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Amtliches Organ für StaSt- unö LanSKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Ar. 57.
Mittwoch den 9. März
1898
Amtliches.
^anöftreiö ^anau
die Ausdehnung des Postregals aus. Auf diesem Wege der Staatsmonopole komme man schließlich zum sozialistischen Zukunftsstaate. Die Frage der Entschädigung der Privatposten
BekaNlltMachUllgeN des Königlichen Landrathsamtes, sei außerordentlich i^roer zu lösen. Staatssekretär v. Podbielski stellt einige EinzelauSführungen des Vorredners
In Groß-Steinheim, Kreis Offenbach, ist die Maul: und Klauenseuche erloschen und Gehöft- und Gemarkungssperre aufgehoben worden.
Hanau am 9. März 1898.
Der Königliche Landrath
V. 2869
v. Schenck.
Dienstnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine Kleiderbürste. Ein Cigarrenetui. Ein grauer Herrnhut. Ein Regenschirm. Ein defektes weißes Taschentuch.
Vom Wasenmeister eingefangen: Ein schwarzer Spitzhund mit 4 weißen Pfoten und ein weißer Foxterrier mit schwarzen Abzeichen, beide m. Geschl.
Zugelaufen: Ein junger grauer dänischer Doggenhund m. Geschl.
Verloren: Ein Zehnmarkstück. Ein Kinderrädche«. Ein Griffelkasten mit Inhalt.
Entlaufen: Ein kleiner schwarzer Spitzhund mit weißer Brust und mit weißen Pfoten, m. Geschl.
Hanau am 9. März 1898.
^tadtUrei^ ^anau.
ZefaMtmachrmgeu des Oberdürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
In diesen Tagen wird eine Kommission bei den hiesigen Pferdebesitzern die für das kommende Jahr im MobilmachungS» falle freihändig anzukaufenden Pferde einzeln aussuchen.
Pferdebesitzer werden hiervon in Kenntniß gesetzt.
Hanau am 8. März 1898.
Der Oberbürgermeister
Dr. Geb eschus.
8509
, richtig. Abg. Förster (dtschsoz. Resp.) tritt für ein volles Postmonopol des Staates ein und betont, daß für die Beamten der Privstanstalten unter allen Umständen gesorgt werden müsse. Wirklicher Geheimer Rath Dambach führt aus, es sei eine einfache privatrechtliche Frage, ob die Pri- vatanstallen einen Anspruch auf Entschädigung hätten. Es könne nur eine Entschädigung aus Billigkeitsgründen in Betracht kommen. Die Beförderung von Briefen durch Boten seitens der Vereine werde durch das Gesetz nicht, wie im Laufe der Debatte behauptet worden sei, unmöglich gemacht. Abg. Frhr. v. Stumm (Reichsp.) sagt, die Privatbeförderungs- anstalten beanspruchten nur Rechte, ohne alle Pflichten zu erfüllen. Die Ausdehnung des Postregals habe mit dem so-
I zialistischen ZukunftSstaat nichts zu thun. Wirklicher Geheimer Rath Dambach gibt noch einige Erläuterungen bezüglich der Benutzung exprester Boten durch die Vereine zur Beförderung von Briefen. Abg. Wurm (sozdem.) meint, den Privatan- stalten dürfe nur der wirkliche Schaden ersetzt werden, für die Angestellten müsse aber in umfassender Weise gesorgt werden. Das Briefgeheimniß sei unter Herrn v. Stephan verletzt worden. Nach einigen Bemerkungen des Abg. Lenzmann hebt der Staatssekretär v. Podbielski hervor, welche Erklärung er auch bezüglich des Briefgeheimnisses abgebe, so werde sie bei der sozialdemokratischen Partei Mißtrauen begegnen. Die Post habe Briefe lediglich auf Anordnung des Richters oder des StaatsanwaltS auszuliefern. Hieraus wird die Vorlage einer Kommission überwiesen.
Es folgt die dritte Berathung des Gesetzentwurfs über die freiwillige Gerichtsbarkeit, zu welchem die Sozialdemokraten eine Anzahl Abänderur.gsanträge gestellt haben.
