. Bekanntmachung.

Die Bauarbeiters zur Errichtung eines Stockwerkes auf das Stallgebäude der Kanalmühle, nämlich:

a. Erd- und Maurerarbeiten,

b. Steinmetzarbeiten,

c. Zimmerarbeiten,

d. Dachdeckerarbeite«,

e. Spenglerarbeiten,

f. Weißdinderarbeiten,

g. Glaserarbeiten,

h. Schreinerarbeiten,

i. Schlosserarbeiten, sollen im Submissionsweg vergeben werden.

Plan, ArbeitSauSzug und Bedingungen liegen von heute ab im Stadtbauamt I, Zimmer Nr. 24 des Rathhauses, für Bewerber zur Einsicht aus und sind verschlossene, mit ent­sprechender Aufschrift versehene Angebote bis längstens zum Eröffnungstermin

Samstag den 26. März d. I., vormittags 11 Uhr,

bei oben bezeichneter Amtsstelle einzureichen.

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FeuilleLsrr.

Kaiser Napoleon L Anwesenheit in Hanau.

Kaiser Napoleon hat auf seinen mannigfachen Kriegszügen auch mehrfach die Stadt Hanau berührt. Ueber seinen hiesigen Aufenthalt hat der Chronist gewissenhafte Aufzeichnungen ge­macht. Hiernach passirte der Mann, der Deutschland so tiefe Wunden schlug, am Freitag den 24. Juli 1807, nachmittags ^25 Uhr, mit Suite, darunter sein Schwager Murat, in einem mit acht Rippen bespannten Wagen unter dem Geläute der Glocken und dem Donner der Kanonen, von Fulda kommend, unsere Vaterstadt. Außer drei Vorreitern bestand seine Bedeckung aus elf Mann Husaren. Auf dem vorderen Wagensitz saß sein MamelukRustan", ein zweiter Mameluk saß hinten auf dem Wagen. Am Nürnberger Thor empfing ihn das daselbst ausgestellte 85. Regiment mit einem weitschallen­denvive lEmpreure! während die auf der Thorwache stehende Bürgergarde paradirte. Die versammelte Volksmenge verhielt sich schweigend. In der Nürnbergerstraße wurde Napoleon von dem Neustädter Magistrat empfangen und von dem Stadtschultheis durch eine Anrede begrüßt. Darauf reichte ihm der Rathsherr Sauerwein die auf einem seidenen Kissen ruhenden Schlüssel der Stadt. Napoleon dankte zwar, nahm aber die Schlüssel nicht an, sondern sagte,sie sollten sie dem geben, welchen sie später bekämen". Gleich darauf fuhr er weiter, bog am Weber'schen Hause in die Rosengasse ein und ließ das Gespann nach dem Kollegienbau (jetzige Militärkaserne) lenken, wo die ganze Bürgergarde, die Be­hörden rc. Ausstellung genommen hatten. Ein Herr von Schmerfeld begrüßte ihn mit einigen Worten und reichte ihm aus einem Teller ein Glas Wein, doch auch dieses lehnte der Kaiser ab. Nachdem der Wagen an Stelle der Rappen mit

Daselbst sind auch Arbeitsauszüge gegen Entrichtung von 0,40 M. Kopialgebühren erhältlich.

Der Eröffnung der Angebote können etwa erschienene Bieter beiwohnen.

Hanau am 14. März 1898.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 4018

Die vom Stadtrath und Gemeindeausschuß geprüften Rechnungen:

1. der Stadtkasse Abtheilung II. A.

pro 1896/97,

2. höheren Mädchenschule und der Mittel- und Volksschulen

3. Armenkasse . . . . .

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4. Materialien der Armenverwaltung

* *

5. Begräbnißkasse .

6. Schlachthofkasse ....

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7. des Stadtschlosses ....

8. der de Bannos'- und Beaux'schen Stiftung

1897

werden nach § 90 der Gemeindeordnung zur

Einsicht der

Gemeindeglieder vom 22. d. Mts. an acht Tage lang im

Ratbhause, Zimmer Nr. 21, offen liegen.

Die Gemeindeglieder können zu diesen Rechnungen Be­merkungen beifügen, von welchen geeigneter Gebrauch gemacht wird.

Hanau am 19. März 1898.

Der Gemeindeausschuß-Vorsteher

Nickel. 4230

Die März-Revolution vor dem Reichstage.

