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Amtliches Organ für $fa6i~ unö LanöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Wr. 45.

Mittwoch den 23. Februar

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1898

Amtliches. ^taöt^rei^ ^artait.

ZtisMtmachungm des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Die Wahl der Stadtverordneten für die I. Wahlab- theilung findet statt am Freitag den 25. Februar ds. Js., von vormittags 10 Uhr bis mittags 1 Uhr, im oberen Saale des Neustädter Rathhauses.

Wir laden die Stimmberechtigten zu dieser Wahl hier­durch ein.

Hanau am 19. Februar 1898.

Der Stadtrath.

Dr. Gebeschus. 2662

Diclistuachrichtcn aus dem Kreise.

Verloren: Ein braunes melirtes Kinderrädchen. Eine Uhrkette.

Gefunden: Ein Knabenhandschuh mit Besatz (rechter).

Hanau am 23. Februar 1898.

Im Nigerbogen.

An der Küste von Guinea in Westafrika reihen sich von Osten nach Westen an einander die englische Kolonie Lagos, die französische Kolonie Dahomey, die deutsche Togo Kolonie und die englische Goldküste. Das im weiten Bogen vom Niger umzogene Hinterland mit den Negerreichen Borgu, Gurma, Gandu ist seit Jahren der Schauplatz eines leb­haften Wettbewerbes zwischen englischen, französischen und deutschen Expeditionen gewesen. Deutschland hat sich mit seinen beiden Nachbarn vertragen, mit Frankreich endgiltig, mit England wenigstens provisorisch. Das kürzlich abge­schlossene deutsch-französische Abkommen gewährt unserer Togo- Kolonie einen kleinen, aber wirthschaftlich werthvoklen Zu­wachs an der Küste und grenzt das Hinterland ab. Mit unserem englischen Nachbar zur Linken ist schon vor Jahren ein Abkommen getroffen worden, durch das bis auf weiteres für das streitige Hinterland eine neutrale Zone mit den beiden Handelsplätzen Salaga und Jendi errichtet worden ist. Die Engländer haben jedoch dieses Abkommen verletzt, indem sie vor längerer Zeit eine Expedition nach Salaga einrücken ließen. Indessen bat sich die englische Regierung jüngst dazu verstanden, den Befehl zur Räumung von Salaga zu ertheilen. Damit sind allerdings unsere Ansprüche aus Salaga noch nicht anerkannt, und der englische Kolonialminister Chamber- lain hat wahrscheinlich auch nur widerwillig seine Zustimmung zum Rückzüge der englischen Truppen aus der neutralen Zone gegeben.

Dieser Entschluß hängt nämlich offenbar damit zusammen, daß sich die Lage zwischen Engländern und Franzosen im Hinterlande von Lagos und Dahomey bedeutend verschärft hat. Die Franzosen haben im November 1897 unter Ver­drängung von Truppen der Niger-Kompagnie Nikki (in der Nähe des Schnittpunktes des 3. Grades östlich von Green- wich und des 10. Breitengrades) besetzt. Seitdem sind trotz der inzwischen in Paris eingeleiteten Kommissions-Verhand- lungen über eine Abgrenzung des Hinterlandes zahlreiche Offiziere und Soldaten von England nach dem Nigergebiet geschickt worden. Jetzt nun ist die öffentliche Meinung in England in große Aufregung durch Depeschen versetzt worden, die melden, daß französische und englische Expeditionen an verschiedenen Punkten im Nigerbsgen in bedrohliche Nähe aneinander gerückt seien. Eine französische Expedition soll sogar gegen Sokoto, eine jenseits des Niger gelegene, seit langem von der Niger-Kompagnie in Anspruch genommene Landschaft, vorgerückt sein.

Die Londoner Presse versichert, die englische Geduld sei fitzt zu Ende und rasselt gewaltig mit dem Säbel. In Paris ; dagegen trägt man eine große Ruhe zur Schau und versichert, es handle sich nur um englische Einschüchterungs-Versuche gegen die in Paris tagende Kommission. Wahrscheinlich ist eins so künstlich wie das andere, die englische Erregung und die französche Kaltblütigkeit. Die wirkliche Gefahr ist, daß s sich durch den Uebereifer der beiderseitigen Expeditionen ' Zwischenfclle ereignen können, welche die diplomatischen Ver I Handlungen ernstli^ stören und die Kolonialfreunde diesseits und jenseits des Kanals in solche Aufregung versetzen, daß ernste Konflikte zwischen beiden Reichen entstehen.

