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Rr. 56. Dienstag den 8. März
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1898
Amtliches.
Staöt&rew ^anau. nckrmstWachnMN des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Mit Rücksicht auf die in der Bürgerschaft laut gewordenen Zweifel darüber, ob es im Hinblick auf die Bestimmung im § 27 der Städteordnung für die Provinz Hessen-Nassau zulässig sei, daß ein Wähler weniger Personen wählt, als zu wählen sind, mache ich darauf aufmerksam, daß das Königliche Oberverwaltungsgericht in der Entscheidung vom 2. November 1886 (Bd. XIV <5. 64) folgenden Grundsatz ausgesprochen hat:
„An sich steht es jedem Wähler frei, von seinem Wahlrechte Gebrauch zu machen oder nicht; folgeweise ist es ihm auch nicht verwehrt, sein Wahlrecht nur theilweise auSznüben und z. B. statt drei nur zwei Personen zu wählen."
Hanau am 7. März 1898.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 3443
TagesschLtr.
Von der Marine. Laut telegraphischer Meldungen an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S. „Geier", Kommandant; Korvetten-Kapitän Jacobsen, am 5. März von La Guapra nach Cura^ao in See gegangen; S. M. S. „Möwe", Kommandant: Korvetten-Kapitän Merten, ist am 5. März in Manila angekommen und beabsichtigt, am 9. März nach Ren-Guinea in See zu gehen; S. M. S. „Loreley", Kommandant: Kapitän-Lieutenant von Witzleben, ist am 7. März in Alerandria angekommen.
Das Flottengesetz ist infolge der Deckungsvorschläze des Centrums in ein neues, vorher nicht in Berechnung gezogenes Stadium getreten, der den prinzipiellen Marinegegnern der linksextremen Opposition vorübergehend die Hoffnung erweckte, die ihnen verhaßte Borlage noch im letzten Augenblicke scheitern zu sehen. Im Allgemeinen scheint indessen die Ansicht zu überwiegen, daß das Centrum sich schon zu sehr engagirt habe, um das Risiko auf sich nehmen zu rönnen, anS der Lösung der DeckungSfrage, im Sinne der Lieber'schen Vorschläge die conditio sine qua non seiner Zustimmung zu machen.
Der österreichische Ministerwechsel. Der Kaiser genehmigte die neue SRinifierlifte. DaS neue Ministerium wird morgen pvblizirt und beeidigt. Das Programm ThunS lautet: Cooperation der staatserbaltenden gemäßigten Parteien zunächst zur Herstellung geordneter parlamentarischer Verhältnisse. Das Ministerium besteht aus Vrrttetern der Czechen, Klerikalen, Polen, der verfassungstreuen Großgrundbesitzer
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Ferrilletsn
Kaiser Withelm's Tod.
Zar zehnjährigen Erinue-un? an den 9. März 1888.
Von Dr. 6. Habermann.
(Nachdruck »erbeten.)
Rauh und unfreundlich kündigte sich str Frühling des Johres 1888 an. Heulend UN^ klatschend fegten Sinrm und Regen durch die Straßen der ReichShauptstart, und die, die sich in das arge Wetter hinauswagen mußten, hatten allen Grüns, ihren Weg nach Kräften zu beschleunigen. Dennoch verlangsamten vor dem schlichten Palais, das Kaiser Wilhelm bewohnte, Viele ihre Schritte und blickten besorgt zu dem wohlbekannten „historischen" Eckfenster hinauf. Der greise Fürst halte sich am Anfänge des Monats eine Erkältung zugezogen, zu der sein altes Blasenleiden hinzugetreten war; und wenn auch der Verlauf der Erkrankung zu keinen beson deren Besorgnissen Anlaß geben sollte, so bildete doch schon das hohe Alter des Kaisers an sich einen steten Grund zu rüsten Befürchtungen.