Wer bisher noch daran gezweifelt hat, daß die Sozial- demokratie eine staatsfeindliche Partei ist, die in der Re­volution ihr Ideal steht und demgemäß auf dm gewaltsamen Umsturz hinarbeitet, der dürfte durch die Reichstags-Verhand- lungen vom 18. März eines besseren belehrt sein. So un- verhüllt ist der revolutionäre Charakter der Sozialdemokratie noch nie zu Tage getreten, wie in den Reden des Abge­ordneten Bebel. Die Ausführungen des sozialdemokratischen Führers waren von einer so ausfallenden Maßlosigkeit, und seine Behauptungen waren von einem so leidenschaftlichen Haß erfüllt, daß sie von einem Jakobiner zur Zeit der fran- ; fischen Revolution kaum hätten übertroffen werden können, i Der Abg. Kropatscheck sagte sehr zutreffend:Etwas ähn­liches von haßerfüllter Wildheit haben wir in diesen Mauern noch nicht gehört!"

Der Abgeordnete Bebel war, wie er im Laufe der De­batte gestand, mit der Absicht in den Reichstag gekommen, zur Feier des 18. März eine Erörterung über die E eignisse ; des Jahres 1848 herbeizuführen. Der § 172 der Mrlitär- ' Strafprozeß Ordnung, dec von der Festnahme von Offizieren

acht Schimmeln bespannt worden war, fuhr er weiter an der Hohen Landesschule (Gymnasium) vorbei, die gelbe Mauer entlang, durch die Sterngasse, Frankfurtcrstraße bis an den Riesen und von da zum Kanalthor hinaus nach Kesselstadt und Frankfurt weiter. Man hatte den Kaiser erst auf den Abend erwartet, weshalb am Kollegienbau und Komödienhaus alle Vorkehrungen zu einer glanzvollen Illumination getroffen worden waren, desgleichen hatten die Bewohner derjenigen Straßen, die der Kaiser passiven sollte, auf Befehl alle Vor­derejungen zur Illumination getroffen. Infolge der früheren Ankunft Napoleons unterblieb die Illumination. Napoleons zweites Eintreffen in Hanau fand am 26. September 1808, morgens 1/s7 Uhr, auf seiner Reise von Paris nach Erfurt statt. Auf dem Neustädter Markt, wo die Pferde gewechselt wurden, war die ganze Bürgergarde, fran ösische Infanterie und Kavallerie in Parade ausgestellt. Nach dem Pferdewechsel reiste der Kaiser weiter, begleitet von der hier einquartirtkn französischen Kavallerie. In seinem Gefolge befanden sich u. A. der Fürst von Neufchatel, »er Marfchall Durcc, Staatssekretär Maret, die Generäle Savary, Lauristan, Lebrun und Bertrand. Der Kaiser soll auf dieser Fahrt ein so rasches Tempo eingehalten haben, daß er bereits am folgenden Morgen um 9 Upr in Erfurt eingetroffen sei. Auf seiner Rückreise von Erfurt kam Napoleon wieder hier durch und zwar am 15. Oktober 1808, abends 7 Uhr. Seine B-deckung bestand aus Husaren vom 5. Regiment und Chas- seurs ä Cheval vom 11. Regiment. Auch jetzt war wieder zum Empfang auf dem Marktplatz die Bürgergarde und das hier liegende Militär in Parade aufgestellt. Der Marktplatz und die Straßen, welche Napoleon durchfuhr, waren illu minirt. Erst nur Jahre später, am 13. Mai 1812, morgens 7 Uhr, traf Napoleon wieder auf seiner Reife von Paris nach Dresden, begleitet von seiner Gemahlin Louise, hier ein. Die Kaiserin trat bald wieder die Rückkehr an und durchfuhr auf dieser am 14. Juli desselben Jahres unsere Stadt.

handelt, gab ihm Gelegenheit, die Offiziere im allgemeinen anzugreifen und dabei der Berliner Straßenkämpfe vom 18. März 1848 zu gedenken. Als hierauf der preußische Kriegs­minister erklärte, daß er die damaligen Ereignisse für eines der traurigsten Blätter der preußischen Geschichte halte, kam seine Debatte über die Bedeutung des 18. März für die nach­folgende Entwickelung der heutigen Staaten und die ver­fassungsmäßigen Verhältnisse der Gegenwart in Gang. Der Abgeordnete Bebel sprach mit vor Zorn zitternder Stimme. Der Präsident, der eine auffällige Nachsicht walten ließ, rief ihn zwei Mal zur Ordnung, das eine Mal, als er die Konservativen der Infamie beschuldigte, das andere Mal, als er behauptete, König Friedrich Wilhelm IV. habe sein Volk verrathen. Auf welcher Linie sich die Reden Bebels bewegten, kann man aus seinen Behauptungen sehen, daß die Barrikadenkämpfer von 1848 genau dasselbe gethan hätten, wie die Kämpfer von 1870/71, daß der deutsche Reichstag das beste Denkmal der Revolution von 1848 sei, und daß, wenn letztere ihr Ziel erreicht hätte, Bismarck nicht nöthig gewesen wäre! Eine richtige Schätzung der Wirklich­keit und der geschichtlichen Thatsachen ist eben dem Abgeord- ! neten Bebel längst abhanden gekommen. Das zeigt auch -seine Behauptung, König Friedrich Wilhelm IV. habe erst . infolge der Straßenkämpfe sich zu Konzessionen Herbeigelaffen.

