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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr. 19. Montag den 24. Januar

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1898

Amtliches

^anö&retö ^anau

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs. |Er^^

gelegt habe, zu veröffentlichen. Diese Entschiedenheit verfehlte ihren Eindruck auf die Kammer nicht. Trotzdem bleibt es

zweifelhaft, ob das Kabinet völlig intakt die Stürme über­

voll Soldaten in den Wandelgängen der Kammer, werden

An der evang. Schule zu Ostheim im Landkreise Hanau von Soldaten in den Wandelgängen der Kammer, werden ist eine Lehrerstelle infolge Pensionirung des seitherigen In-i dazu beitragen, die Gereiztheit der Stimmung noch zu steigern. Habers zu besetzen. .Wir lassen nunmehr die über die vorliegende Kammer-

Mit der Stelle ist Kirchendienst verbunden. i fi^unq vorliegenden Telegramme soff en:

Das Grundgehalt beträgt 1150 Mark, der Einheitssatz Paris, 22. Javuar, 9 Uhr 3 Minulln abends. Ca- der Alterszulage 130*) Mark und die Kirchendicnstoergütung vaignoc zog nach Mslines Erklärung seine Interpellation

100 Mark. Außerdem ist Dienstwohnung vorhanden.

Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen innerhalb 14 Tagen an den Herrn Lokalschulinspektor Metro­politan Limbert zu Oftheim einsenden.

Hanau am 18. Januar 1898.

Namens des Schulvorstandes

V. 685

Der Königliche Landrath v S ch en ck.

*) 130 statt 150 Mark.

Dicustuachrichten aus dem Kreise.

Zugelaufen: Am 20. d. Mts. ein kleiner gelber Hund m. Geschl.; Empfangnahme bei Johannes Ochsenhirt auf der Mühle zu Oberisstgheim. Ein gelber Bastard.

Zugeflogen: Zwei Tauben, darunter eine Brünner.

Hanau am 24. Januar 1898.

Dreyfus-Debatte und Prügelszenen in der französischen Kammer.

zurück. Cavaignac merkte heute schon nach den ersten Worten, daß er die Majorität gegen sich habe. Seiner Aeußerung: „Die Regierung hat durch die Art, wie der Prozeß Ester- hazy geführt wurde, her gerichteten Sache den ersten Stoß versetzt", folgten Rufe: „Genug!" von rechts und aus dem Centrum. Bravorufe fielen nur auf der äußersten Linken. Aufsehen erregte Cavaignacs Darstellung, daß die erste Mit­theilung von einem Geständnisse DrePuS' in einem Briefe des Generals Gonse an den Generalsstabschef, welcher da­mals nicht in Paris nullte, enthalten war, und daß erst später eine Beglaubigung vom Kapitän Lebrun unterzeichnet wurde. Cavaignac beklagt, daß die Regierung von Anbeginn eine zweideutige, beunruhigende Haltung gezeigt habe. Darauf lebhafte Protestrufe vom Centrum. Cavaignac verlangt die Publikation des Lebrunschen Berichtes mit Weglassung ein­zelner Stellen; dies werbe alle Gewissen beruhigen. Msline antwortete: „Der Lebronsche Bericht rxistirt!" Jetzt erhoben sich großer Lärm und Rufe von links: „Wir kennen diesen Bericht!" Eine dreimalige Applaussalve rechts und im Cen­trum folgte. Msline fuhr fort: „Das Recht, in unsere

Dokumente Einsicht zu nehmen, hat nicht das Parlament. iDieS hätte nur ein vom Justizministerium einzusetzender Re- Die Gewitterschwüle, die über ganz Frankreich lagert, hat vistonsrach; an diesen sich zu wenden, hat man aber von

sich auch in der vorgestrigen, mit Spannung und Besorgniß er-! jener Seite nicht für gut befunden. Man polemistrt gegen

