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Amtliches Organ für StaSt- unö LanSKreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Sinrückung». Sedsthr
für Stadt- und Landkreis Hanau 104* sgrjpalten« Garmond- zeile ober deren Raum, für Auswärts 15 ^
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für
Auswärts 30 ^.
Nr. 15.
Mittwoch den 19. Januar
1898
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. K.
Amtliches.
^anOßret^ ^anaxt.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.
In Altwiedermus, Kreis Büdingen, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrcchen und Gehöftsperre angeordnet worden. Hanau am 19. Januar 1898.
Der Königliche Landrath
v. Schenck.
Dicustnachrichtcn aus dem Kreise.
Verloren: Am 17. ds. Mts. auf der Straße von Wachenbuchen nach Wilhelmsbad eine Mütze nebst Fahrrad- laterne.
Gefunden: Eine Handtasche mit Brod und Wurst. Ein Rosenkranz. Ein evang. Gesangbuch. Zwei Geldstücke (von der Post). Ein schwarzes Kinderrädchen.
Hanau am 19. Januar 1898.
Freiheit der Arbeit.
Durch einen Vertrauensbruch ist der „Vorwärts" in die Möglichkeit versetzt worden, einen vertraulichen Erlaß des Staatssekretärs Grasen v. Posadowsky, betreffend den erhöhten Schutz der Arbeitswilligen, vorzeitig zu veröffentlichen. Dieser Erlaß bildete auch den Kernpunkt in den gegenwärtigen Berathungen über den Etat des Reichsamts des Innern.
Es handelt sich zunächst nur um eine Anfrage an die verbündeten Regierungen, ob nicht angesichts der durch die Arbeiterbewegungen der letzten Jahre gelieferten Erfahrungen eine Erweiterung und Verschärfung der Strafbestimmungen des § 153 der Gewerbe-Ordnung wegen Mißbrauch der Koalitionsfreiheit geboten sei. Damit ist der erste Schritt gethan, um das Versprechen des Kaisers, den Arbeitswilligen kraftvollen Schutz zu leihen, auf dem Wege der Gesetzgebung einzulösen, und dieser Schritt hat in allen vaterlandsliebenden und arbeiterfreundlichen Kreisen freudigste Genugthuung hervorgerufen. Nur die Sozialdemokratie ist durch denselben in Aufregung versetzt worden. Sie macht sich damit zur Fürsprecherin der Ungesetzlichkeit und beweist, wie wenig ihr im Grunde genommen an dem Schutze der bürgerlichen Freiheit gelegen ist. Es ist daS unveräußerliche Recht jedes Menschen, seine Arbeitskraft zu feinem und der Seinigen Nutzen zu verwerthen, und es gibt kein größeres Unrecht, als ihn
daran hindern zu wollen. Geschieht dies trotzdem, so hat der Staat die Verpflichtung, hier kraftvoll schützend einzu- treten.
Das Bedürfniß erhöhten Schutzes der Arbeitswilligen zu leugnen, vermag nur, teer den Erscheinungen bei der Veranstaltung und Durchführung von Streiks i» völliger Unkeunt- niß gegenübersteht oder seine Augen absichtlich verschließt. Wenn von sozialdemokratischen Führern im Reichstage behauptet worden ist, Ausschreitungen seien gar nicht vorgekommen oder der Terrorismus der Streikenden existire nur in Ammenmärchen, so heißt das, den Thatsachen einfach Hohn sprechen wollen. In Wahrheit ist das Einschüchterungssystem bereits in bedenklichem Maße ausgebildet worden. Selbst auf der letzten Versammlung des Vereins für Sozialpolitik, dessen Mirglieder gewiß nicht zu den Feinüen der Arbeiter- koalitionSfreihe't gehören, sah sich Professor Löning genöthigt, auf Grund der bösen Erfahrungen lt ^verflossener Zeit für eine Verschärfung der Strafbestimmungen des § 153 einzu treten. Ein anderer deutscher Universitätslehrer, Professor Ehrenberg in Göttingen, aber ließ sich Ende September vorigen Jahres über die massenhaften und planmäßigen Gewaltthätigkeiten gegen Arbeitswillige während des Hamburger Hase, arbeiterstreiks folgendermaßen vernehmen: „BiS jetzt sin» 315 durch den Streik veranlaßte Strafthaten zur gerichtlichen Aburtheilung gelangt; eine weitere Anzahl schwebt noch, und nach Ueberzeugung von Sachkennern ist die Zahl der wirklich vorgekommenen Gewaltthätigkeiten erheblich größer als die Zahl derjenigen, die zu gerichtlicher Entscheidung gelaugt sind. Von den 315 Fällen endigten 25 mit Freisprechung (zum Theil erst in der Berufungsinstanz); es bleiben also 290 Fälle übrig. Meist handelt es sich dabei um Bedrohungen und Nöthigern gen, vielfach verbunden mit Körperverletzungen, Beleidigungen, Sachbeschädigungen rc., in einer kleinen Zahl war Aufruhr der Gegenstand des Erkenntnisses." Nimmt man hierzu die blutigen Ausschreitungen bei dem Streik der Baggerarbstter in Harburg, He zahlreichen Vergehen während des Ausstandes der Bielefelder und Leipziger Maurer, endlich die traurigen Vorkommnisse der letzten Tage in Torgelow, wo eine mit Knüppeln bewaffnete Horde im Dunkel des Waldes die harmlos von der Arbeitsstätte Heim,kehrenden üderfiel und einen Mann tödtete, hinzu, so kann nur eine bewußte Absichtlichkeit das Bedürfniß verstärkten Schutzes der Arbeitswilligen noch länger in Abrede stellen wollen.
