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Erstes Blatt.

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Amtliches Organ für Hisöt^ unö Lsnöüreis Hanau.

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für Stadt- und Land» kreis Hanau 10 4 die 4gespaltene Garmond» zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 4.

Im Reklamentheil die Zeile 20 4, für Auswärts 30 4-

10 4.

Grscheiuli täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

M. 66

AKWAsüBWS

Samstag den 19. März rann»HiBnmn»»}»

1898

AmMches. StadÄr^ie >anau.

Wegen dem Ausbau der Waldstraße ist dieselbe vom 2 t. d. Mts. ab auf die Dauer von ca. 4 Wochen für den Fuhr- verkehr gesperrt.

Hanau am 17. März 1898.

Königliche Polizeidirektio«.

P. 2958 8. Schenck.

Diellpnachrichten aus dem Kreise.

Verloren: Ein Portemonnaie mit 12 Mk. 69 Pf. Hanau am 19. März 1898.

>taMMww ^anau.

HMMtmachMM des OberbürgermListeramtes Grundstücksverpachtung.

Die nachstehend aufgeführten Grundstücke sollen

Dienstag den 22. d Mt»., nachmittags 3^ Uhr, im Kammereilokal, Rathhans Zimmer Nr. 10, auf 6 Jahre öffentlich meistbietend, unter ZuschlagSvorbehalt, verpachtet werden:

1. Karte L. Nr. 262 und 263/197 = 17,79 a, Gras- und Baumstück und Ackerland vor dem Nürn- bergerthor, neben dem Weg nach dem Stadtgraben «nd dem Weg nach dem Mühlthor;

2. Karte D. D. 130/1, 162/1, 163/1 = *2,50 a, Wiese, die alte Kinzig, links vor dem Raldesel zwischen dem Weg und den Wiesen, stößt auf die Kinzig;

3. Karte E. E. Nr 81/2, 89/10 = 14,8« a, Rasenweg, der Hasenpfad genannt, neben den Baum­gärten n«d den untersten Waldeselwiesen, in den Mühl- thvrweg einmündevd;

4. Karte V. V. 124 = 6,13 a Land bei der krumme» Kinzig, längs der Kastanienallee, neben Wilh. Rehfeld «nd Joh. Das. Loh, spitz auslaufend;

5. Karte z. Z. 241/31, 91/31 c. = 2,83 a, Wüstes (Fallvachacker).

Hanau am 17. März 1898.

Der Oberbürgermeister

Dr. Gebeschus. 4090

Zürn Konfirmationstage.

Ein Tag der Weihe und der Freude ist el jedesmal für Haus und Gemeinde, wenn die Konfirmanden zum Altar treten, dort bezeugen, daß sie im Bekenntniß recht unterwiesen sind und dann ihr Treugelübde ablegen. Gar viel kommt in der Zeit zusammen, sie zur großen Festzrit zu machen: der Austritt aus der Schule, die Einsegnung, der erste Abendmahlsgang, bei vielen der Abschied »am Elternhaus, bei den meisten der Eintritt in den erwählten Beruf. Das gibt diesem Festtage ein überaus ernstes Gepräge; viele Hände falten sich, und fromme Herzen bitten Gott um seinen Segen für die Kinder.

Wenn man gewahr wird, wie nach der Konfirmation oft die Kinder, die soeben erst ihr Treugelübde in feierlicher Stunde abgelegt haben, sich dann der Kirche entfremden, im Gotteshaus kaum noch zu sehen sind und plötzlich den Kon­firmationstag und ihr Gelübde vergessen zu haben scheinen, dann fragt man verwundert: sind denn wirklich die Kiuder so gewissenlos, so leichtsinnig? Wer Kinder kennt, weiß, daß nicht an ihnen die Schuld liegt. Kinder wollen eben auch nach der Konfirmation noch geleitet sein. Und wenn die Kinder nicht erfüllen, was sie im Konfirmationsgelübde versprachen, so liegt die Schuld zum größten Theil an den Eltern und Meistern, die sie nicht dazu anhielten. Sie sind es, die es einst werden verantworten müssen, daß so manches fromme Kind nachher verwilderte, weil es nicht ge= leitet wurde.

Möchten darum am Köpfst mationstage alle, denen von nun an die Erziehung und Leitung der Kinder wird anver­traut sein, sich das geloben, solche Leitung mit freundlicher, aber fester Hand z« übernehmen. Das wäre der erste Schritt zur Gesundung unserer Jugend, ein Entschluß zum Segen für jung und alt.

Wenn man bedenkt, daß bisher im letzten Jahrzehnt die Zahl der jugendlichen Verbrecher von Jahr zu Jahr ge­wachsen ist, während die Zeit vom 12. bis 18. Jahr doch gerate ekte Zeit gesunden Wachsthums und sittlicher Er-

Die heutige N

starkung sein sollte, nicht wahr, da wird jedem unmittelbar gewiß: das könnte nicht sein, wenn alle Erwachsenen ihre Schuldigkeit an der Jugend gethan hätten. Auch hier zeigt sich deutlich: die Konfirmation ist nichts, wenn die Er­wachsenen nickt das Ihre an den Kindern thun. Darum sei das am Konfirmationstag die Mahnung au alle, denen die Jugend nunmehr anoertraut ist: Unsere Kirche, unser Vater­land erwartet, daß jeder an der Jugend seine Schuldigkeit thut!