warteten Kammersitzung nicht völlig entladen. Ale drohendes ■ ein geheimes Kriegsgericht — soll Frankreich allein das Pri- Vorzeichen heftigerer Ereignisse ist lediglich eine Prügelszene i vilegium hab-n, seine geheime Militär-Polizei den Gegnern zwischen den Socialisten und Mitgliedern der Rechten und' auszulieferu? Man klagt über die Beunruhigung der Be> des Centrums zu verzeichnen, in deren Verlauf der Abg. völkerung — wer leidet mehr darunter als wir, die Regic- Jaurtzs durch einen Hieb auf den Hinterkopf bewußtlos ^rung? Nach dem von ben Vertheidigern Dreyfus' ange niedergeschlagen wurde. Diese wüsten Auftritte führten ben [ruftnen Kriegsgerichte, das gegen einen anderen Offizier zu befinden hatte, könnte man glauben, jene würden die Ent- i scheidung ruhig hinnehmen — nein, ein Schriftsteller von

vorzeitigen Schluß der Sitzung herbei, und somit wird der Sturmlaus gegen das Kabinet Msline am Montag wieder ausgenommen werden. Der vorgestrige Ansturm ist glücklich ab­geschlagen, weniger durch die oratorische Leistung des Minister­präsidenten Msline, als vielmehr durch den Umstand, daß

Rang mißbrauchte mit merkwürdigem Mangel an Pflichtge- ! fühl seine Feder, um die Armee zu entehren. Sie mögen an ’ bte Unschuld Dreyfus' glauben, aber solche Mittel anzuwen- den, ist unstatthaft." — In diesem Augenblicke beginnt ein : heftiger Disput zwischen dem klerikalen Grafen Bernis und

die Kampfesfreudigkeit des Interpellanten Cavaignac ange­sichts der Haltung der Kammer vor der Zeit verrauchte. Msline stellte sich auf den Standpunkt, daß an der abgeur= ( theilten Sache zu rütteln nicht Sache des Parlaments sei, fort: „Leider dient die gegenwärtige Campagne zum Vor- unb er lehnte es ab, den Bericht derjenigen Offiziers, wel-! wände, Leidenschaften zu entsagen, welche diesem gastlichen

। bem sorialisten Fabcrot. Mö!ine fährt nach einer Pause

einem anderen Zeitalter an. Die Regierung wird diese Ueber- griffe ebenso kräftig zurückweisen wie die revolutionären Be­strebungen, die Revision zu erzwingen außerhalb der für die Revision einzig befugten Justiz. Gegen die Sozialisten, welche aus diesem Anlässe Frankreich revolutioniren wollen, wird die Regierung, durch das Vertrauen der Kammer ge­stützt, den guten Namen Frankreichs zu vertheidigen wissen. Wir haben der Jury die Ehre der Armee anvertraut, von ihr die Ehre unserer Generale wahren zu lasten, hielten wir nicht für nothwendig!" Cavaignac erwidert: „Dieser mora­lische Erfolg befriedigt mich, ich ziehe meine Interpellation zurück." Nunmehr ertält der Sozialist Jamßs das Wort, der die Interpellation wieb.r aufnimmt und sich gegen die Mißbräuche in der Generalität und die Anklageschrift gegen Zola wendet. Bernis unterbricht ihn mit dem Rufe: „Her­unter, Verräther-Advokat! Miserabler Feigling!" Mehrere Mitglieder der Rechten stürzen auf die Tribüne. Zwischen Jaurös und dem Grafen Bernis kommt es zu Thätlichkeiten. Görault Richard eilt Jaurss zu Hilfe. Zwischen den So­zialisten und den Klerikalen entspinnt sich ein regelrechter Faustkampf. Jaurös wird von Bernis am Hinterkopf ge- lroffen und sinkt besinnungslos zurück. Präsident Briston suspendirt die Sitzung.

