PreiS:
Vierteljährlich
Dr auswärtige ÄSftnten mit dem betreffenden Wstaufschlag.
Wie einzelne
M«mer kostet
Zugleich
Amtliches Organ für Sfaöf- unö LanSKreis Hanau
Erscheint täglich rmt RMmchme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Gtnrstitnng».
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ftir Stadt- und Landkreis Hanau 10 ^ dir Izespaltme Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^,
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, sie Auswärts 30 ^.
St. 33
Mittwoch den 9. Februar
MZMM
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 11.
Amtliches,
^taöt&reio ^anau. seL-rlMtAachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Das neben der Zufahrtsstraße zum Kleinbahnhof liegende städtische Grundstück Karte FF. Nr. 199/32 = 11 a 40 qm groß, soll
Samstag den 12. d. Mts., vormittags 11 Uhr, im Neustädter Rathhaus, Zimmer Nr. 10, auf die Dauer von 5 Jahren öffentlich verpachtet werden.
Der Zuschlag bleibt vorbehalten.
Hanau am 8. Februar 1898.
Der Oberbürgermeister.
J. V.: Heraeus. 2003
Die in dem städtischen Gebäude Nr. 12 der Nordstraße — Sandelmühle — vorhandenen beiden Wohnungen, nämlich:
1. Gleicher Erde 4 Stuben, 1 Küche, Holzlage, Dachkammer und Dachoerschlag, gemeinschaftlich zu benutzende Waschküche und kleine Gartenabtheilung,
2. darüber; 5 Stuben, sonst wie vor, sollen per L Mai eoentl. per 15. April d. J. vermuthet werden.
Die Bedingungen liegen im Stadtbauamt I, Zimmer Rr. 23 des Rathhauses, auf und sind Angebote verschlossen mit der Aufschrift „Wohnung Sandelmühle" bis zum 14. Februar d I, vormittags 11 Uhr, daselbst einzureichm, wo auch die Eröffnung um diese Zeit im Beisein etwa Erschienener stattfinden wird.
Hanau am 3. Februar 1898.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 1970
Der Hebetermikt der Steuern und des Schulgeldes pro IV. Vierteljahr 1897/98 findet vom 1. bis 15. Februar d. Js. statt, — s. Steuerzettel —, nach Ablauf dieses Termins wird mit Mahnnng und Zwangsvollstreckung begonnen werden.
Zwecks schnellerer Abfertigung bei den Zahlungen wird erfucht, das Geld abgezählt zur Kaste zu bringen.
Hanan den 19. Januar 1898.
Städtische Steuerkasse,
Markt Nr. 16, 977
Zimmer Nr. 5—6 zu ebener Erde.
Schulnachricht.
Die Anmeldungen für das neue Schuljahr finden unter Vorlage der Geburis- und Impfscheine in der Zeit vom 7. bis zum 19. Februar d. Js., vormittags von 11 bis 12 Uhr, in den betreffenden Schulgebäuden statt und erfolgen
1. für die Knabenmittelschule bei Herrn Rektor Bartmuß, Johanniskirchplatz Ia,
2. für die Mädchenmiltelschnle bei Herrn Rektor Jckler, Bebraer Bahnhofstr. 9,
3. für die Knabenvolksschule bei Herrn Rektor Dieter ich, Johanniskirchplatz 1b,
4. für die Mädchenvolksschule bei Herrn Rektor Umbach, Nebengasse 13 (Neustadt).
Schulpflichtig werden zu Ostern d. Js. alle Kinder, welche das 6. Lebensjahr bereits vollendet haben oder bis zum 30. September d. JS. vollenden werden. Dieselben sind daher in der angegebenen Zeit ordnungsmäßig zur Schule anzumelden. Wenn schulpflichtig gewordene Kinde geistig oder körperlich so wenig entwickelt sind, daß sie an dem Klassenunterrichte noch nicht erfolgreich theilnehmen könrun, so haben die Eltern oder Vormünder dieselben unter Vorlage der ärztlichen Bescheinigung dennoch zur Schule anzumelden, damit zum Nachweise der erfüllten Schulpflicht das Erforderliche gewahrt werde.
Kleinkinderschulen dürfen Kinder nicht über das bezeichnete Lebensalter hinaus in Pflege behalten.
Die Unterlassung der rechtzeitigen Einschulung schulpflichtiger Kinder unterliegt den Strasbestimmungen über . unentschuldigte Schulversäummsse.
Hanau den 4. Februar 1898.
Der Stadtschulinspektor Bungen st ab. 1789
Handelskammer Hanau.
Oeffentliche Sitzung der Handelskammer am Donnerstag den 10. ds. Mts., 41 /» Uhr nachmittags, im Büreau der Handelskammer.
Hanau, 8. Februar 1898.
