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Amtliches Gvgsn Mr Staöt- und LsnöKreis Bmmu.

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Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für

Auswärts 30 ^.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr. 17.

Hierzu

„Amtliche Beilage" Nr. 7

ezmrtiches. ^anö&reto ^anait. Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.

Unter dem Viehbestände des Landwirths Johannes Botzum 7r in Großauheim ist die Maul- und Klauen­seuche amtlich festgestellt worden; es wird daher bis auf Weiteres di- Orts- und Gemarkungssperre für Grotzauheim angeordnet. Das Durchtreiben von Wiederkäuern (Rindvieh, Schafe, Ziegen) und Schweinen durch den Ort und die Gemarkung Großauheim ist sonach verboten.

Die Bestimmungen der Bundesraths-Jnstruktion zur Aus­führung des Reichsviehseuchengesetzes (Reichsges.-Blatt für 1895, Seite 358 ff.) — §§ 58, 59 ff. — sind genau zu

beachten.

Freitag den 21. Januar

den bündigen Erklärungen von deutscher Seite kein halb­wegs verständiger Mensch mehr glauben kann, hat sich eine andere Leidenschaft zu Gunsten der von dem Ministerium sorgiam festgehaltenen Schweigerolle eingestellt, die anti- semimche nämlich, deren Beweismittel für die Schuld des Dreyfus lautet: Schlagt die Juden todt! Läßt sich damit auch in Wahrheit nichts beweisen, so dient doch dieser Anti­semitismus ebenso wie vorher der Chauvinismus dazu, das Voiksgewissen zu ersticken.

Man könnte an den endgiltigen Erfolg dieser auf die Autorität eines RichtersprvcheS gegründeten Vertuschungs- Politik glauben, wenn nicht ein neuer Umstand den Ge- wissensschlaf zu stören drohte. Die Frage lautet jetzt nämlich nicht mehr: Ist Dreyfus mit Recht oder Unrecht, ohne oder mit MtN'chlichem Irrthum der Richter verurtheilt worden, sondern: Ist in dem Prozesse gesetzmäßig verfabren worden oder nicht. Auch der Behauptung, daß der Urtheilkspruch auf Grund von Beweismaterial, das man insgemein nur den Richtern, nicht aber auch dem Angeklagten vorgelegt hatte,

gefällt worden sei, hat die Regierung bisher Schweigen enü

Die Herren Ortsvorstande wollen Vorstehendes sofort gegmgefetzt. Die Angabe hat aber an Glaubwürdigkeit ge-

ortsüblich bekannt machen.

wonnen, einmal nach Vei öffentlichung der Anklageschrift, dann aber durch die Enthüllung der vielen Unregelmäßigkeiten, die im Kriegsmininsterium und im Generalftabe vorgekommen sind. Die Anklageschrift, die ihrer Natur nach geheim und deren Veröffentlichung ohne eine unerhörte Indiskretion nicht mög­lich war, ist so dürftig und beweislos, daß sie den Glauben an ein ungesetzmäßiges Verfahren bestärken mußte. Die Ein braunes Knabenrädchen. gleiche Wirkung übten die Enthüllungen über den innern

Gefunden: Auf der Straße von Wachenduchen "ilrtärischen Dienst in den ZentrJ-Behörden aus; da gibt nach Niederdorfelden eine wollene Pferdedecke; es kein Briefgeheimniß mehr, da werden Haussuchungen ins- Empfangnahme bei Ludwig Grüner I. zu Oberdorfelden. Eine geheim ohne richterlichen Befehl vorgenommen, da wandern Legitimationskarte der Hanauer Ortskiankenkasse für Julius Geheimalten zeitweise an Private, und da spioniren die Offi- Hoppe. Ein farbiger wollener Handschuh (rechter). Ein Paar Ziere gegen einander.

gefütterte Glacehandschuhe. Eine Metzgerschürze.

S»anau am 21. Januar 1898.

Hanau am 20. Janaar 1898.

Der Königliche Landrath

V. 794

Diensüiachrichtcn aus dem Kreise.

Verloren: Am 18. d. Mts. eine neue Mannshose.