Bei den Freisinnigen fand diese Auslegung der 1848er Ereignisse lebhafte Unterstützung. Von den Rednern der Rechten und der Natiovalliberalen dagegen wurde denun­erhörten Geschichtsfälschungen" wie Freiherr v. Stumm !die Ausführungen Bebels nannte mit geschichtlich er- wiefenen Thatsachen entg-gengetreten. Es wurde na?- gewiesen, daß die Anstifter der Straßenkämpfe Polen und -Franzosen gewesen sind, und daß die Verfassung ein freies Geschenk des Königs gewesen ist, indem sie lange vor den Straßenkämpfen von ihm versprochen war. - In meisterhafter Rede zeigte sodann Herr v. Bennigsen, daß bie revolutionäre Bewegung von 1848 auf die Umgestaltung : Deutschlands aus seiner Zerrissenheit zu einer einheitlichen Macht nicht den geringsten Einfluß gehabt habe. Unter stürmischem Beifall setzte der Führer der Natimal- liberalen die Geschichte wieder in ihre Rechte ein, indem er i als Begründer des Reiches den Mann bezeichnete, der an jenem 18. März in Deutschland der bestgedaß'e war,der in der Geschichte eine Gestalt bildet für alle Zukunft, wie sie an Glorienschein und ehrfurchtzebietcnder Persönlichkeit seit Karl dem Großen kein Herrscher in Deutschland eingenommen ! hat."Und weiter so fuhr Herr v. Bennigsen fort - wer ist es denn, der nach Kaiser Wilhelm Schöpfer des deutsches Reiches gewesen? War es nicht der Junker Oito v. Bismarck, der 1848 als einer der entschiedensten Gegner der damaligen Straßenbewe ung und der weitern revolutionären Bewegung entgegengestanden hat?"

Fünf Monate später, am 16. Dezember, zwischen 11 und 12 Uhr, traf auch Napoleon unter dem Namen eines Her­zogs von Piacenza von der großen Armee aus Rußland hier ein. Dieses Mal nahm er im Riesen Absteigequartier. Sein Wagen war nur von einem Mameluken und zwei Gendar­men begleitet. Besondere Empfangsfeierlichkeiten fanden bei seiner Ankunft nicht statt. Nachdem er gespeist und den Kaffee eingenommen hatte, setzte er nachmittags 3 Uhr seine Reise nach Frankfurt und Mainz fort. Bei seiner Abreise überreichte er der Gemahlin des damaligen GasthalterS im Riesen, Friedrich Eberm-üyer, als Zeichen besonderer Aner­kennung für gute Bewirthung sein seidenes Reisekäppchen, welches er gewöhnlich auf seinen Winterreifen unter einer Pelzmütze zu tragen pflegte. Dieses Käppchen wurde in ge­ranntem Gasthofe lange Jahre als Sehenswürdigkeit aufbe­wahrt und soll später in einem eigevs dafür gearbeiteten Etui zu einer Ausstellung nach Paris geschickt worden sein. Ein weiteres Mal weilte der Machthaber am Sonntag den 25. April 1813 in später Nacht auf seiner Reise nach Eisenach zur Armee kurze Zeit in unseren Mauern. Damals soll er am 14. April in Paris abgereist und am 17. April in Mainz angekommen sein, wo er bis zum 24. April ver­blieben sei. Drei Monate später, am 26. Juli, kam er wieder mit einem Sechsgesvann, auf dem auch seine beiden Mameluken saßen, ohne alle militärische Bedeckung hier an und fuhr nach kurzem Aufenthalte im Posthause nach Mainz weiter. Daß Napoleon am 30. Oktober 1813 auf seinem Rückzüge von Leipzig nach Frankreich, den Nachmittag um 1 Uhr im sogenannten Puppenwald anlangte und die Nacht hindurch in einem daselbst an der alten Heerstraße errichteten Zelt verweilte und von da aus die Schlacht befehligte, kann ebenfalls als dessen Anwesenheit in Hanau erwähnt werden. - Möge uns die Vorsehung davor Nwahren, daß jemals wieder unter ähnlichen Umständen ein fremder Maat Haber unsere Vaterstadt und unser gesammtes Vaterland betritt.