Die Handelskammer Canthal. 1968
Deutscher Reichstag.
(Sitz ung vom 8. Februar.)
Der Reichstag beendet heute die Berathung des Etats für die Post- und Telegraphenverwaltu'ng, erledigte sodann den Etat für die Reichsdruckerei ohne Debatte, nahm hierauf den Handelsvertrag mit dem Oranje^ Freistaat in dritter Lesung an und trat alsdann in die Berathung des Etats für das auswärtige Amt ein.
Beim Titel „Staatssekretär" erklärt der Abg. Richter (freis. Volksp.), daß seine Freunde nach den letzten Erklärungen des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts die Erwerbung von Kiaotschau günstiger als vorher ansähen. Sie scheine besser zu sein als alle Erwerbungen in Afrika. Hauptsächlich komme Kiaotschau als Flotten- und Kohlen- sration in Betracht. Deutschland habe in Ostasien nur wirth- schaftliche Interessen zu verfolgen, keine politischen. Der Landerwerb bei Kiaotschau brauche nicht weiter ausgedehnt zu werden. Hoffentlich werde dort, um den Handel zu heben, das System des Freihandels zur Anwendung gebracht werden. Deutschland habe mit China einen Meistbegünstigungsvertrag, und er frage an, ob sich damit die neuesten Zugeständnisse Chinas an Rußland, die lusisschen Waaren um ein Drittel niedriger ins Land zu lasten, vereinigen ließen. Vor einer । Auswanderung nach dem in China neuerworbenen Gebiet ; könne vor der Hand nur gewarnt werden. Es sei dort ^Ueberflaß an Arbeitskräften. Auch die Spekulation wüste । ft$ noch zuiückhalNn, bis »olle Rechtssicherheit geschaffen sei. Er frage an, ob der Staatssekretär nicht den Vertrag mit China mittheilen könne, wie weit die deutsche Zone reiche, und ob deutsch-russische Verhandlungen über die chinesische Anleihe stattgefunden hatten.
Staatsminister v. Bülow führt aus, daß die Regierung nicht die Absicht habe, über unsere auswärtige Politik einen Schleier zu breiten, auch nicht über die ostasiatiiche Aktion. Ueber alle Phasen einer auswärtigen Aktion könne allerdings nicht Auskunft gegeben werden, weil dies den internationalen Gewohnheiten widerspreche. Wir befänden uns im besten Einvernehnen mit Rußland sowie auch mit England. Das Pachtgebiet in Kiaotschau werde einen Flächeninhalt von 30—50 Quadratkilometer haben, der Pachtzins werde mäßig sein und werde nur das ideelle Eigenthum des Kaisers von China an dem Gebiet zum Ausdruck bringen. Eine Privat- I gesellschaft habe die Konzession erhalten zum Bau. einer i Eisenbahn von Kiaotschau, die später den Eisenbahnlinien in China angeschlossen werden solle. Deutschland hege freundschaftliche Gefühle für China und wünsche nicht dessen Untergang. Wahrscheinlich werde dieses alte Reich noch recht lange bestehen. Für die Wahl von Liaotscha« sei maßgebend gewesen die gleichmäßige Entfernung von der englischen und russischen Interessensphäre, sodann die verhältnißmäßige sehr günstige Lage des Platzes und der vorzügliche Hafen. Es könnten Eisenbahnen gebaut werden, wobei man auf die Mit- Hülfe des deutschen Privatkapitals rechne. Man werde ohne Ueberhastung virgehen, aber auch ohne Engherzigkeit. Die Erwerbung Kiaotschaus werde auch der Ausbreitung des Christenthums förderlich sein.
Unterstaatssekretär Frhr. v. Richtbofen theilt mit, daß eine deutsche Garantie hinsichtlich der chinesischen Anleihe nicht in Frage gekommen sei. Der Direktor im Auswärtigen Amt R e i ch a r d t betont, daß das Handelsabkommen Chinas mit i Rußland unserer Regierung längst bekannt sei, aber praktisch § zu keinerlei Bedenken Anlaß gegeben habe. Auch aus Handelsreisen sei hierüber keine Klage gekommen.
Abg. Bebel (Soz.) sagt, unsere Besetzung Kiaotschaus habe eine große Aehnlichkeit mit dem Jamesonschen Einfalle
in Transvaal. Ein gutes Recht hätten wir in China nicht gehabt. Daß das deutsche Kapital schließlich von der Erwerbung in China Vortheil haben werde, leugne er nicht, fraglich aber sei es, ob die deutschen Arbeiter auch Nutzen davon ziehen würden. Wahrscheinlich werde sich in China ein neue deutsche Industrie entwickeln, und das werde schließlich ungünstig auf unsere einheimische Industrie einwirken. China werde infolge seiner billigen Arbeitskräfte schließlich eine starke Konkurrenz für Deutschlands Industrie sein.