Aber die Sorge wuchs mit einem Male in's Riesengroße, als am 7. ein Bulletin des Staatsministeriums erschien, das den Zustand des Kaisers unzweifelhaft als bedenklich erscheinen ließ und von einem merklichen Abfälle der Kräfte sprach. Diese Nachricht, die sich mit der Schnelle des Gedankens durch die Residenz verbreitete, veränderte ihre Phvstoenomie vollständig. Ein Summen und Wogen ging durch die Riesen stast. Besorgte Mienen sah man überall, vernahm äugst liches Hin- und Wiederfragen, und, von einem gleißen fühle getrieben, wanderten viele den Linden zu, einen Buck auf das Kaiserpalais zu werfen, eine Frage an die wachthabenden Schutzleute oder au die kaiserlichen Diener zu richten.
und aus Ressortbeamten. Heute erfolgt die Beeidigung Kaufleute, sondern auch für die ärmeren Klassen von Bebender Minister durch den Kaiser. — Gautsch erhielt die Brillanten^ tun x, die gewohnt seien, dickes Briefpapier zu verwenden, zum Großkreuz des Leopoldordens. Die abtretenden Minister In Aussicht genommen sei auch die Ermäßigung des Bestell- Körber, Latour und Böhm die eiserne Krone erster Klasse. Leides für Postanweisungen aus dem Lande; jetzt sei sie leider
Eine Revision der englischen Arbeitergesetz- wegen der Einnahmeaussälle noch nicht durchführbar. Die Vororte von Großstädten in den Ortsverkehr einzuziehen, sei
gebrrng behufs wirksam-ren Schutzes der Arbeitswilligen! erscheint in Anbahnung begriffen. Die Free LabonrProtection Association hat ein Komitee niedergesetzt, wilches sich mit'
den Ausschreitungen der Strikeposten und mit der gesetzlichen^ Verantwortlichkeit der Trade Unions befaßt. Diese Maßregel; ist augenscheinlich aus der Erwägung heraus getroffen worden, daß die gegenwärtigen, von der tyrannischen Willkür der Tradr-Unions herbeigesährten Zustände auf dem engl schen Arbeitsmarkte unhaltbare und die Mittel der Gesetzgebung, redlichen Arbeitern den verfassungsmäßigen Schutz ihrer persönlichen Freiheit zu gewährleisten, völlig unzureichende sind.
Dasselbe Gesetz, welches mit Strenge gegen das B-tteln ein-
Dasselbe Gesetz, welches mit Strenge gegen das Betteln ein- posten hätten nur die großen Städte einen Vortheil, also nur schreitet, weil dadurch eine Belästigung des Publikums geübt ein kleiner Theil der Bevölkerung. Die Privatposten seien
wird, drückt beide Augen zu, wenn Arbeitwillige durch Strikende unnöthig, sie bestellten nur zwei- bis dreimal täglich, wäh-
gewaltsam am Arbeiten verhindert und an Leib und Leben rend die Reichspost in Berlin zehnmal täglich bestelle. Die bedroht werden. Zur Ausfüllung dieser offenbaren Lücke in Reichspost sorge gut für ihre Beamten, wogegen die Privar-
der einschlägigen Gesetzgebung wird nun von dem Verein zum Schutze der freien Arbeit eine Bill vorbereitet, welche es für ein strafgesetzlich zu ahndendes Delikt erklärt, wenn irgend jemand, der arbeiten will, an der Ausführung dieses seines Vorhabens durch Einschüchterung oder Gewaltthätigkeit verhindert wird. Da nun eine solche Bill, so lange sie nur von privater Initiative getragen wird, im Parlamente wenig oder gar keine Aussichten aus sordersame Erledigung hat, so werden schon von den verschiedensten Seiten Stimmen laut, welche die Regierung ermähnen, wenn schon nicht Wortlaut, so doch wenigstens die Tendenz jener Bill zu der ihren zu machen und eine entfprechende Vorlage an das Parlament zu bringen.
Deutscher Reichstag.
(Sitz ung vom 7. März.)
