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Amtliches Grgsn für $faöf- und LsnSKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Rr. 20.
Dienstag den 25. Januar
1898
Amtliches.
eSandftrets ^anaiu
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs. Die Ermittelung des Ernteertrages im Jahre 1897 betreffend.
Wie in den Vorjahren, so findet auch für das Jahr 1897 eine Ermittelung des Ernteertrages der wichtigeren feldmäßig gebauten Fruchtartey statt, und zwar in der Zeit vom 1. bis 10. Februar d. Js.
Den Herren Ortsvorständen werden zu diesem Zwecke 2 Exemplare des zur Ermittelung des Ernteertrages dienenden Formulars 8., welches die im Königl. statistischen Bureau handschriftlich eingetragenen Ervteerttagsziffern und Anbauflächen für 1896 enthält, in diesen Tagen zuzehen, um in denselben unter genauester Beachtung der dem Formular vor- gedruckten Anleitung den Ernteertrag im Jahre 1897 einzu- tragen.
Die Ausfüllung des Formulars B. hat in der Zeit vom 1. bis 10. Februar 1898 stattzufinden; ein Exemplar mit Datum und Unterschrift versehen, ist mir bis spätestens 12. Februar er. einzureichen, während das andere, ebenfalls aus- zusüllende Exemplar in der Gemeinde Repositur aufzube- wahren ist.
Sollte die Bildung einer besonderen ehrenamtlich fungiren- den Schätzungskommisston für erforderlich gehalten werden, so erwarte ich innerhalb 8 Tagen Bericht. In diesem Berichte find die für die zu bildende Kommission auSersehenen sachkundigen Personen namhaft zu machen.
Zur vorläufigen Eintragung der im Jahre 1898 etwa eintretenden Hagelwetter wird ein Notizblatt beigefügt werden. Die in dieses Notizblatt, welches aufzubewahren ist, im Laufe des Jahres bei etwa eintretendem Hagelwetter zu machenden Angaben sind bei Ermittelung des Ernteertrages für 1898 zu benutzen.
Hanau am 17. Januar 1898.
Der Königliche Landrath
V. 496 v. Schenck.
Dicusttiachrichten aus dem Kreise.
Verloren: Am 21. v. Mts. eine goldne vamen- remontoiruhr mit Monogramm R. R. nebst goldner Kette und der Nr. 101204; dem Wiederbringer eine gute Belohnung. Ein Zwicker von Nickel.
Gefunden: Eine Laterne. Eine weiße Schürze, B. 12 gez. Ein Korbdcckel. Eine Kaputze. Ein Hundemaulkorb. Ein Portemonnaie mit einem gelben Ring.
Zugelaufen: Ein Hund (Bastard) m. Geschl.
Hanau am 25. Januar 1898.
Deutsche Art.
Jedermann hat wohl mit Genugthuung von dem energischen Vorgehen unserer beiden Schulschiffe zum Schutze deutscher Interessen auf Haiti gelesen. In aller Stille zog sich da in Westindien das Gewitter zusammen, daß es beinahe auf einer der großen Antillen eingeschlagen hätte, d. h. unzweifelhaft hätte es eingeschlagen mit dem Donner deutscher Kanonen, wenn nicht der Präsident der Negerrepublick noch im letzten Augenblick durch Nachgiebigkeit die Gefahr beschworen hätte.
Während hier zu Hause am Biertisch noch die Frage erörtert wurde, ob die Regierung ein Schiff nach Haiti senden würde, hatten die beiden Schulschiffe, welche dort zur Hand waren, bereits Segelordre für Haiti. Und so konnte es geschehen, daß thatsächlich alle Vertreter anderer Mächte, welche auch um Schiffe telegraphirt hatten, von dem Erscheinen der deutschen Schiffe überrascht waren. Wir waren eben wieder einmal früher aufgestanden, und so glückte selbst das Experiment mit den „schwimmenden Gymnasien". Der jungen Mannschaft derselben wäre so eine kleine „Seeschlacht" gewiß willkommen gewesen. Doch es bleibt ihr auch so von dem unblutigen Stege eine herzerquickende Erinnerung durch die echt deutsche und mannhafte Art des Auftretens des Kapitäns August Thiele, der nicht mit sich „verhandeln" ließ. Ja, es gab für ihn auch keine Diplomatensprache; er forderte die Unterhändler auf, sich als Bittsteller auf deutschem Boden doch auch gefälligst der deutschen Sprache zu bedienen. Endlich, können wir sagen, hat da ein deutscher Mann mit dem alten höflichen Unterdvcken des Deutschen unter alles Fremde gebrochen und für uns das gleiche Recht in Anspruch genommen, das wir nur zu bereitwilligst fremden Rationen bisher eingetäumt haben, ohne entsprechende Gegenleistung. Und so müßte es nun überall gehalten werden! Wir dürfen uns
Politische und unpolitische Nachrichten.
(Depeschen-Bureau „Herold".)