Abg. v. Kardorff (Reichsp.) hebt hervor, daß des Abg. Bebel Befürchtungen bezüglich der Industrie und der Arbeiter grundlos seien. Gerade die Erwerbung Kiaotschaus habe das Vertrauen des deutschen Volkes zur Leitung der auswärtigen Politik wieder gestärkt. Die entschlossene, ruhige Vertretung der deutschen Interessen möge sich auch in allen anderen auswärtigen Dingen zeigen.
Abg. Lieber (Ctr.) bezeichnet die Bebelschen Argumente bezüglich der Konkurrenz der ostasiatischen Industrie und der Gefahr für die deutschen Arbeiter als hinfällig. Die Ausführungen des Staatssekretärs über Kiaotschau seien werth- voll und befriedigend. Die Erwerbung Kiaotschaus sei eine dankenswerthe That. Von Wichtigkeit sei es, daß der Reichstag die finanzielle Seite des Unternehmens stets kontroliren könne. Die Erklärungen des Staatssekretärs fänden ein vertrauensvolles Echo in seiner, des Redners, Partei.
Abg. Barth (freis. Ver.) legt dar, daß die Sache mit Kiaotschau wesentlich anders liege, als die afrikanische Kolo- nialpolitik. China müsse dem Handel aufgeschlossen werden. Deutschland habe daran ein sehr lebhaftes Interesse. China habe aber für theoretische Grundsätze und für Bestimmungen des Völkerrechts wenig Aufmerksamkeit gezeigt; deshalb könne er es nur billigen, daß man die politischen und militärischen Machtmittel benutzt habe, um in China endlich festen Boden zu fassen.
Staatssekretär Tirpitz hebt aus Anlaß einer in der Debatte erfolgten Erwähnung des Trinkspruchs, den Se. Königliche Hoheit der Prinz Heinrich in Kiel vor der Abreise nach China gehalten, hervor, wer selbst jene Tage miterlebt habe, wüste einen anderen Maßstab an die Worte Sr. Königlichen Hoheit anlegen, als man dies sonst bei anderen Reden thue.
Staatsminister v. Bülow erklärt gleichfalls aus Anlaß von Ausführungen in der vorhergegangenen Debatte, daß sich die deutsche Politik gegenüber Kreta nicht geändert habe. Deutschland habe dort nur das Interesse, daß Kreta nicht zur Brandfackel werde. Wer die Insel schließlich regieren werde, sei uns egal. Er möchte nur betonen, daß man hierbei auch auf die Minorität der kretensischen Bevölkerung Rücksicht nehmen wüste, denn die Mohawedauer machten ein Drittel der Bevölkerung aus. Doch komme es uns auch hierbei mehr auf den Frieden, als auf das Prinzip an. Um das europäische Konzert aufrecht zu erhalten, hätten wir uns an allen Schritten der Majorität der Mächte betheiligt. Andere Anforderungen seien an uns nicht herangetreten. Wir wirkten auf die Pforte nur diplomatisch ein; an einem Druck auf die Pforte würden wir uns aber nicht betheiligen. Was aus Kreta werden würde,. könne Niemand wissen, Deutschland werde sich aber auf keinen Fall in die aus dieser Frage etwa entstehenden Konflikte hineinziehe« lasten. Daraus er- i gebe sich auch unsere Stellung zur Kandidatur des Prinzen Georg von Griechenland. Wir seien nicht im Widerspruch mit Rußland noch mit England oder Frankreich. Unsere Politik Griechenland gegenüber sei immer sine ira et Studio gewesen. Maßgebend feien dabei einerseits die Wünsche auf Aufrechterhaltung des Friedens, andererseits die Rücksicht auf die deutschen Gläubiger Griechenlands.
Abg. Hasse (natlib.) spricht seine Genugthuung über unsere auswärtige Politik aus und hebt insbesondere die nationalen Gesichtspunkte hervor.
Nächste Sitzung Mittwoch 2 Uhr: Fortsetzung der heutigen Berathung.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
(Sitzung vom 8. Februar.)
Das Abgeordnetenhaus überwies heute die Nachweise über die Verwendung a) des Dispositionsfonds von 2 V, Millionen Mark im Etatsextraordinarium der Eisenbahnverwaltung für 1896/97, b) des außeretatsmäßigen Dispositionsfonds der Eisenbahnverwaltung von 20 Millionen Mark, der aus dem Jahresüberschusse für 1896/96 gebildet wurde, der Budgetkommission.
Es folgt die Besprechung der Interpellation der Abgg. Haacke und Frhrn. v. Zedlitz (sreikons.), betr. die Ein-