Paris, 22. Januar, 9 Uhr 50 Minuten abends. Der Sozialist Gsrauld Richard erzählt ben Hergang der Prügelei zwischen den Socialisten und dem Gräfin Bernis wie folgt: „Schon während Mslines Rede suchte Bernis Händel mit unserem Genossen Faberor, kam aber an den Unrechten; einige kräflige Ausdrücke Fabcrots genügten, Bernis verstum­men zu machen. Als Msline sagte: „Wir haben nicht ein­mal das Preßgesetz verschärft" und unser Genoste Grousset dazwischenrief: „Das hätte noch gefehlt!" erhob sich Bernis in großer Erregung von Neuem. Dann kam Mslines Aeußerung von der Ehre der Generale und ein Zwischenruf unseres Genossen Chauoin: „Warum haben die Generale kein Vertrauen zur Jury?" In diesem Augenblicke verließ Bernis seinen Platz, näherte sich der Tribüne und rief schon nach Jaurös' ersten Worten: „Sie sind vom Syndikat bezahlt!" Jetzt stürzte ich mit den Genossen Toussaint und Coutant auf Bernis los und versetzte ihm einen Faustschlag. Anstatt Un zu erwidern, sprang Bernis seitwärts auf die Tribüne und versetzte Jawös einen Schlag aufs Hinterhaupt. Man rief von allen Seiten: „Hoch Jaurss!" Im Tumult war Bernis verschwunden." Zur Entschuldigung Bernis' 6eben besten Freunde hervor, daß der nun nahezu siebzigjährige Mann sehr häufig von Nervenzufällen heimgesucht ward. Als Vater zweier Offiziere sei er seit Wochen in beständiger Aufregung. Im Namen Jaurss' begaben sich M llerand und Viviani zu Bernis, um ihm mitzutheilen. Jam ss würde auch

und er lehnte es ab, den Bericht desjenigen Offiziers, wel-! wände, Leidenschaften zu entfachen, welche diesem gastlichen mit einem Fleischerknecht einen Ehrenhandel ausfechten, aber chem Dreyfus das Geständniß seiner schuld thatsächlich ab- Lande unbekannt sein sollten. Diese Leidenschaften gehören Bernis' Benehmen stehe tief darunter.

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Feuilleton

Neues vom Planeten Mars.

Er

Eigentlich gibt es vom Mars immer etwas Neues, ist gewissermaßen das Schmerzeusobjekt der Astronomen und Astrophysiker. Wenn es einmal den Anschein hat, als ob alle Probleme, die dieser Planet bietet, schon völlig gelöst seien — so weit sie überhaupt mit den Mitteln der Wissen­schaft gelöst werden können —, so drängen sich bald neue Erscheinungen auf, die alle Hypothesen und Anstauungen über den Haufen werfen, und die Arbeit muß von Neuem beginnen. Das interessanteste und wichtigste Problem ist bei

dem Planeten Mars die Frage, ob da?, was man auf diese« Weltkörper als Meere und Kanäle bezeichnet, wirklich Meere und Kanäle find. Bekanntlich hält man ja den Mars für eine Art Geschwisterwelt der Erde. Wie die Erde, soll auch der Mars alle Bedingungen einer Welt bieten, die von menschenähnlichen Wesen bewohnt sein könnte. Dazu gehören vor Allem eine Atmosphäre — eine Lufthülle —, dann Wasser und Pflanzenvegetation. Spektroskopische Untersuchungen hoben nun ergeben, daß Mars in der That eine Atmosphäre besitzt, allerdings von einer Feinheit, die ungefähr der Luft unserer höchsten Bergspitzen gleichkommt. Es sind auch Wolken beo­bachtet worden, und diese lasten darauf schließen, daß es auch Wasser dort geben müßte. Man sieht nun in der That ge­waltige Strecken, die man nach ihrer Färbung für Meere hält; man steht ferner sehr lange, geradelinige, kreuz und quer laufende, sehr breite Streifen, die mit allen Erscheinungen, die sie bieten, künstlichen Wosserkanälen gleichen. Man sieht ferner — und das ist besonders wichtig — am Nord» und «m Südpol des Planeten ungeheure Scknecmafsen, die sich im Marswinter häufen und die im Marssommer wegschmelzen.

Und trotz alledem taucht immer wieder die Streitfrage auf,! vorhanden sein, dar sich zur Zeit der Schneeschmelze über den ob das, was in den Meeren und Kanälen für Wasser ge- Planeten ergießt. Aber das Master sehen wir nicht, wir halten wird, wirklich Master ist. Wenn es wirklich Wasser sehen nur seine Arbeit. Auf den Strichen, die wir für Ka- wäre — so wird eingewendet —, so müßte eS im Sonnen- nale halten, bedeckt sich das Land mit grünendem Pflanzen- glanze ausleuchten. Das geschieht aber nicht; man sieht nur wuchs, und wir sehen die Streifen, die sich dunkel von dem drinkle Flächen und dunkle Sheiftn, die sich von den hellerer helleren, wüstenartigen Bodin abheben. Denn was nicht Flächen, welche man für Festland hält, abheben. Der größte dunkel, was nicht Vegetation ist, ist Wüste, ist der Ausdruck Mars-Forscher, Profestor Schiaparelli, trat diesem Ein wand einer gealterten, dem völligen Absterben sich nähernden Welt... mit folgender Beobachtung entgegen: Tieferes Wasser strahlt Was ist nun Wahrheit? Und wird sie sich jemals den Menschen nur in sehr geringem Maße den Glanz zurück und in dünner ~ Luft noch viel schwächer. So erscheinen die Alpenseeen, von der Höhe betrachtet, fast ganz sckwarz. Und so wird es auch für uns mit den Fluthen des Mars der Fall sein. Gleich­wohl tauchen aber immer wieder die Zweifel auf. So ist vor einigen Jahren die Hypothese ausgestellt worden, daß Mars überhaupt kein Lrben mehr hat — ganz wie der

