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Amtliches Organ für $taÖf- und LanSKreis Banau.
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Nr. 16
Donnerstag den 20. Januar
^^HWSNKMISLME ' ........M
1898
Amtliches.
^taMRreh ^anau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.
Die Schlachtgebühren im hiesigen städtischen Schlachthause sind vom 1. April 1898 an wie folgt festgesetzt: für 1 Ochsen — 1,80 M.
„ 1 Kuh = 1,00 „
„ 1 Rind — 100 „
„ 1 Schwein = 0,80 „
„ 1 Kalb — 0,40 „
„ 1 Hanmel — 0,40 „
„ 1 Lamm — 0,10 „
Hanau am 4. Januar 1898.
Der Oberbürgermeister
Dr. Gebeschus. 1016
Bekanntmachung.
In Ausführung der Städteordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 4. August 1897 laden wir gemäß § 25 die in der Liste der Stimmberechtigten verzeichneten Wähler zur Theilnahme an den Wahlen der Stadtverordneten hierdurch ein.
Die Wahlen finden wie folgt statt:
Die Wähler der III, Wahlabtheilung wählen vom Montag den 7. Februar bis einschl Samstag den 12. Februar ds. Js. täglich von vormittags 10 Uhr bis mittags 1 Uhr und nachmittags von 4-7 Uhr, und zwar die Wähler, deren Namen mit den Buchstaben A—K beginnt, im mdeten Saale, die Wähler, deren Namen mit den Buchstaben L—Z beginnt, im oberen Saale des Neustädter Rathhanfes;
die Wähler der II. Wahlabtheilung wählen am Montag den 21. Februar ds Js. von vormittags 10 Uhr bis mittags 1 Uhr und nachmittags von 4—7 Uhr im oberen Saale des Neustädter Rathhanses;
die Wähler der I, Wahladtheilung wählen am Freitag den 25. Februar ds.Js., von vormittags 10 Uhr bis mittags 1 Uhr im oberen Saale des Neustädter Rathhauses.
Zur I. Wahlabtheilung gehören die in der Liste der Stimmberechtigten verzeichneten Wähler, welche an direkten Steuern (Staats- und Gemeindesteuer zusammmgerechnet) in der Stadt Hanau mehr als 1190 Mk.,
zur II. Wahlabtheilung diejenigen, welche mehr als 310 Mk. bis einschl. 1190 Mk., und
zur III. Wahlabtheilung diejenigen, welche 310 Mk. oder weniger entrichten.
ifeuiUcton.
Uon der Ausstellung im Kunstverein.
Hanau, 20. Januar.
(„AsraM der Todesengel" von Hermine von Preusch e n.*) — „Ostern von Ernst Hausmann)
AsraÄ — denken wir uns denselben, welcher über das Meer gekommen ist auf schattigen Fittigen der Nacht, träumerisch ruhend auf einem steinernen bemoosten Sarge in einem blühenden Mohnfeld. Dieses Ruhen jedoch ist mehr ein Kauern und Anstarren, denn aus dem Gewirr von rothem Haar verfolgt uns ein wahrhaft teuflisches Auge; dieser Ausdruck in dem Auge des Asrotzl ist der eines Satans, oder vielleicht der emes auf seinem Mammon sitzenden bösen Dämons, oder einer versteinerten Medusa, alles dies und noch viel mehr Unausgesprochenes, aber niemals ein — Asraöl, ein Todesengel.
O du arme unglückselige Menschheit, wenn dir dies Teuselsauge, dies Ungethüm mit den Krallenhänden ein Sinnbild des erlösenden TodeS ist! Würde Hermine von Preu- schen dieses Bild „Unselig", Verdammt", oder „Ohne Trost" genannt haben, so wäre eS Wahrheit gewesen, im anderen Falle jedoch kann es entschieden als „Verfehlt" betrachtet werden. Abgesehen nun von all' dem Besprochenen, ist die malerische Stellung Asroöls von geradezu verblüffender Häßlichkeit. Dieses Jnsichzusammensinken, dieses Herunlerbaumeln der Beine wirkt geradezu abstoßend für den Beschauer und einen Jeden, welcher ein wenig Schönheitssinn hat.
Zu leugnen ist nun keineswegs, daß das Bild auchVw- züge aufzuweisen hat, wie sie leider selten genug bei unseren
*) Leider etwas verspätet.
Jede Wahlabtheitung bat 12 Stadtverordnete zu wählen, von deren mindestens die Hälfte Hausbesitzer sein muß.
Wahlberechtigt und wählbar sind nur diejenigen Personen, welche in der Liste der Stimmberechtigten verzeichnet sind.
Hanau den 11. Januar 1898.
Der Stadtrath:
Dr. Gebeschus.