Nach einer kurzen Generaldiskussion wird die Berathung abgebrochen.
Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr: Initiativanträge.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 8. März)
Preutzifcher Landtag
Abgeordnetenhaus.
(Sitzung vom 8. März.)
Der Reichstag hat heute zunächst den Bundesrathsbeschluß
über die Kugelschrotmühlen in erster und zweiter Lesung des Kultusetats — Titel: Besoldung des Ministers
Das
Abgeordnetenhaus setzte heute dir zweite Berathung
angenommen und sodann die elfte Berathung der Postvor - läge fortgesetzt. Abg. Mar cour (Ctr.) ist mit der Herab-
Ausgange die schwebenden Verhandlungen führen würden. Abg. D i t t r i ch (Ctr.) vertheidigt die katholische Kirche gegen den Vorwurf der Unduldsamkeit; sie respektire die wohlerworbenen Rechte Anderer, heftete aber auf den ihrigen, und anders verfahre auch Papst Leo XIII. nicht. Nicht einmal die katholischen Feiertage würden heilig gehalten. Abg. v. Eynern (natlib.) wendet sich gegen die Abgg. Dauzenberg und Porsch, die sich auf dm Kampf der katholischen Kirche gegen den Umsturz beriesen. Das Centrum habe aber mehrfach bei den Wochlen die Sozialdemokraten unterstützt. Was die Parität bei Anstellung »on Beamten hetreffe, so habe die „Köln. Volksztg.* selbst zugegeben, daß es an katholischem Nachwuchs in den höheren Lehranstalten fehle. Sogar Frankreich, die älteste Tochter der Kwche, habe die Redemptoristen vertrieben. Abg. Johannsen (Däne) will die Ungleichheit bezüglich der Schulpflicht in Nordschles- wig beseitigt haben. Der Kultusminister entgegnet, daß die dortige Bevölkerung damit durchaus zufrieden sei und nur die dänischen Agitatoren daraus AgitationSstoff ziehen wollten. Abg. Jürgenseu (natlib.) bestätigt diese Auffassung. Abg. Porsch (Ctr.) entgegnet dem Abg. v. Eynern, die Wahlagitation sei nur ein Theil der Arbeit gegen die Sozialdemokratie, welche die katholische Kirche in um'affen- dem Maße leiste. Es f.hle deshalb an katholischen Kandidaten für die Beewtenlaufbahn, weil man längst wisse, schlechte Aussichten zu haben. In der Orrensfrage sich auf Frankreich zu berufen, habe keinen Sinn; d:nn man wolle Frankreich doch wohl nicht in jeder Beziehung für nachahmens- werth erklären. Abg. Friedberg (natlib.) führt aus, daß der Papst in der Canisius-Evcyklika die internationale Höflichkeit außer Acht gelassen habe, an die ein jeder Monarch gebunten sei, und hält die Beschwerden des Centrums über angebliche Fortdauer des Kulturkampfes für unbegründet. Abg. Neubauer (Pole) tritt für die Berechtigung der polnischen Privatschulen ein, die keine gewerblichen Veranstaltungen seien. Ministerialdirektor Kügler weist noch, daß in jedem Fall die Eröffnung einer „Schule" konz ssions- pflichtig und nur einfacher Privatunterricht davon ausgenommen sei. Abg. Frhr. v. Plettenberg (kous.) weist auf den erhebenden Protest hin, den der evangelische Bund auf der Krefelder Versammlung gegen die Canistus-Encyklika erhoben habe, und mahnt zu gegenseitiger Duldung. Abg. Hanß en-Apenrade (Däne) beschwert sich über das Verbot des Privatunterrichts in der dänischen Sprache in Nord- ^fchleswig. Der Kultusminister betont, daß die Rezie-
fort. Abg. B ö t t i n g e r (natlib.) fordert, daß für die Chemiker ein Staatsexamen eingeführt werde. Kultusminister
rung keinen Anlaß habe, von ihrer wohlerwogenen Sprachen- polilik in Nordschleswig abzuweichen. Abg. Hansen- setzung des Portos einverstanden, wünscht aber, daß dabei Bosse erwidert, daß dieser Zweig der Wissenschaft nach Oldenburg (freikons.) sagt, daß die dänische Bevölkerung in das platte Land mehr berücksichtigt werde, und hofft, daß in i Kräften gefördert werde. Mit der Examensrage sei aber auch: Schleswig selbst die dänische Agitation mißbillige und Frieder Kommission auch die Fraze des Postzeitungstarifs erörtert; bie Titelsrage verknüpft; darüber gingen die Wünsche noch .den wünsche. Abg. Fuchs (Ctr.) weist den Vorwurf des werde. Abg. Lenzmann (frei). Volksp.) spricht sich gegen sehr auseinander, und es stehe noch nicht fest, zu welchem Abg. v. Eynern zurück, daß er in sozialistischer Weise agi-
setzung des Portos einverstanden, wünscht aber, daß dabei
Feuilleton
Stadttheater in Hanau.
