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Amtliches Organ für StaSt- unö Lauökreis Hanau.
Erscheint täglich «A AMmchme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Är. 37. Montag den 14. Februar
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1898
Amtliches. cßanö&re 10 ^artatu kekavvtmachungen des Königlichen Landralhsamtcs.
Der Ctecktrirf vom 28. » Mts. gegen den geisteskranken Jakob Ba«scher von Niederdorfelden ist erledigt. Hanau am 10. Februar 1898.
Der Königliche Landrath
V. 1705 v. Schenck.
Die Rothlaufseuche zu Hof-Dauernheim, Kreis Büdingen, ist erloschen und die Sperre aufgehoben worden. Hanan «m 14. Februar 1898.
Der Königliche Laudrath
v. Schenck.
In Eichenberg und Albstadt, Bezirksamt Alzenau, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und die Sperre ausgehoben worden.
Hanan am 1$. Februar 1898.
Der Königliche Landrath
V. 1718 v. Schenck.
Ditnpaachrichtkn aus dem Kreise.
Verloren: Am 12. d. Mts. eine goldne Damenuhr mit silberner Kapsel; dem Wiederbringer eine gute Belohnung.
Gesunden: Ein brauner Handschuh (rechter). Ein Portemonnaie mit einigen Pfennigen.
Zugelaufen: Ein weiß und gelber junger Jagdhund m. Geschl.
Hanau am 14. Februar 1898.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 11. Februar.)
Der Reichstag hat heute den Etat für die Schutzgebiete berathen und zwar zunächst denjenigen für Oflafrika. Abg. Hammacher (natlib.) führt aus, daß »an allmählig die direkten und indirekten Steuern in Ofiafrika einführen sollte, theils um höhere Einnahmen zu schaffen, theils um auf die Eingeborenen erzitherisch zu wirken. Die Eingeborenen müßten zur Arbeit erzogen werden. Als erste Steuer führe man eine Hüttensteuer ein, man werte. sich vorläufig mit dieser rohen Organisation begnügen müssen. Er möchte ferner die Aufmerksamkeit auf die Denkschrift übcr die Entwickelung des ostafrikanischen Schutzgebiets lenken. Sie weise die steten Fortschritte nach und die gute Verwallurg des Gouverneurs Liebert. Die Deportations- frage könne heute noch nicht erörtert werden, sie bedürfe sorgsamster Prüfung. Alle sachku ndigen Männer seien zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Deportation nicht zu empfehlen sei. Auch England habe sie aufgegeben. Milder Z<it würden sich elle Hcffnungen erfüllen, die wir auf unsere ostafrikanischen Kolonien gesetzt hätten.
Bei den einmalige» Ausgaben referirt Abg. Prinz Arenberg (Etr.) über die Usombara Effenbahn und tritt für den geforderten Reichszuschuß ein. Abg. Richter (freis. Volksp.) sagt, es sei das erste Mal, daß ein Reichszuschuß für ostafrikanische Eisenbahnen gefordert werde, und wir beträten hier einen gefährlichen Boden. Die Kosten seien unabsehbar, denn die anderen Kolonien würden sich wegen Baues ven Eisenbahnen auch melden. Ob man in Afrika irgend eiren Erfolg erzielen werde, sei zweifelhaft.
Unterstaatssekretär Frhr. v. R i ch t h o f e n legt dar, die Regierung hake vor der Frage gestanden, diese Bahn eingehen zu lassen »der, um sie rentabel zu machen, weiter ouS- zubauen. Die ostafrikanische Gesellschaft habe erklärt, daß sie kein Geld mehr für die Bahn aufwenden könne. Er bitte um Bewilligung der geforderten Summe.