Berlin, 24. Januar. Die Budgetkommission des Reichstages hat heute in die Berathung des Etats für das Auswärtige Amt ein. Die Einnahmen wurden bewilligt. Bei den fortdauernden Ausgaben für Besaldungen brächte der Referent Prinz Arenberg bei der Position für Athen die Verhältnisfe der griechischen Gläubiger zur Sprache. Staatssekretär von Bülow erklärte, daß auf Grund der Artikel 2 und 6 des griechisch-türkischen Friedensoertrages aus den Verbandlangen der Gesandten mit Griechenland zwei Gesetzentwürfe hervorgegangen sind. Die internationale Courtoisie verpflichte ihn aber, diese Entwürfe nach nicht vorzulegen. Redner hofft, daß die griechische Regierung und Volksvertretung im eigenen Interesse die beiden Gesetzentwürfe annehmen werde, weil sie sonst keine Gelder elhaliyr werde, ihre Verpflichtungen zu ordnen. Weiterhin wünscht Abg. Richter zu missen, ob bezüglich Kreta unsere Stellung eine andere geworden sei und ob es wahr sei, daß der Kaiser nach Jerusalem zu reisen beabsichtige, worauf Staatssekretär von Bülow erklärt, daß wir an Krem nur das Interesse hätten, daß es nicht zu internationalen Verwickelungen Ver- anlaffung gibt. Ueber eine Reise des Kaisers nach Jerusalem sei ihm nichts bekannt. Abg. Bebel griff die deutsche Orientpolitik an, Dr. Hammacher dagegen dankte der Regierung für ihr Verhalten in dieser Angelegenheit. Bei dem Posten für Paris wies Abg. Richter auf die Zeitungsnachricht hin, wonach Dreyfus bei seinen früheren Reisen im
nicht mit der Schmeichelei abfinden lassen, wir Deutschen lernten leichter die fremden Sprachen, hätten eine bessere Schulbildung u. s. w. Ja, lernen wir immerhin fremde Sprachen, aber nicht um fremden Nationen gefällig zu sein, sondern lieber unter dem Gesichtspunkte des chinesischen , Staatsmannes, der seinen Mandarinen die Kenntniß fremder Sprachen empfahl, weil er darin das Mittel sah, die Schwächen der Fremden kennen zu lernen und ihnen überlegen zu bleiben.
Natürlich, so lange wir die Engländer z. B. da draußen über dem Meere noch brauchen, müssen wir zu ihnen, ihren Handels- und Kohlenplätzen, ihren Banken u. s. w. „englisch" kommen, aber darin könnte auch einmal ein Wandel eintreten, wir sind auf dem besten Wege dazu. Und dann vollends, wenn die Fremden erst zu uns kommen, und sie brauchen uns anch jetzt schon häufig genug, dann sei stets „deutsch" die Parole; ein Deutsch, wie es Kapitän Thiele sprach, ist ja so leicht verständlich! M.
Lagesschau.
Von der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Ober Kommando der Marine ist S. M. S. „Gneisenau", Kommandant Kapitän zur See Hofmeier, am 23. Januar in Havanna «»gekommen und beabsichtigt, am 31. d. Mts. nach Key West in See zu gehen.
Antisemitische Brwegnng in Algerien. Ein Telegramm meldet aus Algier: Sonntag Abend um 9 Uhr wandten sich die Theilnehmer an der Kundgebung nach der Mairie, wo sie die Marseillaise sangen und versuchten hierauf, die Schaufenster der Läden der Juden zu zertrümmern. Zuaven eilten herbei und der Oberst ließ die Menge auffordern auseinander zu gehen. Diese rief: „Hoch die Armee", Nieder mit den Juden!" und zog zum Gouvernementsplatz. Die Truppen haben den Befehl erhalten, die Ordnung aufrecht zu erhalten. 150 Verhaftungen wurden vorgenommen. Um halb 11 Uhr zogen die Manifestanten zu dem Sitze des 19. Armeekorps und brachten Hachrufc auf die Armee aus, dann verwüsteten sie die jüdischen Mehlmagazine; sie schütteten die Säcke aus, beraubten verschiedene Magazine und warfen die Waaren auf die Straße. Die Zuaven gingen mit aufgepflanztem Bajonett vor und zerstreuten die Manifestanten, von denen einige leicht verwundet wurden. Die Menge sammelte sich jedoch wieder auf den Kais und zündete dort die jüdischen Schnapsläden an. Die Truppen eilten sofort nach dem Schauplatze. Die Feuersbrunst scheint nach halb 2 Uhr erloschen ui sein. Patrouillen durchziehen die Stadt, in welcher die Ruhe nunmehr wiederhergestellt ist. Die Theil- nehmer an der Kundgebung begaben sich schließlich nach der Vorstadt St. Eugene und beschädigten daselbst mehrere Landhäuser der Jsraeliten. Die Gendarmerie verhinderte alsdann die Manifestanten, nach der Stadt zurückzukehrcn, in der die Ruhe nicht mehr gestört wurde. Die Truppen haben ihre Quartiere wieder bezogen. Im Ganzen wurden 200 Personen verhaftet.