Hanau, 9. März.
Die Montags-Vorstellung brächte uns das erste Gastspiel des Herrn Conrad Dreyer,bei nahezu ausverkauftem Hause. Wissen Sie, was eine »Schmiere* ist? Mit diesem reizenden Ausdruck werden die kleinen reisenden Schauspielgesellschaften bezeichnet, die von Ort zu Ort in der Ausübung ihrer Kunst wandern, nirgends eine bleibende Stätte haben und ein recht abenteuerliches Leben führen. Wie in diesen kleinen Orten die Aufführungen zu Stande kommen, das schildert uns mit geradezu unverwüstlichem Hn - des Schwankes .Der Raub der Sabinerinnen . W^
'urnor der Inhalt
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der Handlung des lustigen Stückes bei früheren Aufführungen schon wiederholt beschäftigt und können uns deshalb heute ein näheres Eingehen ersparen. Herr Dreber hatte sich den famosen sächsischen Schrnierendircktor Emanuel Striese, den die übermüthige Laune der Brüder Franz und Paul von Schönthan in so treffsicherer Weise gezeichnet, zu feinem ersten Auftreten hier gewählt nud damit ferner drastischen Kunst wieder die stürmische Anerkennung von vornherein gesichert. Herr Dreher ist auf dem Gebiete des Humors gewissermaßen eine Spezialität. Das wichtigste Faktor seiner unve-wüst- lichen Laune ist der Dialekt, speziell der süddeutsche, den er mit Natur- Wüchsigkeit und Frische beherrscht. Seine Komik äußert sich nicht in grotesken Formen, sondern ist stets maßvoll, in der Sprache sowohl wie in Geberden. Dieses fällt um so schwerer in das Gewicht, als sie uns in dem Rahmen dramatischer Ereignisse entgegentritt, die zu allen Uebertreibungen geradezu hcransfordert. Sein Schmirren- direktor Striese wirkte gestern überwältigend auf die Lachmuskeln der Zuschauer und dennoch war nirgends das Bestreben zu erkennen, komisch zu sein; als echter Künstler holt er alle komischen Nüancen aus seiner Parthie heraus, ohne daß er die Absicht merken läßt. Das Publikum zeichnete Herrn Dreher mit dem lebhaftesten Beifall und wiederholtem Hervorruf ans, wie ihm auch ein recht sympathischer Empfang zu theil wurde. Unterstützt wurde der beliebte Gast von unseren heimischen Kräften auf das Beste. Herr Hille als Professor »Gollwitz stellte eine prächtig wirkende Figur auf die Bretter, Frau Lehmann als »Friederike", seine Frau, und Frl. Krause als .Paula', seine Tochter, vervollständigten in der besten Weise feint Familie. Eine recht flotte Darstellung ward dem Ehe-
paar „Neumeister" durch Herrn Steingötter und Frl. Köller. Herr Walther führte den Weinhändler .Groß* mit gutem Humor durch und Herr Dysing entledigte sich ebenfalls mit gutem Gelingen seiner hübschen Aufgabe. Frl. Walther spielte das Dienstmädchen -Rosa" flott und wirksam, sodaß die Vorstellung einen guten Eindruck in den einzelnen Leistungen hinterließ.
Zweites Konzert des Oratorienvereins.
Hanan, 9. März.