Abg. Graf S toll ber g (kons.) ist der Ansicht, deß bei dem Bau dieser Bahn Fehler gemacht worden seien, jetzt könne man aber die Bahn nicht einfach eingehen lassen. Abg. Bebel (Coz.) betont, wenn das Reich erst anfange, für die ostafrikanischen Bohnen Geld auszvgeben, werde man auf diesem Gebiete sortschreiten müssen und werde alle Jahre mit neuen Forderungen koumen. Unterstaatssekretär Frhr. v. Richthofen erwidert, diese Befürchtungen seien verfrüht, die Regierung habe noch keine definitiven Beschlüsse über den ferneren Ausbau und Betrieb der Bahn gefaßt. Abg. Hammacher (natlib.) meint, wenn das Reich nicht eingreife, werde die Bahn eine Rune werden. Später müsse man diese Bahn doch bauen und dann höhere Summen als jetzt auswendtN. Der Bahnbau sei für unsere
afrikanischen Schutzgebiete wichtig, ober nur dort, wo sich durch Transport eine Rentablität als sicher annehnen lasse. Audernfalls genügten gute Wege für Karawanen. In diesem Falle handle es sich um eine vorläufige Maßnahme, um einen Verfall zu verhüten und zwar in einer vorzüglichen Gegend, wo der Kaffeebau die besten Aussichten eröffne. Abg. Richter (freis. Volksp.) hebt hervor, daß die Bahn seit zwei Jahren in Betrieb, aber unrentabel sei; von Personen- und Frachtverkehr höre man nichts.
Abg. v. Bennigsen (natlib.) führt aus, mit dem Bahnbau zur Erschließung Afrikas müsse man sehr vorsichtig sein, andererseits sei zu berücksichtigen, daß eine Verbindung zwischen der Küste und dem Innern geschaffen werde, wozu aber auch Wasserstraßen dienen könnten. Afrika sei für uns nur von Nutzen, wenn der Plantagenbau ausgedehnt werden könne. Bei der Bewilligung für die jetzige kleine Bahnstrecke handle es sich nur um ein Provisorium, in dessen Beurtheilung er sich dem Abg. Hammacher anschließe. Auf eine Bemerkung des Abg. Bebel (sozdem.) erwidert der Unter- staats^ekrelär Frhr. v. Richthofen, daß das für den Plantagenbau geeignete Land in Usambara das Hundertfache des schon angebauten Landes auSmache. Es verkehrten auf der Bahn jetzt wöchentlich zwei Züge. Abg. G'as Stolberg (kons.) weist auf die Wichtigkeit des Kolonialbesitzes hin, aus dem andere Länder und Völker schon große Vortheile gezogen hätten. Abg. Lieber (Etr.) ist mit der Forderung für die Eisenbahn einverstanden. Abg. Paasche (natlib.) sagt, der Kaffeebau in Afrika könne sich außerordenilich entwickeln. Die Bahn könne mit geringen Kosten rentabel gemacht werden. Der Titel wird darauf bewilligt.
Es folgt der Etat für Kamerun, der ohne Debatte bewilligt wird; ebenso der Etat für Togo. Bei den Ausgaben für Südwestafrika theilt avf Anregung des Abg. Benoit (freis. Ver.) der Landeshauptmann Major Leutwein mit, man habe in Südwestafrika wenig offenes Waffer, aber nicht direkt Wassermangel. Eine Kommission habe diese Dinge schon geprüft, die Wasseranlagen seien aber Sache der Privatunter- nehmung. Die Regierungen könnten nur für die öffentlichen Wege eintreten. Eine Holznoth bestehe nicht. Als Motoren benutze man meist Windmotoren. Zur Ausfuhr eigneten sich mehr Vieh und Materialien, doch sei auch für 100000 Ackerbauer Raum.