Der Reichstag hat heute den Gesetzentwurf über das P » st w e s e n in erster Lesung berathen. Staatssekretär von P o d b i e l s k i führt aus, das gegenwärtige Posttaxgesetz bestehe 25 Jahre; in diesem Zeitraum habe sich der Verkehr mächtig entwickelt. Daß damit auch die Leistungsfähigkeit gestiegen sei, sei eines der Ruhmesblätter seines Vorgängers. Man möge die in der Vorlage enthaltenen Neuerungen, obwohl sie klein erspielten, nicht gering anschlagen, sie würden
von großen wirthschastlichen Folgen begleitet sein. Die-ebenfalls wünschenswert.
Heraufsetzung der Briefgewichtsgreuze von 15 auf 20 Gram«! Adg. Graf Bernsto r ff (Reichsp.) meint, von einer und die Herabsetzung des Briefportos für Berlin auf 5 Pfg. ‘ Entschädigung der Gesellschaften könne nicht die Rede fein, würden zunächst Einvahmeousfälle zur Folge haben, weshalb dagegen müsse für ihre Angestellten gesorgt werden. Die wir mit weitere» Reformen nur schrittweise Vorgehen könnten, i irgendwie Brauchbaren müßten in den Reichsdienst übelnom- Gerade die Erhöhung des Briefgewichts sei nicht nur für die ’ men werden.
In seinem Schlafzimmer, dessen Charakter durch die fast spartanische Einfachheit der Einrichtung gebildet wurde, auf dem schlichten Feldbette, auf dem er nach so mancher frohe» und leidvollen Stunde Erquickung gefügt hatte, lag schlummernd der Kaiser. Stunde um Stunde verrann, und der Schlummer, der ihn umfing, wollte nicht weichen. Es war nicht ein ei glückender Schlaf, durch den die Natur oft die Angriffe der Krankheit überwindet, es war eine schwere, lähmende Schlafsucht, die den Fürsten drückte. Darin lag das Be deutliche seines Zustandes. Selbst sein Enkel, der Prinz Wilhelm, konnte nicht an das Bett des Kranke« gelassen werden. Und doch mochte der Kaiser selbst in der baden Hewüßtlosigkeit seines Zustandes den Enkel doppelt sehnsuchtsvoll erwarten: kam er doch aus San Remo, kam er doch von dem schwer leidenden Söhne und konnte dem gebeugten Vater Bericht über seine Wahrnehmungen, über daS Befinden des Kronprinzen machen. Endlich gestaltet sich daS Befinden des Kaisers so, daß der Prinz vorgelaffen werden kann. Ein kurzes Gespräch folgt, ein Geiprach über den fernen Sohn und über manche dienstliche Angelegenheit, die auch dem Leidenden noch am Herzen liegt. Bald aber übermannt den Kaiser wieder der übermächtige Schlaf. So aeht dieser 7. März trübe und unfreundlich zur Ruhe, und keine trostvolle Nachricht dringt hinaus in die Stadt, in der sich hundert Gerüchte kreuzen, auf die schwerer und schwerer ein dumpfer Druck sich zu legen beginnt.
Und trübe und unfreundlich bricht der Donnerstag wieder heran. Aber schon lassen sich Tausende durch den pfeifenden Sturm, den strömenden Regen nicht abhalten, die Stätte auf« zusuchen, an der sie so oft das milde Greisenantlitz erscheinen sahen. Um daS Denkmal Friedrichs deS Großen herum sammeln sie sich. Ein trüber Anblick! Tausende von lautlosen Menschi» überdeckt von einem Walde vou Regenschirmen, bleizrau der Himmel, das Fenster, an dem der
unmöglich, da dies gesetzlich nicht festgelegt werden könne. Die Einschränkung deS Betriebes der Privatpostanstalten habe viel Feindschaft erzeugt, diese Einschränkung sei aber nothwendig im Interesse der Reichspost und der Allgemeinheit. Man habe sich seiner Zeit darauf beschränkt, das Monopol der Postverwaltung auf den Verkehr von Ort zu Ort zu beschränken, weil man diese Entwickelung des lokalen Verkehrs nicht habe ahnen können. Jetzt sei es noch Zeit, das Monopol auf den Ortsverkehr auszudehnen und der Reichs- post ihre berechtigte Stellung zu wahren. Durch die Privat-
Reichspoft sorge gut für ihre Beamten, wogegen die Privat
posten ihre Angestellten schlecht besolden. Die Entschädigungs- frage biete große Gefahren. Der Reichstag habe sich bei Erlaß der Vcrsicherungszesetze auch auf keine Entschädigung der Privatversicherungsgesellschaften eingelassen. Ueberhaupt habe man bei wirthschastlichen Gesetzen stets die Frage der Entschädigung außer Acht gelassen. Diejenigen Beamten der Privatposten, die brauchbar seien, werde die Reichspost in ihren Dienst übernehmen. Der Schaden der Privatposten werde übertrieben, der Vertrieb von Karten und Drucksachen sei ihnen ja belassen. Wenn man auch noch Tarisreformen wünsche, so dürfe das Einnahmefaß der Reichspost nicht an« gebohrt werden. Es sei wünschenswert, das Gesetz noch in dieser Session zu verabschieden.