enthüllen?

Stadttheater in Hanau.

Hanau, 24. Januar.

Die Aufführungen in der vergangenen Woche brachten aus nur ältere recht bekannte Stücke, über die wir uns kurz fassen können. Am Mittwoch kam .die Waise aus Lowood* von Charlotte Birch-

Mond — und dak das mna mir für eAi», ™V« «Wo« Am Mittwoch kam .die Wane aus Lowood' von Cyarwtte »irw- nur für Schnee an diN Polen Pfeiffer zur Aufführung. Wir sind daran gewöhnt, das rührselige halten, nur erstarrte Kohlensaure ser, die sich unter der Scn- Stück von Zeii zu Zeit im Spielplan erscheinen zu sehen und es nenstrahlung erwärmt und allmählich abschmilzt. Besonderen Hübet immer noch sein Publikum. Die diesmalige Aufführung war Anhang bat nun diese Hypothese nicht atfuuben, aber tasür keine besonders glückliche, die Darsteller schienen sich für die gehalt- baben mehrere Slorfdtpr nleirbMmpiip V« lesen Ser timenlaliräten des Stückes nicht erwärmen zu können, mir

! & m m « iönnen dieses ja »erstehen aber nicht entschuldigen. Die meisten

daß Die Meere keine Meere und he Kanäle keine Kenöle sind. Träger vrn Rollen konnten sich v»n einem hohlen Teklamationston Und wofür hätte man sie zu halten? Für Thäler, für Ge- nicht sr,i machen und einzelne standen mit dem Text ihrer Rollen

biraszüce, für ausgedehnte Waldunoen und m A für auf gespanntem Fuße, wodurch das Stück nicht genießbarer wurde,

etron* I ? • ' rV k ? J$i- Cinelobentwerihe Ausnahme machte Frl, Köller als „JaneEyr. ,

m t^^ 2"r nicht zu betten im Stande sind. Die - dje in dem Vorspiel wirkliches Empfinden und Temperament zeigte, Beobachtungen der letzten Jahre aber lösten immer wieder für ihre Aufgabe im zweiten Theil zwar noch nicht die nöthige

darauf schließen, daß es doch Wosfir sei. Nunmehr kommt künstlerische Reife besaß, immerhin aber auch hier zu interesftren

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Witter einen C^ritt nach rückwärts. Sie ist von dem eng- - yxidi„istvoüe Rexiffeur unserer Bühne Herr S t eingötter mit dem ilschen Astronomen Taylor in Aork. WaS Herr Taylor ge- an Effekten reichen Schauspiel des älteren Dumas ,Kean". Das sehen hat, bringt ihn zu der Ansicht, daß der Mars durchaus Stück xelongtc hier zum erstenmale in der Bornay'schen Bearbeitung Niä^ so wofifn^idb ist um* biah oloubt SPif Rünälk ÜHb ^m $lffüLtunf# wcidit en gelben bc8 ^tuefes, ben ^cbnufpiclcr Z 1 » k T ^ ; ;. ^" Kanüle stno Kean, noch mehr hervortreten läßt, mit manchem Ueberflüssigen aber

keine Kauale, sondern ausgedehnte Begetationsgebiete. Wohl ^^^ manche Feinheiten des Originals entfernt. Das Ganze verdient scheint Leben aus dem Mais zu epistirin, wohl mag Wasser das Prädikat eines wirkungsvolle, Theaterstückls und Dumas verräth

Star, noth mehr Hervortretru läßt, mit manchem Ueberflüsfigcn »der