Bei Titel 6 wird eine Million Mark gefordert zur Fortführung der Eisenbahn und des Telegraphen Swakopmund nach Windhoek. Abg. Lieber (Etr.) sagt, daß die Bahn gebaut werden müsse, habe an den schwierigen Verhältnissen gelegen, die namentlich durch das Auftreten der Rinderpest herbeigeführt worden seien. Abg. Richter (freis. Vrlksp.) betont, es handle sich hier um ein Engagement von vielleicht 6 Millionen Mark. Man sehe wieder die große Leichtigkeit, mit der man Summen für Kolonialzwecke ausgebe. Die Rinderpest sei nicht durch die Bahn überwunden worden, sondern durch die Kochsche Lymphe. Unterstaatssekretär Frhr. v. Richthofen führt aus, hätte man die Erfindung des Ge- heimraths Koch vorousgesehen, so hätte man vielleicht anders vorgchtN können. So habe man, um das Land nicht einer Hungersnoth auszusetzen, die Bahn sofort bauen müssen. Abg. Graf Stolberg (kons.) betont, wenn eine Hungersnoth ausgebrcchen wäre, und die Regierung keine Maßregeln getroffen hätte, würde man dieser mit Recht Vorwürfe gemacht haben. Landeshauptmann Major Leutwein hebt hervor, daß das Schutzgebiet wirklich entwicklungsfähig und zukunfts-1 reich sei; er bitte, seiner Sach- und Landkenntniß zu glauben, f Wer für die Beibehaltung deS Schutzgebietes sei, müsse auch für die Bahn sein. Auf Anfrage des Abg. Benoit erklärt - der Unterstaatssekretär Frhr. v. Richthofen, das Bahn-! Projekt werde j-tzt von Offizieren der Eisenbahnbrigade aufge- stellt und werde im Mai vorliegen. Abg. Hammacher (natlib.) spricht sich für die Bewilligung der Forderung für die Bahn aus. Major Leutwein führt noch weiter aus, Südwestafrika sei allerdings nicht das beste Schutzgebiet,aber es werde sich doch einst lohnen und unserem Vaterlande Nutzen bringen. Die Schutztruppe befinde sich wohl und sei zufrieden. Wie das Land sich entwickeln werde, könne Niemand sagen, man müsse Geduld haben wie mit einem Kinie, das erst auf- wachsen müsse. Abg. Richter meint, es frage sich nach alledem, ob die Millionen für die Bahn in Deutschland nicht besser verwendet werden könnten. Die Abg. v. Kardorff (Reichsp.) rnd Hammacher (natlib.) plädiren für die Forderung, die darauf bewilligt wird. DerRest desKolonial- etats wird nach kurzer Debatte ebenfalls erledigt.
Nächste Sitzung Montag 1Uhr: erste Leiung der Novelle zur Konkursortnung; Etat der Zölle und Steuern.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
(Sitzung vom 12. Februar.)
Das Abgeordnetenhaus setzte heute die zweite Berathung deS Etats der Bauverwaltung — Ex-raordinarium — fort. Bei dem Titel zum Schutz der Helgoländer Düne (500 000 M.) will Abg. vsn A r nim (kons.), daß sowohl die Gemeinde wie das Reich einen Zuschuß leisteten, zumal dieser in der NothstandSvorlage so knapp bemessen sei, und beantragt nameus seiner Fraktion Zurückvermeisung des Titels an die Budgetkommission. Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen empfiehlt sofortige Bewilligung des Postens, da von der Erhaltung der Badedüne die Existenz der ganzen Bevölkerung und auch der Bestand der Insel selbst abtzänge. Die Gemeinde sei leistungsunfähig; die Reichsmarineanlagen seien nur gering. Geh. Oberregierungsrath Just legt die Verhältnisse Helgolands eingehend dar. Die Gemeinde würde, wenn man sie jetzt in Anspruch nehme, daS Bad verpachten müssen, wolle aber einen Zuschuß zur Erhaltung der ausführenden Schutzdauten leisten. Abg. Kelch (freikons.) kann die Argumente des Abg. o. Aruim nicht für durchschlagend ansehen; ebenso die Abgg. Ehlers (freis. Ver.), Miller (natlib.) und Mariens (natlib.) Abg. v. Heyde- brand (kons.) wundert sich, daß der Finanzminister leichten HerzenS auf Gemeinde- und Reichsbeiträge zu verzichten scheine. Vizepräsident des StaatsministeriumS, Finanzminister v. Miquel legt dar, daß das durchaus nicht der Fall gewesen sei, daß vielmehr triftige Gründe ihn zum Verzichten zwingen, damit eine ziemlich theure preußische Erwerbung auch erba ten bleibe. Die Abgg. Kircher (Centr.) »nd Rickert (freis. Ver.) sind für Bewilligung; Letzterer erinnert die Kouser- »ativcn an die hohe Begeisterung, mit der sie f. Z. im Reichstage den Eintausch Helgoland begrüßt hätten. Der Antrag v. Arnim wird gegen die Stimmen der Koaseroativen abgelehnt.