Der Hebetermiu der Steuern und des Schulgeldes pro IV. Vierteljahr 1897 98 findet vom 1. bis 15. Februar d. Js. statt, — s. Steuerzettel —, nach Ablauf dieses Termins wird mit Mahnung und Zwangsvollstreckung begonnen werden.
Auch schon vor Beginn des Termins können Zahlungen stattfinden.
Zwecks schnellerer Abfertigung bei den Zahlungen wird ersucht, das Geld abgezählt zur Kaste zu bringen.
Hanau den 19. Januar 1898.
Städtische Steuerkasse,
Markt Nr. 16, 977
Zimmer Nr. 5—6 zu ebener Erde.
T a g e s f ch a u.
Won der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Ober Kommando der Marine ist S. M. S. „©tier", Kommandant Koroetten-Kapitän Jacobsen, am 18. Januar von Port au Priuce nach Kap Haiti in See gegangen.
Reorganisation des englischen Heeres. Das englische Werbesyfum thut nicht mehr rechte Dienste und die Beschaffenheit des englischen Heeres verschlechtert sich, wie bei dem indisch-afghanischen Grenzkrieg und im Sudanfeldzug cff-nbar wurde. Die Bemühungen, das Heer zu reorganisiren, dauern fort, wie aus folgender Nachricht erkenntlich wird: London, 19. Januar. Der Ausschuß, welcher mit der Re Organisation des Heer es betr aut ist, hatte in der letzten Zeit mehrere Sitzungen. Es wurde beschlossen, eine Vermehrung des Heeres um 15 000 Mann zu fordern.
Zwei russische Armeekorps. Reben den wichtigen militärischen Personal-Veränderungen anläßlich des russischen Nenjahrstages ist nach einer Petersburger Meldung der „Köln. Zig." unbemerkt vorübergegang-n die Bildung zweier neuer Armeekorps an der deutsch-österreichischen Grenze, in Wilna und Kiew. Die Überraschung sei sehr groß, da Niemand ahnte, daß Rußland, das scheinbar in Asien, England und Japan gegenüber Verwickelungen habe, in Europa eine
„Modernen" vorkommen. Man erneuere sich nur dieses Mohn- feldes in seiner üppigen verschwenderischen Pracht, des Horizontes, wie er schmelzend in den farbenprächtigen dämmernden Himmel übergeht, und vor allem dieses entzückenden RothhaareS, mit dem ganzen Reiz zwischen gold und roth. ES wären noch viele Vorzüge aufzuzählen, was uns jedoch zu weit führen würde, nur wäre es Hermine von Preuschen anzurathen, an Stoffen zu bleiben, denen sie gewachsen ist, denn wer würde ihr Können in Landschaften und Stillleben antasten, wer zweifelte an der künstlerischen Schönheit ihrer großangelegten gigantischen Stillleben und Landschaften!
„Ostern" von Ernst Hausmann-Berlin. „Alsdann wird dein Licht hervorbrecken wie die Morgenröthe", so nennt Hausmann das Mittelbild seiner Trilogie. Ein nebelhaft verschleierter Hintergrund, farbige Sonnenreflexe im Mittelgrund, im Vordergrund ein gemauertes Grab, wo von einem Engel geleitet sich ein Seliger zum Throne Gottes begeben will, links eine Schaar betender Kinder. Vermuthlich will Hausmann hier eine Familie ausdrücken, denn ungefähr fünf kleine Persönchen tragen ein und dasselbe Gesicht. Auch hier finden wir jenes zweifelhafte Licht, welches lebhaft an bengalische Beleuchtung erinnert. Vollständig unklar ist die Unterschrift „Deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen."
Das Bild rechts ist vielleicht das Beste von den dreien, es stellt einen anmutigen betenden Engel dar, der vollständig im zauberischsten Lichte gebadet ist: „Und die Herrlichkeit des Herrn wird dich zu sich nehmen".
Erstaunlich ist, daß der Künstler, welcher früher mit einer kecken Frische genialt, dem das Kräftige so eigen, nun in das Gegentheil verfallen ist, sich dem „Modernen Dunst" in so auffallender Weise zugewendet hat.
Wie wir erfahren, soll dieses Gemälde in nicht allzu langer Zeit von Hanau wegkommen, rnd können wir mirj rathen, sich diese Trilogie nicht entgehen lassen zu wollen, da
derartige Verstärkung seiner Streilkräfte vornehmen werde. Auch die nothwendigen Neubildungen an der Kavallerie und Spezialwaffen seien im letzten Jahre in aller Stille erfolgt.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 19. Januar.
Fortsetzung der Berathung des Gesetzentwurfs betreffend Aenderung der Strafprozeßordnung bezw. des Strafgesetzbuchs (lex Heinze).