T a g e s k ch a Zr.

Zum Arisbait der deutschen Flotte. Die in diesen Sagen in Berlin abg eh allere 29. Jahresversammlung des Deutschen Nautischen Vereins bat über den Ausbau der deutschen Flotte einen bemerkenswerthen Beschluß gefaßt. : Der Verein erklärte darin, daß die Schiffszahl für die ; Leistungsfähigkeit und den Werth der deutschen Flotte von i großer Bedeutung sei, daß die Wechselbeziehungen im Welt- I verkehr nebst denen der deutschen Kolonien mit Deutschland immer zahlreicher würden, daß für die ununterbrochen wach- I sende Bevölkerung Deutschlands bezüglich des Erwerbs und ' der Ernährung die Ausdehnung der Handelsschifffahrt zur ! Verbesserung der Weltwachtstellung des Ausfuhrhandels als geboten bezeichnet werden müsse, und daß für daS Ansehen, i die Sicherheit und ten Schutz der deutschen Rhederei eine ^starke, leistungsfähige und aktionsbereite Kriegsflotte als ein ' nationales Bedürfniß zu erachten sei. Der Verein bittet ! demnach, der Reickstag wolle dem von den verbündeten Re-

gierungen vorgelegten Flotten-Gesttzentwvrse feine Zustimmung ertheilen.

Aus dem Lippeschen. DerKöln. Volksztg." wird geschrieben; Die Zustände in unserem Ländchen werben von Tag zu Tag mehr verfahren, man versteht sich nachgerade nirgends mehr. Die Vertagung deS Landtages in letzter Stunde hat viel Kopfschütteln erregt, weil dadurch die Mög­lichkeit, Klarheit über den Bundesraths'Beschluß zu erhalten, verschoben worden ist; jetzt heißt es, der Landtag solle nach etwa acht Tagen berufen werden, aber sich zunächst lediglich mit den laufenden Geschäften befassen, was sicher auch zur Beruhigung der Gemüther nicht beitragen, wird. Die Stellung, in welche der Graf-Regent gekommen ist, läßt sich schwer kurz definiren, als nur dahin, daß der Kreis seiner offenen Anhänger sich ständig mehr gelichtet hat. Zunächst hatte man sich an die Hofhaltung des Prinzen und der Prinzessin Adolph ge­wöhn: ; sie war fürstlich im richtigen Wort sinne und von Ex­klusivität frei. Das Regentenpaar verkehrte im Volke und hatte damit Gelegenheit, sich beliebt zu machen, waS um so leichter war, als Prinz Adolph lippisches Land und Volk von vorn herein kannte und zu nehmen wußte. Der Kabinetsminister v. O e r tz e n hatte mit seinen Maß- nahmen, bei denen er große Zurückhaltung walte« ließ, zumeist Glück, so daß Konflikte mit dem Landtage vermieden wurden; insbesondere wußte er sich tret der reformirten Geistlichkeit gut abzufinden, indem nach dem Standpunkte der Gemeinden der Prediger gewählt bezw. die Bestätigung ver­fügt wurde; eine Parteinahme für eine konfessionelle Richtung empfand man nicht. Jetzt soll einmal alles anders geworden sein. Man hört reden über dieabgeschlossene" Hofhaltung, als wennderLandtagnichtselber die Mittel verwe igert hatte. Dann hält man sich darüber auf, daß nur Offiziere und Adelige zu Hofe gezogen würden, was eine gewisse Be­rechtigung hat; derFortschritt" fühlt sich nun enttäuscht, indem er meinte, fortan die erste Geige spielen zu können, deshalb verquickte er sofort die Domanial-Frage mit derZivil- listen-Frage. Sodann klagt der Liberalismus daß die Orthodoxie" fitzt Oberwasser erhalte. Persönlich ist das Regentenpaar, das ist mir hinreichend bekannt, Anhänger der kirchlich-gläubigen Richtung und der leitende .Staatsminister ebenfalls; aber auf kirchlich reformirtem Gebiete ist in den letzten sechs Monaten noch viel zu wenig geschehen, um auf einenCurs" zu schließen. Für unsern Liberalismus steht aber die Thatsache derorthodoxen Reaktion" anscheinend bereits fest und dort nimmt man sie sehr quer. Eine mit den Verhältniffen zufriedene Partei gibt es heut­zutage in Lippe eigentlich gar nicht mehr. Während man früher sich gegen preußische Einnuschung wehrte, fordert jetzt in der L pp. Tagesztg. einLiberaler", der in der Legitimiläts- Frage sehr demokratisch thut, direkt eine solche, indem er

Ferrilletsn.