Beim Titel ^Fischereihafen von Geestemünde^ bittet Abg. v. Riepenhausen (kons.), künftig auch für die kleinen psmmer'schen Fischereihäfen etwas zu thun. Bei« Titel ^zur Uebertragung fiskalischer Brücken und Wege auf Kommunal- verbände" betont Abg. Schnaubert (kons.), daß die schlechten Wegeverhältnisse im Osten die Mitschuld an -dem Wegzuge der Arbeiterbevölkerung trügen.
Beim Titel „Neubau eines DienstgebäudeS für das Geheime Zivilkabinet* (der auf dem Grundstück Wilhelmstraße 64 zugleich mit einem Erweiterungsbau des Justizministeriums errichtet werden soll), beantragen Abz. Graf Li mburg- Stirum (kons.) und Abgeordnete anderer Fraktionen eine Resolution, wonach 6ei Ausführung des Baues auf eine entsprechende Dienstwohnung des Chefs des ZivilkabinetS Bedacht genommen werden soll. Der Antragsteller führt aus, daß zu große Dienstwohnungen für die Beamten eine Last und Rrpräsentationsräume für den Chef deS ZivilkabinetS nicht nöthig seien. Der Finanzminister bestreüet das und theilt mit, daß die Reichsregierung beabsichtige, das Gelände am Dönhoffplatz, also im Mittelpunkte Berlins, auf dem das alte Abgeordnetenhaus und das alte Zivilkabinet stehen, nicht wieder zu StaatSzwecken zu benutzen, sondern günstig zu veräußern. Abg. Sattler (natlib.) fragt, warum man von dem ursprünglichen Plane abgekommen sei, auf dem Grundstück Wilhelmstraße 64 zugleich auch eine Wohnung für den Handelsminister zu erbauen, der bisher leer «usge- gangen sei. Der Finanzminister erwidert, daß demgegenüber die Geschäfte des Justizministeriums zu umfangreich geworden seien. Die Resolution wird angenommen. Auf Anfrage des Abg. v. Arnim (kons.) sagt Geh. Oberfinanzrath G r a n d k e zu, daß ein Plan für ein neues Re- Regierungsgebäude in PotSdam ausgearbeitet werden solle. Damit ist der Bauetat erledigt.
ES folgt die zweite Berathung des Etats der Forft- Verwaltung. Beim Titel „Holzeinnahme" verweist Abg. Beumer (natlib.) darauf, daß die Verkäufe im geheimen Submissionswege die kleinen Käufer schädigten, *nb bemängelt die Ausschließung des Rechtsweges bei Streitigkeiten. Oberlandforstmeister Donner erläutert, daß zum geheimen Verfahren übergegangen sei, weil die Käufer Preisangebote vereinbarten, und daß die Schlicht«» g der Streitigkeiten durch den Forstrath sich bewähre. Unfreundliche Behandlung der Käufer durch die Beamten liege keinesfalls im Sinne der Forstverwaltung. Abg. Szmula (Ctr.) bittet, bei Abgabe von Aaldstreu liberal zu verfahren.
Beim Titel „Einnahmen aus der Jagd" weist Abg. Rickert (freis. Ver.) auf die geringen Ertrage aus derselben hin und empfiehlt Jagdverpachtungen an Private. Der O d e r-