nicht in solchem Umfange vorgekommen, daß deshalb derartige neue Maßregeln, wie sie nach dem Erlasse des Grafen Posa- dowsky geplant seien, nothwendig erschienen. Wie weit die Regierung komme, wenn sie den Rathschlägen des Frhrn. v. Stumm folge, das zeige die Entwickelung der Sozialdemo- kratie unter dem Sozialistengesetz, das ja ganz im Stumm- schen Sinne gewesen sei. Herrn v. Stumm, der neulich von blutsaugerischen Agitatoren gesprochen habe, e> innere er an die Strafthaten von Leuten, die seiner Partei nahe gestanden hätten. Die sittliche Entrüstung des Grafen von Posadowsky sei um so seltsamer angesichts der Ergebnisse des Prozesses Lützow, wo sich herausgestellt hätte, daß Polizeiagenten sogar Urkunden fälschten, und daß Minister mit Spitzeln gegen einander arbeiteten. Unter solchen Umständen werde man doch dem „Vorwärts" nicht verübeln können, wenn er von einer Nachricht Gebrauch gemacht habe, die ihm ohne sein Zuthun zugegangen sei. Immer sei die Regierung lediglich Sachwalterin des Unternehmerthums. Die Arbeitgeber rühmten sich beffen, was sie bei der sozialen Versicherung für die Ar­beiter thäten, aber wie viele A-beiter büßten auf dem Schlacht­felde der Industrie ihr Leben oder ihre Gesundheit ein. Der Redner geht ferner auf die Rechtsprechung gegen Arbeiter ein, die er eine skandalöse nennt. Der Präsident Frhr.v. Buol bemerkt, der Redner habe im Laufe seiner Ausführungen wieder Ausdrücke gebraucht, die er unmöglich als parlamen­tarisch zulässig anseheu könne, er rufe ihn daher zur Ordnung. Abg. Fischer bespricht weiter eine Reihe von Richter- sprüchen und schließt mit einem nochmaligen Angriff gegen die Regierung.

Staatsminister Graf Posadowsky betont, wer ge­glaubt habe, daß die Sozialdemokratie sich mausere und im Begriff sei, eine bürgerliche Partei zu werden, den werde die Rede des Vorredners eines Anderen belehrt haben. Wenn

^taöt^veie ^banatu

ÄeiLMtmachun-feu des OLerbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Aus der Leonhard Mager' scheu Stiftung soll den Sta-

der Vorredner sage, daß er, der Minister, nur gegen Arbeiter

An der Spitze derjenigen, die ohne Rücksicht auf die und niemals gegen Unternehmer vorgehe, so irre er. Er, Frage, ob Dreyfus frtmbe Epionendienste geleistet hat oder Redner, wolle aber, damit nicht wieder eine Indiskretion nöthig nicht, Aufschluß über den gesetzmäßigen Gang des Prozesses | werde, gleich hier mittheilen, daß er auch eine Statistik ein-

verlangen, steht der frühere Justizminister Trarieux. Eine andere Frage, die ebenfalls nicht mit btr Berufung auf die res judicata abgethan werden kann, hat der frühere Minister Cavaignoc in der Kammer gestellt, die Frage nämlich, ob nicht ein nachträgliches Geständniß v»n Drryfus vorliege, das nach den Behauptungen der Dreyfusfreunde ebenso ge-

tuten gemäß an einen Dienstboten, der wenigstens 10 Jahre . . . _

bei einer und derselben Familie in der Stadt Hanau gedient fischt sein müßte, wie das bekannte Verznchniß, das das und sich durch Treue, Fleiß und sittliches Betragen ausge- j endige Beweismittel in der Anklageschrift bildete. Die Re- zeichnet hat, eine Prämie verabfolgt werden, welche für dieses 9'" ung hat nur mit knapper Noth dieser Frage in der Jahr 40 Mark betragen wird. 1 Kammer ausweichen können. Sie wird aber wiederkehren

Bewerber um dieselbe haben ihre Dienstzeugnisse nebst| und wahrscheinlich auch in dem Zolaprozeß berührt werden, Gestndebuch bis zum 4. Februar ds. Js. aus dem Rathhause der, wenn es nach den Wünschen des streitbaren Angeklagten

abzugeben.

Hanau am 20. Januar 1898.

Der Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.

geht, ein Riesenprozeß werden wird. Aber auch wenn Mittel

1062

Bekanntmachung.

Durch Beschluß des Stadtraths vom 11. Januar 1898 ist der Zwangsanfchltttz an die Tiefkanalisation für sämmtliche noch nicht angefchloffenen Liegen­schaften der Stadt Hanau, welche an mit Sielen versehenen Straßen liegen, ausgesprochen.

Es sind daher gemäß § 2 des Ortsstatuts, betreffend die Entwässerung der Grundstücke in der Stadt Hanau, seitens der Eigenthümer vorbezeichneter Liegenschaften innerhalb zweier Monate Gesuche und Pläne in vorschriftsmäßiger Form an das städtische Gielbanamt — Langstraße

und Wege gefunden werden, eine umfangreiche Beweisauf­nahme für die alle Einzelheiten der Dr-ysussrage umfassen­den Behauptungen zu verhindern, so ist es doch unwahr­scheinlich, daß das Ministerium Meline mit seinem formalen Standpunkte der Heiligkeit des Richterspruches gegen Dreyfus endgiltig durchdringt.

Nr. 41 — zur Prüfung einzureichen. Hanau am 20. Januar 1898.

Der Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.

1037

Noch immer Dreyfus.