Elsaß von der deutschen Regierung begünstigt worden sei. Er stelle anheim, ob der Staatssekretär in dieser Angelegenheit Auskunft zu geben wünsche. Staatssekretär von Bülow lehnt solche Auskunft ab, erklärt aber, daß die deutsche Regierung niemals mit dieser Sache zu thun gehabt habe. Es sei viel Staub ausgewirbelt worden mit dieser Affaire. Die Beziehungen der französischen Regierung zur deutschen seien aber dadurch in keiner Weise gestört worden. Bei der Po- sitian für Peking wünscht Referent Prinz Arenberg Auskunft über die Ermordung der Missionare und über die Sühne für jene Schandthaten. Staatssekretär von Bülow gab folgende amtliche Erklärung zu Protskoll: Die Verhandlungen mit China wegen Genugthuung für die an deutschen Missionen in Süd-Schantung verübten Unthaten sind abgeschloffen un8 haben zu folgendem Ergebniß geführt: 1. Der Gouverneur von Schantung ist abgesetzt; sechs von uns bezeichnete Beamte sollen aus der Provinz Schantuvg versetzt und bestraft werden. Gegen die Attentäter selbst ist das Strafverfahren im Gange. 2. Für die katholischen Missionen ist eine Entschädigung von 3000 Taels zu zahlen. 3. Zur Sühne sollen drei Kirchen errichtet und mit einer kaiserlichen Schutztafel versehen werden. Die chinesische Regierung verpflichtet sich für jede Kirche 66,000 Taels zuzuweisen und freie Baufläche zu gewähren. Für sieben sichere Wohnhäuser für die katholische Mission in der Präfektur Tsao-Tschoufou sind 24,000 Taels angewiesen. 4. Zum Schutze unserer Missionare wird ein besonderes kaiserliches Edikt veröffentlicht werden. Bei der weiteren Debatte stellt Abg. Richter verschiedene Fragen wegen der Betheiligung Deutschlands an der Intervention im japanisch-chinesischen Kriege im Jahre 1895 und bezüglich der Besetzung von Kiaotschau.
Kiel, 24. Januar. Die Prinzessin Heinrich von Preußen wird heute Nachmittag 21/* Uhr zu längerem Aufenthalte nach Berlin reifen.
Duisburg 24. Januar. Die hier tagende Getreidebörse ist heute Mittag aufgehoben worden, weil der Schnellzug Berlin-Köln, in welchem sich mehrere hiesige Getreide- händler befanden, heute Vormittag bei Herne entgleist ist.
Breslau, 24. Januar. Der „Bresl. Gen.-Anz." berichtet: Gestern verunglückten bei einer Ruderparthie auf der Oder drei junge Leute, indem das Boot von dem herrschenden starken Winde zum Kentern gebracht wurde. Alle drei Insassen des Bootes, darunter ein Mitglied eines Berliner Rudervereins, ertranken.
Wien, 24. Januar. Infolge des Beschlusses der Professoren der beiden deutschen Hochschulen in Prag, die Vorlesungen vorläufig zu inhibiren, sandte die Regierung den Seknonschef Dr. von Hertel aus dem Unterrichtsministerium nach Prag, um diese Angelegenheit zu untersuchen.
Prag, 24. Januar. Die deutschen Abgeordneten sind heute im Landtag erschienen, ohne die erwartete Erklärung betreffend ihren Austritt abzugeben. Wie verlautet, wollen dieselben erst in einer heute Abend stattfindenden Konferenz hierüber Beschluß fassen.
Athen, 24. Januar. In einer Unterredung hat der Kronprinz den Ministerpräsidenten Ralli heftig angegriffen, indem er sagte, daß Ralli, als der Kronprinz sich in Lariffa befand, ihn gedrängt habe, die Stadt zu verlassen, um eine vollständige Niederlage der griechischen Armee zu vermeiden. Ueber diese Anschuldigungen befragt, erklärte Ralli, daß er im Augenblick aus die Sache nicht eingehen könne.
Wetterbericht.
Voraussichtliche Witterung: Vorwiegend trübes, kühles Wetter mit Zeitweisen Regen- oder Schneefällen.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 24. Januar.
Der Reichstag hat heute in zweiter Lesung die Berachung des Etats für das Reichsamt des Innern fortgesetzt. Bei dem Abschnitt „Jnvaliditäts- und Altersversicherung" spricht der Abg. v. Czarlinsky (Pole) den Wunsch nach einer Revision dieses Gesetzes aus. Abg. Graf Stolberg (kons.) schließt sich diesem Wunsch an. Abg. Thomsen (freif. Der.) befürwortet, daß aus den Geldern des Jnvalidenfonds Mittel hergegeben werden für ländliche Hypotheken gegen pupillarische Sicherheit. Abg. Frhr. v. H ertling (Ctr.) hält dafür, daß eine gründliche Reform der Arbeiterversicherung nur dann möglich sei, wenn die drei Kategorien; Landwirthe, Handwerker und Dienstboten, aus der Versicherungspflicht ausscheiden. Abg. Singer (sozdem.) widerspricht den Wünschen des Vorredners und will nicht nur die Dienstboten und Handwerksgehilfen in der Versicherung