Das Vorgehen der Regierung ist den Interessen des »flichtgetreuen und fleißigen Arbeiters zu dienen bestimmt. Nicht die Koalitionsfreiheit, sondern einzig uud allein ihr Mißbrauch soll getroffen werden. Wer für sich Freiheit in Anspruch nimmt, muß auch die Freiheit seiner Ncbmmcn- schcn zu achten wissen. Nur dadurch erhält man sich, um
mit einem Worte Kaiser Wilhelms des Großen zu sprechen, sein eigenes Recht, daß man die Rechte anderer berücksichtigt und schont.
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Tagesschau.
Von der Marine. Laut telegraphischer Meldung an i bai Oder-Kommando der Marine beabsichtigt S. M. S. 1 „Falke", Kommandant Korvetten-Kapitän Wallmann, am 21. Januar von Auckland nach Sydney in See zu gehen.
Einen Beweis für die Nothlage der deutschen Landwirthschaft liefert die dem preußischen Abgeordneten- Hauie zugegangene „Nachweisung über die Ergebnisse der anderweiten Verpachtung der im Jahre 1897 pachilos gewordenen Domänen". Von 44 neuverpachteten Domänen haben nur 8 einen höheren Pachtzins erzielen können, und 'von diesen 8 wiederum nur 2 eine namhafte Erhöhung, die in dem einen Falle durch „lebhafte Konkurrenz im Bietungs- termine* begründet ist. Alle andereu Domänen haben einen zum Theil beträchtlichen Rückgang des Pachtzinses zu verzeichnen. Der Durchschnittspachtpreis des Hektars betrug sonst 40*/» Mk., jetzt noch nicht 33*/i Mk.
Schiffe, nichts als Schiffe! wehklagt bei der Nachricht, day nun auch die Hamburg-Amerika-Linie den ost- | asiatischen Dienst aufnehmen will, die „Köln. Volksztg." mit ■ dem urkomischen Entsetzen, das die brave Henue empfindet, ' wenn bai von ihr ausgebrütete Entlein verwegen ins Wasser i hüpft. „Schrecklich!" ruft dazu mit berechtigtem Spotte die „Magdeb. Ztg." „Zu sehen, wie die deutsche Seeschiffahrt von Jahr zu Jahr sich vermehrt, wie unsere deutschen Werften i immer mehr sich entwickeln und wie unsere deutschen Rhede- rrien mit wachsendem Erfolge bemüht sind, den Verkehr von ;ben englischen und französischen Linien abzulenken, ist auch wirklich gar zu schrecklich. ES fuhr sich so gemüthlich in den Thurn- und Taxis'schen Postkutschen; und heute ? Lokomotiven, nichts als Lokomotiven! Sogar königlich preußische und kaiserlich deutsche Lokomotiven! Wo soll das noch hinaus?
Vom Rothen Kreuz. In der Sitzung des Zentralkomitees der D-utscheu Vereine vom Rothen Kreuz, welche am 10. d. M. unter Leitung des Vorsitzenden, Vize-Ober- Zeremonienmeisters B. von dem Knesebeck in Berlin statt- fand, kamen nach Erledigung lausender geschäftlicher Mittheilungen svlgende Gegenstände zur Verhandlung und Be- schlußfaffung. Dem Badischen Landesverein wurde zur Be- ! schaffung von Unterrichtsmitteln und Ausrüstungsstücken für die Sanitätskolonnen der Betrag von 2000 Mk. als Beihilfe bewilligt. Die Beziehungen des Zentralkomitees zu dem Deutschen Samariterbund bezw. den Samaritervereinen wurden einer eingehenden Erörterung unterzogen und die betreffenden Vorschläge der zur Prüfung bei Antrags des Deutschen SamariterbundeS eingesetzt gewesenen Kommission
Kleines Feuilleton.
Aus Kunst und Leben.