Abg. Hasse (natlib.) betont, die Vorlage fasse so verschiedene Dinge zusammen, daß es unmöglich sei, ein Ge- sammturtheil abzugeben. Bezüglich der Erweiterung des Postregals könne sich seine Partei nicht ohne Weiteres für die Vorschläge des Gesetzentwurfs aussprechen. Die Privat- beförderungsanstalten ständen auf einer gesetzlichen Grundlage, und gegen ihren Gewerbebetrieb lasse sich nichts sagen, er sei vielleicht für die Allgemeinheit sogar von großem Nutzen. Ein Billigkeitsanspruch auf Entschädigung für die Anstalten und deren Angestellte sei daher anzuerkennen. Eine weitere Ermäßigung des Portos für den Stadtverkehr sei
Kaiser sonst zu erscheinen pflegte, leer, eine dumpfe Stimmung über der unbeweglich stehenden Masse, vermehrt durch das hastige Hin und Her, das sich von Zeit zu Zeit vor dem Palais abspielt. Gar wenig ist zu hören und zu erfahren. Am Morgen sah man des Kaisers getreueste Paladive, den Reichskanzler und den Grafen Moltke, in das Palais ein- beten. Die Diener, dir eifrig befragt werden, zucken die Achseln; sie wissen nichts Neues, oder wollen nichts wissen, vns jeden Augenblick nerbreiten sich beunrvhigende Gerüchte über sie harrende Menge, heißt es, das Schlimmste sei ein« getreten. Aber »och webt auf dem Palais die Standarte, das Signal der Anwesenheit des Fürsten in feinem Hause, und auf diese Standarte richten sich voller Hoffnung und Furcht die Blicke der Tausende.
Ja, daran kann kein Zweifel mehr sein: der Zustand ist tiefernst. Was die amtlichen Bulletins nicht sagen, das kündet die Ordre, durch die Prinz Wilhelm zur ©tcßvrrtretxng des Kaisers in den politischen Geschäften berufen wird; und am lautesten spricht der Umstand, daß von allen Seiten die an daS Lager des Kranken eilen, die^ihm am nächsten stehen. Schon stnd die Tochter und der Schwiegersohn aus Baden gekommen und der Kaiser hat am Vormittag die Lieben einen Augenblick begrüßen können. Und selbst der kranke Thronfolger im fernen Süden hat bereits den Enschluß gefaßt, heim zu reisen durch Sturm und Nacht, gewärtig der Pflichten, die seiner vielleicht bald harren. Es waren schwere Tage für das gesammte deussche Volk, dem Gram winkte, wohin es seinen Blick richtete. Mit gramvollem Auge sah es nach Berlin, wo der ehrwürdigste aller Fürsten der Zeit den Tribut des Menschen zollen sollte, mit Gram dachte es an das sonnige Gestade des Mittelmeeres, in dessen lauer Lust sein Liebling an tückischer KranHeit hinsiechte. Nie wieder seitdem ist eine Zeit gekommen, da das gesammte deutsche