Das gestern Abend im Saalbau des „Deutschen Hauses* stattgehabte zweite Konzert des Oratorienvereins war von einem zahlreichen und andächtig lauschenden Publikum besucht. Beethovens v-äur-Sywphonie (Nr. 2), mit der das Konzert in würdigster Weise eröffnet wurde, zeigt uns den Meister zwar noch nicht in seiner ganzen Eigenart, in seinem höchsten Fluge, aber schon erheben sich die mächtigen Adlerschwingen über die Flugbahn seiner Vorgänger und Zeitgenossen Haydn und Mozart hinaus, der Charakterkopf Beethoven spricht immer deutlicher und bestimmter aus ihr hervor, man müßte denn die leidenschaftliche dämonische Stimmung, die modulato- rischen und dynamischen Schroffheiten und noch viele andere Zü;e, die uns in dem Werke schon mehrfach entgegentreten und die sich als spezifisch Beethoven'sche Musik charakteristreu, ganz unbe- ücksichtigt lasten. Doch bewegt sich Beethoven auch hier noch, besonders was E-findung der Melodien und Ein fachhen und Klarheit des Stils anbetrifft, im Großen und Äarzen in den Kreisen jener Meister. Liebenswürdige Freund lichkeit paart sich mit gesunder Frische und energischer Kraft entfaltung, heitere Fröhlichkeit mit träumerischem Ernst. Und demgemäß ist die Wirkung der Symphonie auf den Hörer stetS eine so gewinnende, lerzerfreuende, zumal wenn sie in so wohlgelungener und exakter Weise zu Gehör gebracht wird wie gestern; das Orchester, bestehend aus unserer durch hiesige Künstler verstärkten Infanterie Kapelle, entledigte sich unter der sicheren Führung des Herrn Dr. Limbert seiner Auf-
gäbe mit löblichem Gelingen. Der Chor brächte zum Vor- trag „Hymue an die Nacht* mit Bariton-Solo und Orchester von Scharrer und als Hauptwerk des Abevvs Cherubivi's Requiem in C-moll. In ersterem Werke bringt der Komponist ein fünfstrophigeS stimmungsvolles Gedicht, betitelt „Hymne an die Nacht* von Emil Taubert zu adäquatem musikalischen Ausdruck, die Strophen I, 3 und 5 sind dem Chor, 2 und 4 der Solostimme zugetheilt. Das R quiem von Cherubim reizt durchweg denCyaralter edler Kirchenmusik; im Ausdruck sehr knapp und bestimmt gehalten, erschöpft es dabei doch vollständig den Stimmungsgehalt des Textes. Die Orchesterbegleuung trägt vorwiegend ein dunkles Kolorit und ernstes Gepräge, Chor und Orchester sind die alleinigen Vermittler der musikalischen Ideen des Komponisten, Sologesänge kommen nicht vor. Die Darbietung der beiden Chorwerke war eine wohlgelungene und ihr Eindruck, besonders bei dem Requiem ein tiefgehender ; der Chor gab in seiner Gesammtleistung ein schönes Bilv treuer Arbeit, indem er sowohl in der Kunst des Schattirens, als auch in der Ueberwindung der technischen Schwierigkeiten und in der Sicherheit in den Einsätzen sich auf der Höhe seiner Aufgabe zeigte. Besonders eindrucksvoll kamen die herrlichen Chöre aus dem Requiem, nämlich das Offertorium: Domino Jesu Christe und das Sanctus zum Dortrag. Als Solist wirkte Herr Adolf Müller aus Frankfurt a. M. mit. Er sang den Baritonsolo in dem Chor von Scharrer und außerdem die Arie aus Mendelssohns Elias „@3 ist genug" mit jener künstlerischen Vollendung, die wir schon so häufig bei ihm gerühmt habe». Herr Dr. Limbert waltete seines DirigentenamteS mit Verständniß und Umsicht, und das Orchester hielt sich auch bei Begleitung der Chor- und Solonummern recht wacker. — In dem nächsten Konzert des Oratorienvereins, welcher am Charfreitage stattfinden soll, gelangt, wie wir hören, die Johannis - Passion von Bach zur Aufführung.