Deutscher Reichstag.

(Sitz ung vom 18. März.)

Am Tische des Bundesrathes Kriegsminister v. Goßler. Präsident v. Buol eröffnet die Sitzung um 12 Uhr 15 Minuten.

Ein schleuniger Antrag des Abg. Werner und Ge- noffen um Einstellung bei gegen den Abg. Hirschel wegen Beleidigung schwebenden Strafverfahrens wird ohne Debatte angenommen.

Es folgt die Fortsetzung der 2. Berathung des Entwurfs einer Militär strafgerichtsordnung, eines Ein- führungsgesetzes rc.

Die Berathung wird fortgesetzt bei Paragraph 172 (vor­läufige Festnahme).

Abg. Bais ermann (natlib.) erklärt Namens seiner Partei, um das Zustandekommen des Gesetzes nicht zu ge­fährden, für die Regierungsvorlage (wiederhergestellt durch den Antrag Puttkamer) stimmen zu wollen, wonach in Absatz 2 des Paragraphen die Festnahme eines uniformir- te« OsfizierS durch Jedermann nur geschehen darf, wenn er bei Begehung eines Verbrechens auf frisier That betroffen wird.

Abg. Bebel (sozdem.) befürwortet dir Anträge Auer und Bickl auf Streichung des ganzen Paffus. Mau spreche immer von des Königs Rock, es sei doch des Volkes Rock, das ihn mit seinen Steuer» bezahle. Die Offiziere nähmen schon heute eine Asssahmestellung ein. UeberaQ würden sie bevorzugt, begünstigt und unterstützt. Man solle diese Privi­legien nicht noch vermehren. Vor 60 Jahre» habe das Volk um seine Rechte und seine Freiheiten zekämpft. Diese müsse der Reichstag vertheidige» gegenüber dem Antrag Puttkamer. Sonst sei der Reichstag zu bedauern.

Kriegsminister d. Goßler: Ich erachte diese Ereig­nisse für eine- der traurigsten Blätter der preußischen Ge­schichte. (Zwischenruf Bebels.) Uebrigens müsse jeder Stand seine Ehre haben, sanft leiste er nicht das, was von ihm verlangt werde. Wir sind stolz darauf, denselben Rock zu tragen, wie der König von Preußen, d. h. des Königs Rock.

Abg. Lenzmaxn (freist Bolksp.) tritt für den Antrag Beckh ein, welcher die Disziplin der Armee seiner Ansicht nach nicht gefährde. Der Antrag will die Festnahme durch Jedermann nur zulassen, wegen eine! Verbrechens o. er eines nicht auf Antrag zu verfolgenden Vergehens, also bei Er­greifung auf frischer That.

Nach einigen Bemerkungen des Kriegsministers von Goßler nimmt Abg. v. Puttkamer (kons.) das Offizier­korps gegen die Angriffe bei Abg. Bebel in Schutz, welches die höchste Achtung verdiene. Wenn der Abg. Bebel be­haupte, das preußische Junkerthum sei Schuld an der Re­volution von 1S48, so müsse er das zurückweisen. (Beifall rechts.) Redner wendet sich sodann gegen die gestrigen Aus­führungen des Abg. Beckh über den Ehrenbegriff. Der An­trag des Redners wolle gerade blutige Konflikte vermeiden. (Beifall rechts.)

Abg. Gröber (Ctr.): Wir zollen dem Offiziersstande die volle Ehre, die er verdient, aber Ausnahmen können vm- kommc«, und dafür müssen Bestimmungen getroffen wer­den. Wir empfehlen hierfür die Raffung der Kommission, wonach die Festnahme durch Jedermann nur geschehen darf, wenn der Offizier bei Begehung eines Verbrechens ober eines mit Verlust der bürgerlicken Ehrenrechte bedrohten Vergehens auf frischer That betroffen wird.

Ahg. Munckel (steif. Volkip.): Auch ich ackte unsere Offiziere heck, aber je ehrenhafter der Stand ist, desto leichter werden die Offiziere auf seine Vorrechte verzichten können. Gegenüber dem Herrn Kriegsminister muß ich doch sagen, daß von dem Gedenktage vom Jahre 1848 die konstitutionelle Aera batirt, daß hieraus sich das deutsche Reich entwickelt hat. (Lachen rechts.) Die Leute, die damals gestritten, haben ihrem Glauben nach für eine gute Sache gestritten. (Beifall links.) Der 18. März ist ein Gedenktag für Deutschland immer umfaßt außer dem Unterhaltungsl

und Preußen an den wir mit Erhebung zurückdenken. (Bei­fall links, Zischen rechts.)

Präsident v. Buol: Es ist mir in keiner Weise beige­fallen, einer Erwähnung des heutigen Tages entgegenzutreten, ich bitte aber die folgenden Herren Redner, dies nicht zur Hauptsache werden zu lassen.