Abg. Dr. Höffel (Reichsp.) begrüßt diesen erneuten Versuch, g-wiffen Mißständen entgegenzutreten mit Genugthuung. Redner billigt die Kuppeleiparagraphen und stimmt dem § 182a betreffend Mißbrauch des Dienstverhältnisses durch Arbeitgeber zu.'
Sächs. Geh. Rath Fischer tritt der neuerlichen Behauptung des Abg. Bebel entgegen, daß auf einem vor kurzem in Dresden stattzehabten Kezlerbuudesfest starke Unsittlichkeiten vorgekommen seien.
Abg. B e ck h (freis. Dolksp.) bemerkt, der Entwurf halte Bestimmungen, denen seine Partei nicht zustimmen könnte. Die vom Abg. Spähn erwähnten vielen Ehescheidungen seien ebensowenig wie die Statistik der unehelichen Geburten ein Beweis für zunehmende Entsittlichung. Redner weist entschieden die Vorschläge gegm die Unuttlichkeit auf dem Gebiete der Litteratur und Kunst zurück, und bittet die Vorlage an eine Kommission zu überweisen.
Abg. S a l i s ch (kons.) kann nicht begreifen, wie man sich in so wichtigen Dingen auf eine öde Negation beschränken könne, wie dies Vorredner gethan habe.
Abg. Jskraut (Autisemit) stimmt sämmtlichen Vorschlägen bei Centrumsentwurfs bei und spricht sich gegen das Bordellwesen aus. Er verurtheilt zugleich sehr lebhaft das preußische System, weil dasselbe einerseits die Unzucht strafe, anbererfciti ober die Unzucht schütze, die sich bei der Polizei anmelde. Dasselbe System lasse übrigens die Männer frei ausgehen, welche Unzucht trieben. Schließlich verlangt Redner zu § 181, daß nicht nur die Kuppelei, sondern auch die gewerbsmäßige Unzucht unter schwere Strafe gestellt würde.
Abg. Stören (Ctr.) bedauert, daß die M 184a und b, die er für die wichtigsten hatte, angefochten worden seien, und jetzt könnten schamlose Ruditäten ausgestellt werden, ohne daß Bestrafung erfolgte, w.il nach richterlichem Spruch des Reichsgerichts zur Bestrafung die schamlose Handlung erforderlich sei. Die Ehe sei vielfach ein Geschäft, das komme aber daher, daß vielfach die sittliche Auffassung der Ehe verloren gegangen sei. Hier müsse mit fester Hand eingegriffen werden.
Abg. Lenzmann (freis. Volksp.) legt Verwahrung gegen die Art ein, mit der Abg. Jskraut vor einem auf der Tribüne leid er auch mit Damen besetzten Hause die
besonders das rechte Bild viel schöne malerische Wirkungen aufzuweisen hat. Toby.
Vermischte Nachrichten.
Zehn Regeln für Kopfarbeiter. 1. Wenn man sich keine Zeit nimmt, seinen Körper in dem nothwendigen Maße zu bewegen, so muß man später Zeit haben, krank zu sein. 2. Körper und Geist sind zwei Geschenke Gottes, für deren gute Instandhaltung wir ihm verantwortlich sind. 3. Körperliche Uebungen vergrößern stufenweise unsere physischen Kräfte und geben uns die nothwendige Stärke, um Krankheiten genügenden Widerstand zu leisten. 4. Bewegung ist für den Körper, was intellektuelle Uebungen für den Geist sind; Körper und Geist werden dadurch erzogen und gestärkt. 5. Plato nannte einen Mann lahm, weil derselbe wohl seinen Geist stählte, aber es vernachlässigte seinem Körper die nothwendige Bewegung angedeihen zu lassen. 6. Um einen Erfolg im Leben aufweisen zu können, muß man vor allen Dingen einen gesunden Körper besitzen. Bewegung hilft uns dazu. 7. Körperliche Uebungen helfen dem jungen Manne ein keusches Leben zu führen. 8. Verschiedenartige und nicht zu anstrengende körperliche Uebungen im Verein mit dem Schlaf fördern die Gesundheit des ermüdeten Gehirn besser als alle anderen. 9. Das Eisen rostet, wenn es nicht in Gebrauch genommen wird, und der Körper wird krank, wenn man ihm keine Bewegung angedeihen läßt. 10. Ein Mensch, welcher zu sehr beschäftigt ist, um für seine Gesundheit zu sorgen, ist dem Handwerker gleich zu stellen, welcher zu sehr beschäftigt erscheint, um sein Handwerkszeug in guter Ordnung zu halten.
Scheinbarer Widerspruch. Achter (zum Zeugen): „Was für eine Stellung nehmen Sie bei Ihrem" Meister ein ?" — Zeuge: „Ich bin der Altgeselle." — Richter: „Sind Sie verheirathet?" — Zeuge: „Nein, ich bin Junggeselle."