Die Feststellung beginnender Tuberkulose mit Röntgen'schen Strahlen. Trotz der vielen Versuche, die mit theilweisem Gelingen mittelst der neuen Strahlenart in der Medizin gemacht worden sind, sind diejenigen weitaus am bedeutsamsten, über welkte neulich Kelich und Boinon aus Lyon vor der Pariser Akavemie der Medizin Mittheilung gemacht haben. Es handelt sich um die frühzeitige Feststellung von vorhandenen Tuberkeln, deren Bedeutung für das Schicksal des Menschen eine so furchtbare ist. Die genannten Aerzte haben seit Monaten die Brust junger Leute mit dem Radioskop untersucht, es wurde dabei der Patient ausschließlich von der Rückseite des Rumpfes her beschaut, weil diese ein klareres Bild gestattet als die Vorderseite. Die Aerzte schildern dieses Bild, welches der Brustkorb des Menschen aus dem Kaliumcyanür-Schirm gibt, als ein geradezu ergreifendes, alles lebt und bewegt sich auf demselben. Beim gesunden Menschen erscheinen die Lungen von oben bis unten durchsichtig, man sieht die Athembewegung an dem Heben und Senken der Rippen, man erkennt daS Klopfen des Herzens, die Krümmung der Aorta sowie die Bewegung des Zwergsells, daS bei der Ausathmung bis zur sechsten Rippe steigt und sich bei der Einathmung bis zur achten oder neunttn senkt, also bei jedem Athemzuge 8 bis 10 Cmtimeter verschoben wird und an die Bewegung einer mächtigen Pumpe erinnert. Nachdem die Aerzte durch fortgesetzte Beobachtungen in diesem Bilde des Brustkorbes zu lesen gelernt hatten, bemühten sie sich, die Anzeichen tuberkulöser Erkrankung darin zu entdecken. Die Untersuchungen erstreckten sich auf 124 Personen, die wegen verschiedener Anfälligkeiten in das Krankenhaus ausgenommen waren, bei denen aber mit den
gewöhnlichen Mitteln eine tuberkulöse Erkrankung der Langen nicht zu erkennen war. In 51 Fällen wurden verschiedene Abweichungen von dem normalen Zustande der Lungen wahr- genommen, und zwar: eine Verminderung der Durchsichtigkeit einer oder beiden Lungenspitzen, mehr oder mindere Undurch- sichtigkeit des Brustfells, g ößere aber geringere einseitige Verringerung der BewegungShöhe des Zwergsells, anormale Zustände der Luftbläschen auf einer Seite oder auf beiden. Da die Lungenspitzen, die Endigungen der Luftröhre und das Brustfell vorzugsweise den Herd der Tuberkulose bilden, so schloffen die Forscher, daß die angegebenen B-obachtuugen über Veränderungen dieser Organe als Zeichen eines frühen Stadius von Tuberkulose anzusehen sind, zu dessen Entdeckung eS bisher kein Mittel gab. In 5 Fällen wurden bei den so untersuchten Personen später durch die Sektion thatsächlich tuberkulöse Zustände entdeckt. Im Vertrauen auf die Zuverlässigkeit solcher Beobachtungen stimmten die anwesenden Mitglieder der Akademie darin überein, daß die frühzeitige Diagnose tuberkulöser Lungenerkrankung der werthvollste Dienst wäre, den die Röntgen'schen Strahlen der Heilkunde bisher geleistet hätten. Es wurde zugleich auf die hohe Bedeutung hingewiesen, den diese Art der Untersuchung bei der Musterung der Rekruten haben müßte, da sich häufig der Keim der Schwindsucht während des Militärlebens durch die vielerlei Anstrengungen des Körpers entwickeln und dann weiter verbreiten kann. Da tuberkulöse Personen oft ein blühendes Aussehen haben, so war eine Ausscheidung der Lungenkranken bei der Musterung bisher nicht durchzu- führen.
Eine Nachricht von Andrer? Einer in Stockholm eingelaufenen Nachricht zufolge ist vor längerer Zeit in Britisch-Kolumbien von mehreren glaubwürdigen Personen ein Ballon beobachtet worden. Man wird auch diese Nachricht mit Vorsicht aufnehme« müssen und sich dabei erinnern, daß
schon einige Male, bald nach Andree's Aufstieg, gerade aus Britisch - Ikordamerika Nachrichten über angeblich gesehene Ballons gebracht wurden. Sonderbar wäre in diese» Falle, daß der Ballon so weit landeinwärts getrieben sein sollte, ohne daß es den Luftschiffern gelungen wäre, eine Landung zu bewerkstelligen. Der Oursuelle-See, in dessen Nähe der Ballon beobachtet worden sein soll, liegt an einem gleichnamigen Zufluß des FraseuflusseS, »er, vom Felsengebirge kommend, bei der bekannten Hafenstadt Vancouver mündet. Vom Großen Ocean liegt der See etwa so weit wie Frankfurt a. M. von der Nordsee, vom nördlichen Eismeer fünfmal so weit entfernt.
Sei gegrüßt, du Heldenwiege, Land der Milde, Land der Kraft! Stets erringe neue Siege, So im Frieden, so im Kriege, Durch den Geist, der in dir schafft!
Wohl ergeh' es deinen Stämmen, Die ihr freies Feld bebau'n, Von der Alpen wilden Kämmen Zu der Marschen letzten Dämmen Gott mit allen deutschen Gau'«!
Er behüte deine Masten, Die auf schwanker Woge geh'n! Wo die fernsten Schiffe rasten, Einzutauschen fremde Lasten, Laß auch deine Wimpel weh'n!
Ruhm bedecke deine Heere,' Deiner Marken trutz'gen Wall! Hort des Friedens, Hort der Ehre, Durch die Länder, durch die Meere Gehe deines Namens Schall!