Abg. Dr. Förster (Rfp.) will für die Streichung des Absatzes 2 stimmen.

Freiherr ».Langen (kons.): Die Unterscheidung zwischen Offizieren, Junkern und Volk sei eine willkürliche. Redner wenigstens wolle es sich nicht nehmen lassen, zum deutschen Volke gezählt zu werden. Auch die Abgeordneten nahmen ja eine bevorzugte Stellung ein durch ihre Immunität. Gewiß sei ein Theil der damaligen Revolutionäre, zumal die verführten, von nationalen Ideen erfüllt gewesen, aber 1848 sei das deutsche Reich nicht geschaffen worden. Auch der, der an erster Stelle das deutsche Reich gegründet habe, Kaiser Wil­helm I., sei als Prinz von Preußen nicht der Ansicht ge­wesen. (Beifall rechts.) Die Geschichtsauffassung des Abg. Munckel sei denn doch eine kindliche.

Nach einigen Bemerkungen des Abg. Dr. Spähn (Ctr.) erklärt Freiherr v. Stumm (Rp.), die Auffassung des Abg. Munckl ist Geschichtsfälschung. Die preußische Verfassung ist ein freies Geschenk des deutschen Königs, wie die Reichsver­fassung ein freies Geschenk der deusschen Fürsten ist. (Sehr richtig rechts, Unruhe links ) Wir empfinden über die da­maligen Straßenkämpfe, wo z. B. der Posten an der Bank feige ermordet wurde, nur ein Gefühl der tiefsten Scham. (Bravo rechts, Unruhe links. Lärm bei den Sozialdemokraten.)

Abg. Beckh (sreis) Volksp.): Richt ein Geschenk der Fürsten ist die Verfassung, sondern eine Folge der fran­zösischen Revolution. (Widerspruch und Gelächter rechts. Der Reichskanzler hat den Saal betreten.)

Abg. Bebel (sozo.): Was heute hier gesprochen worden, wird im deutschen Volke noch lange nachzittern. Das soge­nannte Gesindel auf den Barrikaden (sehr richtig rechts), das ®efinbel* soll Ihnen noch nachgetrage» werden. (Lärm rechts.) Es ist eine Infamie, die Kämpfer von 1848 so z» nennen. (Furchtbarer Lärm rech:8. Rufe zur Ordnung.)

Präsident v. Buol ruft den Redner zur Ordnung.

Abg. Bebel fährt fort: Wenn die Kämpfer von 1848 ihr Ziel erreicht hätten, so wäre der Krieg von 1870/71 un= nöthig gewesen. (Gelächter und großer Lärm rechts.) Bebel spricht sehr laut und in großer Erregung. (Erneuter Lärm. Zurufe und Geschrei. Der Präsident läutet wiederholt mit der Glocke und bittet zur Sache zu sprechen.)

Im ganzen Saale herrscht große Unruhe.

Abz. Bebel erklärt, er neunte nichts zurück von dem, wal er gesagt. Der König fei 1848 bereits unfähig gewesen. Redner erinnert an Viele die seiner Zeit auf Seiten der Re- »olution gestanden, w die Kommunisten und Atheisten, den jetzigen, anKebeteten Minister v. Miquel (Furchtbarer Lärm rechts. Rufe: Zur Ordnung. Pfui Dmfel. Präsident v. Buol ruft den Redner zur Sache). Bebel (fortsahrend): so mehrere, die »och heute auf den Bänken der National- liberalen saßen (Unruhe). Wenn alles, was damals ver­sprochen gewesen, erfüllt worden wäre, so wäre kein Bismarck nöthig gewesen, aber der König habe sein Volk verrathen. (Unbeschreiblicher Lärm, Zurufe rechts, große Unruhe im ganpn Hause, Glocke des Präsidenten).

Präsident v. Buol ruft den Redner zsr Ordnung und zur Sache.

Abg. Bebel (fortfahrend). Redner bekämpft nunmehr die gegnerischen Anträge. (Die Unruhe im Hause dauert fort.)

Abg. v. Puttkamer (kons.): Wenn man die Leiden­schaft des Vorredners gehört hat, so steht man wohl vordem Eindruck, als ob er jederzeit bei Gelegenheit eine neue Re­volution machen würde. Uebrigens hat sich der Abg. Bebel einer Fäischung meiner Worte schuldig gemacht. Ich habe in meiner vorigen Rede gesagt, es sei ausländisches Gesinde! ge­wesen, welches unser dravcü Volk verführt hat. (Lachen links.) Die Revolution hat sich als unfähig erwiesen. Das Aus­land hatte ein Interesse an der Uueinigkeit in Deutschland. (Sehr richtig rech.s.) Was Herr e. Miquel als Student gethan, ist seine Sache. Seine jetzige Thätigkeit verdient alle Anerünnuug. Wenn Abg. Bebel die Märzkämpfer ver­herrlicht, so wird er es uns nicht verdc»ken, wenn wir der braven Soldaten gedenken, die ihrem König treu gefallen sind. (Bravo rechts.) Die große» Ereignisse nach 1848 verdanken wir dem Zusammengehen von Fürst, Volk und Armee.

hatt 16 Seiten.