Das französische Ministerium hat sein ganzes Verhalten in der Drepfus-Frage bei jeder einzelnen Wendung, die sie nahm, immer nur von dem einen Gesichtspunkte aus geregelt: Wie können wir vei hindern, daß Licht über die geheime Sitzung des Kriegsraths, in der DreyfuS verunheilt wurde, und das gegen ihn vorgebrachte Beweismaterial verbreitet werde? Und das einzige Mittel, dies Ziel zu erreichen, be­stand immer darin, zu sagen: res judicata, causa finita, die Heiligkeit eines Richterspruches verhindert unS, weiter über die Sache zu sprechen. Diesem Standpunkte kam erst der Chauvinismus zu Hilfe, der sich einredete, Dreyfus sei ein Derräther im Solde Deutschlands gewesen. Da daran nach

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 80. Januar.

Der Reichstag ertheilte heute dem Präsidenten die Er­mächtigung, Seiner Majestät zu Allerhöchstdeffen Geburtstage die Glückwünsche des Hauses zum Ausdruck zu bringen und setzte hierauf in zweiter Lesung die Berathung des Etats für das Reichsamt des Innern fort.

Abg. Frhr. v. Stumm (Reichsp.) führt aus, auch schon im Jahre 1890, bei Jnaugurirung deS Arbeiterschutzes, habe allgemeine Uebereinstimmung darüber bestanden, daß auch gegen den Terrorismus, der auf arbeitswillige Arbeiter von streikenden Kameraden geübt werde, Schutz geschaffen werden müsse. Daß der Wegfall deS Sozialistengcsetzes einen ganz auffallenden Aufschwung der Sozialbemokratiie im Gefolge gehabt habe, sei zweifellos. Gegen den Terrorismus reiche das Strafgesetzbuch nur aus, insoweit eS sich um Mord und Todtschlag handle, aber wegen weniger weitgehender Be­helligungen werde nur auf Geldstrafe erkannt, und das nütze nichts, denn das Geld werde aus der Streikkasse bezahlt. Daß die katholischen Arbeitervereine etwas maßvoller seien als die sozialdemokratischen, gebe er zu. Aber die evangelischen Arbeitervereine kämen zum großen Theil in ihrer Agitation dm sozialdemokratischen sehr nahe. Eine Anzahl evangelischer Geistlicher gebe den Sozialdemokratin an verhetzender Sprache nichts nach.

Abg. Fischer (sozdem.) legt dar, es sei zwar richtig, daß Ausschreitungen bei den Streiks vorkämen, aber sie seien

leiten wolle über Streiks und über dabei vorgekommene Ge­waltthätigkeiten. Nicht wahr sei die Behauptung, daß die Kaiserlichen Erlasse unerfüllt geblieben seien. Was denVer- ^rath des Erlaffes über das Koalitionsrecht der Arbeiter an I den „Vorwärts" anlauge, so glaube er, daß die Sozialde­mokratin selbst gegen Leute in ihren Reihen, die sich eines Vertrauensbruchs schuldig gemacht hätten, unerbittlich seien. Der Redner gibt sodann Details über die Ausschreitungen bei dem Streik in Torgelow, wo organisirte und von Berliner Agitatoren geleitete Ausständige die Seele der Ausschreitungen gewesen seien. Was den Prozeß Tausch und die Vorgänge, die der Vorredner erwähnt habe, betreffe, so habe er nicht einmal die Zeitungen darüber gelesen, aber das sage er: er billige nichts bei Behörden, was sich nicht mit den strengen Gesetzen von Recht und Moral vertrage. In monarchischen Staaten geschehe mehr für die Arbeiter als in den Republiken. Wir hätten einen Schritt gethan, den uns noch keine Re­publik nachgemacht habe: die Einführung einer progressiven Einkommensteuer. Der Redner fordert schließlich alle bürger­lichen Parteien auf, Schulter an Schulter gegen die sozial­demokratische Sturmfluth zu stehen.

Abg. Jörns (natl.) macht Mittheilungen über einen Streik in seinem Wahlkreise am Harz, um den Geist der sozialdemokratischen Gewerkvereine zn kennzeichnen. Letztere hätten versucht, die Arbeitgeber selbst unter ihre Botmäßigkeit zu bringen. Wolle man das verhindern, so bedürfe es solcher Maßregeln, wie der Erlaß des Grafen Posadowsky sie ins Auge fasse. Der Erlaß habe denn auch in seiner Gegend eine günstige Aufnahme gefunden.

Abg. B e ckh (freist Volksp.) beklagt den ungenügenden Vogelschutz.

Staatsminister Graf Posadowsky erklärt, es sei Hoffnung vorhanden, daß die Beschlüsse des internationalen Vogelschutzkongreffes von 1895 bald ratifizirt werden würden. Das sei erst abzuwarten, ehe Sei uns der Vogelschutz ausge­baut werden könne. Jedenfalls sympathistre die Regierung mit den Wünschen des Vorredners. Hierauf wird die Be­rathung abgebrochen.

Nächste Sitzung Freitag 2 Uhr: Fortsetzung der heutigen Berathung.

den

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

-"(Sitzung vom 20. Januar.)

Das Abgeordnetenhaus überwies heute die Rechnung über Staatshaushalt vom 1. April 1894/95 und die Rech