Stadttheater in Hanau. .

Hanau, 22. Februar.

Ein großes Interesse für die Benefizvorstellungen der Mitglieder unseres Theoter-Ensembles scheint dieses Jahr im Publikum nicht vorhanden zu sein, denn die seitherigen Benefizabende hatten nur einen recht mäßigen Besuch aufzuweisen. Was die Ursache dieser be­dauerlichen Erscheinung ist, vermögen wir nicht festzustellen, jedenfalls haben doch die Darsteller ein volles Haus für ihre bisherige oft sehr angestrengte Thätigkeit verdient Herr Gehrmann, unser Charakter- komiker, führte am Freitag gleich Herrn Linzen den Humor MoserS ins Treffen. Sein LustspielDer Salontyroler" ist nicht besser und nicht schlechter wie die meisten dieser leichten Durchschnittssachen Moser'scher Laune. Defreggers Bild in der National-Ealerie zu Berlin hat Herrn Moser zur Schaffung dieses Stückes begeistert und wir finden die Szene, die das Bild darstellt, im dritten Akte des Stückes auf der Bühne verkörpert vor. Dieser dritte Akt, der uns an den 91ebenste in Tyrol versetzt, ist auch der interessanteste und verleiht dem Stücke Lebensfähigkeit, während die anderen drei ziem­lich matt und farblos gehalten sind. Das Zusammenspiel wollte Freitag nicht so klappen wie wir es sonst gewohnt sind, ein Theil der Darsteller schien uns in dem Text der Rollen nicht so sicher zu sein, wie es solche Stücke erfordern, und die nur dann ihrer vollen Wirkung sicher sind, wenn der Dialog sich glatt und ohne Stocken abwickelt. Herr Gehrmann gab mit viel Humor und Natürlich­keit den Kaufmann Bredo, das Publikum zeichnete ihn durch leb­haften Beifall aus, auch an Blumen- und Kranzspenden als Aner­kennung fehlte es nicht. Frl. Köller, unsere nene Soubrette, wirkte namentlich durch ihren reizenden Gesang, während ihrem Spiel mehr Sicherheit und ihrer Sprache mehr AuSdrnckrfahigkcit werden muß. In hervorragenden Parthien waren weiter mit Erfolg be­schäftigt die Herren Steingötter, Linzen, Dysing und die Damen Brand ow, Krause, Köller, Lehwann und Miller. Einen ganz prächtigen Humor entwickelte Herr Hille in der Rolle des DienersLudwig" und Herr Tyrkowski führte den Tyroler Sepp" mit derber Natürlichkeit und mit kräftigem Humor durch, wenn auch seine Dialektaussprache uns gerade nicht seine Tyroler Nationalität verrathen konnte.

Die Novitäten, welche uns die Sonntagsvorstellungen brachten, hatten bei dem verschiedenen Publikum eine überaus günstige Auf­nahme gefunden. Besonders das kleine Volk, das sich nachmittags eingefunden, zeigte sich von der Aufführung des hübschen Märchens mit Gesang und TanzDer Daumenlutscher" im höchsten Grade be­friedigt und begleitete die Darstellung mit dem lebhaften Beifall. Der Theaterzettel nennt uns als Verfasser dieses reizenden Kinder- stückes einen Herrn Andersen, wir aber wollen unseren kleinen Lesern verrathen, daß es das beliebte Mitglied unserer Bühne Herr Stein­götter ist, der ihnen diesen Genuß verschafft hatte. Mit Glück hat Herr Steingötter die bekannten Figuren aus dem verbreitetsten Bilder­buch der Welt kann man wohl sagen, dem .Struwelpeter', verwendet und sie zu einem ebenso sinnigen wie gehaltvollen Märchen zusammen- gefügt. Sprache und Handlung sind dem kindlichen Verständniß und Gemüth angepaßt und das Ganze mit einer reizenden Musik ver­sehen, welche Herr Eugen Sauerdorn von Frankfurt komponirt hat. Was die Aufführung betrifft, so hätte man für die dekorative Aus­stattung des Wunderlandes etwas mehr thun können, auch hätten sich einige. Darsteller etwas weniger abhängig vom Souffleurkasten zeigen können, wohl schon aus Liebenswürdigkeit für das Werk eines Kol­legen Vorzüglich gelungene Figuren stellten Herr Linzen als großer Nikolaus', Herr Tyrkowski als .Schneider mit der Schecre", die Herren Bernhard, Hilden, Wezner undAchen- b ach als Würdenträger des Könißs auf die Bretter. Frl. Rudow war ein recht liebenswürdiges Königstöchterlem und Frl. Köller eine lieblicheFee Morgana. Den wilden Buben. denDaumen- lutscher Konrad" spielte Frl. Krause frisch lebendig und mit köst­lichem Humor. Es ist eine r wirkliche Freude, die Dame in solchen Aufgaben zu sehen, wo kindliche Naivetät und Schalkhaftigkeit zum Ausdruck kommen müssen. Ihre kleinen Zuschauer wurden auch nicht müde, in die kleinen Hände zu Patschen und Frl. Krause immer wieder vor die Rampe zu rufen und die Erwachsenen stimmten gerne in den Beifall ein. Herr Kapellmeister Gaßmann war nach Kräften bemüht, auch den musikalischen Theil zur würdigen Geltung zu bringen.

Die Abendvorstellung versetzte das Publikum in die richtige Faschingslaune. Zur Aufführung gelangte die Posse mit Gesang Cacao" von Fritz Behrend. Ein recht toller Einfall von dem Ver­fasser ist eS, in die ahnungslose Familie eines Berliners schwarzen Besuch aus Amerika kommen zu lassen. Die Schwägerin des Eduard Matzenbach hat in Amerika einen Schwarzen geheirathet und bringt diesen mit nach Berlin.Bob", so heißt der schwarze Gemahl der

weißen Dame, macht nun das ganze Haus unsicher, stellt den Mäd­chen nach und bringt die Familie in heillose Verwirrung, bis seine Frau wieder vorzieht, mit ihm nach Amerika zurückzureisen. Aus dieser drolligen Idee hätte der Verfasser noch eine Reihe weit komi­scher Situationen herausschlagen können, denn manches ist für eine Posse zu breit angelegt. Der große Heiterkeitserfolg ist in erster Linie der überaus drastischen Darstellun> des Herrn Tyrkowski zu danken, der den schwarzen Don JuanLob' mit unverwüstlichem natürlichen Humor gestaltete. Herr Gehrmann als .Matzenbach' trug durch sein drolliges Spiel und durch den prächtigen Vortrag seiner Couplets ebenfalls sein bestes zu dem heiteren Erfolg der Stückes bei. Frl. Emmy Köller als .Alice' spielte diesmal schon mit weit größerer Sicherheit und ihr gefälliger Gesangsvortrag fand ebenfalls lebhafte Anerkennung. Die übrigen Parthien wurden durch­weg befriedigend dargestellt.

Die Deutung der Haudschrist.

Von Reinhold Kestner.

(Nachdruck verboten.)

In der großen Tragikomödie, die sichProzeß Zola" nennt, war wohl kein Akt wirrer und wunderlicher, als der, dessen Helden die Herren Schreibsachverständigen waren. Wie sie da ihre Systeme entwickelten, einander beiftimmten und widersprachen, sich Herausstrichen und die Kollegen Herunter- machten, wie sie in ihren Kritiken schließlich nicht einen Stein auf dem anderen ließen und die Geschworenen durch all ihr Hin und Her nur immer weniger klug machten, da hätte man meinen können, eine jener echten französischen Farcen vor sich zu haben, in der alles dermaßen drunter und drüber geht, daß der Zuschauer schließlich nicht weiß, ob er noch an seinen eigenen "Kopf glauben darf. Es wäre gewiß ein sehr lustiger Akt gewesen, hätte nicht das Schicksal eines Ver- nrtheilten und der Ruf eines großen Dichters dabei auf dem Spiele gestanden. Jedenfalls ist die moderneGraphologie" dabei sehr schlecht weggekommen. Ob sie wirklich einen so üblen Ruf verdient und was nun bei rnhigem Urtheile von